Anmelden

Windkraft – Konventionelle

 

Quelle: Achmed A. W. Khammas (Buch der Synergie)

WINDENERGIE – Ausgewählte Länder

Ägypten

Im Sinne einer langfristigen Vorsorge für eine umweltgerechte Energieversorgung und die Vermeidung von Versorgungsengpässen beschließt die ägyptische Regierung 1982 ein Programm zur Erforschung und Erschließung regenerativer Energiepotentiale. Seit 1983 soll es lokal hergestellte Kleinstanlagen bis 5 kW geben, die meist für Bewässerungszwecke eingesetzt werden. Ein Ausbau zu 10, 50 und 100 kW-Anlagen für die Stromversorgung war geplant.

1986 wird als Teil des Energieministeriums die New and Renewable Energy Authority (NREA) gegründet. Ziel ist es, bis 2010 rund 3 % der nachgefragten Energie aus regenerativen Quellen bereitzustellen. Im Rahmen eines Windenergie-Messprogramms stellt man fest, daß insbesondere entlang der Küste des Roten Meeres aufgrund hoher durchschnittlicher Windgeschwindigkeiten ausgesprochen günstige Standortgegebenheiten für Windparks bestehen, das Potential dort wird auf etwa 3.000 MW geschätzt.

Ebenfalls im Jahr 1986 informiert das Energieministerium, daß ein gewisser Brigadier Samir Wali zukünftig das ‚Büro des Verteidigungsministeriums für Erneuerbare Energie’ leiten wird. Neben der Solar-Forschung sind in Mersa Ma’tah 5 Windturbinen mit insgesamt 1 MW Leistung geplant. Ende 1986 errichtet die Firma MBB eine 25 kW Anlage vom Typ ,Monopteros’ 15 (Einblatt-Rotor), deren Energie der Entsalzung von Meerwasser dienen soll. Dabei sollen täglich über das Reverse-Osmosis-Verfahren etwa 25 Kubikmeter Süßwasser anfallen. 1988 wird eine 400 kW Anlage in Ras el Gareb am Golf von Suez gebaut – die Kosten von 1,5 Mio. $ trägt das USAID-Programm. Es wird ferner ein Plan vorgestellt, bis zum Jahr 2000 insgesamt 3.000 Windkraftwerke zu installieren, die etwa 15 % des Strombedarfs Ägyptens decken würden. Tatsächlich sind zu diesem Zeitpunkt erst 5 MW installiert.

Neben einem Versuchswindpark in Hurghada entsteht an der Küste des Roten Meeres, 120 km südlich von Suez, in mehrjähriger deutsch-dänisch-ägyptischer Kooperation der Windpark Zafarana. Mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von fast 10m/s bestehen hier fast Offshore-Bedingungen, die einen guten Jahresertrag erwarten lassen. Wegen den extremen Bedingungen werden die Windenergieanlagen speziell auf das ägyptische, heiße Wüstenklima mit Sandstürmen und zeitweise sehr feuchter, salzhaltiger Luft vorbereitet. Dazu gehören hitzeresistente Steuerungsmodule, spezielle Abdichtungen gegen Sandeintritt und eine Reinigung der Rotorblätter mehrmals im Jahr.

Von den deutschen Windenergieanlagen-Herstellern Nordex und Vestas Deutschland werden Anlagen mit einer Gesamtleistung von 80 MW errichtet. Das erste Teilprojekt mit 55 Einzelanlagen und einer Gesamtleistung von 33 MW wird 2001 offiziell eingeweiht, die zweite und dritte Ausbaustufe mit insgesamt 47 MW (71 Einzelanlagen) soll Ende 2004 in Betrieb gehen. Das Finanzierungsvolumen beträgt rund 74 Mio. €. In das nationale Netz werden dadurch ca. 300 GWh elektrische Energie pro Jahr eingespeist. Nach Fertigstellung der vierten und letzten Ausbaustufe in Höhe von rund 75 Mio. € wird das Projekt eine Leistung von 160 MW haben.

Windpark Zafarana

Windpark Zafarana

Mit den Mitteln für Entwicklungshilfe werden außer dem eigentlichen Windpark auch Maßnahmen zur Netzanbindung (Bau und Erweiterung von Umspannstationen sowie Installation einer Übertragungsleitung) finanziert.

Ende 2002 stocken nach der Installation der ersten 50 Anlagen vom Typ 600 kW Nordex Borsig die Bauarbeiten an einem KfW-finanzierten 63 MW Windpark mit seinen 105 Anlagen zwischen Zafarana und Hurghada. Die ursprünglich geplante Beteiligung des privaten Sektors war durch neue Gesetze extrem erschwert worden.

2005 wird ein Windatlas veröffentlicht, der geeignete Standorte für Windparks ausweist. Die besten Bedingungen herrschen dem zufolge am Golf von Suez, wo Windanlagen mit einer Leistung von 20.000 MW aufgestellt werden könnten. Die dort als durchschnittlich geltende Windgeschwindigkeit von 10,8 m/s liegt deutlich höher als an der Nordseeküste.

Von tatsächlichen Umsetzungen hört man erst einmal nichts. Laut den offiziellen Satistiken beträgt die installerte Windenergieleistung 2005 rund 145 MW, und 2006 sollen es sogar schon 230 MW sein.

Im Januar 2008 berichtet die ägyptische Zeitschrift al-Ahram, daß der Oberste Rat für Energiefragen des Landes bereits im April 2007 einen Plan vorgelegt habe, mit dem die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen in den nächsten Jahren stark ausgebaut werden soll. Im Jahr 2020 sollen diese 20 % des Gesamtbedarfs decken – wobei 12 % von Windenergieanlagen übernommen werden sollen (deren Leistung zu jenem Zeitpunkt 7.000 MW betragen müßte). Wieder einmal heißt es: „Der Privatsektor solle nach dem Plan eine aktive Rolle übernehmen, der entsprechende gesetzliche Rahmen dafür wird derzeit geschaffen.

Anfang 2008 stehen Ägypten Windkapazitäten von 230 MW zur Verfügung und in den nächsten Monaten sollen weitere 80 MW hinzukommen. Verträge für zusätzliche 240 MW sind bereits unterschrieben.

Äthiopien

Im Oktober 2008 berichten die Blogs, daß die Ethiopian Electric Power Corporation (EEPCo) einen 210 Mio. € Vertrag mit dem französischen Windturbinenhersteller Vergnet aus Ormes bei Orléans abschlossen habe, bei dem es um die Lieferung von 120 Stück extrem leicht gebauter 2-Blatt Anlagen mit jeweils 1 MW Leistung für den ersten Windpark des Landes geht. Dieser soll in Ashegoba, in der Region Mekele im Norden des Landes, errichtet werden.

Die Auslieferung der ersten 30 Anlagen, deren Gondeln bei drohenden Wirbelstürmen zügig zu Boden gezogen werden können, erfolgt 2009, abgeschlossen werden soll das Projekt im Jahr 2011. Es wäre damit das größte südlich der Sahara und würde die Stromkapazität des Landes (derzeit 814 MW, zu 99 % durch Wasserkraft erzeugt) um 15 % steigern. Die Finanzierung erfolgt über zwei Kredite der French Development Agency und der BNP Paribas Bank.

Afghanistan

Panjshir Valley Windfarm

Aus Afghanistan berichtet nicht die westliche Presse – sondern der arabische Sender Al-Jazeera: Im November 2008 präsentiert er in seinem englischen Programm einen Beitrag über den ersten (sehr kleinen) Windpark des Landes im Panjshir-Tal. Dort haben weniger als ein Viertel der Menschen Elektrizität, während die Windbedingungen ausgesprochen gut sind.

Auf einem Hügel, der noch immer mit Hunderten von Landminen aus dem Sowjetisch-Afghanischen Krieg gespickt ist, wird ein 100 kW Windpark errichtet, der allerdings nicht für die Bevölkerung bestimmt ist, sondern das neue Büro des Gouverneurs mit Strom und Heißwasser versorgen soll. Die US-Regierung finanziert das Ganze mit 1 Mio. $.

Argentinien

Obwohl das Land seit über 100 Jahren die bekannten Farmwheel-Windräder kennt und einsetzt, wird erst 1994 in der südlichen Provinz Chubut der Antonio Moran Windpark gegründet, dessen anfänglich zwei Windgeneratoren eine kleine Stadt versorgen.

Ende 1998 besitzt das Land bereits 12 MW Windstrom und die Pläne sehen vor, bis 2010 insgesamt 3.000 MW erzeugen zu können, was rund 7 % des Gesamtstrombedarfs entsprechen würde.

Neue Informationen aus Argentinien gibt es erst wieder im Jahr 2008. Im Februar wird bekannt, daß in Buenos Aires das erste Gebäude mit einer Windkraftanlage auf dem Dach errichtet wurde. Es wird Cefira genannt, nach dem Windgott Cefiro, und besitzt einen ,IV 4500’ Windgenerator des argentinischen Unternehmens Invap, der 4,5 kW leistet – ausreichend für den Bedarf der öffentlichen Flächen des 8-stöckigen Gebäudes aus dem Architekturbüro von Mariani-Perez Maraviglia. Den Auftrag dazu erteilen zwei jungen Unternehmensgründer, Francisco Moreno Ocampo und Franco Tocagni, die sich mit nachhaltigen Projekten in Patagonien und Buenos Aires beschäftigen.

Das Gebäude besitzt neben einer besseren Isolation eine passive Sonnenenergie-Nutzung sowie intelligente Licht- und Klimasteuerungen.

Antonio Moran Windpark

Antonio Moran Windpark

Im Juli 2008 wird bekannt, daß Río Negro und Neuquén, zwei der südöstlichen Provinzen, gemeinsam mit dem Science and Technology Department der Verwaltungen von Cutral-Có und Plaza Huincul beschlossen haben, eine eigene Windturbine ‚Eolis-15’ zu entwickeln, die von der Firma Invap designt wird. Man rechnet dafür mit Entwicklungskosten von 15 Mio. $ und einem Zeitrahmen von 3 Jahren. Die Anlagen sollen 1,5 MW leisten und 80 m hoch werden.

Oktober 2008. Der Antonio Moran Windpark (Comodoro Rivadavia) gilt inzwischen als der größte Südamerikas, seine 26 Windkraftwerke liefern jährlich über 60 Mio. kW/h. Er scheint von einer Volkskooperative betrieben zu werden.

Eine Studie des US Commercial Service bestätigt, daß die Windgeschwindigkeiten im Norden Patagoniens 7,2 – 7,8 m/s betragen, während im Süden, dem Standort des Antonio Moran Windparks, sogar 9 – 11,2 m/s herrschen. Neben Chubut erweisen sich Santa Cruz und Tierra del Fuego als besonders gut geeignet.

Australien

Auch in Australien werden über ein Jahrhundert lang die Farmwheel-Windmühlen zum Bewässern, zum Tränken der Herden und später zur Stromerzeugung genutzt.

In der neueren Zeit besteht eine relativ frühe standardisierte Produktion von 2 kW Windgeneratoren mit Batterie-Speichern. Die Preise dafür liegen 1973 umgerechnet zwischen 20.000 und 35.000 DM.

H. Outred und A. Blakus von der University of New South Wales legen 1983 ein Energiekonzept vor, demzufolge 8.000 dezentrale 55 kW Windkraftanlagen die Stromversorgung Tasmaniens sichern könnten.

Da Australien über kein flächendeckendes Stromnetz verfügt, ist man hier besonders an Diesel-Wind-Systemen interessiert. 1993 werden sieben Vestas-Anlagen im westaustralischen Esperance angeschlossen, und im Zentrum des Landes, in Cooper Pedy, geht eine erste 225 kW Anlage ans Netz.

1997 werden auf Thursday Island an der Nordspitze von Queensland zwei, und auf King Island zwischen Australien und Tasmanien weitere drei 225 kW Windkraftwerke errichtet. Größere 600 kW Anlagen sind für Newcastle und Cromwell geplant.

2005 soll in Emu Downs, nördlich von Perth, für 180 Mio. $ ein 80 MW Windpark mit 48 Turbinen errichtet werden, um die weltweit größte Entsalzungsanlage zu versorgen, die mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben wird.

Im August 2006 wird der Startschuß für den bislang größten australischen Windpark am Mt. Gellibrand, in der Nähe von Colac, gegeben. Das Projekt, in dem 116 Windturbinen insgesamt 232 MW Strom erzeugen werden, soll 380 Mio. $ kosten.

Windkraftanlage mit Luftkondenser und Speichertank

Max Water

2007 überschlägt sich die Presse mit Meldungen über ein neuartiges Konzept, bei dem Windkraftwerke gleichzeitig auch Wasser aus der Atmosphäre absorbieren. Unter dem Namen Max Water soll die Innovation von Dr. Max Whisson der Luft ihren Wasserdampf entziehen, indem die Rotorblätter von einem Kältekompressor gekühlt werden und ihrerseits wiederum die durchströmende Luft kühlen, sodaß der Wasserdampf kondensieren und anschließend gesammelt werden kann. Der in West Perth lebende Whisson arbeitet bereits seit 2003 an seinem System, gleichzeitig konzipiert er auch Systeme zur solaren Meerwasser-Entsalzung.

Aufgrund der Wichtigkeit dieses Systems für die autonome Wasserversorgung mittels Windkraft verlinke ich hier zu dem entsprechenden Europapatent.

Im August 2008 werden Pläne für die größte Windfarm der südlichen Hemisphäre bekannt. Die Coopers Gap Wind Farm soll mittels ihren von 252 Windturbinen produzierten 500 MW ab dem Jahr 2011 insgesamt 32.000 Haushalte versorgen können. Die Anlagen werden 80 m hoch sein, die Rotorblattlänge beträgt 50 m. Das Finanzierungsvolumen des Projektes beträgt 1,2 Mrd. US$, die Entwickler sind die Investec Bank (Australia) Ltd. und das Unternehmen Windlab Systems Pty Ltd.

Im selben Monat wird ein weiterer Plan veröffentlicht: Ebenfalls von der Investec Bank (Australia) Ltd. finanziert will das östlich von Perth gelegene Merredin Shire Council eine Windfarm errichten, die sogar 160.000 Haushalte versorgen kann. Die Collgar Windfarm soll 600 Mio. US$ kosten und in Kooperation mit der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) und der Windlab Systems Pty Ltd. umgesetzt werden.

Die 127 Windkraftanlagen der Collgar Windfarm, die 25 km südöstlich von Merredin entstehen wird, werden bis zu 900.000 MWh pro Jahr erzeugen. Als Bauzeit werden 18 Monate veranschlagt.

Wie im Oktober 2008 verlautet, sollen in Australien aber auch schon bestehende Windparks erweitert werden. Die Stadtverwaltung von Albany beschließt beispielsweise, die Verve Energy Windfarm in Westaustralien mit einer Investition von 26,7 Mio. US$ auszubauen. Dabei werden zusätzlich zu den bereits im Einsatz befindlichen 12 Windrotoren weitere 6 Stück neu errichtet. Diese werden 2010 den Betrieb aufnehmen, womit der Windpark etwa 80 % des städtischen Strombedarfs decken kann.

Das hier abgebildete Foto eines Windparks in Südwest-Australien stammt übrigens vom Lektor dieser Seiten, meinem auf den Salomonen wohnenden Freund, dem Fotografen Richard Majchrzak.

Im Dezember 2008 unterzeichnet der spanische Windkraftanlagen-Hersteller Union Fenosa einen Vertrag über mehr als 1,9 Mrd. US$, bei dem es um die Errichtung von fünf Windparks in Victoria sowie zwei in New South Wales geht. Geplant sind in der ersten Stufe 130 MW bei Ryan Corner (68 Anlagen) und 60 MW in Hawkesdale (31 Anlagen), beide in der Nähe von Moyne Shire im Westen Victorias, sowie 92 MW in Crookwell (46 Anlagen) in New South Wales. Diese drei Farmen können insgesamt 186.000 Haushalte versorgen.

Die zweite Stufe umfaßt dann Windfarmen, für die derzeit noch passende Standorte in Tarrone, Berrybank und Darlington gesucht werden. Das letzte der sieben Projekte soll anschließend in Paling Yards, ebenfalls in New South Wales, realisiert werden. Die Finanzierung wird von der staatlichen Organisation Austrade übernommen. Mit diesen Projekten, die 2013 abgeschlossen sein sollen, werden sich Australiens Windenergiekapazitäten von derzeit 824 MW (Stand: Ende 2008) um weitere 850 MW mehr als verdoppeln.

Nicht vergessen werden darf an dieser Stelle das Aufwindkraftwerk, das für Mildura geplant wird (s.d.).

Bahrain

Hochhaus-Rotoren Grafik

Hochhaus-Rotoren

Im März 2004 wird bekannt, daß auf der Insel Bahrain das erste Hochhaus mit drei integrierten Windturbinen gebaut werden soll. Das Bahrain World Trade Center wird aus zwei Türmen von jeweils 240 m Höhe bestehen, zwischen denen in 60, 98 und 136 m Höhe drei 225 kW Rotoren von jeweils 29 m Durchmesser als Brückenkonstruktion angebracht sind. Man rechnet damit, das dadurch etwa 11 – 15 % des Energieverbrauchs des Gebäudes gedeckt werden kann.

Tatsächlich erfolgt die Installation der Turbinen der dänischen Firma Norwin bereits im März 2007 – zunächst zu Versuchszwecken, während die endgültige Integration dann im März 2008 erfolgt.

Inzwischen ist das Bauwerk fertig und gilt als eines der ersten weltweit, bei denen die Windkraft in die Architektur integriert ist – wenngleich mehr zu ästhetischen Zwecken. Über weitere Entwicklungen auf diesem Sektor berichte ich in einem eigenständigen Kapitel Windenergie und Architektur.

Belgien

Bereits 1841 erhält der Belgier Nollet ein Patent für einen Windgenerator.

1996 patentiert Georges Gual in Belgien einen Senkrechtachser, der stark an ein liegendes Wasserrad erinnert. Er besteht aus einem feststehenden Stator, dessen Schaufeln den Wind ausrichten, und dem sich drehenden Rotor im Inneren des Stators.

Eolice Windenergieanlage

Eolice

Das Unternehmen Gual Industrie in Rivesaltes beginnt ab 1999 mit der Vermarktung des StatoEolien, von dem behauptet wird, daß er sogar während eines Hurrikans schadlos weiterarbeiten würde.

Im September 2008 gewinnt das deutsche Unternehmen Nordex seinen ersten Auftrag aus Belgien. In den beiden Folgejahren wird die Firma 22 Großturbinen der Baureihe N100/2500 an Air Energy liefern, den größten Windparkentwickler in Belgien. Errichtet werden die für das Binnenland optimierte Anlagen hauptsächlich in verschiedenen Projekten in Wallonien, wo moderate Windgeschwindigkeiten zwischen 6 und 7 m/s herrschen.

Der Auftragswert beträgt rund 73 Mio. €, daneben schließen Nordex und Air Energy auch Premium-Serviceverträge über eine Laufzeit von jeweils zehn Jahren ab.

Unter dem Label ‚Eolice’ stellt das belgische Unternehmen TM Industry SPRL in Villers-le-Bouillet kleinere Anlagen zwischen 0,5 kW und 20 kW her. In dieser Größe und auf einem 18 m hohen Mast kostet eine Windkraftanlage rund 40.000 €.

Bulgarien

Nachdem 2006 die Pläne der spanischen Firma Preneal zur Errichtung eines Windparks in der Nähe der Stadt Dobrich aufgrund des Verbots durch die Stadtverwaltung nicht realisiert werden konnten,  meldet die Presse Mitte 2007, daß nun das deutsche Energieunternehmen WPD 38,2 Mio. € in das 32,5 MW Projekt investieren will. Da ich keine weiteren Informationen darüber gefunden habe nehme ich auch diesmal an, daß es nicht verwirklicht wurde.

Das griechische Unternehmen Alpha Grissin Infotech (das 2007 gemeinsam mit der Deutschen Bank die auf Erneuerbare Energie spezialisierte Deutsche Aeolia gegründet hat) informiert im Mai 2008 darüber, daß man bereits Ende des Jahres mit dem Bau eines 400 MW Windparks in Bulgarien starten wird, der rund 440 Mio. € kosten soll.

Im August 2008 beginnt Bulgariens erster Windpark damit, seinen Strom ins Netz einzuspeisen. Errichtet wird der 35 MW Park an der Schwarzmeerküste von der Kaliakra Wind Power AD (KWP), wobei das japanische Unternehmen Mitsubishi Heavy Industries, Ltd. (MHI) die Koordination übernimmt und sich gemeinsam mit der bulgarischen Firma inos Ltd. auch an dem Betrieb beteiligt.

Die Windkraftwerke leisten jeweils 1 MW und sind von MHI in Nagasaki und Yokohama hergestellt worden.

Mitsubishi-Windkraft-Anlagen in Bulgarien

Mitsubishi-Anlagen in Bulgarien

Im Dezember 2008 folgt die Unterzeichnung eines langfristigen Vertrages zwischen der nationalen bulgarischen Elektrizitätsgesellschaft und der amerikanischen AES Geo Energy (Tochter der AES Corp.) bei dem es um die Errichtung und den Betrieb einer 156 MW Windparks in Kavarna geht.

Die St. Nikolas Windfarm soll mit 52 Vestas-Turbinen bestückt werden. Von den Gesamtkosten in einer Höhe von 270 Mio. € werden 198 Mio. € durch ein Geberkonsortium unter der Federführung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung übernommen.

Ein weiteres Projekt am Schwarzen Meer wird gemeinsam mit dem österreichischen Energieversorger EVN angegangen.

Im Februar 2009 wird bekannt, daß nun auch der US-Konzern General Electric in Bulgarien investieren will. Geplant ist ein 500 MW Windpark nahe der Stadt Mirkovo, rund 60 km östlich von Sofia, dessen Kosten auf  800 Mo. € geschätzt werden.

Auch die schweizerische Energiefirma Alpiq will 80 Mio. € in einen 50 MW Windpark investieren, der nahe der Stadt Kazanluk in der Mitte Bulgariens errichtet werden soll.

Zu diesem Zeitpunkt erzielt das Land insgesamt 70 MW aus der Windkraft, was etwa 1 % des Gesamtstromverbrauchs entspricht.

Chile

Ende 2008 schließt das internationale Energieunternehmen Mainstream Renewable Power ein joint venture mit der Andes Energy im Wert von 1 Mrd. $. Die gemeinsame Tochter Andes Mainstream SA soll sich mittelfristig mit der Errichtung einer 400 MW Windfarm in Chile beschäftigen.

Schon 2010 in Betrieb gehen soll der 35 MW Laguna Verde Windpark in der Region Valparaiso.

China

China hat eine weit zurückreichende Geschichte bei der Ntzung von Windmühlen, so wurde z.B. die Wasserversorgung der Küstengegenden in Südost-China über eine lange Zeit hinweg fast ausschließlich mit Windkraft betrieben.

In der in Liaoyang, Provinz Liaoning, freigelegten Han Grabstätte fand man Wandgemälde, die den Gebrauch von Windmühlen in China seit der östlichen Han-Dynastie (25 – 220 n.Chr.) belegen, also seit rund 1700 Jahren.

Seit der Ming-Dynastie (1368 – 1644) benutzten die Chinesen Windmühlen, um Wasser zu pumpen und um industrielle und landwirtschaftliche Nebenprodukte zu erzeugen. Im Jahr 1959 gab es in der Jiangsu Provinz noch mehr als 200.000 arbeitende Windmühlen.

In der Mongolei herrschen so gute Windverhältnisse, daß es Mitte der 1980er Jahre schon über 10.000 kleine Windgeneratoren gibt, die den dortigen Hirtenvölkern Strom zu Beleuchtungszwecken und für den Rundfunkempfang liefern. Inzwischen sollte sich diese Zahl entsprechend erhöht haben.

1995 beschließt die chinesische Regierung ein Landesprogramm für Windkraft mit dem Ziel, 1.000 bis 2.000 MW Leistung zu erreichen. Neben der Errichtung von drei großen Windparks soll auch die einheimische Produktion großer Windkraftanlagen gefördert werden.

1997 beträgt der Zuwachs an installierter Leistung 67 MW.

1998 gründet deutsche Nordex AG das Joint-venture Xi’an Aero Engine Co. und stellt in Yingkou, in der östlichen Küstenprovinz Liaoning bis 2000 insgesamt 31 Windkraftanlagen vom Typ N 43 (60 m hoch) mit einer Leistung von je 600 kW sowie vier Anlagen vom Typ N 60 (1.300 kW) auf. Damit erreicht der Windpark eine Gesamtleistung von rund 24 MW.

Nach einer Lücke in der Chronologie geht es mit dem Jahr 2006 weiter, als während der im Juni sattfindenden Wind Power Asia Exhibition das Konzept eines riesigen Maglev-Senkrechtachsers mit 1 GW Leistung vorgestellt wird. (s.d.).

China gibt 2006 auch bekannt, daß es bis 2020 mindestens 30.000 MW Windkraftkapazität installieren will.

Folgerichtig erlebt das Land schon 2007 einen enormen Boom der Windenergie. Bis zum Jahresende werden rund 6.000 MW an Leistung installiert, was einem Zuwachs um 3.400 MW entspricht. Das Plansoll der Regierung für 2010 hatte eigentlich nur 5.000 MW geheißen, wird später aber auf 8.000 MW erhöht. Doch auch dieses Ziel wird aller Voraussicht nach übererfüllt.

Die Branche rechnet im September 2007 damit, daß China in drei bis fünf Jahren zum größten Markt für Windenergie werden könnte – oder noch schneller, wenn die Reform der staatlichen Unterstützungen gelingt. Im November meldet die Presse, daß vermutlich zum Jahresende die 5.000 MW Grenze überschritten wird, womit sich die installierte Leistung in diesem Jahr fast verdoppelt hat. Das Planziel wird damit bereits drei Jahre vor der Zeit erreicht.

In einem auf der Shanghai Windenergiemesse Mitte Oktober 2007 vorgestellten Bericht heißt es, daß je nach Verbesserung des Förderrahmens bis 2010 zwischen 10.000 MW und 15.000 MW erreicht werden könnten. Damit wird vermutlich auch das bisherige langfristige Ziel von 30.000 MW bis 2020 weit übertroffen.

Mitte 2008 berichtet die chinesische Tochterfirma des deutsch-indischen Windanlagenbauers Repower von einem Auftrag über 24 Stück 2 MW Anlagen, die im Sommer 2009 an der Küste der an Hongkong angrenzenden südchinesischen Provinz Guangdong errichtet werden sollen, im Auftrag des Immobilien- und Energiekonzerns Baolihua New Energy Co. Ltd. aus Guangzhou.

Die chinesische Repower-Tochter Repower North (China) Co. Ltd. wurde 2006 von der Repower Systems AG, dem chinesischen Stahl- und Maschinenbauunternehmen North Heavy Industrie Corporation und dem Projektentwickler Honiton Energy Ltd. in Baotou in der Inneren Mongolei gegründet. Ab Mai 2008 werden in Baotou Turbinen des besonders für hohe Windgeschwindigkeiten ausgelegten Typs ‚MM82’ gefertigt. Eine spezielle ‚Cold Climate Version’ für Temperaturen bis – 40º C wird für den Einsatz in der Inneren Mongolei entwickelt. Ab 2009 sollen jährlich 200 Anlagen produziert werden.

Für einen späteren Zeitpunkt ist der Bau eines 100 MW Onshore- sowie eines 1.250 MW Offshore-Windpark in Lufeng, einer Küstenstadt in Guangdong, geplant.

In einem Artikel auf RenewableEnergyWorld.com werden im Juli 2008 einige Hintergrundinformationen genannt, wie z.B. die gesetzliche Vorschrift, daß bei Windkraftanlagen mindestens 70 % der Komponenten im Land selbst hergestellt sein müssen. Nicht zuletzt durch diesen Anschub wird erwartet, daß China bereits 2009 zum weltgrößten Hersteller für Windturbinen wird. Von den gegenwärtig 40 Produzenten sind 17 staatliche Unternehmen, 12 sind private chinesische Firmen, und 11 sind joint ventures oder befinden sich in ausländischem Besitz.

Bisher haben die größten in der Volksrepublik gefertigten Anlagen eine Leistung von 1,5 MW.

Shandong Haiyang Windfarm in China

Shandong Haiyang Windfarm

In einer Mitte 2008 veröffentlichten Studie der Organisation Climate Group wird berichtet, daß China, gemessen an der installierten Leistung erneuerbarer Energie, mit eine Kapazität von 152 GW inzwischen weltweit an der Spitze liegt. Dazu tragen insbesondere die Wasser- und die Windkraft bei. Während das Land bei Wasserkraftanlagen führend ist, belegt es bei der Windkraft den fünften Platz.

Die sich im Besitz der indischen Tanti Familie befindliche Suzlon Energy gibt im September 2008 bekannt, daß man im Laufe der kommenden fünf Jahre 3.500 MW an neuen Windenergiekapazitäten herstellen will, die insbesondere in China selbst sowie in Indien installiert werden sollen. Die Gesamtkosten dieser Initiative des Tochterunternehmens Suzlon Green Power werden auf rund 5 Mrd. $ geschätzt.

China Power wiederum plant in der Inneren Mongolei 6 – 20 kleine Windfarmen von jeweils 50 MW, die 2010 oder 2011 ans Netz gehen sollen. Laut der chinesischen Akademie für Meteorologische Dienste betrage das Windkraft-Potential in dieser Region über 100 GW.

Im Oktober 2008 werden weitere Projekte angekündigt. Die China Huaneng Group wird 735 Mio. $ in eine 500 MW Windfarm investieren, die 2010 fertig sein soll, während das National Energy Board sogar von einer 1,9 GW Windfarm spricht, die in der Region Damaoqi errichtet werden soll.

BP Alternative Energy geht im November 2008 eine Partnerschaft mit dem chinesischen Windturbinen-Hersteller Goldwind Science & Technology Co. ein, bei der es um die Errichtung von drei Windfarmen mit jeweils 49,5 MW geht – bei Bayan Obo in der Inneren Mongolei. Das Projekt soll schon im Februar 2009 abgeschlossen werden.

Ebenfalls im November 2008 erhält die dänische Vestas Wind Systems Aufträge für zwei chinesische Windkraftprojekte. Dabei handelt es sich um 100 Stk. ,V52’ mit 850 kW Leistung die Suniteyou Windfarmen III und IV nahe der Stadt Xilinguole. Auslieferungstermin ist das dritte Quartal 2009.

Im Laufe Olympiajahr 2008 meldet das Land einen Zuwachs der installierten Leistung von insgesamt über 6.000 MW.

Dänemark

Dänisches Windrad von 1907

Vallekilde (1907)

Die Nutzung der Windenergie zu Elektrizitätszwecken beginnt in Dänemark um 1890, und schon 1908 gibt es diverse Anlagen mit Leistungen zwischen 5 und 25 kW.

Der Meteorologe und Rektor der Volkshochschule von Askov, Paul la Cour (1846 – 1908), verfügt über einen eigenen, kleinen Windkanal für seine Experimente. Als Windkraftpionier entdeckt er die ersten aerodynamischen Gesetze, z.B. daß schnellaufende Anlagen mit wenigen Rotorblättern für die Stromerzeugung effizienter sind. 1891 erhält er die Genehmigung zum Bau der ersten Windkraftanlage auf dem Schulgelände von Askov. Unter seiner Leitung entsteht zur Jahrhundertwende eine Versuchswindmühle, in welche die dänische Regierung hohe Geldsummen investiert.

La Cour beschäftigt sich aber auch mit der Speicherung von Energie und benutzt den Strom seiner Windkraftanlagen, um mittels Elektrolyse Wasserstoff für das Gaslicht seiner Volkshochschule zu erzeugen, was dazu führt, daß er die Fenster der Schulgebäude mehrere Male auswechseln muß, da der Wasserstoff geringe Mengen von Sauerstoff enthält und wiederholt verpufft – sprich explodiert. 1903 gründet er die Gesellschaft der Wind-Elektriker (Dansk Vindelektricitetsselskab, DVES) als Plattform für die Unterstützung der ländlichen Elektrifizierung.

Ebenfalls um 1900 konstruiert der Däne Christian Störensen einen kegelförmigen Windmotor mit Windflügeln aus dünnem Weißblech, die einen um 50% höheren Wirkungsgrad besitzen, als die bis dahin bekannten flachen Flügel. Dieser Rotor wurde vor einigen Jahren von der Firma ASEA mit Erfolg nachgebaut.
1918 sind in Dänemark ca. 120 WEA mit Leistungsaufnahmen zwischen 10 kW und 35 kW im Einsatz, die zusammen rund 3 MW erwirtschaften. Zumeist sind es umgebaute Windmühlen.

Der Ingenieur Johannes Juul ist einer der ersten Schüler von Poul la Cour. Er nimmt ab 1904 an dessen Kursen für Windkraft-Elektroingenieure teil. 1957 wird Juul dann ebenfalls zum Pionier, als er für die Elektrizitätsgesellschaft SEAS in Vester Egesborg an der Küste von Gedser die weltweit erste Windkraftanlage (200 kW) zur Wechselstromerzeugung errichtet, mit deren Konstruktion er 1955 begonnen hat.

Gedser ist ein Gebiet mit sehr starkem Wind, und befindet sich an der Südspitze der Insel Falster in Dänemark. Der Betonturm der Anlage wird auch nach 50 Jahren noch immer genutzt, inzwischen trägt er jedoch die Gondel einer modernen dänischen Windkraftanlage.

3-Blatt Rotor in Gedser

3-Blatt Rotor
(Gedser)

Juuls dreiblättriger Luvläufer mit elektromechanischer Windnachführung und Asynchrongenerator ist richtungsweisend für die späteren Anlagen. Der Rotor ist außerdem stallgeregelt (Regelung durch Strömungsabriß), und Juul erfindet auch die aerodynamische Blattspitzenbremse, welche bei zu hoher Drehzahl durch die Fliehkraft automatisch betätigt wird. Seine Windkraftanlage, für eine lange Zeit die größte der Welt, ist extrem zuverlässig. Sie läuft 11 Jahre lang ohne Wartung.

Im Jahr 1975 wird die Anlage auf Wunsch der NASA generalüberholt, da sie für Messungen im Rahmen des amerikanischen Windenergie-Programms benötigt wird. Nachdem die Maschine einige Jahre für Messungen gelaufen ist, wird sie demontiert. Gondel und Rotor können im Elektrizitätsmuseum im dänischen Bjerringbro besichtigt werden.

Während des 2. Weltkriegs errichtet die dänische Firma F. L. Smidth (heute eine Maschinenbaufirma für die Zementindustrie) eine Anzahl von zwei- und dreiblättrigen Windkraftanlagen, die Gleichstrom erzeugen. Die 1942 auf der Insel Bogø gebaute dreiblättrige Anlage ist Teil eines kombinierten Wind-Diesel-Systems, welches die Energieversorgung der Insel gewährleistet. Im Jahr 1951 wird der Gleichstromgenerator durch einen Asynchrongenerator (Wechselstrom) mit 35 kW ersetzt. Damit wird die Bogø-Anlage zur zweiten Windkraftanlage überhaupt, die Wechselstrom erzeugt.

Smidth 3-Blatt-Rotor

Smidth 3-Blatt

1972 wird auf einem Treffen von Erfindern, Technikern und Fabrikanten konstatiert, daß für eine vernünftige Weiterentwicklung das Kapital fehle. Daraufhin wird gesammelt – und es kommen rund 10 Milliarden Dänische Kronen zusammen (!). 1973 wird damit begonnen, Windkraftanlagen nach einfachen, aber praktischen und wartungsfreundlichen Gesichtspunkten zu bauen (und zu exportieren!).

Während des NOAH ,Miljø-Ø-Lejr’ Sommercamps 1975 am Rugård Strand bei Grenå bauen die Teilnehmer eine 300 W Windturbine. Sie hat Holzflügel und betreibt den Kühlschrank des Camps, bei dem auch ein Solarofen mit 121 Spiegeln und ein thermischer Solarkollektor zum Einsatz kommen. Zu den Aktivisten der ersten Stunde gehört auch Erik Grove-Nielsen, dessen Homepage neben anderen Highlights auch eine vollständige und sehr persönliche Präsentation der Entwicklung in Dänemark bietet. Er selbst wird durch die Herstellung moderner Rotorblätter bekannt, später leitet er ein Materialprüfungs-Institut für Rotorblätter. Mehrere der hier veröffentlichten Fotos entstammen seinem Fundus.

Ab 1976 errichten Freiwillige der Alternativschule in Tvind die wohl berühmteste Windmühle des Landes. Das 2 MW Windkraftwerk, versehen mit einem 3-Blatt-Rotor von 54 m Durchmesser, und aufgesetzt auf einen ebenfalls 54 m hohen Turm (mit Fahrstuhl), wird am 12.05.1978 nach zweieinhalb Jahren Bauzeit mit viel Begeisterung fertiggestellt. Kosten tut das Ganze über eine Million Mark – andere Nennungen sprechen allerdings von nur 160.000 DM, vermutlich nach Abzug der Eigenleistung der dänischen Bürgerinitiative.

Je nach Windgeschwindigkeit sollen die drei jeweils 5 t wiegenden Rotorblätter dem Wind zwischen 100 kW und 2 MW abzapfen, insgesamt etwa 4 Mio. kWh pro Jahr. Doch obwohl es am Standort der Anlage in Nordjütland, in der Nähe von Ulfborg an der dänischen Westküste, einen ‚guten Wind’ gibt, produziert die Anlage zwischen Frühjahr und Herbst 1978 nur 5.700 kWh. Statt also, wie geplant, 3/4 der erzeugten Leistung an das Öffentliche Netz abzugeben, sicht sich die Tvind-Schule gezwungen, für ihren Eigenbedarf während der genannten Zeit noch 181.000 kWh zuzukaufen. Trotz der erfolgten NASA-Hilfe durch Beratung und Know-how scheint das Projekt ein Fehlschlag zu sein und schon knapp ein Jahr nach Inbetriebnahme zeigen sich die ersten schwerwiegenden Mängel.

Tvind-Windmühle

Tvind-Windmühle

Die ‚Tvind-Skolerne’ versucht, die müde Windmühle an die Regierung zu verkaufen – allerdings vergeblich.

Der Gründer Mogens Amdi Petersen verschwindet 1979 ‚spurlos’, um das verschachtelte Finanzimperium mit einem geschätzten Jahresumsatz von 120 Mio. DM (Stand 1996) von einem unbekannten Ort aus zu leiten. Ebenfalls 1996 streicht die dänische Regierung den inzwischen 31 freien Tvind-Schulen wegen Betrugs und Mißbrauchs von Steuergeldern alle Zuschüsse (zuletzt etwa 25 Mio. DM pro Jahr). Aus dem Vorzeigeprojekt der Alternativszene war eine ‚Geld-Melkmaschine’ geworden, zu der u.a. auch die Secondhand-Kette Humana gehört.

1977 werden in Dänemark zwei Versuchsanlagen ‚NIBE A’ und ,NIBE B’ mit jeweils 630 kW errichtet. Sie dienen zum Vergleich unterschiedlicher Anlagenkonzepte.

Ende der 1970er Jahre beginnt das dänische Unternehmen VESTAS mit dem Bau von Windenergieanlagen.

Von Anfang an setzen die Dänen auf Kleinanlagen von 60 bis 100 kW Leistung. Zwischen 1973 und 1986 werden die Windprogramme mit rund 250 Mio. DM gefördert. Ein wesentliches Merkmal dieses Landes ist, daß 99 % der Energiewirtschaft genossenschaftlich organisiert ist. Rund 90 Versorgungsunternehmen arbeiten sogar als ‚non-profit-Firmen’ (!). Außerdem finanziert der Staat ‚Volkscenter für unerschöpfliche Energie’ – mit jeweils 15 Mitarbeitern und einem Jahresetat von 1 Mio. DM kann dort sehr effektive Arbeit geleistet werden.

Lokal werden alleine 1982 von privaten Haushalten 150 Anlagen gekauft, und Anfang 1983 sind in Dänemark bereits etwa 1.000 Anlagen installiert. Es gibt dafür 30%ige Zuschüsse. Im Jahre 1984 beträgt die Jahresproduktion der inzwischen fünf kommerziellen Hersteller des Landes schon über 3.000 Anlagen, die fast zur Gänze in die USA exportiert werden. Der Umsatz dieses Jahres beträgt rund 540 Mio. DM.

Auf einer 800 m langen Mole an der Spitze der Jütländischen Halbinsel Mols entsteht 1986 der erste (fast) Offshore-Windpark der Welt. Insgesamt 16 Anlagen mit je 55 kW speisen zusammen 880 kW in das Versorgungsnetz des 4.000-Einwohner-Ortes Ebeltoft ein. Die Kosten des von der Regierung geförderten Projektes betragen 21 Mio. DK, es wird mit einer Amortisationszeit von 5 – 6 Jahren gerechnet. Ebenfalls 1986 entsteht der Windpark Odesund mit 52 Anlagen.

Dänischer Offshore-Park

Offshore-Park

1986 erwirtschaftet die Branche mit 8.200 Beschäftigten bereits 400 Mio. DM Gewinn, hauptsächlich durch den Export in über 60 Länder. Inzwischen werden über 7.000 Anlagen jährlich hergestellt, zumeist robuste Dreiflügler mit ca. 60 kW Leistung. Der Marktführer Vestas in Jütländ verschifft täglich Anlagen mit einer Gesamtleistung von 5.000 kW in alle Welt. Als der Windboom in Kalifornien Ende des Jahres allerdings plötzlich endet, geraten sogar die großen Hersteller wie Vestas und Nordtank in Schwierigkeiten. Die kleineren Firmen wie Aerostar oder Kuriant verschwinden völlig vom Markt.

Den staatlichen Plänen von 1986 zufolge sollen sich bis zum Jahre 2000 jedoch schon rund 60.000 kleine Rotoren drehen – und bis 2050 soll der gesamte dänische Energiebedarf durch erneuerbare Primärenergieträger wie Wind und Sonne gedeckt werden.

1987 erwirbt Vestas Deutschland 5.000 qm in Husum, um dort in einem neuen Werk 75 kW Anlagen in Lizenz herzustellen. Außerdem wird ein 200 kW System weiterentwickelt, das zu 70 % aus deutschen Zulieferungen besteht. Auf deutscher Seite sperren sich das BMFT und die KfA Jülich gegen diese Pläne, Zuschüsse werden verweigert.

1988 wird ein Küstenprojekt mit 45 MW geplant, das bis 1990 ans Netz gehen soll. Die Kosten hierfür werden mit etwa 400 Mio. DK berechnet. Für erste Tests werden zwei Anlagen mit jeweils 1 MW errichtet. Vestas stellt 1990 die erste 500 kW Anlage vor, die bald darauf in Serie hergestellt wird.

Ebenfalls ab 1988 betreibt ein dänisches Elektrizitätsunternehmen bei Tjæreborg eine 2 MW Forschungsanlage ‚ELSAM’, die bis 2001 im Einsatz ist. Das Foto stammt von Flemming Hagensen.

Im Windpark Vindeby vor der Ostseeinsel Lolland produzieren ab 1991 elf Pilotanlagen mit jeweils 450 kW Strom – ein erster richtiger Offshore-Windpark, allerdings noch zu Versuchszwecken.

1995 entsteht ein Windenergiepark mit 42 Anlagen mit je 600 kW auf Jütland. Die damals als größte maritime Windfarm geltende Anlage befindet sich im Niedrigwasser des Riffs vor der jütländischen Insel Tunoe Knob.

Ende 1997 verfügt Dänemark über 5.000 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.116 MW. Sie haben einen Anteil von 6,5 % an der dänischen Stromversorgung. Bis 2008 sind fünf neue Windparks mit insgesamt 500 Windrädern der 1,5 MW-Klasse geplant, wodurch dieser Anteil auf 15 % gesteigert werden soll. Die Kosten werden etwa 2,3 Mrd. DM betragen. Und bis 2030 sollen sogar Windkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 5,5 GW installiert werden, davon 4 GW Offshore. Vier Standorte in der Ostsee und einer in der Nordsee sind bereits fest eingeplant. Dänemark will bis 2040 aus der Windkraft 40 % seiner Elektrizität beziehen. 2001 liegt der Wert nach Zahlen der Esa noch bei 13 %.

Middelgrunden-Windpark

Middelgrunden-Windpark

Im Jahr 2000 wird rund dreieinhalb Kilometer vor dem Kopenhagener Hafen der Middelgrunden-Windpark errichtet – ironischerweise auf einem Riff, das vorher als Halde für Hafenschlamm und kontaminierten Müll genutzt wurde. Die 3.400 m lange Reihe, die sich schön in das Hafenbild integriert, ist zu diesem Zeitpunkt einer der größten Offshore-Windparks der Welt. Sogar auf Satellitenfotos ist der Bogen mit den 20 gigantischen 2 MW Windrädern zu erkennen. Ihre Rotoren haben jeweils einen Durchmesser von 76 m, und ihre Naben liegen 64 m über dem Wasser. Mit einer Jahresleistung von 89.000 MWh deckt der Windpark allerdings gerade 3 % des Energiebedarfs von Kopenhagen mit seinen 1,1 Millionen Einwohnern.

2002 geht Horns Rev ein 160 MW Offshore-Park mit 80 Stück der 2 MW Anlagen von Vestas ans Netz, es ist (wiederum) der größte Offshore-WEA-Park seiner Zeit. Es gibt allerdings technische Probleme.

Der Offshore-Windpark Rødsand I geht 2003 in Betrieb. Im Auftrag von E.on und dem dänischen Staatskonzern Dong Energy errichtet bilden die 72 Siemens-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 165,6 MW den aktuell größten dänischen Offshore-Windpark (mehr darüber in dem entsprechenden Kapitel).

Daß es in Dänemark auch etwas kleiner geht, belegt im April 2007 das dänische Designhaus Demakersvan aus Rotterdam. Die aus Segeltuch, Edelstahl und Holz gefertigte Lampe namens light wind ist für den Außeneinsatz gedacht und wird – nomen est omen – vom Wind angetrieben. Sie ist 2,4 m hoch, und der Rotor hat einen Durchmesser von 2,15 m.

Nach einer Lücke in der Chronologie (die hoffentlich mit Hilfe der Leser gelegentlich geschlossen werden kann) geht es Ende 2008 weiter.

Im  Oktober 2008 gibt Vestas Aufträge über mehr als 314 MW bekannt. Die Windenergieanlagen sollen in Spanien (18 Stk. ,V90’ mit 3 MW und 25 Stk. ,V90’ mit 1,8 MW; Region Terra Alta in der katalanischen Provinz Tarragona), der Türkei (5 Stk. ,V90’ mit 3 MW; Ayyıldız-Projekt in der Provinz Balıkesir), China (100 Stk. ,V52’ mit 850 kW; für die Suniteyou Windfarmen III und IV nahe der Stadt Xilinguole) und Italien (5 Stk. ,V90’ mit 3 MW, 20 Stk. ,V90’ mit 2 MW sowie 26 Stk. ,V90’ mit 1,8 MW; davon 62 MW in der Region Apulia und 40 MW in der Region Molise) installiert werden. Die Lieferungen sollen 2009 erfolgen.

Die in Kopenhagen beheimatete Vestas hat inzwischen mehr als 35.000 Windkraftwerke ausgeliefert, die weltweit im Einsatz sind.

Ebenfalls im Oktober 2008 bilden 63 dänische Landwirte gemeinsam mit der Nuon-Tochter WEOM das Windenergie-Konsortium De Zuidlob, um eine Windfarm mit einer Leistung von mindestens 108 MW zu errichten. Es sind alle Landwirte aus De Zuidlob, dem südlichsten Teil der Verwaltungsregion Zeewolde. Der in drei Ausbaustufen geplante Park mit 12 Windturbinen von jeweils 3 bzw. 4,5 MW wird bei Projektabschluß im Jahr 2012 einer der größten Windparks in Dänemark sein. Teil der Vereinbarung ist auch die über 10 Jahre garantierte Stromabnahme durch Nuon.

Deutsche Demokratische Republik (bis 1990)

Neben Projekthilfen gegenüber Staaten der sogenannten 3. Welt, wie z.B. Syrien, wo die DDR eine kleine Sonnen- und Windenergie-Versuchstation mit je 2 kW Leistung errichtet, ist mir aus diesem Land nur der Selbstbau eines Bauern bekannt, der bei Windstärke 2 bis 4 in der Lage sei, damit seinen Traktor anzutreiben. Wie, wurde allerdings nicht mitgeteilt.

Kurz vor der Wende wird in der Nähe von Rostock eine Windmessung durchgeführt und die Errichtung der ersten modernen Windenergieanlage der DDR geplant – die sogar noch fast von Honecker selbst eingeweiht wird. Der Kaufpreis wird in Naturalien abgewickelt (Holz gegen WEA).

Deutschland (1901 – 1993)

Aufgrund der Informationslage gibt es hier in Deutschland natürlich auch die meisten Informationen über deutsche Windprojekte, daher ist dieser Beitrag besonders lang. Er bildet einen detaillierten und repräsentativen Entwicklungsbericht über die Fortschritte der Windenergie innerhalb der vergangenen Jahrzehnte.

In Deutschland wurde auch eine Größenunterteilung vorgenommen, die möglicherweise als Vorstufe zu einer DIN-Normierung gelten kann (Leistungsangaben bei Vollast):

  1. Kleinanlagen, Rotordurchmesser = 10 – 11 m, Leistung = 3 – 8 kW (Mit Akkumulatoren zusammen werden Kleinanlagen als ‚Windcharger’ bezeichnet).
  2. Mittlere Größe, Rotordurchmesser = um 36 m, Leistung = 100 – 300 kW
  3. Große Anlagen, Rotordurchmesser = 80 – 112 m, Leistung = 1 – 3 MW (Bezeichnung: ‚Wind-Konverter’)

Deutschland gilt inzwischen als die Nr. 1 unter den know-how-Inhabern der Windenergie. Die kulminierten Erfahrungen lassen sich bis in die 1930er Jahre zurückverfolgen, als der Ingenieur Hermann Honnef, dar damals fast alle Funktürme baute, erstmals seine Planungen über Windkraftwerke vorlegt, welche er auch mit experimentellen Untersuchungen erhärten kann.

Doch auch er hatte diverse Vorgänger, die sich seit der Jahrhundertwende mit der Windenergie beschäftigen. In Deutschland werden ab 1900 vermehrt hochwertige Vielblatt-Rotoren nach amerikanischem Vorbild gebaut und eingesetzt. Die Anlagen gelten als sehr robust, sie sind allerdings auch teuer.

Herkules-Windrad

Herkules

Ein Beispiel ist das 2 kW Windrad ,Herkules’ der Deutschen Windturbinenwerke Dresden, das 1905 hergestellt und bis 1965 auf einem Einödhof bei Starnberg zur Stromerzeugung genutzt wird. Das 5 m durchmessende Windrad besitzt 18 Stahlblechflügel von jeweils 2 m Länge, und die Turmhöhe bis zur Radmitte beträgt 14 m. Zur Anpassung an hohe Windstärken und zur Verhinderung von Sturmschäden ist das Rad mit dem Eklipse-System ausgerüstet. Zuletzt deckte es jedoch nur noch einen kleinen Teil des steigenden Energiebedarfs und steht heute im Deutschen Museum in München.

Zu den Tüftlern, die an eigenen Windmühlen arbeiten, gehört 1912 z.B. ein gewisser Maximilian G. Triller, dessen Anlage in Berlin rund 3,5 kW Leistung erbringt.

1913 versuchen Bürger der Gemeinde Häg-Ehrsfeld in Baden-Württemberg eine WEA zu betreiben, doch das Projekt scheitert schon nach kurzer Zeit an der Genehmigung und an technischen Schwierigkeiten.

Um 1920 ist besonders Albert Betz aktiv, der seinen Text zum Maximum der theoretisch möglichen Ausnutzung des Windes durch Windmotoren veröffentlicht, und der gemeinsam mit Kurt Bilau den Ventikantenflügel entwickelt. Dieser Flügel ist aus Aluminium und in seinem aerodynamischen Prinzip dem beginnenden Flugzeugbau entlehnt. Etwa zu dieser Zeit schlägt Anton Flettner für Schiffsantriebe den Einsatz von Schlepprotoren vor – die durch ihre Realisierung ab 1924 international als Flettner-Rotoren bekannt werden (s.d.).

Von 1923 bis 1926 erzeugt eine Windenergieanlage in Lauchheim-Mohrenstetten  (BW) elektrische Energie, doch der Betrieb ist sehr aufwendig und kann gegenüber den aufkommenden Netzanbindungen nicht bestehen.

1924 veröffentlicht Albert Betz sein Buch ‚Windenergie und ihre Ausnutzung durch Windmühlen’ und begründet die moderne physikalische Theorie der WEA.

Der zuvor bereits erwähnte Konstrukteur und Stahlbauingenieur Hermann Honnef reicht 1930 sein erstes Patent zur Windenergienutzung ein, 1932 tritt er mit seinen ‚Großwindkraftwerken’ an die Öffentlichkeit. Der Pionier plant 400 – 500 m hohe Turmkonstruktionen mit je 5 riesigen Windturbinen auf senkrechten Achsen. Dies sollen Riesen-Doppelrotoren mit Ringgeneratoren zur Stromerzeugung sein. Rotor und Stator der elektrischen Maschine sind jeweils an einem der gegenläufigen Vielflügel-Rotoren angebracht. Die geplanten Durchmesser von 120 m für den Ringgenerator und 160 m Gesamtdurchmesser bedeuten allerdings erhebliche bauliche Probleme.

In Gruppen zu je fünf Anlagen sollen diese Anlagen etwa 50 MW erbringen. Honnef versteht zwar, eine hohe Lebenserwartung (über 50 Jahre) mit einer einfachen Wartung der Windenergie­-Stationen zu verbinden – doch leider werden seine Pläne nie realisiert, vermutlich wegen den damals als zu hoch betrachteten Kosten von etwa 4,6 Millionen Mark pro Anlagengruppe.

Honnef Offshore-Rotoren Grafik

Honnef-Offshore

Ein weiteres – und wie wir heute wissen, äußerst weitsichtiges – Projekt beinhaltet Windkraftanlagen auf verankerten Pontons in der windreichen Nordsee. Sie sollen den Wind ernten wie ein im Kreis grasfressendes Schaf, das an einem Pflock angebunden ist. Der Ponton würde sich dadurch immer automatisch zur Windrichtung ausrichten.

1935 wird bei Berlin versuchsweise ein Windkraftwerk nach dem System Teubert gebaut. Dieses beinhaltet einen modernen 4-Blatt-Rotor, dessen Flügel mit automatischen Anstellwinkel-Steuerungen ausgerüstet sind, die von dem Flugzeugingenieur Georg König entwickelt werden.

Mitte der 1930er Jahre gibt es noch etwa 5.000 (alte) Windmühlen in Deutschland.

1939 wird die ,Reichs-Arbeitsgemeinschaft Windkraft“ RAW gegründet, ein Zusammenschluß von Vertretern aus Wissenschaft, Industrie und Politik. In selben Jahr wird in Weimar die Forschungsgesellschaft Ventimor GmbH gegründet, die im Auftrag des Staates Grundlagenforschung betreibt. Die Firma besitzt ein kleines Windtestfeld, auf dem verschiedene Rotoren untersucht werden.

In den 1940er Jahren wird die Windenergie in Deutschland intensiv erforscht, es werden verschiedene Testanlagen gebaut, die mit den Namen Hütter, Porsche, Honnef u.a. verbunden sind. Hermann Honnef, der unter seinen Kollegen nur als Gittermastexperte anerkannt ist, errichtet 1941 ein WEA-Testfeld. Und der Flugzeugingenieur Ulrich Hütter legt 1942 mit seiner Dissertation ‚Beitrag zur Schaffung von Gestaltungsgrundlagen für die Windkraftwerke’den theoretischen Grundstein für moderne Windturbinen mit 2 oder 3 Rotorblättern. Hütter arbeitet an den Versuchsanlagen der Ventimotor GmbH, wird jedoch kurze Zeit darauf in die Rüstungsindustrie abgerufen.

1943 errichtet Richard Triller eine 18 kW Drehstromanlage in Berlin. Die Anlage hat 13 m Durchmesser, einen 26 m hohen Gittermast und ein Drehflügelkreuz. Sie speist ihren Strom in das öffentliche Netz ein. Gemeinsam mit anderen gegründet Triller 1944 die Firma Nordwind GmbH, die Windkraftanlagen produziert und später von Allgaier aufgekauft wird.

Nach dem Krieg und seiner Freilassung aus der Gefangenschaft beschäftigt sich ab 1947 auch der Flugzeugkonstrukteur Willi Messerschmitt mit WEA. Die Alliierten hatten im Zuge ihrer Bestrebungen, das Land zu demilitarisieren, den Flugzeugbau verboten. Auch Hütter entwickelt bereits unmittelbar nach Kriegsende zusammen mit der Firma Schempp-Hirth Flugzeugbau in Kirchheim/Teck einen Einblattrotor mit 600 W Leistung. Eine anschließend gebaute 1,3 KW Anlage versorgt ab 1947 eine Hühnerfarm im nahe gelegenen Ohmden.

Der Fabrikant Erwin Allgaier aus dem württembergischen Uhingen bei Göppingen erkennt die Chancen der neuen Technik für seinen mittelständischen Maschinenbaubetrieb und stellt Hütter 1948 als Chefkonstrukteur an. In unmittelbarer Nähe des Unternehmens wird ein Windtestfeld eingerichtet. Hütter entwickelt einen Dreiflügler mit zunächst 7,2 KW Leistung, bei dem es sich um das deutschlandweit erste Windrad mit aerodynamisch optimierten Flügeln handelt.

1949 erfolgt in Stuttgart die Gründung der Studiengesellschaft Windkraft (StGW), welche die Windenergieforschung im Nachkriegsdeutschland unterstützt und als ersten Schritt ein 100 kW Projekt verfolgt. Ebenso erfolgt die Weiterentwicklung der Windkraft-Aerodynamik in Stuttgart, und zwar am dortigen Institut für Flugzeugbau am Pfaffenwaldring.

Ab 1950 baut die Firma Allgaier in Uhingen die ersten serienmäßigen Windkraftanlagen ‚WE-10’ (7,2 kW), von denen im Laufe der Folgejahre etwa 200 Stück produziert und teilweise auch exportiert werden. 1952 betreibt auch die Deutsche Bundesbahn eine ‚WE-10’ Windkraftanlage von Hütter. Auf dem Feldberg versorgt sie die Wetterstation und eine Richtfunkanlage mit Strom und ist bis in die 1960er Jahre hinein erfolgreich im Einsatz.

Hütter-Rotoren

Hütter-Rotoren

Zu dieser Zeit baut auch die Firma Porsche Windkraftwerke und testet diese auf ihrem Stuttgarter Firmengelände. Voith in Heidenheim, im Bau von Wasserturbinen erfahren, liefert Getriebe für Windräder, und Escher/Wyss in Ravensburg, ebenfalls mit der Wasserkraft groß geworden, stellt die benötigten Drehlager her.

In Stötten, nahe Geislingen auf der Schwäbischen Alb, wird 1956 ein großes Windtestfeld eingerichtet, und 1959 wird in Schnittlingen die ebenfalls von Hütter entwickelte ‚StGW-34’ aufgestellt. Die 100 kW Anlage ist ein Produkt der StGW und der Firma Allgaier und dient primär der Forschung. Ihre beiden jeweils 17 m langen Rotorblätter werden erstmals aus Glasfaserverbundwerkstoff (GFK) hergestellt – und bilden damit die größten Teile, die man bis dato aus dem neuen Material gefertigt hat.

Die Zwei-Flügel-Anlage von Hütter in Stötten speist zwischen 1957 und 1968 bis zu 100 kW ins Öffentliche Netz. Er muß diese Anlage dann allerdings demontieren, weil der von ihm gegründete Trägerverein die Grundstückspacht nicht mehr aufbringen kann. Auf dem Foto ist das Urmodell aller modernen windnutzenden Geräte, die ,StGW-34’ Anlage von Ulrich Hütter abgebildet.

Außerdem installiert Hütter gemeinsam mit der US-Firma Automatic Power Inc. bereits 1958 einen kleinen Allgeier ,WE-10’ Windgenerator (10 kW) auf einer Ölplattform im Golf von Mexiko – das wohl erste Offshore-Gerät weltweit, das sich auch gegen ein Dieselaggregat durchsetzt.

Bis in die 1950er Jahre gab es auch weiterhin etliche windbetriebene Papier-, Polier- und Pulvermühlen, Hämmer und Stampfer. Doch dann zahlt die Regierung Adenauer insgesamt 180 Millionen DM ‚Abschaltprämien’, um diese Mühlen ein für alle mal ‚aus dem Wind zu drehen’.

Auch die noch junge Technik der stromproduzierenden Windkraftanlagen wird bald darauf zum Auslaufmodell, und die Firma Allgaier stellt im Jahr 1961 ihr Windkraftengagement mangels wirtschaftlicher Perspektiven ein.

In Stötten wird 1966 zwar noch eine Windturbine mit 34 m Durchmesser und GFK-Rotorblättern probeweise in Betrieb genommen, deren Blattspitzen bei der Nenndrehzahl von 42 U/m eine Geschwindigkeit von etwa 270 km/h erreichen. Doch schon 1968 wird die Windenergieforschung in der BRD völlig eingestellt und die ,W 34’ auf dem Testfeld in Stötten abgerissen, da andere Energieträger weit kostengünstiger angeboten werden und die Ökologie noch keinen Einfluß besitzt: In Obrigheim geht das erste kommerzielle Atomkraftwerk Deutschlands ans Netz. Die Kernforschungsanlage Jülich fabuliert bereits von fast 600 Atomreaktorblöcken, die bundesweit bis ins Jahr 2050 notwendig wären. Auch die Bundesregierung hegt ähnliche Vorstellungen und lehnt selbst in Ballungsräumen Atomkraftwerke ‚nicht grundsätzlich’ ab…

In den 1970er Jahren beginnen sich verstärkt private Erfinder wie auch Institute und Firmen mit der Weiterentwicklung von Windenergiesystemen zu beschäftigen. 1972 fragt auch plötzlich die NASA in Stuttgart an, ob Hütter nicht seine alte ‚W 34’ wieder bauen möchte. Er wird zu einem der wichtigsten Berater der NASA auf diesem Gebiet und arbeitet an 3 kW bis 6 kW Anlagen für Entwicklungsländer. Die Pläne der ‚W 34’, die verstaubt in irgendeinem Hinterzimmer aufgetrieben werden, kauft der US-Konzern Westinghouse, der die Anlage anschließend in Amerika nachbaut.

Gegenläufiger Rotor auf Tinnum

Noah-Doppelrotor (1974)

Ab Mitte 1973 steht bei Tinnum auf Sylt eine 70 kW Anlage namens ‚Noah’, die von der SG Energieanlagenbau GmbH Solingen errichtet wird. Auf einem 12 m hohen Mast befinden sich zwei gegenläufige 5-Blatt Rotoren von je 11 m Durchmesser. Die Herstellungskosten betragen nur 2.000 DM, der Transport und die Montage kosten 1.000 DM (!!). Während des Sturms im Winter 1973/1974 wird die Anlage zwar stark beschädigt, danach jedoch wieder repariert und verbessert. Eine zweite 5-Blatt-Anlage wird 1976 in Fuhlenhagen aufgestellt.

1974 erfolgt auch die Gründung des Vereins für Windenergie-Forschung, dem frühesten Vorläufer des heutigen Bundesverbandes Windenergie, und 1975 übernimmt Hütter die Leitung des Forschungsinstituts Windenergietechnik an der TH Stuttgart.

Auch das BMFT steigt wieder in die Windenergieforschung ein. Unter dem Druck der Öffentlichen Meinung fördert die Bundesregierung im Zeitraum 1975 – 1986 die Nutzung der Windenergie mit rund 200 Mio. DM, die in etwa 70 Projekte fließen. Von dem Geld gehen allerdings nur 34 Mio. DM in die Entwicklung und Konstruktion kleiner Windkraftanlagen; und im Vergleich mit den 16 Milliarden DM, die in demselben Zeitraum in die Atomindustrie gesteckt werden, wirkt der Betrag geradezu lächerlich gering.

Das Ministerium fördert u.a. den Betrieb einer 270 kW Anlage auf der Schwäbischen Alb. Mit 4,6 Mio. DM wird im Jahre 1978 die Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt (GKSS) in Geesthacht gefördert, um 4 Jahre lang kleine 10 kW Windanlagen zu untersuchen, wie sie zum damaligen Zeitpunkt angeboten werden. Die Installation der entsprechenden Versuchsanlagen erfolgt 1980 auf der nordfriesischen Insel Pellworm. Doch schon 1982 zeigt sich, daß einige der getesteten 9 Kleinwindgeräten bereits vom ersten Sturm reparaturreif ‚geblasen’ werden. Andere können gar nicht erst als funktionsbereit abgenommen werden, und selbst bei den 4 Anlagen, die 1983 noch laufen, sind z.T. erhebliche Nachbesserungen notwendig. Wirtschaftlich läuft laut GKSS keine einzige dieser Anlagen. Eine weitere Analyse, die 1986 veröffentlicht wird, ergibt 5 nicht einsatzfähige und 4 nur einigermaßen funktionstüchtige Anlagen. Nur eine in Dänemark hergestellte Anlage wird als störungsfrei bezeichnet.

1977 verwirklicht der Konstrukteur Wohlfahrt in Bartholomä im Eigenbau das moderne Konzept einer zweiflügeligen WEA. Ende der 1970er Jahre beginnt auch die Entwicklung der WEC-52 durch Voith und Hütter, sowie der Debra-25.

Eine weitere BMFT-geförderte Anlage wird unter dem Projektnamen ‚GROWIAN’ bekannt (= Große Windkraft Anlage). Es handelt sich um eine 3 MW Anlage, die in Zusammenarbeit der Universität Stuttgart, der Gesamthochschule Kassel, der DFVLR in Köln-Porz und der Firma MAN (die schon im 3. Reich der ‚Reichsarbeitsgemeinschaft Windenergie’ angehörte) konzipiert und errichtet wird. Ein 3-jähriger Probebetrieb soll entscheiden, ob ein technischer und wirtschaftlicher Einsatz von Windanlagen dieser Größenordnung überhaupt sinnvoll ist.
Für den 102 m hohen Stahlbeton-Turm, der mit einem 2-Blatt-Rotor vom 100,4 m Durchmesser versehen werden soll, wird eine Lebensdauer von 20 Jahren veranschlagt. Ende 1979 steht bei der DFVLR das erste maßstabgetreue Modell im Windkanal, wo es vor allem auf Schwingungsprobleme hin untersucht wird. Zu diesem Zeitpunkt werden die Kosten des Projekts auf 30 Mio. DM geschätzt.

Growian Windkraftanlage

Der Growian

Im Mai 1981 folgt der Baubeginn. Als Gesamtprojektkosten werden inzwischen etwa 100 Mio. DM veranschlagt, von denen das BMFT rund 24 Mio. DM übernehmen soll. Die Reinkosten für eine Anlage müssen in Serienfertigung bei 10 Mio. DM liegen, damit eine Nutzung nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgen kann. Die allein schon 40 Mio. DM (nach anderen Quellen sogar 52 Mio. DM) betragenden Baukosten des ersten Prototyps werden dann sogar zu 90 % vom BMFT getragen – als Betreiber wird von den Hamburgischen Elektrizitätswerken, der Schleswag in Rendsburg sowie den Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerken die ‚Growian Bau­ und Betriebsgesellschaft Hamburg’ gegründet.

Hans Matthöfer, seinerzeit Bundesforschungsminister, begründet das Millionenprojekt mit den Worten: „Wir wissen, daß es uns nichts bringt. Aber wir machen es, um den Befürwortern der Windenergie zu beweisen, daß es nicht geht.“ Einen Kommentar hierzu erspare ich mir…

Mitte 2007 meldet sich der in dieses Projekt ebenfalls involvierte Meßtechnik-Ingenieur Klaus Nolopp, ein Freund, den ich schon aus Zeiten des ‚Wuseltronik’-Kollektivs in Berlin kenne, mit einer kleinen aber wesentlichen Korrektur:

„Du hast die Historie schön aufbereitet – ich bin mir aber nicht sicher, ob wirklich ALLE Beteiligten am Growian (dessen erste und auch letzte Betriebsstunde von meiner Frau Brigitte live miterlebt wurden!) dessen Scheitern zeigen wollten. Damit tut man sicherlich vielen Beteiligten unrecht.

Sicher gab es gerade bei den Hauptverantwortlichen einige, denen das Scheitern ganz gut in den Kram paßte, aber ebenso dürften auch etliche engagierte Leute dabeigewesen sein, die ganz einfach mit solchen Beanspruchungen nicht gerechnet hatten…“

Doch zurück zur Chronologie des Growian: Im Februar 1983 ist der Bau abgeschlossen und man hoff, die Anlage bis Ende 1986 voll ausfahren zu können. Doch kurz nach der Inbetriebnahme am 11.07.1983 reißen drei der vier Bremsscheiben. Auch nach der offiziellen Einweihung am 17.10.1983 wird es nicht besser, und erst im Februar 1984 fließt zum ersten Mal Strom in das Netz der Schleswag. Zuvor muß sogar einer der Flügel nachgeklebt werden. Doch dann zeigen sich aufgrund gravierender Konstruktionsfehler der Rotornabe Risse im schwer zugänglichen Pendelrahmen.

Insgesamt läuft der Growian nur 18 Tage, wobei er ganze 80.000 kW/h liefert. Statt den 250 Eigenheimen kann damit nur ein einziges Haus versorgt werden (!). Am 19. Tag läuft das 4 t schwere Lager heiß, die Kugeln müssen daraufhin gegen kleinere ausgetauscht werden. Mitte 1984 verweigert das BMFT die zur Reparatur benötigten 10 Mio. DM, und 1988 wird der Growian mit Millionenverlusten demontiert und abgewrackt.

Das Fazit war niederschmetternd: In den ersten vier Betriebsjahren lief die Anlage insgesamt nur 419 Stunden (!) – und etwa die Hälfte der 87,2 Mio. DM an tatsächlichen Kosten und Fördermitteln waren regelrecht ‚vernichtet’ worden. Als einzig positives Element galt die im Rahmen des Projektes erfolgte Entwicklung des doppeltgespeisten Asynchrongenerators, der laut Erich Hau, einem der federführenden Ingenieure, später ein richtiger Verkaufshit wurde.

In Industriekreisen wird trotzdem von einem ‚Growian II’ Folgeprojekt geredet, das als Einflügler 5 MW Leistung erzielen soll. 1985 bis 1990 wird ferner eine ‚Growian WKA-60’ auf Helgoland errichtet. Von dieser Anlage werden allerdings nur 4 Stück gebaut, nachdem es an den CFK-Rotorblättern große Probleme mit Blitzschlag gibt und die Versicherung den dritten Rotorblatt-Schaden nicht mehr bezahlt. Auf dem ehemaligen Gelände des havarierten Growian wurden 1989 kleinere Anlagen zwischen 25 und 55 kW sowie zwei 165 kW Anlagen aufgebaut, mit einer Gesamtleistung von immerhin rund 1,3 MW.

An dieser Stelle möchte ich ein Zitat des Ingenieurs E. Hau aus dem Jahre 2000 einflechten, das die Situation Anfang der 1980er Jahre gut darstellt:

„Vor 20 Jahren haben alle großen Firmen, MAN, MBB, Dornier, Windkraftanlagen gebaut – mit erheblichen Fördergeldern von Bonn, nebenbei gesagt: Sie hatten alle keinen Erfolg. Das hat an mehreren Gründen gelegen. Das eine war natürlich, wie bei den Großen oft: Wenn die Fördertöpfe zuende gehen, wird das Interesse geringer. (Und) während wir in unserem Growian in hundert Meter Höhe saßen und uns den Kopf zerbrachen, was wir nicht noch alles machen könnten, um das Ding zu retten, sind die Windmühlen (aus Dänemark) über die Grenze gekommen. Die ersten Bauern in Norddeutschland haben die dänischen Maschinen gekauft. Und siehe da, die gingen. Die waren viel, viel kleiner, und man konnte mit diesen Maschinen einfach vernünftig Strom erzeugen. (…)

Wir haben zwar alle an die Sache geglaubt, wenn ich für die Leute sprechen darf, die von Anfang an dabei waren. Die tatsächliche Entwicklung aber hat keiner von uns geahnt.“

Die bereits genannte GKSS stellt Anfang der 1980er Jahre eine kombinierte und in einem Container eingebaute Windenergie / Meerwasserentsalzungs-Anlage vor, welche im Durchschnitt täglich 6.000 l Trinkwasser erzeugen soll und auf der Hallig Süderoog – dem mit nur zwei Bewohnern wohl kleinsten Gemeindewesen der Bundesrepublik – aufgestellt wird. Bis dahin mußte das Trinkwasser mit Tankschiffen dort hintransportiert werden. Die Anlage arbeitet nach dem Prinzip der umgekehrten Osmose, wobei salziges Nordseewasser unter hohem Druck an einer, die Salzionen zurückhaltenden Membran vorbeigeleitet wird. Nur Süßwasser durchdringt die Membran und wird auf der anderen Seite gespeichert. Die Betriebsenergie hierfür liefert ein 3-Blatt­Rotor von 10 m Durchmesser, der bei Windstärke 5 etwa 6 kW abgibt.

Ein anderer Anwender der Windenergie ist die Deutsche Bundespost, welche Ende 1981 kombinierte Solar/Wind-Anlagen für Funkübertragungsstellen in Freiwill bei Flensburg und in Harnberge bei Bremen errichtet.

Doch auch auf individueller Ebene wird für die Windenergie etwas geleistet. Als eines von vielen möglichen Beispielen nenne ich hier den ‚Grossmann-Rotor’, der sich aus mehreren alten, senkrecht durchgesägten Ölfässern leicht herstellen läßt (s.u. Savonius-Rotor). Auf dem Markt befinden sich auch diverse Kleingeräte für Segelboote und Wochenendhäuser, die zur Ladung von konventionellen 12 V Batterien gut geeignet sind und 1980 etwa 500 DM kosten.

1980 gründen Windfans einen Deutschen Windenergieverein, der kurz darauf bereits 300 Mitglieder zählt.

1982 erhält die Firma MBB zwei Design-Preise für ihren Einflügler ‚Monopteros’, der im Auftrag des BMFT entwickelt und erstmals im Dezember 1981 bei Bremerhaven-Weddewarder installiert wird. Mit 50 m Turmhöhe und einem Rotordurchmesser von 48 m ist er der weltweit größte Einblattrotor, die Jahresleistung sollte 1,3 Mio. kWh betragen. Dieses Forschungsvorhaben wird mit 37 Mio. DM gefördert. Zwischen MBB, dem BMFT und der Stadt Bremerhaven entsteht anschließend jedoch ein Streit darüber, zu welchem Preis der Monopteros-Strom in das öffentliche Netz eingespeist werden soll. MBB offeriert gleichzeitig dem Markt eine kleine M-15 Anlage zu einem Preis von 80.000 DM.

Ein anderer Anwender der Windenergie war die Deutsche Bundespost, welche Ende 1981 kombinierte Solar/Wind-Anlagen für Funkübertragungsstellen in Freiwill bei Flensburg und in Harnberge bei Bremen erstellt hat.

1982 erhält die Firma MBB zwei Design-Preise für ihren Einflügler ‚Monopteros’, der im Auftrag des BMFT entwickelt und erstmals im Dezember 1981 bei Bremerhaven-Weddewarder installiert wurde. Mit 50 m Turmhöhe und einem Rotordurchmesser von 48 m war er damals der weltweit größte Einblattrotor, die Jahresleistung sollte 1,3 Mio. kWh betragen. Dieses Forschungsvorhaben wurde mit 37 Mio. DM gefördert. Zwischen MBB, dem BMFT und der Stadt Bremerhaven entstand anschließend ein Streit darüber, zu welchem Preis der Monopteros-Strom in das öffentliche Netz eingespeist werden sollte. MBB offerierte gleichzeitig dem Markt eine kleine M-15 Anlage zu einem Preis von 80.000 DM.

Ebenfalls 1982 baut das Ingenieurbüro Schlaich eine 50 kW Aufwindenergieanlage in Spanien, welche die Machbarkeit dieser Technologie belegt (s.d.).

Während bei Großanlagen wie dem Growian mit allen Mitteln bewiesen wird, daß sie für eine preiswerte öffentliche Stromversorgung nichts taugen (wobei zu bemerken ist, daß die beteiligte Firma MAN zum damaligen Zeitpunkt auch 10 kW Anlagen der Marke ‚Aeroman’ für etwa 70.000 – 100.000 DM das Stück vertrieben hat; bis 1986 wurden davon rund 400 Stück in die USA verkauft), beschäftigen sich andere Forschungsinstitute und Projektgruppen mit kleineren, ‚angepaßten’ Anlagen.

Die inzwischen aufgelöste IPAT der TU Berlin (= Interdisziplinäre Projektgruppe für Angepaßte Technologie) wird von der GTZ und dem BMZ unterstützt, als sie sich um 1975 herum mit der Nutzung der Windenergie zur Förderung von Wasser aus tief gelegenen Flußläufen, Brunnen und Quellen für die Trinkwasserversorgung, Viehtränkung und Landbewässerung in Entwicklungsgebieten beschäftigt. Die Konzepte der Projektgruppe beinhalten, daß die für den Windpumpenbau benötigten Materialien und Bauteile möglichst in den Anwenderländern selbst hergestellt werden sollen, ebenso soll die Instandhaltung dort erfolgen können. Die IPAT beschäftigt sich deshalb in der Hauptsache mit Schlagflügel-Windanlagen und Innenwalkring-Pumpen zur Wasserförderung.

Schlagflügel

WindWing

Ein ähnliches System wird übrigens erst wieder im März 2007 publik, als das neu gegründete Unternehmen W2 Energy Development Corp. aus Santa Barbara, Kalifornien, eine ebenfalls oszillierende Windpumpe vorstellt, deren Wirkungsgrad zwischen 40 % und 60 % liegen soll. Entwickler der WindWing-Anlage ist Gene Kelley, den Patentantrag dafür hat er bereits 2005 eingereicht.

Ich erwähne dieses System an dieser Stelle, weil mir über die frühe IPAT-Anlage leider keinerlei Unterlagen oder Bilder mehr vorliegen. Ansonsten behandle ich die Schlagflügel-Windkraftanlagen in der Rubrik Neue Designs und Rotorformen.

Zur breiten, lokalen Anwendung fehlt es in der Bundesrepublik allerdings an zuverlässigen meteorologischen Daten über Windaufkommen und -intensität, es gibt nur etwa 70 Stationen neben den rund 350 nebenamtlichen Windmessern, also weitaus weniger, als eigentlich notwendig ist (Stand 1980). Ebenso bilden die Archivierung und die Auswertung der hereinkommenden Daten ein neues Gebiet. Besonders über den fast stetigen Höhenwind liegen so gut wie keine Informationen vor.

Als Standorte für Windanlagen kommen die Küstenregionen, besonders die Insel Sylt, sowie lokale Alpenrandgebiete in Frage. Das BMFT geht davon aus, daß die Wind­energie etwa 8 % des Energiebedarfs der Bundesrepublik Deutschland decken könnte (Stand 1979). Ein Forschungsauftrag zur Bestimmung des Windenergieangebots im Bereich der Deutschen Bucht und der Norddeutschen Tiefebene wird vom BMFT mit 1,4 Mio. DM finanziert.

Eine weitere Version von WAEs bildet das Schwebering-Windkraftwerk, das von Christoph Schlobies vorgeschlagen wurde und Anlagengrößen bis zu 1.000 MW möglich machen soll (Patent DE 3209347 vom 15.09.1983). Dieser Vorschlag stellt eine Weiterentwicklung des Segelwagen-Kraftwerks dar und besteht aus einem Rhönrad ähnlichen Doppelring, der mit senkrecht stehenden profilereten Windflügeln verbunden ist und auf einer Magnetschiene, quer zur Hauptwindrichtung, gleitet oder rollt. Er bildet damit indirekt auch einen Vorgänger der Maglev-Turbinen (s.u.) oder der Floating Vertical-Axis Turbine von Clive Murray Cocker vom Londoner Imperial College (Patent WO 2003/016714 von 2003).

Ab 1984 werden auf dem Versuchsfeld in Schnittlingen diverse Windkraftwerke getestet, darunter die Debra 25, der MAN-Aeroman, die Flair, elektrOmat, WEC-52 und Optiwa. Gleichzeitig beginnt die Firma MAN mit der Produktion des einflügligen Monopteros, während der Aeroman über 500 mal verkauft wird. Im selber Jahr wird auch die Firma Enercon gegründet.

Seit 1985 unterstützt das BMFT den Bau von Inselbetrieb-Windparks in Ländern der 3. Welt (mit je 10 Stück 20 bis 30 kW Anlagen), außerdem wird die Firma Nordex AG gegründet.

1986 stellt die Deutsche Gesellschaft für Windenergie bei einer Erhebung fest, daß es in Deutschland bereits etwa 500 Windkraftwerke verschiedenster Art gab, davon seien aber nur rund 50 einigermaßen professionell. MAN und andere Firmen gründen daraufhin die Fördergemeinschaft Windenergie. In Eiderstedt will eine Stiftung Windenergie sogar 90 Mio. DM zum Bau von 300 Windkraftanlagen akquirieren. Eine 1,2 MW Dreiblatt-Anlage mit einem Rotordurchmesser von 60 m von MAN wird auf Helgoland installiert, deren Überschußstrom zur Meerwasserentsalzung dient. Eine 30 kW Anlage inklusive Fundament und Mehrwertsteuer kostet zu diesem Zeitpunkt rund 110.000 DM. Technisch zugelassen ist außer dem Aeroman von MAN nur eine 20 kW Anlage der Firma Windkraft-Zentrale in Brodersby bei Kappeln (Kostenpunkt: 63.000 – 77.000 DM). Im Verkauf befinden sich aber auch die Enercon 55/15 der Gesellschaft für Energieanlagen in Aurich (ein 3-Flügler mit 55 kW für 136.000 DM) und die V-16 des dänischen Unternehmens Vestas, von dem sich weltweit schon etwa 1.600 Exemplare im Wind drehen (55 kW für 105.000 DM).

Ebenfalls 1986 betreibt Dornier eine 30 kW Darrieus-Windenergieanlage.

Schon 1987 nehmen die allgemeinen Probleme mit Zulassungen und Baugenehmigungen zu, außerdem steigern sich die Ressentiments gegen die ‚Verspargelung der Landschaft’ aufgrund des Lärms und ihrem häßlichen Aussehen (s.u. Grenzen der Windnutzung).

1988 wird bekannt gegeben, daß der erste deutsche Windpark mit 30 Anlagen an der Elbmündung in Dithmarschen seit einem Jahr einwandfrei arbeitet. Ein weiterer Windpark entsteht bei Cuxhaven mit 10 Enercon 55 kW und 15 MBB 30 kW Anlagen. Die Investitionskosten von ca. 6 Mio. DM werden zwischen dem BMFT und dem Stromversorgungsunternehmen Überlandwerke Nord-Hannover geteilt. Das BMFT fördert außerdem ein Forschungsvorhaben der Gesamthochschule Kassel mit 650.000 DM, bei dem auf dem 636 m hohen Knüll bei Bad Hersfeld zwei 10 kW Anlagen mit Netzeinspeisung aufgestellt werden. Bis Mitte 1988 werden insgesamt 150 BMFT-geförderte kleine und mittlere Anlagen mit insgesamt 5 MW errichtet.

1989 gibt die KfA Jülich bekannt, daß das BMFT die Maßnahme ‚100 MW Wind’ mit dem Ziel unterstützt, eine größere Zahl von Demonstrationsanlagen zu erstellen. Besonders auf der Halbinsel Eiderstedt werden daraufhin mehrere Windparks geplant, davon alleine 200 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 500 MW aus privater Initiative. Auch der Deutsche Alpenverein engagiert sich und stellt am 1.765 m hoch gelegenen Rotwandhaus nahe Bayrischzell einen 36 kW Rotor auf, der so ausgelegt ist, daß er beim Betrieb nicht lauter ist als der Wind selbst. Der Dreiblatt-Rotor hat einen 10 m hohen Turm, die Blattlänge beträgt 10,4 m und die Kosten belaufen sich auf 120.000 DM.

In Zimmern (Baden-Württemberg) wird 1989 eine 30 kW WEA der Firma Südwind errichtet, in Heroldstatt-Enabeuren eine E-17 mit 55 kW.

Der Interessenverband Windkraft Binnenland hat 1989 schon 550 Mitglieder, die sich mit nicht erteilten Baugenehmigungen und anderen behördlichen Auflagen und Einwänden herumschlagen. Seit 1987 ist kein einziger (privater) Antrag mehr genehmigt worden, obwohl sich der niedersächsische Regierungschef Ernst Albrecht (CDU) entschlossen hat, den Bau von Windkraftanlagen zu einem Drittel aus dem Landesetat zu fördern. Die Erfahrung zeigt, daß insbesondere die Strom-Giganten, die sich rein aus Image-Gründen mit Erneuerbaren Energien beschäftigten, mit ihren Anträgen für großangelegte Windparks das gesamte Förderkontingent ausschöpfen.

Zu diesem Zeitpunkt sind in Deutschland 293 Windenergieanlagen am Netz, die zusammen 27 MW leisten.

Die Bundesrepublik Deutschland beschließt 1990 das Stromeinspeisegesetz – während in Husum und Bredstedt bereits erste Klärwerke mit Windkraft laufen, ebenso wie ein Wasserwerk in Gelting.

Nach vier Jahren Planungs- und Bauzeit geht 1990 in Inhausersiel bei Wilhelmshaven der (damals) größte deutsche Windpark (‚Jade-Windpark’) mit einer Gesamtleistung von 2 MW in Betrieb. Für eine Investitionssumme von  rund 25 Mio. DM wurden dort drei ,Monopetros-50’ Windturbinen von MBB (Einflügler, Turmhöhe 60 m, Rotorblattlänge 28 m) mit jeweils 640 kW Leistung und 20 Jahren Lebensdauer errichtet. Das BMFT förderte die Entwicklung dieser Anlagenart mit 4,3 Mio. DM. In Kooperation zwischen den Firmen MBB und Kvaerner Turbine wird für den Jade-Windpark im Folgejahr außerdem eine deutsch-schwedische 3 MW Großanlage ‚Aeolus II’ geplant.

Am 21.03.1990 wird im spanischen Galizien in der Nähe des Ortes Cabo Villano und im Rahmen eines deutsch-spanischen EG-Projektes eine 1,2 MW-Anlage mit dem Namen ‚Awec 60’ in Betrieb genommen. Diese Anlage kostet 6,5 Mio. DM. Am 02.07.1990 geht auf Helgoland die bis dahin größte deutsche Windanlage ans Netz (Turmhöhe 44 m, Rotordurchmesser 60 m), die pro Jahr rund vier Millionen kW/h erzeugen soll. Und am 31.12.1990 schaltet die konstruierende Husumer Schiffswerft ‚Europas größten Windpark’ im nordfriesischen Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog, an der Unterelbe bei Brunsbüttel, ans Netz – mit 35 MAN-Windkraftanlagen (30 m hoch, 12 m lange Rotorblätter) und insgesamt 8,75 MW Leistung. Ein späterer, zweiter Bauabschnitt umfaßt weitere 15 Anlagen mit 3,75 MW, die Kosten betragen insgesamt rund 28 Mio. DM. Die Husumer Schiffswerft legt außerdem Pläne für einen weiteren Windpark auf der Halbinsel Eiderstedt oder an der dänischen Küste vor, bei dem für privat investierte 30 Mio. DM 52 Anlagen insgesamt 13 MW Strom erzeugen sollten.

E 40 Windkraft-Anlage

E 40 Anlage

Ebenfalls 1990 errichtet die Firma Südwind gemeinsam mit der Berliner Bewag eine erste Demonstrationsanlage auf der 40 m hohen Mülldeponie Wannsee, bei der Firma Dornier (die inzwischen zum Daimler-Benz-Konzern gehört) wird die Forschung am Darrieuskonzept eingestellt, in Hausen vor Wald entsteht auf Privatinitiative eine  95 kW Anlage und in Wilhelmshaven wird das Deutsche Windenergieinstitut DEWI gegründet.

Bis 1990 fließen insgesamt 82 Mio. DM in die Förderung der Windenergie.

Nach langen und mitunter schwierigen Auseinandersetzungen tritt am 01.01.1991 eine Novellierung der Bundestarifordnung „über die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien in das öffentliche Netz“ in Kraft. Demnach beträgt die Vergütung für regenerativ erzeugten Strom 90% des Durchschnittserlöses je Kilowattstunde aus der Stromabgabe von den EVU. Das Gesetzt wird mit den Jahren mehrmals abgeändert, gilt aber als Investitionsmotor.

Im Dezember 1991 nimmt in Rapshagen bei Pitzwalk die erste große Windkraftanlage des Landes Brandenburg ihren Betrieb auf. In China werden in der Inneren Mongolei die ersten beiden aus Deutschland importierten 5 kW Anlagen installiert.

Bis 1992 gibt es ein 250 MW Förderprogramm für Windkraftanlagen (bis 1995 jährlich 50 MW), bei dem jede Windkraftanlage zehn Jahre lang im praktischen Einsatz überwacht wird. Danach will man überwiegend Großwindanlagen fördern. In Brandenburg sorgt eine Ampelkoalition durch einen Investitionszuschuß von 30 % – 50 % für die mit Abstand höchste Förderung. Im März 1992 wird im Windpark der EWE AG bei Hamswehrum der Prototyp einer getriebelosen 400 kW Anlage von Enercon errichtet (E 36). Die dabei gewonnenen Daten fließen später in die Entwicklung eines 500 kW Serienmodells ein (E 40). Bei diesem Modell weist der neuartige, vom Rotor direkt angetriebene Synchrongenerator in Ringbauweise, einen mittleren Durchmesser von 4 m auf.

Am 21.09.1992 nehmen die Stadtwerke Husum einen Windpark in Betrieb, der durch die Verwendung von Windkraftanlagen verschiedener Hersteller, verschiedener Turmhöhen (28 m und 55 m Nabenhöhe) sowie kompakter Aufstellung der Anlagen eine optimale Ausnutzung des verfügbaren Geländes demonstriert. Es werden acht Anlagen der Husumer Schiffswerft (HSW 250) sowie sieben Anlagen der Firma Tacke (TW 250) mit je 250 kW Nennleistung errichtet. Die Gesamtleistung entspricht somit fast 4 MW.

Die Windsteuer, die 1992 vom dem ostfriesischen Bürgermeister Udo Reemstma ‚erfunden’ wird, kann sich nicht durchsetzen. Zu diesem Zeitpunkt stehen in Deutschland bereits 405 Windenergieanlagen mit insgesamt 75 MW Leistung.

Die Niedersächsische Landesregierung plant 1993, bis zum Jahr 2000 rund zweitausend Windmühlen mit etwa 1.000 MW Gesamtleistung zu erstellen. Theoretisch seien sogar 10.000 MW alleine an der Küste möglich – so die damalige Umweltministerin Monika Griefahn. Eine entsprechende Windstudie hatte 280.000 DM gekostet. Im schleswig-holsteinischen Dithmarschen wird Anfang November ein weiterer Windpark mit sieben Anlagen und einer Nennleistung von 3,5 MW eingeweiht, die Kosten betragen 7 Mio. DM.

Bis 1993 hat man durch das BMFT-Projekt auf Borkum genügend Erfahrungen mit einer windbetriebenen Meerwasserentsalzung gewonnen, nun werden Pläne für eine größere 300 kW Anlage auf Rügen gemacht, die dort ihre speziell für den Einsatz im Ausland erforderliche Einsatzreife erlangen soll, wobei das Destillat in Anpassung an die Schwankungen im Windangebot durch eine mechanische Dampfverdichtung gewonnen wird. Als Trinkwasserleistung werden 15 Kubikmeter pro Stunde angegeben, die Projektkosten betragen etwa 3,4 Mio. DM.

Anfang Juli 1993 geht der ‚größte Windpark Deutschland’ auf der Ferieninsel Fehmarn mit 34 Anlagen und einer Gesamtleistung von 17 MW in Betrieb. Die Kosten hierfür betragen 40 Mio. DM. Auch das neue Versand- und Logistikzentrum der Otto Versand GmbH in Haldensleben (Sachsen-Anhalt) wird mit mehreren Windrädern zur unterstützenden Stromversorgung ausgerüstet. Als ‚größter Binnenwindpark Europas’ gehen Mitte November neun von zehn Windräder im sächsischen Jöhnstadt (Landkreis Anaberg) ans Netz. Mit der Energie sollen 8 % des Stromverbrauchs des Landkreises mit seinen etwa 95.000 Einwohnern gedeckt werden. Im Herbst 1993 wird an der Universität Bremen der erste Lehrstuhl für Windenergie eingerichtet.

Deutschland (1994 – heute)

Die für den Jade-Windpark geplante 3 MW Großanlage ‚Aeolus II’ sollte eigentlich schon ab 1992 pro Jahr rund sieben Millionen kWh für den Betreiber PreussenElektra erzeugen. Tatsächlich geht sie jedoch erst Anfang 1994 in Betrieb. Die glas- und kohlefaserverstärkten zwei Rotorflügel haben einen Durchmesser von 90 m, der Turm ist 90 m hoch und gekostet hat die Anlage etwa 27 Mio. DM. Die zu jenem Zeitpunkt größte Windkraftanlage Deutschlands übertrifft im ersten Betriebsjahr sogar die Erwartungen, bis Oktober 1994 produziert sie rund vier Millionen kWh Strom.

Mitte April 1995 geht nach anderthalb Jahren Forschungs- und Aufbauarbeit die o.e. windbetriebene Rügener Meerwasser-Entsalzungsanlage der Entwicklungsgesellschaft SEP aus Ismaning bei München in Betrieb. Schon Anfang 1996 liegen daraufhin Interessenbekundungen aus fünf Ländern, darunter auch China, vor, da die Anlage nur etwa ein Fünftel der Energie einer konventionellen Meerwasserentsalzungsanlage benötigt.

1995 besitzt das Land Brandenburg insgesamt 114 Windräder mit einer Gesamtleistung von über 38 MW. Es erklärt die natur- und landschaftsgerechte Entwicklung der Windkraftnutzung explizit zu einem seiner Landesziele.

Ebenfalls 1995 entsteht in Friesland eine der ersten Bürgerinitiativen gegen einen Windpark, der als ‚Europas größter’ im Kreis Wittmund entstehen soll. Schon seit dem Beginn der Planungen gibt es Ärger, ganze Dorfgemeinschaften zerbrechen. 1995 drehen sich von den geplanten 102 Anlagen erst sieben, und nicht lange danach beginnen auch diverse Naturschützer zu fordern, den weiteren Ausbau der Windenergie zu begrenzen.

Im Oktober 1995 befaßt sich auch der Bauausschuß des Bundestages mit Windkraftanlagen. Es geht darum, die Windräder (wieder) in die Liste der privilegierten Bauten aufzunehmen, ähnlich wie Wasserleitungen oder Telefonlinien. Diese Einrichtungen können nämlich mit viel weniger Bürokratie-Kontrolle gebaut werden. Das Bundesverwaltungsgericht hatte 1994 entschieden, daß Windkraftanlagen nicht länger ‚privilegiert’ behandelt werden durften. Inzwischen rotieren in Deutschland schon rund 3.000 Anlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 850 MW, jede Woche kommen etwa 15 neue Windkraftwerke dazu. Nach den USA liegt Deutschland damit weltweit auf dem zweiten Platz.

Abraumhalden bei Klettwitz

Abraumhalden bei Klettwitz
(Foto von Inge Rambow)

Der damalige Niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder verspricht: „Wer Windräder sät, wird Strom ernten.“ Da beim Stromeinspeisegesetz die Versorgungsunternehmen jedoch nur gezwungen sind, den im Versorgungsgebiet erzeugten Strom aufzukaufen, verweigern die Stromkonzerne die Abnahme des Stromes von Offshore-Windparks. Damit werden mehrere geplante Projekte blockiert. In Brandenburg sorgt dagegen ein Windkrafterlaß für eine merkliche Erleichterung bei der Planung und dem Bau von Windkraftanlagen. Zu diesem Zeitpunkt gibt es in Brandenburg etwa 150 Anlagen, davon alleine 60 in der Prigniz und 40 in der Uckermark. 136 Anlagen sind öffentlich gefördert worden.

Zum Jahresbeginn 1996 wird im Land Brandenburg zwar die Förderung der Windenergie eingestellt – andererseits zwingen das Stromeinspeisegesetz die Energieversorger, den Windstrom zu 17 Pfennig pro kWh abzunehmen. Anfang Juli geht der ‚größte Windpark Brandenburgs’, das Windfeld Uckermark, ans Netz. Dort wurden 17 Anlagen mit einer Kapazität von 8,5 MW installiert. Das Umweltministerium förderte den Park mit 1,36 Mio. DM, das Wirtschaftsministerium mit 4,55 Mio. DM. Bis 1997 ist eine Erweiterung auf 43 MW geplant. Die erforderliche Umweltverträglichkeitsstudie hatte alleine 100.000 DM gekostet, die parallel dazu erarbeitete Grünordnungsplanung sah für den Eingriff in das Landschaftsbild sowie die Beeinträchtigungen des natürlichen Wertes der Landschaft Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Umfang von ca. 15.000 DM je Windkraftanlage vor.

Am 30.03.1996 wird die Studie ‚Windenergienutzung auf Kohleabraumhalden in Brandenburg’ veröffentlicht. Anfang Oktober 1996 vereinbaren der Germanische Lloyd, die RWE Energie und andere den Bau eines Testfeldes in Grevenbroich für acht Windkraftanlagen – speziell für den Einsatz im Binnenland. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Gesamtleistung der ca. 4.300 Anlagen in Deutschland auf rund 1.500 MW erhöht. Außerdem erfolgt die Gründung des Bundesverband Windenergie BWE, der die Interessen der Anlagenbetreiber und Erbauer vertritt.

Am 01.01.1997 tritt eine Änderung des Baugesetzbuches in Kraft, der zufolge Windkraftanlagen privilegiert sind, es besteht also ein Rechtsanspruch auf eine Baugenehmigung, sofern dem Vorhaben keine öffentlichen Belange entgegenstehen. Trotzdem gerät die Windbranche in Bedrängnis: Landschaftsschützer versuchen zunehmend den Bau neuer Windräder zu verhindern und bestehende Anlagen stillzulegen, Fachleute stellen den ökonomischen Nutzen in Frage, durch die Liberalisierung des Strommarktes steigt der Konkurrenzdruck (z.B. durch billigen Atomstrom aus Frankreich) und einige EVUs versuchen sogar das Stromeinspeisungsgesetz von 1990 zu kippen. In Brüssel berät man derweil über eine zeitliche oder produktionsbezogene Begrenzung der Vergütung. Anfang des Jahres beginnt die Firma Enercon (trotzdem) mit der Serienfertigung der ,E 66’ (1,5 MW, 130 m Gesamthöhe).

Im Mai 1997 wird bei Osnabrück Deutschlands bislang größte Binnenland-Windkraftanlage mit 1,5 MW errichtet (Turmhöhe 80 m, Rotordurchmesser 65 m), und ‚Europas größter Windpark’ mit 57 Anlagen wird für die Lichtenauer Windschnurre zwischen dem Teutoburger Wald und dem Eggegebirge geplant. Das Institut für Solare Energieversorgung (ISET) in Kassel bestätigt den Windkraftanlagen inzwischen eine technische Verfügbarkeit von 98,8 %.

‚Europas modernstes Bio-Kraftwerk’ wird im sächsischen Zittau errichtet – eine Windkraftanlage, ein Wasserkraftwerk und ein mit Pflanzenöl gespeistes Bio-Heizkraftwerk erzeugen den Strom gemeinsam. Eine Windmühle, die in Ostfriesland in der Einflugschneise für Jagdbomber des Geschwaders 38 ‚Friesland’ steht, wird mit öffentlichen Mitteln (700.000 DM) um 1.350 m versetzt. Am 16. September stellt Vestas die bislang größte Serien-Windkraftanlage der Welt vor: Nennleistung 1,65 MW, 165 t Gesamtgewicht, 32 m lange Rotorblätter, Nabenhöhe 67 m.

In der Bundesrepublik werden 1997 insgesamt 849 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 534 MW neu errichtet, rund die Hälfte davon im Binnenland. Durch die erreichte Gesamtleistung von rund 2.000 MW erlangt Deutschland die internationale Marktführung – vor den USA mit nur 1.650 MW. Der Gesamtumsatz der Windkraftbranche steigt 1997 um 350 Mio. DM auf 1,3 Mrd. DM, und es hängen rund 14.000 Arbeitsplätze an der Branche. Inzwischen gibt es eine neue Entwicklung auf dem Gebiet der Rotorblattherstellung: Für kalte Regionen werden nun auch schwarze Rotorblätter angefertigt. Diese reflektieren das Sonnenlicht nicht so stark wie die üblicherweise hell ausgeführten Blätter. Die schwarzen Blätter neigen daher kaum zum gefährlichen Eisansatz. Später gibt es auch das Verfahren, mit eingelassenen Heizdrähten gegen die Eisbildung vorzugehen.

Im Frühjahr 1998 beträgt die Gesamtleistung der inzwischen rund 5.400 Anlagen mehr als 2,2 GW. Zunehmend kommen nun auch kleine Windgeneratoren mit Leitungen von 100 bis 500 W auf den Markt. Bei den großen Rotorblättern gibt es allerdings immer wieder Probleme, viele müssen während der Garantiezeit wegen Konstruktionsfehlern oder Herstellungsmängeln ausgewechselt werden. Der Trost kommt vom Deutschen Windenergieinstitut in Wilhelmshaven: „Wenn die Hersteller es erst einmal geschafft haben, daß die Blätter zwei Jahre durchhalten, dann werden sie auch zwanzig Jahre aushalten“.

Offshore-Windenergieanlagen kommen mehr und mehr ins Gespräch, auch durch die Novellierung des Stromeinspeisegesetzes, demzufolge nun primär derjenige Netzbetreiber Offshore-Strom vergüten muß, in dessen Netz der dem WEA-Standort nächstgelegene Einspeisepunkt liegt (Standorte außerhalb der 12-Seemeilen-Zone wurden im Gesetz nicht geregelt). Konkrete deutsche Projekte gibt es noch nicht, allerdings stellt im April die Firma aerodyn auf der Hannover Messe den ersten Entwurf einer speziell für die maritime Stromgewinnung konzipierten Anlage vor, mit einer Leistung von 4 bis 5 MW und einem Rotordurchmesser von 100 m.

Mitte 1998 geht ‚Deutschlands größter Windpark’ in Nordleda bei Cuxhaven in Betrieb. 43 Windräder erwirtschaften knapp 23 MW, gekostet hat das Ganze rund 58 Mio. DM.

Ebenfalls 1998 erfinden die Ortsräte der Gemeinde Land Wursten im Landkreis Cuxhaven eine Landschaftsbildbeeinträchtigungssteuer (LBBS), mit der sie Windräder besteuern wollen (höhenabhängig zwischen 1.000 und 4.500 DM/Jahr). Weil es den Betrieb einer Bundeswehr-Radarstation beeinträchtigt haben soll, wird in Borgentreich/Ostwestfalen ein Windkraftwerk wieder abgebaut. An der Universität Oldenburg werden erstmals neue rechnergestützte Verfahren für die Vorhersage des Windpotentials entwickelt. Am 12. September wird der ‚größte Windpark Europas’ im ostfriesischen Westerholt-Holtriem (Kreis Wittmund) mit 35 Enercon-Windgeneratoren und einer Gesamtleistung von 52,5 MW in Betrieb genommen.

Zum Jahresbeginn 1999 zählt die Statistik für Deutschland exakt 6.205 Anlagen mit einer Nennleistung von 2,9 GW. Es gibt erste Konflikte auf dem Weltmarkt zwischen deutschen und US-amerikanischen Exporteuren von Kleinstwindanlagen, da letztere massiv subventioniert werden und dadurch mittels Preisdumping die deutsche Konkurrenz – besonders in China – aus dem Rennen drücken. ‚Europas größter Windpark’ (62,7 MW) wird mit 38 Vestas-Windrädern à 1,65 MW für Klettwitz/Kostebrau (Oberspreewald/Lausitz) geplant. Ende Juli beginnt auf der Anhöhe eines ehemaligen Brandenburger Braunkohle-Tagebaugeländes die Montage der Windräder, die bis November abgeschlossen ist. Die Investitionskosten betragen insgesamt 160 Mio. DM.

Ebenfalls Anfang 1999 geht am Stadtrand des westfälischen Bocholt ein Windpark mit vier Anlagen und einer Gesamtleistung von 3,56 MW in Betrieb, der allerdings eine grundlegende Neuigkeit aufweist: Hier werden außerdem 816 Stromspeicherzellen installiert, deren Speicherkapazität 1,2 MW für eine Stunde beträgt. Ein automatisches Wassernachfüllsystem und eine Elektrolytumwälzung sorgen für eine höhere Haltbarkeit der Batterien. Die Investitionskosten der beiden privaten Betreiber Ursula Knaup und Wilhelm Janke betragen 9 Mio. DM, von denen etwa 12,5 % durch Öffentliche Förderungen abgedeckt werden. Mit dieser Anlage wird eine beträchtliche Verbesserung des Potentials regenerativer Energien erzielt.

Weitere große Parks existieren 1999 in Lichtenau-Asseln (Nordrhein-Westfalen) mit knapp 33 MW, in Ihlewitz (Sachsen-Anhalt) mit 24,7 MW, in Wangenheim (Thüringen) mit 22,5 MW und in Wöhrden (Schleswig-Holstein) mit 20,4 MW.

Wirtschaftlich boomt die Windbranche – während es gleichzeitig wegen Konkursen, Fehlplanungen, Änderungen der Förderrichtlinien u.a. zu immer stärkeren Konzentrationsprozessen kommt. Eine Methode, auf dem Markt zu bestehen, erfindet die Lübecker DeWind Technik GmbH, indem sie ihre export-orientierte 1 MW-Anlage als leicht verschiffbare Container-Version anbietet. Das Anfang Oktober 1996 beschlossene Testfeld für Binnenland-Windkraftanlagen auf der Neurather Höhe, südlich von Grevenbroich, wird im Februar 1999 eingeweiht. Auf der Hannover Messe wird in diesem Jahr die erste 5 MW-Anlage für den Offshore-Bereich vorgestellt. Dem Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie in Hamburg liegen zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Voranfragen für Offshore-Parks vor, in denen verschiedene Energiekonsortien insgesamt rund 1.400 Windkraftanlagen errichten wollen: nordwestlich von Rostock, vor Wilhelmshaven, in der Lübecker Bucht, nordwestlich von Rügen, vor der Insel Usedom und nordwestlich vor Helgoland.

Während der Frühlingsstürme stürzt im hessischen Helpershain ein tonnenschwerer Generatorblock vom 63 m hohen Mast; erstmals bricht auch ein 32 m langes Rotorblatt komplett ab (Windpark Sustrum).

Mitte 1999 geht die erste Windkraftanlage Münchens in Betrieb, errichtet auf einem 592 m hohen Müllberg und mit einer Nennleistung von 1,5 MW – Kostenpunkt 4 Mio. DM. Zum ersten Mal wird im Juni des Jahres von einer Baustelle bei Stöffin (Ostprigniz-Ruppin) ein 10 t schweres und 20 m hohes Segment einer Windkraftanlage gestohlen!

Das Fraunhofer-Institut für Atmosphärische Umweltforschung (IFU) in Garmisch-Partenkirchen entwickelt eine mobile Sodar-Anlage (Sound Detection and Ranging), mit der die tatsächlichen Windstärken bis zu einer Höhe von 200 m gemessen werden können. Dies ist z.B. deshalb wichtig, weil die durchschnittliche Windstärke am gleichen Standort in 30 m bzw. 60 m Höhe um 30 % – 50 % differieren kann. Bei den bisherigen Verfahren der Mastmessung konnte nur bis maximal 30 m Höhe gemessen werden.

Ende 1999 sind in Deutschland bereits 7.000 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 3,4 GW in Betrieb, womit rund 1,2 % des deutschen Stromverbrauchs gedeckt werden. Die Windenergie-Messe in Husum ist inzwischen die weltgrößte Fachmesse, in diesem Jahr stellen dort 130 Aussteller ihre Produkte vor. Durch Optimierung der Rotorblätter gelingt es der Fachhochschule Wiesbaden den Wirkungsgrad der altbekannten Western-Windräder von 30 % auf 36 % anzuheben.

1999 werden von Deutschland aus 358 WEA exportiert.

Im Frühjahr 2000 geht die 80 m hohe 2,5 MW Anlage der Firma Nordex in Serie, im Herbst die 2 MW Anlage von Vestas, deren Rotor einen Durchmesser von 80 m hat. Die drei schleswig-holsteinischen Unternehmen DeWind, Husumer Schiffswerft und Jacobs Energie planen gemeinsam eine 5 MW Anlage. In dieser Größe kommt als Installationsort nur noch der Offshore-Bereich in Frage, obwohl die Installations- und Wartungsarbeiten auf See fünf- bis zehnmal höher sind als an Land. Unter wirtschaftlichen und technischen Abwägungen kommen derzeit nur maximale Wassertiefen von 25 m in Betracht.

Am 17.06.2000 weiht Umweltminister Jürgen Trittin den Windpark Klettwitz ein, der als Europas leistungsstärkster gilt (38 Anlagen, 111 m Höhe, 63 MW Gesamtleistung). In der gleichen Woche gehen in Güstow sieben, und in Grünow sechs Windkraftanlagen ans Netz, die zusammen 8,55 MW produzieren.

Im Jahr 2000 gibt es insgesamt konkrete Projekte mit Volumina von 200 – 300 MW und einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde DM. Den größten Anteil an der neu installierten Windkraft-Leistung hat der Hersteller Enercon (36,0 %), gefolgt von Vestas (13,5 %), Enron-Tacke (10,6 %), AN Wind (10,3 %), Nordex (9,5 %), NEG Micon (8,2 %) und DeWind (6,9 %). Als derzeit weltweit leistungsstärkste Anlage mit 2,5 MW gilt die ‚N 80’ der Firma Borsig Energy in Oberhausen. Die drei jeweils 40 m langen Flügel sind beweglich und drehbar aufgehängt, sie lassen sich dadurch einzeln nach dem Wind ausrichten.

Ende des Jahres gibt das Bundesverkehrsministerium ‚grünes Licht’ für den ersten Offshore-Windpark bei Rügen. Inzwischen liegen dem Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie schon zehn Anträge vor. Der umfangreichste Plan stammt von der Firma Winkra-Energie-Gesellschaft aus Hannover: Zwischen Helgoland und St. Peter-Ording soll der weltweit größte Offshore-Windpark mit 100 Windrädern der 5-MW Klasse entstehen – der in einer zweiten Ausbaustufe dann verdoppelt werden soll. Die Firma Prokon-Nord GmbH aus Leer plant ebenfalls einen 1.000 MW Park in der Nordsee. In einer Pilotphase sollen bis 2003 zwölf Anlagen aufgestellt werden, ab 2007 wird der Park dann auf über 200 Rotoren ausgebaut.

Ende 2000 gibt es Bundesweit 9.375 Windkraftwerke, die insgesamt 6.113 MW Strom erzeugen.

2001 findet die Einweihung des Windenergieparks Sintfeld bei Paderborn  statt. Der mit 65 WEA größte Park im europäischen Binnenland erwirtschaftet 105 MW. In diesem Jahr wird die Firma REpower gegründet, die besonders durch ihre Entwicklungen im MW-Bereich bekannt wird.

2001 verfügt Deutschland mit bereits 8.754 MW über mehr als ein Drittel der weltweit installierten Leistung und liegt damit an der Spitze bei der Entwicklung und Anwendung von Windkrafttechnologie. Im internationalen Vergleich verfügen zu diesem Zeitpunkt nur noch Spanien und Dänemark, die USA und Indien über eine installierte Windenergie-Leistung von mehr als 1.000 MW.

2002 erreicht die installierte Leistung der Windenergie in Deutschland die 10.000 MW Marke.

Hütter-Rotor als Denkmal

Hütter-Denkmal

Berechnungen des Wirtschaftsverband Windkraftwerke e.V. (WVW) in Cuxhaven ergeben Ende 2002, daß in 85 % der Stunden eines Jahres genug Wind weht, um die entsprechenden Rotoren anzutreiben – zumindest an den Küsten. Von den 8.760 Jahresstunden (bei 365 Tagen) können an der Nordseeküste durchschnittlich 7.500 als Betriebsstunden genutzt werden. Selbst im Binnenland betragen die Betriebsstunden ein Vielfaches der immer wieder genannten Zahl von 2.000 Betriebsstunden, welche die Unwirtschaftlichkeit der Windkraft belegen soll.

Am 27. Juli 2003 wird auf Initiative von Heiner Dörner und durch Spenden, u.a. von Karl Schlecht, vor dem Institut für Flugzeugbau (IFB) der Universität Stuttgart, Fachbereich Windenergie, dem Windkraftpionier Ulrich Hütter ein Denkmal gesetzt: Eine historische Windenergieanlage vom Typ Allgaier/Hütter ‚WE 10/G6’, Baujahr 1949. Auf dem Foto sieht man vor dem Winkraftwerk (v.l.n.r.) die Herren Dr. Kurt A. Braun, Heiner Dörner, Karl Schlecht und Sepp Armbrust.

Im September 2003 sind in Deutschland schon 14.653 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 13.404 MW installiert. Derweil klagen der BUND sowie der Naturschutzbund Deutschland vor dem Hamburger Verwaltungsgericht gegen den ersten deutschen Offshore-Windpark Butendiek, der rund 30 km westlich von Sylt errichtet werden soll. Das DEWI errichtet 2003 ein zweites Testfeld für WEA.

Im Jahr 2004 erfolgt die Markteinführung von Multimegawatt-Anlagen (> 4 MW). Diese Anlagen erzeugen an einem Tag so viel Strom wie ihre Vorgänger aus den 1990er Jahren in einem ganzen Jahr! Gleichzeitig beginnt in Deutschland das sogenannte ‚Repowering’, d.h. der Ersatz veralteter Windkraftanlagen durch neue, vor allem aber der Austausch kleinerer Modelle gegen größere und leistungsstärkere. Während Altanlagen nur noch als Teileträger verwendet werden können, entsteht für die ausgemusterten funktionstüchtigen Anlagen ein Gebraucht-Markt mit Anfragen vor allem aus dem Ausland, da diese Windturbinen wegen ihrer kleinen Leistungsklasse, ihrer kürzeren Restlaufzeit sowie der robusten Technik insbesondere für die Wiedererrichtung in Entwicklungs- und Schwellenländern geeignet sind.

Das Beratungsbüro elexyr schlägt Mitte 2004 vor, durch die Kombination von Offshore-Windparks mit Meeresenergieanlagen erhebliche Synergiepotentiale auszuschöpfen, beispielsweise durch eine gemeinsame Netzanbindung. Ich habe danach jedoch keine weitere Erwähnung dieses vernünftig klingenden Vorschlags mehr gefunden.

Die 2004 als weltgrößte Windturbine geltende Anlage steht bei Magdeburg und leistet unter optimalen Bedingungen 4,5 MW (Enercon ,E 112’). Mit einer installierten Gesamtkapazität von 14.629 MW stehen im Jahr 2004 in Deutschland bereits 16.453 Windenergieanlagen, die rund 50 % der in Europa installierten Windleistung auf sich vereinen. Damit löst die Windenergie die Wasserenergie als Anführer der Erneuerbaren Energieträger ab.

Im Februar 2005 nimmt der Hamburger Windanlagenhersteller REpower AG in der schleswig-holsteinischen Hafenstadt Brunsbüttel die bislang größte und leistungsfähigste Windenergieanlage der Welt in Betrieb. Die ‚REpower 5M’ Anlage mit einer Gesamthöhe von über 180 m und einer Nennleistung von 5 MW speist Strom für 4.500 Haushalte in das Netz ein. Der Rotor hat einen Durchmesser von 126 m und dreht sich bei voller Nennleistung zirka 7 bis 12 mal pro Minute. Er überstreicht dabei eine Fläche von der Größe zweier Fußballfelder. Das Rotorgewicht beträgt 120 t, und der gesamte Maschinenkopf wiegt 290 t. Der 120 m hohe Turm verjüngt sich von 6 m Durchmesser in Höhe des Fundaments auf 5,5 m an der Spitze. Er wiegt insgesamt 750 t und steht auf einem Stahl-Beton-Fundament, das von 40 Betonpfeilern getragen wird, die 24 m tief in die Erde reichen. Hierfür werden rund 1.300 m3 Beton und rund 180 t Stahl verbaut. Die Anlage gilt als landbasierter Prototyp für spätere Offshore-Anlagen.

Neben der ‚REpower 5M’ bietet auch Prokon eine 5 MW Anlage an (‚Multibrid M 5000’), gefolgt von der 4,5 MW Anlage von Enercon (‚E 112’), einer 3,6 MW Turbine von General Electric (‚GE 3,6s offshore’) und der 3 MW Anlage von Vestas (,V 90’).
2005 gibt es in Deutschland nach Angaben des Bundesverbands Windenergie rund 18.000 Windenergieanlagen, die meisten davon in Niedersachsen (etwa 4.500 Stück). Der Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung beträgt derzeit rund 4,3 %.

Doch schon 2005 stehen die riesigen Rotoren an der Nordseeküste immer öfter still. Und zwar zunehmend gerade dann, wenn der Wind besonders kräftig weht. Es erweist sich, daß die Netze im Norden der Republik durch den starken Ausbau der Windenergieanlagen überlastet sind. Der Strom kann nicht zum Verbraucher geführt werden, die Räder müssen zwangsweise pausieren.

Dessen ungeachtet hat die deutsche Windkraftindustrie 2005 ihren Umsatz aus dem Exportgeschäft im Vergleich zum Vorjahr von 1,8 auf 3,0 Milliarden € gesteigert. Die Exportquote der deutschen Hersteller steigt nach Berechnungen des Bundesverbands Windenergie (BWE) von 50 % auf 64 %, denn in diesem Jahr werden weltweit Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von rund 11.500 MW aufgebaut – 40 % mehr als 2004 – von denen fast jede zweite Anlage aus deutscher Produktion stammt.

Gemessen am gesamten Stromverbrauch hat sich der Anteil aller Einspeisungen von Industrie und privaten Erzeugern 2005 von 11 % auf 12 % erhöht. Den Zuwachs habe es vor allem bei den Einspeisungen aus Erneuerbaren Energien gegeben. Die privaten Erzeuger steigern ihre Lieferungen auf gut 37 Milliarden kWh, rund 26 Milliarden kWh liefern davon die Windkraftanlagen.
Die Anfang Februar 2005 in Burnsbüttel bei Hamburg errichtete ‚REpower 5M’ hat innerhalb ihres ersten Betriebsjahres einen Ertrag von 13 GWh erwirtschaftet. Nach dieser Testphase erwartet man einen Jahresertrag von sogar 17 GWh.

2005 erfolgt die Gründung einer Offshore-Stiftung zum Testen von 12 Stück 5 MW Anlagen in der Nordsee. Mehr dazu in dem entsprechenden Kapitel über Offshore-Anlagen.

Im Oktober 2006 verschärfen sich die Probleme der Windkraftnetzanbindung. Weil die Stromleitungen das rapide wachsende Angebot an Windenergie nicht mehr aufnehmen können, sind die Übertragungsnetzbetreiber gezwungen, Windparks immer öfter abzuschalten. In Landkreisen wie Dithmarschen oder Nordfriesland steht rein rechnerisch jedes fünfte Windrad das ganze Jahr über still, weil der Strom nicht mehr abtransportiert werden kann! Außerdem entgehen den Windkraft-Betreibern Millionen-Einnahmen, da sie während der Abschaltungen ja keine Einspeisevergütung mehr bekommen. Allein in Schleswig-Holstein liegen außerdem Windkraft-Projekte im Wert von 300 Mio. € auf Eis, weil die hierfür notwendigen Stromnetze fehlen.

Wenn die Windenergie-Leistung tatsächlich bis 2015 wie geplant von 14.600 MW (im Jahr 2003) auf 36.000 MW ausgebaut wird, müssen einer Studie der Deutschen Energie Agentur (Dena) zufolge bis dahin für den Nord-Süd-Transfer des Ökostroms 400 km Stromtrassen verstärkt und 850 km neu gebaut werden, die Kosten werden auf 1,1 Milliarden € geschätzt.

Schon jetzt mußte E.ON in Schleswig-Holstein neue Überlandleitungen für rund 60 Millionen € bauen, um den Strom der ständig wachsenden Zahl von Windmühlen-Betreibern abzutransportieren. Durch die Errichtung von Offshore-Windparks sollen außerdem bis 2025 neue Windräder mit einer Leistung von bis zu 25.000 MW ans Netz gehen. Dafür sind die norddeutschen Netze aber noch nicht ausgelegt.

Windkraftgegner greifen inzwischen zu unlauteren Mitteln: Am Rosskopf im Schwarzwald kann nachgewiesen werden, daß die toten Fledermäuse, die unter den Windrotoren gut sichtbar herumliegen, als ‚zufälligerweise’ gerade ein Fernsehteam Aufnahmen macht, gar nicht von den Rotoren erschlagen sein konnten – die Betreiber hatten diese in der Nacht nämlich insgeheim ausgeschaltet…

Der Energieversorger EnBW plant 2006, Windenergie in unterirdischen Druckluftspeichern zwischenzulagern (s.d.). Damit könnte Windkraft indirekt auch bei Flaute oder bei erhöhtem Strombedarf Energie liefern.

Den Internationalen Designpreis Baden-Württemberg 2006 ‚Focus Energy’ gewinnt im Oktober die Conergy AG aus Hamburg mit einem 6 kW bzw. 7,5 kW Kleinwindrad, das für eine autarke Stromversorgung in netzfernen Gebieten konzipiert ist. Die Leichtbauweise der Anlage reduziert Kosten und vereinfacht nachhaltig Herstellung, Transport, Wartung und Montage. Dank der Seilwinde kann die Anlage einfach und schnell von nur drei Personen an einem Tag wahlweise auf einem Beton- oder Stahlfundament montiert werden. Durch ihre patentierte passive Pitch-Regelung übersteht die Anlage auch stärkste Stürme bis zu einer Windstärke von 250 km/h.

Conergy Windrad

Conergy Windrad

Im November 2006 stellt das Kasseler Institut für solare Energieversorgung (ISET) sein ‚Windpark-Cluster-Management’ vor, mit dem die Windenergie von Schwankungen befreit und voll nutzbar gemacht werden soll, indem verschiedene Windkraftanlagen zusammengeschaltet und zentral gesteuert werden. Künftig sollen erst die deutschen und dann die europäischen Windparks in einem Netz zusammengefaßt werden, und dadurch stetig eine berechenbare Strommenge abgeben. Dazu soll jeder Windpark einen Controller-Computer bekommen, der die verfügbare Energie ständig mißt und an einen Zentralrechner übermittelt.

Derweil müssen sich die Gerichte mit einem neuen Streitgegenstand herumschlagen: dem Windklau! Betreiber von Windparks klagen gegen neue Betriebsgenehmigungen in ihrer windseitigen Nachbarschaft mit dem Argument, daß dies den Ertrag ihrer bereits bestehenden Anlagen mindern würde.

Im April 2007 startet die WES GmbH in St. Michaelisdonn mit dem Testlauf einer Kleinwindrades namens ‚Wespe‚’ dessen Entwicklung 2005 begonnen hat. Der Name bezieht sich auf die auffällige gelb-schwarze Bemalung der Generatorhülle – doch auch sonst fällt das Modell etwas aus dem Rahmen, etwa durch seine vier, nicht verwundenen Rotorblätter aus extrudiertem Aluminium, oder durch seine am drehbar gelagerten Mast und unterhalb des Windrades angebrachte Windfahne. Der Rotordurchmesser des Lee-Läufers beträgt 4,5 m, seine Nennleistung 5 kW.

Im September 2007 entscheidet sich der Solarkonzern Conergy auch in die Produktion von großen Windkraftanlagen einzusteigen. Mit der ‚Powerwind 56’ errichtet das Unternehmen einen Prototypen der (knapp) 1-MW Klasse in Bremerhaven. Die 900 kW Maschine mit 56 m Rotordurchmesser soll dort getestet und vermessen werden. Diese Anlagen aus eigenem Hause kommen der zum Konzern gehörenden Projektgesellschaft Epuron zugute, die internationale Windparks inzwischen schneller projektiert, als diese von (anderen) führenden Herstellern mit Anlagen beliefert werden könnten.

Powerwind 56 Windkraftanlage

Powerwind 56

Ebenfalls im September 2007 wird bekannt, daß der deutsche Energiekonzern E.ON Windparks in Spanien und Portugal in einem Gesamtwert von 722Mio. € kaufen wird, um sein Stromangebot mit erneuerbaren Quellen zu würzen. Die Leistung der betreffenden Parks beträgt zusammen 260 MW.

Zu diesem Zeitpunkt stehen in Deutschland fast 19.000 Windräder, die zusammen mehr als 20 GW Strom erwirtschaften können – im optimalen Fall also so viel wie zwanzig Kernkraftwerke.

Schon als die Windenergie noch in den Kinderschuhen steckte, beschäftigten sich die Gründer der SeeBA Energiesysteme GmbH mit dem Thema erneuerbare Energien. Die Firma SeeBA wird 1997 von Ewald Seebode und Bernd Klinksieck gegründet. Beide können schon damals auf eine langjährige Erfahrung in der Windenergiebranche verweisen. Die EFI Energy Farming International AG wiederum wird im Jahr 2002 von Dr. Thomas Tschiesche und Dr. Ingo Stuckmann gegründet. Ach diese beiden haben langjährige Erfahrungen im Bereich der Windkraftplanung und Geschäftsführung.

Nachdem die beiden Unternehmen bereits bei verschiedenen Projekten zusammengearbeitet hatten, tun sie sich im Jahr 2007 zusammen, um die vorhandenen Kompetenzen für gemeinsame Projekte zu nutzen.

Anfang 2008 meldet die Presse, daß Siemens Wind Power seine bis zu 52 m langen und 16 t schweren Rotorblätter inzwischen in Dänemark herstellt, wobei das patentierte Integral-Blade-Verfahren ohne Klebstoffe und Chemikalien auskommt. Hauptbestandteil ist Fiberglas, ein glasfaserverstärkter Kunststoff, der im Gegensatz zum sonst beim Flügelbau verwendeten PVC wiederverwertbar ist und somit kein Abfallproblem darstellt. Darüber hinaus ist der Flügel, der eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren aufweist, besonders robust, was vor allem dem Einsatz in Offshore-Anlagen zu Gute kommt. Zukünftig will Siemens Rotorblätter von sogar 60 m Länge herstellen.

Unter dem Namen ‚Structural Health Monitoring’ (SHM) verfolgen Forscher mehrerer Fraunhofer-Institute und verschiedener Industriepartner ein Konzept, bei dem sie die sensorielle Struktur der menschlichen Haut zu imitieren versuchen, bei der sich auf einem Quadratzentimeter mehr als 300 Rezeptoren bzw. Sensoren befinden, die rund um die Uhr Informationen über den Zustand unserer äußersten Hülle empfangen und über ein weit verzweigtes Netzwerk bis ins Gehirn weiterleiten.

Ein elektronisches Netzwerk, das sich dieses Nervensystem zum Vorbild nimmt, soll künftig technische Strukturen wie die Rotorblätter von Windkraftanlagen schützen, aber auch Flugzeuge, Rohrleitungen usw., indem ein ausgeklügeltes Systeme aus Sensoren, Aktoren und Signalverarbeitung frühzeitig Risse, Rost und andere Verletzungen aufspürt, um Schäden zu verhindern. Bei der strukturellen Zustandsüberwachung sind die Sensoren fest mit der Struktur verbunden und können diese während des alltäglichen Betriebs ständig überwachen. Herzstück der verwendeten Sensoren sind keramische Piezo-Fasern, die mechanische Energie in elektrische Impulse umwandeln und umgekehrt (darüber mehr im Kapitel Micro Enery Harvesting).

Der WinDrive des Heidenheimer Anlagenbauers Voith, der im April 2008 vorgestellt wird, erzeugt aus unterschiedlich starkem Wind eine konstante Frequenz, die direkt ins Stromnetz eingespeist werden kann, ohne daß dabei ein Frequenzumrichter benötigt wird, wie es bislang der Fall ist. Die Serieneinführung des WinDrives soll noch in diesem Jahr in den USA erfolgen. Bis 2012 steht dann die weltweite Markteinführung an. Bislang sind Aufträge für 20 Anlagen eingeganghen – u.a. aus Texas und Mexiko. Zunächst will Voith exklusiv mit der Betreiberfirma DeWind, die kürzlich von der amerikanischen CCL Group übernommen wurde, zusammenarbeiten.

Die Presse meldet im Juni 2008, daß die Windkraft in Deutschland an ihre Grenzen stößt, da an Land kaum noch Platz ist, und das Offshore-Geschäft nicht voran kommt. Bislang dreht sich vor der deutschen Küste noch kein einziger Rotor. Die deutschen Windfirmen wenden sich daher verstärkt dem Ausland zu, insbesondere China und den USA. Nach Angaben des Bundesverbands Windenergie decken deutsche Hersteller und Zulieferer derweil mehr als ein Drittel des Weltmarkts ab.

Der norddeutsche Windturbinenhersteller Nordex beispielsweise, der wegen des schwachen Inlandsmarkts 2003 fast pleitegegangen ist, weist inzwischen einen Auftragsbestand von 2,9 Milliarden € aus, womit ist das Unternehmen bis Ende 2009 ausgelastet ist. Außerdem investiert das Unternehmen 350 Mio. € in den Aufbau neuer Fertigungen in Rostock, China und in den USA. Ab 2012 will die Firma dann jährlich Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 4.500 MW produzieren – das ist mehr als fünfmal so viel wie heute. Der (z.Zt. noch) größte deutsche Windturbinenhersteller Enercon wiederum will seine jährliche Produktion von 2.700 MW auf 3.200 bis 3.400 MW erhöhen.

Getriebelose Anlage von Siemens

Getriebelose Anlage
(Siemens)

Auch der amerikanische Siemens-Konkurrent General Electric seinem Börsenwert nach das drittgrößte Unternehmen der Welt nach ExxonMobil und PetroChina weitet seine Aktivitäten aus und arbeitet an der Expansion seines deutschen Wind- und Solarstandorts Salzbergen, der zum Zentrum für erneuerbare Energien in Europa werden soll. GE hatte den Standort mit 750 Beschäftigten 2002 von Enron übernommen. Weltweit hat GE bisher mehr als 8.500 Windturbinen ausgeliefert.

Nach der jüngst verabschiedeten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wird die Windstromvergütung an Land ab 2009 von 7,9 auf 9,2 Cent pro kW/h erhöht.

Mitte Juli 2008 errichtet Siemens Energy nahe der Stadt Ringkobing in West-Dänemark eine hochinnovative und getriebelose ‚Konzept-Windturbine’ mit einer Leistung von 3,6 MW, die anschließend einen zweijährigen Testlauf absolvieren soll. An dieser Technologie wird bereits seit 1999 gearbeitet. Das Unternehmen bezeichnet seine Anlage als die ‚erste mit getriebeloser Antriebstechnik’ – was jedoch nicht stimmt, da Enercon schon seit Jahren Anlagen mit einer ähnlichen Technik ausliefert.

Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU entwickelt gemeinsam mit Fachleuten der Schirmer GmbH, der ESM Energie- und Schwingungstechnik Mitsch GmbH und dem Ingenieurbüro Dr. Ziegler eine aktive Dämpfung für Windräder. Bei dem durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekt reagieren Piezoaktoren selbstständig auf Frequenzwechsel und dämpfen die entstehenden Geräusche – unabhängig davon wie schnell sich die Windenergieanlage dreht. Diese Piezoaktoren, die an den Auflagern des Getriebes angebracht sind, reagieren auf von Sensoren gemessene Daten und wandeln elektrischen Strom in mechanische Bewegung um. Dadurch erzeugen sie ‚Negativschwingungen’, also eine Art Gegenlärm, der den Schwingungen des Windrads genau entgegengesetzt ist und sie dadurch auslöscht.

Nachdem bei RWE für den Ausbau des Geschäfts mit erneuerbaren Energien der Ex-Chef des Windanlagenbauers Repower Fritz Vahrenholt zuständig wird, steigt die Tochtergesellschaft RWE Innogy Mitte 2008 mit einem vorerst kleinen Anteil von 7,5 Mio. € bei der britischen Firma Quietrevolution ein, die Garagen- oder Hausdächer mit Windrädern bestückt. Die ab Ende 2007 in noch geringer Stückzahl produzierten modernen und leisen Darrieus-Rotoren sind bereits mit Design- und Technikpreisen dekoriert, und das erste Modell ‚QR5’ (5 m Höhe, 3,1 m Durchmesser, 4,2 kW bei 11 m/s) wird an der Kings College School in Wimbledon installiert. Kommerziell werden die Turbinen inzwischen auch auf einigen Hochhäusern und bei einer größeren Pub-Kette betrieben. Ende 2009 oder Anfang 2010 soll der Export nach Deutschland beginnen, als Preis werden rund 30.000 € plus Installation veranschlagt.

Auf der im September laufenden Husum WindEnergy 2008 werden Abschlüsse für 3 Mrd. € erwartet. Gleich am ersten Tag bestellt E.ON bei Siemens medienwirksam 500 Stück 2,3 MW Windkraftanlagen im Wert von 1 Mrd. €, die 2010 und 2011 in den USA (600 MW) und Europa (550 MW) aufgestellt werden sollen. Die Gesamtleistung dieser Anlagen entspricht 1,15 GW. Die Produktbreite bei Siemens umfaßt Windrotoren zwischen 1,3 MW und 3,6 MW. Die Nachfrage nach Windkraftsystemen ist mittlerweile allerdings groß, so daß bereits Lieferengpässe bei Maschinenteilen auftreten.

Ebenfalls auf der Husum WindEnergy 2008 stellt die REpower Systems AG ihre neue Onshore-Windkraftanlage ‚REpower 3.XM’ vor, die mit einer Nennleistung von 3,3 MW, einem Rotordurchmesser von 104 m und einer Nabenhöhe von 80 m die Lücke zwischen den bisherigen Onshore-Baureihen und der 5 MW bzw. 6 MW Offshore-Klasse schließt und sich durch besonders geringe Schallemissionen auszeichnet.

Der Prototyp wird im Dezember 2008 im Windpark Südermarsch nahe Husum errichtet, eine zweite Anlage folgt wenige Wochen später im Windpark Südermarsch. Beide Anlagen werden in Bremerhaven gefertigt, wo REpower zu diesem Zeitpunkt auch die Serienproduktion der Offshore-Anlage ‚REpower 5M’ sowie die Montage der neuen ‚6M’ startet. Für das Geschäftsjahr 2009 plant das Unternehmen, 30 Anlagen des Typs ‚3.XM’ zu produzieren und die Kapazitäten in den darauf folgenden Jahren deutlich auszubauen. Mittelfristig ist ein neues Werk in Osterrönfeld, Kreis Rendsburg- Eckernförde, geplant.

REpower erhält außerdem von dem Investor Saxovent einen Auftrag über die Lieferung von 15 Windenergieanlagen des Typs MM92. Die Anlagen mit je 100 m Nabenhöhe und 2 MW Nennleistung sollen 2010 an einem küstennahen Windstandort in Mecklenburg-Vorpommern errichtet werden.

Im Oktober 2008 fällt bei Nordex die Entscheidung, im Craighead Technology Park in Jonesboro, Arkansas, ein US-Fertigungswerk zu errichten, in welchem die Maschinenhäuser und Rotorblätter der Turbinenfamilie N90 und N100 (2,5 MW) hergestellt werden. Geplant ist, jährlich Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 750 MW zu produzieren. Hierfür sollen rund 100 Mio. $ investiert werden, und der Produktionsstart ist für Januar 2010 vorgesehen.

Nordex gehört zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen in der Windenergiebranche weltweit. Seit 2004 stieg der Umsatz der Gruppe jährlich um mehr als 50 %. Das deutsche Unternehmen verfügt inzwischen über Büros und Tochtergesellschaften in 18 Ländern und beschäftigt weltweit mehr als 2.000 Mitarbeiter. Die Zentrale von Nordex USA Inc., befindet sich in Chicago.

Offshorefundament der Firma BARD

Offshorefundament
(BARD)

Ebenfalls im Oktober 2008 nimmt die Firma BARD Engineering GmbH Deutschlands erste 5 MW Windkraftanlage für den küstennahen Bereich in Betrieb. Der etwa 500 m vom Strand entfernt bei Hooksiel in Niedersachsen zwischen Hooksieler Außenhafen und Ineos-Löschbrücke errichtete Prototyp ist speziell für Wassertiefen von 2 bis 8 m entwickelt worden. Hier kommt zum ersten Mal das BARD-Tripile-Offshorefundament zum Einsatz. Mehr über Offshore-Windanlagen findet sich in dem entsprechenden Kapitel.

Auf dem Ende der Neunzigerjahre gegründeten Wind-Testgelände in Grevenbroich vor den Toren Düsseldorfs entsteht im November 2008 die weltweit erste Windenergie-Anlage mit Hybridturm. Der neuartige Turm besteht im unteren, knapp 70 m hohen Teil schmalen Betonfertigteilen des niederländischen Turmbauspezialisten Advanced Tower Systems (ATS), und im oberen, fast genauso hohe Bereich aus konventionellen, serienmäßigen Stahlelementen. Erstmals wird der Betonsockel also nicht am Stück gegossen, sondern aus vorgefertigten Einzelteilen zusammengesetzt, wodurch sich die Türme ohne aufwendige Spezialtransporte einfach und kostengünstig zu ihrem Bestimmungsort bringen lassen.

Die Anlage in Grevenbroich erreicht bei einer Nabenhöhe von 133 m eine Gesamthöhe von 180 m. Errichtet und betrieben wird der Turm von der ATS Projekt Grevenbroich GmbH, an der die juwi Netzwerk GmbH &Co. KG, die Mecal Projects GmbH, die Hurks-Tochter HB Bau GmbH sowie Siemens Project Ventures (SPV) zu gleichen Teilen beteiligt sind. Im März 2009 werden die drei jeweils 46 m langen Rotorblätter montiert, und die Windtest GmbH beginnt mit der Untersuchung des Betriebsverhaltens des Giganten. An der Außenwand des Turms werden 80 Meßstreifen angebracht um zu bestimmen, wie die Windlast auf den Übergang vom Stahl- auf den Betonteil wirkt. Nach Berechnungen von ATS ist mit dem 133 m hohen Grevenbroicher Windturm ein um 20 % höherer Stromertrag möglich, verglichen mit der heute üblichen Turmhöhe von 100 m. Je nach Standort kann das für die Betreiber ein Plus von 60.000 € pro Jahr bedeuten. Damit würden sich die höheren Baukosten für den Turm innerhalb von vier Jahren amortisieren.

Führende Firmen wie Enercon und Nordex bauen bereits Betontürme mit einer Höhe von rund 120 m. So errichtete Nordex z.B. im Dezember 2007 in der vorpommerschen Gemeinde Iven zwei Windturbinen auf Hybridtürmen, die ebenso wie die ATS-Konstruktion aus einem Betonsockel und einem noch mal so hohen Stahlturm aus drei Sektionen bestehen. Der Betonsockel beim Nordex-Turm wird jedoch nicht aus vorgefertigten Teilen montiert, sondern direkt an seinem künftigen Standort gegossen. Der Bau und das anschließende Trocknen dauern zwischen vier und sechs Wochen.

Die 2006 gegründete Nordwind Energieanlagen GmbH in Neubrandenburg gewinnt 2008 gemeinsam mit dem Schumann Büro für industrielle Formentwicklung, Münster, sowohl den renommierten Designpreis red dot award als auch den Internationalen Designpreis Baden-Württemberg 2008 für eine pitchgeregelte, zweiflügliche 850 kW Windkraftanlage, die eine völlig neuartige Technologie der Energieübertragung besitzt. Dabei wird die Kraftübertragung an die Strom erzeugenden Aggregate nicht mehr wie bisher üblich über mechanische Getriebe, sondern über ein hydrostatisches Pumpensystem gelöst, das zugleich auch andere Funktionskomponenten, wie beispielsweise die Drehantriebe, versorgt. Dadurch entfallen viele Verschleißteile sowie interne Energieverbraucher.

Im November 2008 klagen Nordfrieslands Windanlagen-Besitzer über Millionen-Verluste, weil E.ON den Netzausbau verzögert. Zum wiederholten Male fordert die regionale Mitgliederversammlung des Bundesverbands WindEnergie (BWE) einen zügigen Ausbau der Stromnetze.  Allein in den Monaten Januar und Februar 2008 hätten sich die Ertragsausfälle im auf rund 2,5 Mio. € addiert.

Schon vor geraumer Zeit hatte der Schleswig-Holsteinische Landtag E.ON aufgefordert, Erdkabel zu verlegen statt die in der Bevölkerung höchst unbeliebten Überlandleitungen zu bauen. Der Konzern weigert sich jedoch mit der Begründung, daß Erdkabel teurer seien.

Die juwi Netzwerk GmbH &Co. KG gibt Anfang Dezember 2008 einen 100 Mio. € Vertragsabschluß mit dem Unternehmen Kenersys Europe bekannt, der den Kauf von 35 Stück ‚K-100’ Windturbinen umfaßt. Die Kenersys GmbH in Münster (früher: RSBconsult GMBH) ist die europäische Tochter des indischen Herstellers Kalyani Group – und juwi der erste Kunde in Deutschland. Die Windkraftwerke mit einem Rotordurchmesser von 100 m leisten jeweils 2,5 MW und sollen ab 2009 über einen Zeitraum von 3 Jahren in Wismar hergestellt werden.

Juwi wird die Anlagen in zwei Varianten in Deutschland und anderen europäischen Ländern betreiben, einmal mit einem 100 m hohen Stahlturm, und zum anderen mit einem 133 m hohen Hybridturm von ATS (s.o.).

7 MW-Anage E 126 von Enercon

7 MW Anlage E 126
(Enercon)

Auch die REpower Systems AG unterzeichnet Großverträge. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Electrabel, einer Tochter des französischen Konzerns GDF Suez, wird REpower im ersten Quartal 2010 in der Zentralsektion der Les Hauts Pays Windfarm im Département Haute-Marne, im Nordosten Frankreichs, 23 Stück seiner ‚ REpower MM92’ Turbinen (Nabenhöhe 100 m, Leistung 2 MW) installieren. Weitere 11 Stück mit einer Nabenhöhe von 80 m werden in der Nordsektion errichtet. Betreiber des Windparks ist der französische Projektentwickler Erelia Haute Marne, eine weitere Tochter der GDF Suez.

Bereits 2009 in Betrieb gehen sollen 10 Windturbinen gleichen Modells (allerdings mit einer Nabenhöhe von 78,5 m), die REpower an die Echo Windfarm in Oregon liefern und als REpower USA Corp. gemeinsam mit der US-Firma John Deere Renewables bewirtschaften wird.

REpower beendet im Dezember 2008 ferner die Montage von drei ,REpower 6M’ Turbinen in Bremerhaven, die Anfang 2009 in der Westre civic Windfarm der Grenzstrom Vindtved GmbH & Co. KG an der Deutsch-Dänischen Grenze installiert werden sollen. Dort werden die jeweils 6 MW leistenden Großwindräder einem intensiven Testprogramm unterzogen, um zertifiziert zu werden. Mit der RWE Innogy GmbH verhandelt REpower außerdem über die Lieferung von 250 Offshore-Windturbinen vom Typ ,5M’ und ,6M’.

Etwa zum Jahresende 2008 überholen die USA Deutschland als Nummer eins in Sachen installierter Windleistung. Bereits im Sommer war die 20.000 MW Grenze erreicht worden, was einer Verdoppelung innerhalb von nur zwei Jahren entsprach. Ende Dezember sollen schon 24.000 MW installiert sein.

Was die Stromproduktion angeht, sind die Vereinigten Staaten schon etwas länger führend, da die dortigen Standorte im Durchschnitt besser und die eingesetzten Anlagen jünger und moderner sind.

In Deutschland drehen sich Ende 2008 etwa 20.301 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 23.902 MW. Im Laufe des Jahres neu installiert wurden davon 866 Anlagen mit einer gemeinsamen Leistung von 1.667 MW.

Finnland

Das finnische Unternehmen Windside Production Ltd. in Pihtipudas bietet eine verwundene Form von Savonius-Generatoren an (s.d.), die ab 1979 von Risto Joutsiniemi entwickelt worden sind. Sie werden ab 1982 auf dem Markt angeboten und haben zwischenzeitlich weltweite Verbreitung gefunden, da sie auch in unterschiedlichen Formen und Farben angeboten werden.

Windside-Design-Senkrechtachser

Windside-Designs

1994 bringt die finnische Firma Kone Sampo ein 20 kW Windkraftwerk auf den Markt, das einschließlich Installation nur 30.000 DM kostet. Das ‚hydrotronische Windkraftwerk’ soll einen Wirkungsgrad von 33 – 38 % haben, was durch ein hydraulisches Pumpgetriebe ermöglicht wird, das die bisher üblichen Getrieberäder ersetzt.

Der aktuelle Stand bei Windside zeigt, daß die ästhetischen Gesichtspunkte inzwischen immer stärker betont werden. Die senkrechten Modelle wirken jetzt wie Flammen, was durch ihre bunte Lackierung noch betont wird.

Die Grundstruktur, die auch liegend eingesetzt werden kann, ist inzwischen von vielen anderen Entwicklern und Unternehmen übernommen worden und verdrängt im Marktsegment der Ein-Familien-Häuser zunehmend die bislang üblichen kleinen Dreiblattrotoren. Windside setzt seine Rotoren weltweit und unter allen Witterungsbedingungen erfolgreich ein, ebenso als Bojen, auf Schiffen usw.

Weitere dieser Modelle, die teilweise wie Mischformen aus Savonius- und Darrieus-Rotoren wirken, präsentiere ich im Kapitel Neue Designs und Rotorformen.

Frankreich

Einer der ersten, die sich in Frankreich mit der Windenergieforschung beschäftigen, ist ab 1950 Lucien Romani. Er entwickelt und testet verschiedene Kleinanlagen. Auch auf der Polarstation Charcot wird eine kleine Windkraftanlage betrieben.

1955 errichtet die Firma Neyrpic an der Ärmelkanalküste eine 130 kW Windenergieanlage, die von dem französischen Stromkonzern Electricité de France (EDF) bis 1963 als Forschungsanlage betrieben wird.

Um 1956 herum beginnt Lucien Romani mit der Entwickelung größerer Anlagen. Im Testbetrieb untersucht er zuerst eine 10 kW Anlage und in den folgenden Jahren eine 650 kW Anlage.

Seit 1962 gibt es bei Nogent le Roi eine 300 kW Windturbine, die von EDF betrieben wird. Ebenfalls in den 1960ern werden zwei Prototypen mit Nennleistungen von 0,8 und 1 MW erprobt.

1976 erfolgt die Installation der ersten muskelbetriebenen VERGNET Hydropumpe in Afrika (s.d.). 1988 gründet Marc Vergnet die Firma Vergnet S.A. mit dem Ziel, windbetriebene Pumpsysteme für die Landwirtschaft zu produzieren. Der erste stromproduzierende Vergnet Aerogenerator (GEV) kommt 1993 auf den Markt.

1994 befindet sich der größte Windpark auf französischem Boden auf Neukaledonien (!), einer Pazifik-Insel die zum Übersee-Territorium gehört. Dort stehen acht 225 kW Anlagen.

Im April 2000 nimmt die unit energy europe AG, Bad Homburg, über ihr Tochterunternehmen Hydro Holding ihren ersten Windpark in Frankreich in Betrieb. Der Windpark in Lastours ist der fünfte Windpark in Frankreich und hat eine Kapazität von 1,8 MW. Die Hydro Holding betreibt außerdem sechs eigene Wasserkraftanlagen in Frankreich und ist an vier weiteren beteiligt.

2001 stellt Vergnet eine 220 kW GEV Windturbine vor und startet die Produktionslinie der mittelgroßen ,Farwind’ Generatoren, die sich besonders gut für abgelegene Gebiete und sogar Zyklon-Windzonen eignen. 2002 folgt das Outsourcing der Windfarm-Entwicklung an die Firma AÉROWATT.

Ende 2002 laufen in Frankreich Windenergieanlagen mit einer Kapazität von gerade einmal 150 MW.

2004 übernimmt die Compagnie Du Vent den Bau einer Farm mit 12 Windkraftanlagen in Marokko, wo sie als weltweit erste eine Zementfabrik mit 10,2 MW Strom versorgen soll (s.d.).

2005 vereinbart Vergnet mit der Fiji Electricity Authority (FEA) die Errichtung der ersten Farwind 10 MW Windfarm.

Das französische Industrieministerium erhöht Mitte 2006 die Einspeisevergütungen für Ökostrom. Für Windkraftanlagen wird der Basistarif von 8,2 Eurocents jedoch nicht erhöht, allerdings wird der Zeitraum für den höchsten Betrag des abgestuften Preissystems von fünf auf zehn Jahre verlängert. Und für jede Kilowattstunde Strom von Windkraftanlagen auf See gibt es künftig 13 Eurocents. Gleichzeitig setzt der neue mehrjährige Investitionsplan (PPI) für den Stromsektor ein Ziel von 17.000 MW Windkraftleistung bis 2015.

Vergnet beginnt 2006 mit der Entwicklung der Farwind HP Windkraftwerks mit 1 MW Leistung. Im Folgejahr gründet das Unternehmen die Tochterfirma Photalia, die maßgeschneiderte PV-Systeme anbietet.

Im Frühjahr 2007 liefert sich der französische Atomkonzern Areva mit dem indischen Windunternehmen Suzlon einen Bieterkampf um den deutschen Windanlagenhersteller Repower und verliert (s. Abschluß-Statement). Im September, als das Unternehmen von der Projektgesellschaft Prokon Nord 51 % der deutschen Multibrid erwirbt, die sich auf die Produktion leistungsstarker Offshore-Turbinen spezialisiert hat, bekommt Areva dann doch noch eine Windfirma.

Vernet unterzeichnet im Oktober 2008 einen Vertrag mit Äthiopien zur Lieferung von 120 Stk. 1 MW Turbinen. Die Firma bietet seine 2-Blatt-Rotoren inzwischen in Größen von 275 kW bis 1 MW an, die Rotordurchmesser von 32 m bis 63 m aufweisen.

Vergnet 1 MW im Bau

Vergnet 1 MW (im Bau)

Durch die rasante Entwicklung in den vergangenen Jahren schiebt sich Frankreich in Bezug auf die jährlich neu installierte Leistung 2007 auf den dritten Platz hinter Deutschland und Spanien. Die französische Windenergie-Gesamtleistung beträgt zur Zeit 2.455 MW (ca. 2.000 Anlagen) und das Land plant, bis 2020 insgesamt 25 GW Windstrom zu erreichen, 21 GW Onshore und 4 GW Offshore. Dies würde etwa 10 % des zu erwartenden Landesbedarfs decken.

Der französische Energiekonzern GDF Suez übernimmt im Oktober 2008 die US-Firma Econergy International für 64,2 Mio. $. Econergy konzentriert sich auf Projekte der Erneuerbaren Energie in Latein- und Nordamerika und verfügt über 266 MW Leistung aus kleinen Wasserkraftwerken, Windenergie- und Biogasanlagen. Projekte für weitere 200 MW sind in Arbeit.

Nachdem die EDF-Tochter Energies Nouvelles (EDF EN) im Juli 2008 die 50 MW Villesèque Windfarm in Betrieb genommen hat, folgt im Dezember 2008 der Chemin d’Ablis Windpark im Departmént Eure-et Loir. Die dort errichteten 26 Windturbienen leisten 52 MW und stammen von dem deutschen Hersteller REpower. Der Windpark versorgt rund 70.000 Menschen mit Strom.

Als größter Windpark Frankreichs gilt zu diesem Zeitpunkt die Salles-Curan Windfarm auf dem Levezou Plateau nahe der Stadt Millau im Departemént Ayeron mit einer Leistung von 87 MW. Die 29 Stk. 3 MW Windturbinen werden von dem dänischen Hersteller Vestas geliefert – und das hier abgebildete Foto stammt von Patrick Lafforgue.

Insgesamt betreibt die EDF EN in Frankreich zu diesem Zeitpunkt 18 Windfarmen mit einer Gesamtleistung von über 345 MW.

Die EDF Energies Nouvelles ist jedoch nicht nur in Frankreich aktiv. Ebenfalls im Dezember 2008 gibt das Unternehmen bekannt, daß nun auch die 240 MW Windfarm im portugisischen Ventominho, nahe der spanischen Grenze, in Betrieb geht. Zu diesem Zeitpunkt handelt es sich um die größte Windfarm Europas. Die dort installierten 120 Stk. 2 MW Turbinen, die in fünf Gruppen zusammengefaßt sind, stammen von dem deutschen Hersteller Enercon und erstrecken sich über eine Linie von 30 km. Die EDF EN Portugal, eine Tochter der EDF Energies Nouvelles, sowie Eolverde, eine Tochter des spanischen Mischkonzerns Endesa besitzen gemeinsam 85 % des Projekts.

Ein weiterer Großauftrag für Nordex kommt von dem Energiekonzern GDF Suez. Diesmal geht es um die Lieferung und Errichtung von 30 Turbinen der Baureihe Nordex ‚N100/2500’ an die GDF-Suez-Tochtergesellschaft Nass & Wind Technologie. Die Turbinen sollen 2010 geliefert werden und vor allem dem 75 MW Projekt Germinon im Departemént Marne im Nordosten Frankreichs zugute kommen, dessen Standort eine Windgeschwindigkeit von durchschnittlich 7,4 m/s aufweist. Dort stehen in dem Cernon-Windpark bereits elf Stück ‚N90’ Turbinen, die für Nass & Wind Technologie noch vor der Übernahme durch die GDF Suez errichtet wurden.

GDF Suez ist inzwischen einer der größten Windparkbetreiber Frankreichs und hat dort 334 MW am Netz. Außerdem liegen bereits Baugenehmigungen für weitere 500 MW vor. Der Konzern plant, ab 2012 rund 20 % seiner europaweiten Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, wobei die Hauptrolle dabei der Windenergie zukommen soll.

Griechenland

Die Tradition der griechischen Windmühlen besteht seit einigen Hundert Jahren. Herkunft und Ursprung sind unbekannt. Schon früh allerdings setzen sich Segelwindmühlen durch, wie sie noch heute auf vielen der griechischen Inseln anzutreffen sind.

Griechische Windmühle

Griechische Windmühle

Der erste Windpark Europas (!) entsteht 1982 auf der Ägäis-Insel Kythnos, er besteht aus fünf Windrotoren. Damit gelint es immerhin ca. 25 % des Strombedarfs der Ferieninsel zu decken, was zu einer jährlichen Einsparung von 80 t Dieselöl führt. Die Anlage wird im Rahmen eines Abkommens zwischen der griechischen und der deutschen Regierung von der Firma M.A.N. konzipiert. Als Amortationszeit weren 7 – 8 Jahre veranschlagt.

Auf der griechischen Insel Euboa, nördlich von Athen, soll zum Jahresende 2000 ein Windpark der Bremerhavener Energiekontor-Gruppe errichtet werden.

Ein Beschluß des Obersten Gerichtshofes von 2005 verhindert in Griechenland das Entstehen neuer Windparks. Da das Land über keinen Bebauungsplan verfügt hat das Gericht die Errichtung der flächenintensiven Windparks solange untersagt, bis ein solcher Bebauungsplan erstellt ist.

Griechenlands Windindustrie bleibt trotz bester Wetterbedingungen lange Zeit in den Kinderschuhen stecken, und die griechische Turbinenproduktion beschränkt sich 2006 auf Prototypen, die der Munitionshersteller Hellenic Defence Systems produziert.

Die bislang installierten 590 MW Windenergiekapazität reichen nur für einen der hinteren Plätze im europäischen Vergleich, obwohl die gesetzlichen Vorraussetzungen gut sind. Beispielsweise ist die selbst im Windenergiesektor aktive staatliche Stromgesellschaft DEI verpflichtet, eingespeiste Windenergie zu Vorzugspreisen abzunehmen. Investitionen werden darüber hinaus bis zu 55 % von Staat und der EU bezuschußt.

Großbritannien

Bereits 1955 wird in St. Alban eine Windenergieanlage nach dem Prinzip der pneumatischen Welle erstellt. Die Reibungsverluste der Luft sorgen jedoch für einen schlechten Wirkungsgrad.

Studien der ‚Energy Technology Support Unit’ (CETSU) erbringen 1976 das Resultat, daß theoretisch etwa 24 % des Energiebedarfs des Inselreichs durch Windenergie gedeckt werden kann.

Die erste VAWT (Vertical Axis Wind Turbine) läuft Ende 1985 am Ufer der Carmarthen Bay im Süden von Wales an. Die wegen ihrer Form ‚Eggbeater’ (Schneebesen) genannte Anlage kostet knapp 14 Mio. DM und soll 180 kW leisten.

Die Ashington mit Windkraftwerk

Ashington

1987 wird auf Orkney eine 3 kW Anlage zu Testzwecken betrieben. Die Ergebnisse sind jedoch unzufriedenstellend, denn der Betreib ist zu teuer und störanfällig.

Ebenfalls im Jahr 1987 wird auf der irischen Insel Cape Clear eine Windenergieanlage eingeweiht, die in deutsch-irischer Zusammenarbeit entstanden ist.

Der in London zugelassene Frachter ,Ashington’ wird 1986 mit einem Wingsail ausgerüstet, der den Antrieb entlasten soll. Man rechnet mit einer Einsparung von 10 %. Über diese Windtechnologie habe ich bereits im Kapitel Segelschiffe berichtet.

1993 geht der erste britische Offshore-WEA-Park ans Netz. Die Blyth Harbour Wind Farm besteht aus 9 Windturbinen mit jeweils 300 kW, die teilweise Onshore und teilweise Offshore errichtet werden.

1994 entwickelten Techniker der britischen Firma Tecnomare einen schwimmenden Windgenerator mit 30 m langen Flügeln auf einem 45 m hohen Stahlgerüst, das von einem hohlen Betontank getragen wird. Der Prototyp sollte 500 kW Leistung liefern.

Eines der weltweit nur drei Windkraftwerke, die gleichzeitig als Aussichtstürme genutzt werden können, befindet sich in englischen Swaffham, Kent. Die Anlage der Firma ecotricity wird 1999 gebaut und ist das erste Modell mit 1 MW Leistung in der Region. Das deutsche Fabrikat ist eine getriebelose – und daher relativ leise – Anlage mit 30 m langen Blättern. Zu der verglasten Aussichtsplattform in 76 m Höhe muß man allerdings 300 Stufen hinaufsteigen. Geplant wird der Bau weiterer sechs derartiger Aussichtswindmühlen an verschiedenen Orten des Landes.

Ecotech Centre mit Aussichtswindmühle

Ecotech Centre
Aussichts-Windkraftwerk

Übrigens erscheinen im Oktober 2008 im Netz Videos von Fallschirmspringern, die augenscheinlich großen Genuß dabei haben, den rund zehn Sekunden lang dauernden Absprung von der Aussichtskabine wieder und wieder zu machen und dabei für den britischen pro-base jumping Wettbewerb zu trainieren.

Die 2003 gegründete EU Group in Buckinghamshire (zu der u.a. der deutsche Windanlagen-Hersteller DeWind gehört) entwickelt das Aeolian Roof Building Augmented Wind Energy System, das unter dem Label ,WingPower’ vermarktet werden soll.

Bei dem von Dr. Derek Taylor entwickelten und patentierten System handelt es sich um eine Reihe kleiner Windräder, die beispielsweise an Hausoberkanten installiert werden. Um den Wind stärker zu beschleunigen befindet sich über ihnen eine Art Tragfläche, die das Durchströmverhalten unterstützt (Planar Concentrator). Die EU Energy wird 2006 von dem US-Kabelunternehmen Composite Technology Corporation (CTC) gekauft. 

Im September 2006 startet die Tapbury Management im Irischen Sorne Hill in Donegal ein Windfarmprojekt mit 39 MW und mit angeschlossenem Energiespeicher. Die Kanadische VRB Power Systems Inc. liefert hierfür eine 12 MWh ,flow battery’ im Wert von 6,3 Mio. $, bei der eine Vanadium-basierte Flüssigkeit, die eine Membran durchdringt, für das Speichern bzw. Abgeben der elektrischen Energie sorgt, je nachdem in welche Richtung die Flüßigkeit gepumpt wird (s.d.).

Im Dezember 2006 genehmigt die Regierung den Bau der weltgrößten Offshore-Windfarm ‚London Array’ rund 20 km vor der Küste von Kent. Die Farm aus 341 Turbinen soll 1 GW liefern – genug um ein Viertel der Londoner Bevölkerung zu versorgen. Beteiligt sind E.ON UK, die Shell WindEnergy Ltd. sowie CORE Ltd., ein Joint Venture zwischen Farm Energy, dem Initiator des Projekts, und der Firma DONG Energy. Bis 2009 sind außerdem fünf weitere Offshore-Farmen mit jeweils 50 bis 100 MW Leistung geplant.

Im Auftrag von Orange UK entwickelt der Konstrukteur Ben Jandrel von dem Unternehmen Gotwind den Prototypen eines mobilen Miniatur-Windkraftwerkes von nur 150 g Gewicht, mit dem per Windkraft Handy-Akkus innerhalb von ein bis zwei Stunden wieder voll aufgeladen werden können. Der Prototyp des 0,5 W Orange Wind Charger wird innerhalb von nur vier Wochen (!) entworfen und hergestellt und auf dem Glastonbury-Musikfestival Mitte 2007 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

In Großbritannien kommt der Ausbau der Windenergie an Land wegen des Widerstandes der jeweiligen Anlieger lange nur schleppend voran. Die britische Windenergievereinigung begrüßt deshalb um so mehr die Verlautbarung des Wirtschaftsministers im Dezember 2007, der zufolge bis zum Jahr 2020 „alle Haushalte des Landes“ mit Strom aus Offshore-Windkraftanlagen versorgt werden sollen (s.d.).

Spiralstruktur des Firewinder-Designs

Firewinder-Struktur

Der Erfinder Tom Lawton stellt im September 2007 mit seinem ‚Firewinder’ eine geniale Kombination von Windkraft und LEDs vor, bei der schon die leiseste Brise ausreicht um Licht zu generieren. Die Hängelampe rotiert senkrecht und zaubert wirbelnde Lichtspiralen hervor.

Die Lichtstärke der 14 helixförmig untereinander angeordneten LEDs nimmt mit der Windstärke zu. Der ‚Firewinder’ ist für 120 Englische Pfund hier bestellbar.

Im Juli 2008 wird der Plan bekannt, die seit 1993 bestehenden 9 Windturbinen der Blyth Harbour Wind Farm zu ersetzen. Neben sechs Anlagen von 125 m Höhe (bis Blattspitze) soll dabei auch eine 163 m hohe Windenergieanlage mit 7,5 MW Leistung errichtet werden, die als die „größte und stärkste Europas“ bezeichnet wird. Die Gesamtleistung des Windparks kann dadurch von 2,7 MW auf 23 gesteigert werden.

Ebenfalls im Juli 2008 werden die Pläne für den Bau „Europas größten Onshore-Windparks“ in South Lanarkshire, Schottland, mit einer Gesamtleistung von 548 MW genehmigt (gegenwärtig befindet sich der größte Park in Spanien – die Maranchon Windfarm in Guadalajara, hat eine Kapazität von 208 MW). Auf der Clyde Windfarm nahe Abington sollen sich 2011 insgesamt 152 Windturbinen drehen, die bis zu 320.000 Haushalte versorgen können. Das Projekt wird mit 600 Mio. Englische Pfund beziffert. Zu diesem Zeitpunkt wird im Eaglesham Moor, südlich von Glasgow, die gegenwärtig (noch) größte Farm Schottlands errichtet (322 MW).

Die schottische Regierung plant, daß bereits 2011 der Strom zu 31 % aus Erneuerbaren Ressourcen stammt – und bis 2020 sollen es sogar 50 % werden. Für Großbritannien insgesamt gibt es auch große Pläne, denn das Land möchte bis 2020 etwa 15 % seines Energiebedarfs durch erneuerbare Quellen decken – was bedeuten würde, daß dann 36 % des Strombedarfs durch Windkraft erzeugt werden müssen. Die gegenwärtige erwirtschaftete Leistung von nur 4 % läßt diese Pläne allerdings sehr ambitioniert wirken.

Eines der größten Projekte des Landes ist das 2,5 Mrd. Englische Pfund teure London Array Projekt nahe der Themse-Mündung, wo nach Abschluß der Arbeiten rund 12 Meilen vor der Küste 341 Windturbinen zusammen 1 GW Strom erzeugen sollen. Damit wäre dieser Windpark der Größte der Welt. Nachdem der Erdölkonzern Shell im Mai 2008 beschließt, seinen Anteil von 33 % an dem Windpark zu verkaufen, entscheidet sich im Oktober des Jahres Masdar aus Abu Dhabi (s.d.), eine 20 %ige Beteiligung zu erwerben. Die weiteren Mitspieler sind die deutsche E.on und Dong Energy aus Dänemark.

Mini Kin Mikro-Windlader

Mini Kin

Der ‚Mini Kin Green Power Generator’ ist mit seinen Maßen von 12 x 8 x 3 cm wohl eines der kleinsten Windkraftwerke der Welt. Es bildet eine Alternative für Regionen, in denen mehr Wind als Sonnenstrahlen geerntet werden können. Die Turbine kann an der Fahrradlenkstange angebracht oder auf dem mitgelieferten Ständer in den Wind gestellt werden, und nach der Volladung des Akkus können der iPod oder sonstige Geräte angeschlossen und nachgeladen werden. Ab Oktober 2008 wird der Mini Kin im britischen Online-Shop ‚I Want One Of Those’ für rund 30 Pfund angeboten. Ein vergleichbares Kleinstkraftwerk bildet der taiwanesische ‚Hymini’ für rund 80 $ aus dem Jahr 2007, den ich im Kapitel Neue Designs und Rotorformen vorstelle.

Ebenfalls im Oktober 2008 verkündet die britische NGO Partnership for Renewables, daß man gemeinsam mit den British Waterways im Laufe der folgenden fünf Jahre 50 Windturbinen in der Nähe von Flußläufen und Kanalen aufstellen möchte – mit einer Gesamtleistung von 100 MW.

Der norwegische Energiekonzern Statkraft, der sich als „Europe’s largest generator of renewable energy“ bezeichnet, kauft im November 2008 die Rechte zum Bau und Betrieb der Blaengwen Windfarm, nördlich der Stadt Carmarthen im Südwesten von Wales. Die 10 Windturbinen von Siemens Wind Power werden ab Anfang 2010 eine Leistung von 23 MW erzeugen. Statkraft, der in Norwegen Windparks in Smøla, Hitra und Kjøllefjord betreibt,  beginnt schon im Sommer 2008 mit der Errichtung der 60 MW Carraig Gheal Windfarm mit 20 Turbinen in Schottland.

Auch der schwedische Staatskkonzern Vattenfall gibt bekannt, daß man im Vereinigten Königreich investieren wolle. Als erster Schritt kauft sich der Konzern für 35 Mio. Englische Pfund (~ 55 Mio. $) von dem Finanzunternehmen Christofferson Robb & Co., die Rechte an einem der zukünftig größten Windparks des Landes, dem 300 MW Thanet Offshore Wind project, das Ende 2009 in Betrieb gehen soll. Man rechnet mit Gesamtkosten bis zu 1,23 Mrd. $. Vattenfall, schon im Besitz der 90 MW Kentish Flats Offshore-Windfarm vor der Küste im Südosten Englands, plant seine britischen Windenergie-Kapazitäten auf 6 GW aufzustocken. Anfang 2008 hatte der Konzern schon die englischen Windkraftfirmen AMEC Wind Energy und Eclipse Energy übernommen.

Nachdem sich Shell schon aus dem London Array Projekt zurückgezogen hat, meldet die Presse im Dezember 2008, daß auch der Plan der 270 MW Cirrus Array Offshore-Windfarm fallen gelassen wird, an dem Shell gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Scottish Power und der dänischen Firma Dong Energy zusammengearbeitet hatte. Nach einer fünfjährigen Vorbeitungszeit und einigen Millionen Pfund an Kosten für das damals ,Shell Flat Offshore Wind Farm’ genannte Projekt sei es nicht gelungen, die Finanzierung des 800 Mio. Englische Pfund teuren projekts zu sichern, das in der Irischen See vor der Nordwestküste Englands errichtet werden sollte. Außerdem bestehen Einsprüche des Verteidigungsministeriums wo befürchtet wird, daß es zu Interferenzen bei Radarbildern kommen könnte.

Im Dezember 2008 stellt die Betreiberfirma Yorkshire Windpower (ein joint venture von E.on und EPRL) bei der Verwaltung von Calderdale den Antrag, die Ovenden Moor Windfarm bei Hollin Hill, nahe dem Warley Moor Wasserreservoir, zu ‚repowern’ – sprich die bisherigen Anlagen, die seit 1993 in Betrieb sind, komplett durch neue zu erstetzen. Statt den vorhanden 23 Turbinen mit ihrer Leistung von 9,2 MW sollen zukünftig 10 moderne Anlagen bis zu 23 MW erzeugen.

Die international zunehmende Nachfrage und andere Veränderungen der Wirtschaftslandschaft machen auch den englischen Windenergie-Unternehmen einige Schwierigkeiten. Ende 2008 stecken der British Wind Energy Association (BWEA) zufolge 262 verschiedene Projekte mit einer Gesamtkapazität von 7 GW fest.

Centrica, Inhaber der British Gas und starker Player im Energiebereich, hat Probleme damit, sein 250 MW Projekt vor Skegness an der Küste von Lincolnshire zu verwirklichen, da die Preise der Turbinenhersteller und anderer Zulieferer dermaßen angezogen haben, daß sie das Projekt an die Grenze der Wirtschaftlichkeit getrieben haben. Statt von 2 Mrd. wird nun von 3 Mrd. Engliche Pfund gesprochen.

Grafischer Entwurf einer Windanlagenbemalung von Alec Finlay

Alec Finlay Entwurf

Was in Deutschland schon längst Usus ist, erreicht Ende 2008 auch England. Man denkt darüber nach, auf den ehemaligen Kohleabbau-Minen Windparks zu errichten. Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der UK Coal und der britischen Energiefirma Peel Group sollen an mehr als einem Dutzend Standorten 54 Turbinen bis zu 133 MW Windstrom erzeugen. Die Peel Group, die mit 28 % an UK Coal beteiligt ist, hat bereits Erfahrungen mit Onshore-Windparks und betreibt in Lancashire auch die Scout Moor Windfarm mit 26 Stück 2,5 MW Turbinen. Neben anderen Bereichen des Energiesektors beschäftigt sich das Unternehmen auch mit dem Nutzen der Wellenenergie.

Novera Energy, Inhaber der seit 2006 in Betrieb befindlichen 15 MW Mynydd Clogau Windfarm in Wales, und der sich im Bau befindlichen 30 MW Lisset Airfield Windfarm, stellt Ende 2008 den Antrag für zwei weitere Farmen in Northumberland. In der Wingates Windfarm im Distrikt Alnwick, 6 k südlich von Longframlington, sollen 6 Turbinen zwischen 12 MW und 15 MW erzeugen, während die Todd Hill Windfarm, 6 km nordwestlich von Morpeth, mit 4 Turbinen bestückt werden soll, die 8 MW bis 10 MW liefern.

Damit, daß auch die ästhetischen Aspekte der Windparks von Northumberland und in der Nordsee nicht zu kurz kommen, wird im Dezember 2008 der Künstler Alec Finlay beauftragt, gemeinsam mit Ingenieuren des New and Renewable Energy Centre (NaREC) Veränderungen an den Designs der Windkraftwerke durchzuführen. Neben der Bemalung einiger Anlagen schreibt der Künstler auch kurze Gedichte über Rotorblätter und stellt um die Masten herum kleine Skulpturen aus.

Hawaii

Die Firma Windfarms aus San Francisco sowie eine Tochterfirma des Konzerns United Technologies werden 1981 damit beauftragt, für 350 Mio. $ insgesamt 20 Anlagen mit je 4 MW zu errichten, ausgerüstet mit Kunststoffrotoren mit Durchmessern von 80 m. Das Projekt soll wesentlich zur Stromversorgung der Insel beitragen. Später installiert Westinghouse am Kahuhu Point auf der Insel Oahu 15 Rotoren mit je 600 kW Leistung.

Um 1986 wird an der Nordspitze derselben Insel eine von der Firma Boeing entwickelte Anlage installiert, bei der sich an einem 200 m hohen Turm zwei 97,5 m lange Rotorblätter drehen. Als Nennleistung werden 3,2 MW angegeben. Zum damaligen Zeitpunkt ist dies die größte Anlage der Welt, ihre Entwicklungszeit betrug 15 Jahre.

Im Oktober 2008 gibt die Gouverneurin von Hawaii Linda Lingle das Ergebnis einer mehrmonatigen Beratung mit dem U.S. Department of Energy bekannt, derzufolge im rahmen der Hawaii Clean Energy Initiative versucht werden soll, bis 2030 rund 70 % des Energiebedarfs der Insel aus Erneuerbaren Ressourcen zu decken. Wie viel davon aus der Windenergie stammen soll wird noch nicht beziffert.

Holland

Bereits 1974 wird ein Entwicklungsprogramm für Windenergie aufgestellt. Immerhin ist Holland eines der Windländer Europas mit einer entsprechend langen Tradition. Die erste 80 kW Anlage auf der Insel Texel besitzt noch Metallflügel, welche Interferenzen (Schattenbilder) mit den Frequenzen der Fernsehsender verursachen. Die Anlage wird daraufhin nur tagsüber betrieben.

Das Niederländische Wissenschaftsministerium erarbeitet in einer Studie, daß zwischen 5.000 und 6.000 große Windenergieanlagen mit 50 m Rotoren etwa 20 % des lokalen Strombedarfs decken würden, wobei die Anlagen zum Teil auf künstlichen Inseln im Meer stehen könnten. Es liegen Vorschläge vor, nach denen je 150 Windturbinen als 450 MW Kraftwerk zusammengeschaltet werden sollen. Entsprechende Planungen werden daraufhin mit umgerechnet rund 7 Mio. $ gefördert.

1983 wird grünes Licht für den ersten Windmühlen-Park bei Sexbierum an der Nordseeküste gegeben. Ein Jahr später beginnt die Installation von mehr als 20 Turbinen mit einer Gesamtkapazität von 10 MW bei einem Kostenaufwand von ca. 62,5 Mio. DM.

1986 bestellt ein Elektrizitätswerk eine 450 kW-Windkraftanlage, bei der sechs Einzelrotoren an einem einzigen Mast befestigt sind. Die grafische Umsetzung eines derartigen ‚Windbaums’ liefert Jahre später der holländische Landschaftsarchitekt  Paul van Beek

In Camperduin entstehen zwei Großanlagen, die schon ganze Siedlungen versorgen können. Holland arbeitet auch an Windpumpen für Entwicklungsländer, die bereits in beachtlichen Stückzahlen für den Export hergestellt werden.

Seit 1994 drehen sich in Lely vier, und seit 1996 in Dronten sogar 19 Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils 500 kW im Offshore-Betrieb. Bis 2000 sollen insgesamt 2.000 MW Windstrom erwirtschaftet werden, und bis 2030 soll ein 100 MW Offshore-Windpark entstehen.

Im Jahr 1984 gründet eine Studiengruppe der niederländischen Universität Utrecht das Beratungsunternehmen Ecofys. Es bietet Dienstleistungen in den Bereichen der Energieeffizienz, der Erneuerbaren Energien und der Klimapolitik. 1997 eröffnet die erste deutsche Niederlassung in Köln, und im Jahr 2000 wird die Firma Econcern gebildet – als Anbieter nachhaltiger Energielösungen und in Form einer Holding über die Unternehmen Ecofys, Ecostream, Evelop und Ecoventures. 2001 folgt die Einweihung eines Büros in Nürnberg und 2003 die Eröffnung der dritten deutschen Niederlassung im Energieforum Berlin. 2007 zählt die Econcern-Gruppe zu den 500 am schnellsten wachsenden Unternehmen in Europa.

Neoga Darrieus-Dachrotor

Neoga

Ecofys ist auch Mitinitiator der ‚Plattform UrbanTurbines’, in der neben niederländischen Herstellern auch Importeure, Beratungsgesellschaften und Forschungseinrichtungen vertreten sind. Außerdem entwickelt das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Delft Konzepte für urbane Windturbinen, die in sogenannten ‚built up areas’ installiert werden können. Das bislang am weitesten fortgeschrittene Konzept trägt den Namen ,Neoga’, leistet  3 kW und wird durch das Schwesterunternehmen Evelop weiterentwickelt.

Mit der Errichtung des Prototyps einer neuen Windkraftanlage, der getriebelosen ,LW 72 Zephyros’, meldet sich im Dezember 2004 der einzige verbliebene niederländische Windturbinenhersteller Lagerwey the Windmaster wieder zurück auf dem internationalen Windenergie-Markt. Die ,LW 72’ basiert auf den Erfahrungen mit dem Modell ,LW 52’, von dem weltweit nahezu 200 Stück im Einsatz sind. Bereits jetzt sollen 250 der neuen Anlagen in Planung sein, bei denen Lagerwey einige interessante Innovationen vorweist.

So werden der Generator und der komplette Rotor erstmals schon am Boden zusamengebaut und anschließend mit Hilfe eines gemeinsam mit der Firma Mammoet neu entwickelten und patentiereten Schwenkkrans, der vorübergehend auf das Maschinenhaus aufgesetzt wird, emporgehoben und montiert. Auch der neue 4000 V Permanentmagnetgenerator wird speziell vom Zephyros-Partner ABB entwickelt, aufgrund seiner geschlossenen Bausweise eignet er sich optimal für Offshore-Standorte.

Ein an der Technischen Universität im holländischen Delft entwickeltes Verfahren soll in Zukunft dafür sorgen, daß Windräder nicht nur vorhandenes Süßwasser fördern, sondern auch Meerwasser in Trinkwasser verwandeln. Das 2008 veröffentlichte Verfahren existiert in zwei Varianten: Entweder treibt der erzeugte Windstrom Hochdruckpumpen an, welche das Wasser mit etwa 60 bar durch eine Membran pressen (Umkehrosmose), wodurch Süßwasser entsteht, oder die Pumpe wird direkt von den Windrädern angetrieben. Statt Elektrizität wird in der zweiten Variante Wasser gespeichert, was ebenfalls der Überbrückung windstiller Zeiten dient, aber wesentlich kostengünstiger ist.

Das Verfahren eignet sich vor allem für die vielen kleinen Dörfer in den isolierten und trockenen Küstengegenden Afrikas, Westasiens und Südamerikas. Die Windmühlen sollen täglich zwischen 5 m3 und 10 m3 Trinkwasser produzieren, was für ein Dorf mit 500 Einwohnern ausreichen würde.

Indien

Die ersten Forschungsarbeiten beginnen hier schon Ender der 1960er Jahre. Das Ziel ist eine einfache und billige Windpumpe. In Zusammenarbeit mit Dänemark wird später ein ‚12 PU 500’-Modell entwickelt, von dem 1980 schon mehrere Tausend Stück im Einsatz sind.

1996 werden in der nordindischen Thar-Wüste in Rajasthan fünf Aufwindkraftwerke (s.d.) geplant, die insgesamt 1.000 MW leisten sollen. Die Kosten werden auf 750 Mio. DM pro Anlage geschätzt, als Lebensdauer werden 60 Jahre angegeben.

Ende 1997 hat Indien bereits 950 MW Windstrom und steht damit hinter Deutschland, den USA und Dänemark weltweit an vierter Stelle. Der Zuwachs im Jahr 1997 alleine beträgt 120 MW. In den Folgejahren geht es rasant weiter.

Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit zwischen der UNO, der Schweiz, Schweden und der TamilNadu Spinning Mills Association (TASMA) auf indischer Seite, entsteht in Tamil Nadu, im südlichen Landesteil, ab 2003 ein ganz spezielle Form von Windpark, denn TASMA ist eine Kooperative aus 250 kleinen Firmen der Textilindustrie, deren Mitglieder je eine oder mehrere Windturbinen betreiben. Gemeinsam bilden sie einen Windpark mit über 700 Turbinen und einer Gesamtleistung von 468 MW – weitere sind im Bau oder in Planung.

Die indische Firma Suzlon Energy Ltd. stellt 2005 mehr Turbinen auf als alle anderen Hersteller, außer Vestas. Die Installationen erfolgen vor allem lokal in Indien, wo 2006 schon 7.000 MW installiert sind, aber auch in den USA – innerhalb von Projekten, die teilweise vom Agrarmaschinenhersteller John Deere finanziert werden.

Im September und November 2006 brechen an Sulzon-Windkraftwerken in den USA mehrere Rotorblätter ab – was das Unternehmen letztlich mindestens 30 Mio. $ kostet, die für Reparaturen, Ersatzleistungen und Verbesserungen aufgewendet werden müssen. Insbesondere sind 1.251 Blätter der ,S 88’ Turbine betroffen, von denen bereits 930 installiert sind. Alle müssen verstärkt werden.

Mehrere Jahre mit steuerlichen Anreizen tragen dazu bei, daß sich Indien Ende 2007 zu einem der am schnellsten wachsenden Märkte für Windenergie entwickelt. Unter anderem haben Unternehmen die Möglichkeit, 80 % der Installationskosten einer Windenergieanlage schon im ersten Jahr als Verlust abzuschreiben. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits über 7.100 MW an Windenergie installiert, jährlich kommen zwischen 1.500 MW und 1.800 MW hinzu.

Aufgrund seiner viele tausend Kilometer langen Küste eignet sich das Land ganz besonders gut für die Windenergie; das Potential wird auf 45 GW geschätzt – was etwa einem Drittel des gesamten derzeitigen Energieverbrauchs entspricht.

Der indische Hersteller Suzlon expandiert weiter nachdem es ihm gelingt, im Bieterwettstreit um Repower im Mai 2007 den französischen Atomenergiekonzern Avreva auszubooten. Für 33,6 % an Repower zahlt Suzlon 450 Mio. €. Später wird dieser Prozentsatz u.a. durch den Kauf der Areva-Anteile auf 66 % erhöht.

Im Dezember 2007 wird bekannt gegeben, daß die Fertigungskapazitäten bis März 2008 von derzeit 2.700 MW auf 4.700 MW erhöht werden sollen. Bis 2009 ist dann eine Erweiterung um weitere 1.000 MW geplant.

Suzlon S64 - im Bau in den USA

Suzlon S64
(in den USA)

Ende 2007 besitzt Suzlon einen Weltmarktanteil von 7,7 %, ist das viertgrößte Unternehmen auf diesem Sektor weltweit, und Suzlon-Chef Tulsi Tanti wird auf ein Vermögen von 10 Mrd. $ geschätzt, womit er zu den sogenannten ‚superreichen Indern’ gehört.

Noch Mitte der 1990er war Tanti ein kleiner – aber sehr intelligenter – Textilunternehmer aus Surat in der Provinz Gujarat, an Indiens Südwestküste, der sich 1994 zwei Windräder vom dänischen Hersteller Vestas kaufte um die Stromkosten der familieneigene Textilfabrik zu sparen …und weil die Netze ständig zusammenbrachen. Ein Jahr später gründet er gemeinsam mit dreien seiner Brüder und 600.000 $ Startkapital in Pune die Suzlon Energy.

Tanti beginnt zunächst mit dem Vertrieb von Windrädern der kleinen, von Studenten der TU Berlin gegründeten Firma Südwind. Die Firma baut zwar brillante Turbinen, kommt wirtschaftlich jedoch nie richtig auf die Beine. Ende der neunziger Jahre geht Südwind in die Insolvenz und Tantis übernimmt Teile der Entwicklungsabteilung. Mit altem Südwind-Personal richtet der Unternehmer in Rostock ein Forschungs- und Entwicklungslabor ein, in dem weiterentwickelt und gleichzeitig der indische Nachwuchs ausgebildet wird, der dann in der Heimat die Turbinen baut. Auf ähnliche Weise kommt Tanti auch an einen niederländischen Rotorflügel-Hersteller.

Als im indischen Bundesstaat Maharashtra 1999 ein Gesetz erlassen wird, demzufolge Firmen die Kosten für Windräder von ihrer Umsatzsteuer abziehen dürfen, ist der Durchbruch geschafft und Suzlons Umsatz vervierfacht sich bis 2002 auf 131 Mio. $.

Anfang 2008 entbrennt ein heftiger Streit zwischen dem Management des Windkraftkonzerns Repower und dem Großaktionär Suzlon. Der indische Besitzer, der 86,5 % der Stimmrechte an dem Hamburger Konkurrenten kontrolliert, will die Repower-Technologie in Indien selbst herstellen, um sie dann international zu vertreiben. Dabei geht es vor allem um das Modell ‚Repower 5M’ – eine der leistungsfähigsten Windkraftanlagen der Welt.

Im Februar 2008 schließt Suzlon mit dem indischen, staatlichen Öl- und Gas-Monopolist Oil and Natural Gas Corporation (ONGC) einen Vertrag für zwei Windparks von je 50 MW ab – als Auftakt für ein Engagement, das langfristig Windparks mit einer Gesamtkapazität 15 GW umfassen soll.

Die indische Regierung plant zu diesem Zeitpunkt, bis 2012 Windräder mit einer Leistung von 8.400 MW aufzustellen. Um die Markteinführung zu unterstützen wird der Preis des Windstroms subventioniert, außerdem sind Sonderwirtschaftszonen für die Hersteller von Umwelttechnologie geplant, die ausländische Unternehmen anziehen sollen.

Bis 2020 sollen 20 % des indischen Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen stammen. Als besonders großer Hemmschuh erweist sich jedoch der schlechte Zustand des Stromnetzes: Es sind Investitionen in Milliardenhöhe nötig, um die elektrische Energie der Windmühlen auch bis zum Verbraucher bringen zu können.

Im Juni 2008 leistet Suzlons Dhule Windfarm in Maharashtra bereits 640 MW, im Endausbau wird sie 1,1 GW leisten und damit zum weltweit größten Windpark werden. Das Unternehmen hat sich derweil auf einen Weltmarktanteil von 10,5 % verbessert. Es ist in 20 Ländern aktiv, besitzt Herstellungswerke in Indien, China und den USA (in Minnesota), und beschäftigt 13.000 Mitarbeiter.

Suzlon S88 Windenergieanlage

Suzlon S88

Ein weiteres 51 MW Windkraftprojekt der Oil and Natural Gas Corporation (ONGC) wird im September 2008 in Betrieb genommen. Im Distrikt Kutch, Gujarat, erzeugen 34 Stück Suzlon ,S82’ Windturbinen jeweils 1,5 MW für die Bevölkerungszentren von Anklesvar, Ahmedabad, Mehasana und Vadodara.

Auch die europäische und die lateinamerikanische Filiale von Suzlon schließen zu diesem Zeitpunkt gute Verträge ab. Mit dem portugiesischen Unternehmen Martifer wird beispielsqweise die Lieferung von 29 Stück ,S 88’ Turbinen (2,1 MW) vereinbart, deren Gesamtkapazität von 60,9 MW bei einem Projekt in Rumänien zum Einsatz kommen soll. Weitere 9 Stück ‚S 88’ Windturbinen sollen in den Baião und Vila Franca de Xira Windfarmen in Portugal insgesamt 18,9 MW erzeugen.

Im November 2008 unterzeichnet die Wörrstadter juwi-Gruppe einen Rahmenvertrag mit einem Volumen von über 100 Mio. € mit Kenersys Europe, der europäischen Windenergie-Tochter der indischen Kalyani-Gruppe. In den folgenden drei Jahren soll Kenersys ab seinem neuen Werk in der mecklenburgischen Hafenstadt Wismar bis zu 35 WEA der (indischen? deutschen?) Modellreihe ,K 100’ (2,5 MW, 100 m Rotordurchmesser) an juwi liefern, einen der führenden Projektentwickler von Wind-, Solar- und Bioenergie-Anlagen.

Die Kenersys (Kalyani Energy Systems) Europe GmbH, ein weltweit operierender Anbieter von Windkraftanlagen, ist eine Tochter der indischen Kalyani-Gruppe des indischen Unternehmers Baba Kalyani. Dieser international agierende Industriekonzern mit Hauptsitz in Pune gehört zu den größten Schmiedeteillieferanten in der Automobilzulieferindustrie (Jahresumsatz: 2,5 Mrd $). Die Fertigungsstätten für Windkraftanlagen entstehen 2008/2009 in Wismar und Indien.

Der Neuzubau 2008 in Indien beträgt rund 1.800 MW.

Iran

Im Mai 2006 werden Pläne bekannt, denen zufolge das Land die bislang 20 Windturbinen des Dizbad-Windparkes nahe Neishabur im Laufe des Jahres um weitere 23 Einheiten erweitern will. Dadurch soll eine Gesamtleistung von 28,4 MW erreicht werden, die zur Versorgung von 78.000 Haushalten dienen wird.

Mitte 2010 informiert mich Herr Samad H. Razavi vom Fraunhofer IWES in Kassel, daß es inzwischen im Iran einen weiteren, noch größeren Windpark namens Manjil gibt – leider jedoch ohne Details über dessen Größe usw. mitzuteilen.

Israel

Im Gegensatz zu den vielen Aktivitäten im Bereich der Sonnenenergie spielt die Windkraft in Israel keine besonders große Rolle.

Dr. Moshe D. Hirsch, Berater des Ministeriums für Energie und Infrastruktur, leitet zwischen 1980 und 1990 ein Programm zur Erforschung der Windkraft, in dessen Rahmen diverse (importierte) Einzelanlagen errichtet und getestet werden.

WindMaster in Yodfat

WindMaster (Yodfat)

1981 wird mit einer 45 KW ,WindMatic’ aus Dänemark begonnen, die bei Iskar Industries in Maalot, im nördlichen Galilea, aufgestellt wird. 1985 folgt in Tel Katif auf dem Golan eine 55 KW Anlage von Vestas, die als der erste private Stromanbieter Israels gilt und ihren Strom an die Mei Golan Water liefert, und 1986 eine belgische ,WindMaster’ mit 250 KW, die bei der Israel electrical Co. in Yodfat aufgestellt wird, sowie eine 200 KW Anlage von Vestas für das Kibutz Maale Gilboa.

1987 geht es mit einer 225 KW Vestas-Turbine in Beit Yatir weiter, der sich 1988 eine 250 KW-Turbine des ebenfalls dänischen Herstellers Dencon anschließt, die auf dem Berg Kabir (= groß) bei Elon More errichtet wird.

Eine Sonderstellung nimmt dabei eine 200 KW selbst gebaute Forschungsanlage des israelischen Unternehmens Sivan Technologies ein, die 1988 bei Kfar Hachoresh im südlichen Galilea aufgestellt wird. Die Plastik-Rotorblätter sind von einem luftgefüllten Torus umgeben, was zu einem sehr leichten Rotorkranz führt, was zu Kostenreduktionen auch beim Turm führen soll.

Nach einem internationalen Workshop des UN Development Programme im Juni 1988, bei dem auch Dr. Hirsch seine Ergebnisse (Windkraftpotential: 24 GW) und seine zukünftigen Pläne vorlegt, bis 2020 beachtliche 1 GW in Windstrom erzeugen zu wollen, scheint es jedoch nicht mehr weiterzugehen.

Die Firma Mei Golan Wind Energy errichtet in Tel Assania 1992 die erste und für lange Zeit einzige kommerzielle Windfarm in Israel. Die zehn Windmühlen (Höhe 39 m, Rotordurchmesser 36 m) auf der Benei-Rasan Kuppe leisten zusammen etwa 6 MW und gehen im Sommer 1993 in Betrieb. Zu den Abnehmern des per Erdkabel gelieferten Stromes gehören der Kibbutz Naot Mordechai, der Mineralwasserhersteller Mei Eden und die Golan Heights Winery. Der Rest des erzeugten Stroms von rund 20% wird in das Stromnetz eingespeist.

Golan-Windfarm

Golan-Windfarm

Mitte 1993 legt das Israel Institute of Technology (Technion) dem israelischen Handels- und Industrieministerium ernstzunehmende Pläne vor, um mittels des Sneh Aero-Electric Power (SNAP) Windenergiesystems die 80 km/h starken Winde in einer Höhe von 1.000 m über der Negev-Wüste zur Stromerzeugung zu nutzen. Die US-Regierung und die US-Industrie sollen 5 Mio. $ für die Entwicklung und 20 – 25 Mio. $ für eine Pilotanlage beisteuern, die etwa 3 Jahre nach Baubeginn ihren ersten Strom produzieren könnte. Zwar wird im Rahmen des Berichtes ,Energy Management and Sustainable Energy Development’ des (neuerdings umbenannten) Ministeriums für nationale Infrastruktur im August 2002 noch einmal über diesen Vorschlag eines Abwindkraftwerks (s.d.) gesprochen, doch dann wird das Ganze anscheinend wieder zu den Akten gelegt.

Im März 1998 meldet die Presse, daß die MENABANK (Bank for Economic Cooperation and Development in the Middle East and North Africa) ein gemeisames Israelisch-Jordanisches Windpark-Projekt unterstützen wird, das Strom für beide Ländern liefern soll. Die Projektkosten des Wadi Araba/Arava Wind Power Project betragen 85 Mio. $, aber auch hier gehen einige Jahre ins Land, bevor es einen Schritt weitergeht.

In dem zuvor erwähnten Bericht von 2002 wird das nutzbare Windkraftpotential Israels auf 600 MW geschätzt. Insbesondere die Nordregion des Landes sei gut geeignet. Das Ministerium betont, daß man in den vorangegangenen 18 Jahren verschiedene Aktivitäten entfaltet habe um die Entwicklung der Windkraftnutzung zu fördern. Vielversprechende Standorte seien eruiert worden, und Forschungen wurden ebenso unterstützt wie Windpark-Entwickler. Außerdem sind mit staatlicher Hilfe fünf Testanlagen errichtet worden. Nun plane die Israel Electric Corporation den Bau mehrerer Windfarmen in Galilea und in der Negev-Wüste.

Erst 2006 scheint es mit der Windkraft etwas weiter zu gehen, denn die Mei Golan Wind Energy beginnt mit dem US-Energieunternehmen AES Verhandlungen über die Errichtung eines riesigen Windparks auf den nordöstlichen Golan-Höhen. Auf einer Fläche von mehr als 140 km2 sollen rund 150 Turbinen insgesamt 380 MW Strom erzeugen. Die Kostenschätzung für das Projekt beträgt 600 Mio. $.

Im gleichen Jahr wird in Israel die Firma Leviathan Energy gegründet, die mit großen Zielen antritt, denn man will „die Fundamente des Marktes für Erneuerbare Energie auf globaler Ebene verändern“, wie es in der Stelbstdarstellung des Unternehmens heißt. „Durch eine Anwendung, die auf der Nutzung der Physik fluider Strömungen beruht, will man Wind-, Wasser- und Wellenkraftwerke bauen. Bei der ,Wind Lotus’ Schwachwind-Turbine von Leviathan Energy handelt es sich jedoch um nichts anderes als einen weiterentwickelten Savonius-Rotor – hier im Leistungsbereich von 3,5 kW oder 5 kW –, der sich leicht auf Flachdächern aufstellen läßt. Das erste Modell wird im Februar 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wind Lotus Senkrechtachser

Wind Lotus

2007 wird in Ramat Hasharon die Firma Coriolis Wind Ltd. gegründet, deren Unternehmensziel es ist, innovative Windenergiesysteme zur Stromerzeugung zu entwickeln, die auch schwache und/oder turbulente Luftströmungen nutzen können. Dabei möchte man sich auf Kleinanlagen wie auch auf große Windparks konzentrieren. Bei den patentierten Strukturen handelt es sich um ‚Wände’ aus einer Vielzahl einzelner Darrieus-Rotoren, die auf- und nebeneinander montiert sind. Dadurch sind paßgenaue und modular aufbaubare Anlagen möglich, die sicher, leise und vibrationsarm sind. Durch den Einsatz massenhaft hergestellter Windblätter aus Plastik sollen sich sehr günstige Anlagenpreise ergeben.

Im November 2008 werden der ,Coriolis Wind Screen’ – als Modell einer 1,5 MW Anlage – öffentlich präsentiert. Nach erfolgreichen Tests mit einem Prototyp sollen 2009 die ersten Feldversuche folgen.

Nicht herausfinden konnte ich bislang das Gründungsdatum des israelischen Unternehmens IQWind in Bazra, das sich auf die Entwicklung eines optimierten Getriebesystems für Windturbinen spezialisiert hat, das deren Effizienz merklich steigern soll.

Ende 2007 kommt wieder einmal das Abwindkraftwerk von Technion in die Presse. Diesmal wird es als ein System beschrieben, das leicht die 15- bis 20-fache Menge des gegenwärtigen globalen Strombedarfs erzeugen könnte.

Gegen die Kritik von Vogelschützern (das Land liegt auf der Route vieler Zugvögel) plant eine Gruppe von Geschäftsleuten Anfang 2008 die Errichtung einer 50 MW Windfarm in der Arava/Araba Wüste. Das 100 Mio. $ Projekt soll von Afcon Industries in Petah Tikva finanziert werden. Eine weitere Farm im Norden des Landes soll sogar auf 100 MW ausgelegt werden. Parallel dazu plant das Infrastruktur-Ministerium, bis 2012 über 300 MW Windstrom zu verfügen, womit 5 % des landesweiten Strombedarfs gedeckt werden können. Die Unternehmer klagen jedoch über die vielen Verordnungen und die zeitraubende Bürokratie.

Im April 2008 wird immerhin schon die Absichtserklärung für ein joint venture zwischen Mei Golan Wind Energy und dem US-Energiekonzern AES unterzeichnet, der sich nun bei der israelischen Elektrizitätsverwaltung um eine Genehmigung für die erste Ausbaustufe bemüht (200 MW, Kosten: 330 Mio. $). Der Park, der im Endausbau 150 Windturbinen umfassen soll (s.o.), wird zwischen Majdal Shams und Alonei Habashan auf privatem Grund errichtet, der zur Hälfte jüdischen Siedlern und zur Hälfte den eigentlichen Drusischen Einwohnern gehört.

Auch die Arava Power Company (APC) will in der Arava/Araba Region Strom aus erneuerbaren Quellen produzieren und an die Bewohner des Gebiets verkaufen. Das Unternehmen wird im Rahmen einer regionalen Initiative gegründet deren Ziel es ist, Arava zum Silicon Valley der Erneuerbaren Energie in Israel zu machen. Gemeinsam mit dem Arava Institute of Environmental Studies, im Kibbutz Ketura im Süden des Landes, plant APC den Aufbau des ‚möglicherweise ersten Erneuerbare-Energie-Park der Welt’ (?). Under dem Namen Center for Renewable Energy and Energy Conservation soll der Park lokale und ausländische Talente anlocken, die sich an der Entwicklung neuer Energie-Technologien, darunter auch der Windenergie, beteiligen sollen. Außerdem soll das Zentrum als Keimzelle für das Enstehen grüner Gemeinden in der Region wirken, die Solarkollektoren und kleine Windkraftwerke einsetzen. Benannt werden soll es nach dem 2002 bei einem Autounfall getöteten Solarenergie-Pionier Bryan Medwed.

Die 2004 gegründete israelische Firma TechnoSpin (mit Sitz in New York), die ihre Geschäftstätigkeit 2007 aufnimmt, bekommt von der US-Kapitalbeteiligungsgesellschaft 21 Ventures im April 2008 eine Finanzpritze von 8 Mio. $. TechnoSpin wird sich mit der Entwicklung kleiner Windrotoren im Leistungsbereich zwischen 400 W und 2 kW bei Rotordurchmessern von 1,16 m bis 3 m befassen, deren erstes Modell im Mai auf dem Dach des Unternehmens aufgestellt werden soll, sowie mit der Entwicklung von Getrieben für große Windkraftanlagen.

TSW2000

TSW2000

Tatsächlich startet im Mai 2008 die Herstellung der Erstserie der ,PowerSpin TSW 2000’ Windrotoren, im Juli wird der Abschluß der Entwicklung der neuen ,ComSpin S’ Windturbine und im August den der Modelle ,ComSpin C’ und ,ComSpin L’ bekanntgegeben, die für den Telekommunikationsindustrie maßgeschneidert wurden. Im Januar 2009 wird eine ,TSW2000’ auf dem Dach der südafrikanischen University of the Witwatersrand in Johannesburg installiert, im März folgt ein weiteres Modell als erste Windturbine eines kleinen Windfarm-Projekts, sowie die erste schlüsselfertige Umsetzung für Sendetürme.

Ebenfalls im Mai 2008 stellen Vertreter der Startup-Firma ALT E ihren Plan vor, auf eines der Hochhäuser von Tel Aviv eine Windenergieanlage zu setzen, die einen Teil des Strombedarfes des Gebäudes decken soll. Aus dem Konzept sollen sich später ‚urbane Windfarmen’ entwickeln.

Im August 2008 erhält Mei Golan die Genehmigung für die Errichtung der geplanten 400 MW Windfarm auf den Golan-Höhen. Zu diesem Zeitpunkt sind in Israel rund 350 MW an Windkraftkapazitäten installiert.

Die US-Firma Hillpoint Energy aus Cedarhurst, New York, unterhält in Israel eine Entwicklungsabteilung. Im September 2008 verlautet aus dieser, daß das Team eine neue 1 MW Windenergieanlage vorstellen wird sobald die Patentanträge eingereicht worden sind, was in wenigen Wochen erfolgen soll. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine in großer Höhe fliegende LTA-Windturbine (lighter-than-air) – eine Technologie, die ich in einem späteren Kapitel noch näher beschreiben werde. 

Ende 2008 legt die israelische Stromaufsichtsbehörde einen Entwurf der zukünftigen Bestimmungen zur Erteilung von Lizenzen zum Bau und Betrieb von Windkraftwerken vor. Auch das für Energiepolitik zuständige Infrastrukturministerium kündigt ein Programm zur Förderung der Windenergie an. Als Förderinstrument sind attraktive, staatlich für 15 Jahre festgelegte Tarife vorgesehen, zu denen die staatseigene Elektrizitätsgesellschaft IEC den Strom der Windpark-Betreiber abnehmen muß.

Über ein 70 Mio. $ Projekt im südlichen Galilea verhandelt die Afcon Industries-Tochter Afcon E.B. Wind Energy Ltd. mit der Israel Electric Corporation (IEC), wie im Januar 2009 bekannt wird. Standort der 40 MW – 50 MW Windfarm ist Ramat Sirin und der Bergzug des Gilboa, eine Region, für die schon seit 2003 eine Genehmigung des National Planning and Building Board zur Errichtung von Windenergieanlagen vorliegt. Aufgrund der hohen Kosten gelang es der IEC jedoch nicht, das Projekt in Eigenregie zu verwirklichen. Ein wichtiger Gegner des Projekts ist das israelische Verteidigungsministerium.

Die (o.g.) Startup-Firma ALT E tritt im April 2009 mit einem neuen Namen an: SOVNA. Das Unternehmen in Tel Aviv bemüht sich weiterhin darum, kleine Senkrechtachser auf Hochhäuser zu installieren. Es handelt sich um einfache H-Darrieus-Modelle mit fünf geraden Blättern.

Italien

1982 beginnt die Errichtung einer Windenergie-Farm in San Giovanni Suergiu auf Sardinien. von der Firma FIAT und den staatlichen Elektrizitätswerken werden zehn 50 kW Anlagen aufgestellt, die auf dänischen Erfahrungen beruhen.

Es folgten Planungen für ein 4 MW Windrad, sowie für die Errichtung kombinierter Wind- und Solarkraftwerke auf den Äolischen Inseln, nördlich von Sizilien. Dort steht 1983 allerdings erst ein einziger, kleiner 15 kW Konverter.

In Italien wird die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ab 1993 staatlich gefördert. Im Jahr 1999 löst das Modell der ‚Grünen Zertifikate’ das alte Fördersystem ab (s.u.), und ab 2002 sind die Energieversorger verpflichtet, über ihre bestehenden Kraftwerkskapazitäten hinaus einen Anteil von 2 % Ihrer Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Bis 2007 steigert sich dieser Anteil auf 3,05%.

Im Jahr 1994 gründen die Brüder Josef und Ernst Gostner die Firma Ener.CO S.r.l. (ab 2002: Fri-El Green Power S.p.A.), die seitdem zu den Vorreitern der Erneuerbaren Energie in Italien gehört. Seit 2002 steigern sie die Menge des von ihren 19 Windfarmen gelieferten Stromes auf 418,3 MW. Größter Windpark ist die S. Agata Windfarm in Apulien, deren 4 Einzelfarmen insgesamt 72 MW erzeugen. Partnerschaften werden 2001 mit der EDF Energies Nouvelles und 2008 mit der RWE Innogy Italia eingegangen. Innerhalb weniger Jahre will das Unternehmen seine Gesamtkapazität auf über 1.000 MW Windstrom erhöhen.

Montemignaio Windfarm

Montemignaio Windfarm

Ab 2002 sehr aktiv ist die Firma wind energy in Bozen/Bolzano. Innerhalb weniger Jahre werden 79 Kommanditgesellschaften als Oberflächenrechtsinhaber für die Errichtung von Wind- und Solarenergieanlagen gegründet. Flächen für die Errichtung von Windkraftanlagen für insgesamt 4.000 MW werden in den Regionen Toscana, Umbrien, Marche, Lazio, Abbruzzen, Molise, Kampanien, Basilikata, Apulien, Kalabrien, und an den Küsten Siziliens und Sardiniens erworben. Steuererleichterungen gibt es für Investitionen in benachteiligten Regionen: Kalabrien 50%, Kampanien, Basilikata, Apulien, Sizilien und Sardinien 35%, sowie Abruzzen und Molise 20%. Die Genehmigungsverfahren sind allerdings komplex und werden je nach Region sehr unterschiedlich gehandhabt. Hinzu kommen steigende Hürden bei der Netzzugangsregelung.

Im Juni 2002 sind in Italien 700 MW Windkraftleistung installiert, vor allem Maschinen von 250 bis 600 kW, hauptsächlich von Vestas. Ende 2003 liegt die Windkraftleistung in Italien bereits bei rund 900 MW.

Ein interessantes Kuriosum aus der Windkraftgeschichte stellen die ‚Monopterus’-Anlagen des italienischen Herstellers Riva Calzoni dar. In Castelnuovo della Daunia befindet sich ein Park mit zehn der Einflügler mit einer Leistung von je 300 kW.

Im September 2005 stellt Enercon für den Windparkbetreiber Fortore Energia S.p.A. in San Chirico im Val Fortore, 830 m über der Meereshöhe gelegen, elf ,E-70/2’ auf. Es sind die ersten Anlagen der 2 MW-Klasse, die in Höhen über 800 m in Betrieb gehen. 2006 kommen weitere zehn in Rochetta und neun in Spina dazu. 

Während sich Sardinien, lange Zeit die Windregion Italiens mit der höchsten installierten Windkraftkapazität, 2005 eine Selbstbeschränkung von 550 MW auferlegt, zieht Sizilien 2006 mit 137 MW, sowie die wirtschaftlich schwachen Regionen im Süden, wie Apulien mit 126 MW und Basilikata mit 68 MW, an der Insel vorbei.

Bis Ende 2006 sind bereits Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 2.123 MW installiert, davon kamen alleine 2006 rund 417 MW neu dazu. Damit liegt Italien nach Deutschland, Spanien und Dänemark an vierter Stelle. Bis zum Jahr 2012 sollen 4.000 MW geleistet werden.

Zu den großen italienischen Betreibern von Windparks gehören Fortore Energia, Daunia Wind und Edison, der als zweitgrößter Energieversorger des Landes fast 400 Enercon-Windenergieanlagen von Typ ,E-40’ mit 500 kW bzw. 600 kW am Netz hat. 2006 werden weitere 13 Anlagen dieses Typs für Edison installiert, während Daunia Wind bei Troia am Monte Calvello 18 Stück ,E-70’-Windturbinen errichtet.

2007 sollen in Italien rund 850 MW Windstrom neu dazukommen, 2008 weitere 1.100 MW. Bis 2012 sollen nach Schätzungen von ANEV und ENEA schon an die 6.000 MW bereitstehen. Unterstützt wird dies durch die 1999 eingeführten ‚Certificati Verdi’ (Grüne Zertifikate, GZ). Und während es bis 2006 nur acht Jahre waren, werden an die Erzeuger von Strom aus erneuerbaren Energien ab 2007 GZ für die ersten 12 Jahre einer Anlage vergeben.
                      
Im Jahr 2007 prüft Gamesa die Pläne für den ersten Offshore-Windpark des Mittelmeeres, der vor der Küste Apuliens 300 MW erzeugen soll, doch schon im Juli 2007 meldet die Presse, daß der erste Windpark statt dessen rund 3 km vor der Küste Siziliens auf Höhe der Städte Licata und Gela entstehen soll. Die Realisierung übernehmen der italienische Stromversorger Enel gemeinsam mit der Moncada Energy Group. Es sollen 115 Windräder mit Leistungen zwischen 3 und 5 MW aufgestellt werden, womit der Windpark zwischen 345 und 575 MW Leistung liefern wird. Hierfür werden die Firmen bis zu 500 Mio. € investieren.

Im Oktober 2007 unterzeichnet die deutsche Firma Nordex AG einen 104 Mio. € Vertrag über die Lieferung von bis zu 44 Turbinen der Baureihe ,N90/2500 kW’ mit der ERG Power & Gas (Mitglied der ERG Gruppe). Der Windpark Fossa del Lupo wird in der süditalienischen Provinz Catanzaro auf einer Höhe von 800 m errichtet und wird 110 MW leisten, was dem Stromverbrauch von mehr als 80.000 Haushalten entspricht. Die Errichtung der Anlagen soll ab Oktober 2008 erfolgen, die Inbetriebnahme ist für 2009 geplant.

Auch der Projektentwickler WKN Windkraft Nord AG verkauft gemeinsam mit seiner Niederlassung WKN Italia und dem Joint-Venture Aero-Sol s.r.l. ein Windenergieprojekt auf Sizilien. Der 58 MW Windpark Rocca Rossa besteht aus 29 Anlagen mit jeweils 2 MW Leistung und 90 m Rotordurchmesser auf 95 m Nabenhöhe. Er befindet sich im Zentrum Siziliens und liegt etwa 60 km südöstlich von Palermo. Käufer des Projektes ist die M&A Rinnovabili s.r.l., eine Tochter der süditalienischen Moncada Energy Group. Die Inbetriebnahme des Windparks ist für Ende 2009 geplant.

Ebenfalls im Oktober 2007 erhält auch Vestas mehrere Aufträge aus Italien: 5 Stk. ,V90’ mit 3 MW, 20 Stk. ,V90’ mit 2 MW sowie 26 Stk. ,V90’ mit 1,8 MW; davon sind 62 MW der Region Apulia und 40 MW der Region Molise zugewisen.

2008 steigt Italien (durch den stagnierenden Ausbau der Windkraft in Dänemark) mit deutlich über 3.000 MW Windkraftleistung zur Nummer 3 in Europa auf. Diese Entwicklung wird dadurch begünstigt, daß in Italien mit Abstand die beste Vergütung für Windstrom bezahlt wird. Während die meisten europäischen Top-Windländer Windstrom mit 8 bis 9 €Cent/kWh vergüten, können italienische Windstromerzeuger über 12,5 €Cent/kWh berechnen.

Im Februar 2009 verkauft die PowerWind GmbH ihre 50. Windenergieanlage des Typs ‚PowerWind 56’ mit einer Leistung von 900 kW nach Italien. Insgesamt hat das Unternehmen damit bereits mehr als 60 Anlagen dieses Typs an Projekte in Deutschland, Italien, Polen, Rumänien und Bulgarien veräußert. Die letzten Abschlüsse verteilen sich auf zwei Unternehmen: Die Pitta Energia S.p.A. und die Sistemi Energetici S.p.A. haben jeweils vier Windenergieanlagen erworben, die an verschiedenen Standorten in Apulien errichtet werden.

Japan


1980
läuft das seinerzeit weltgrößte segelbetriebene Transportschiff mit 26.000 Bruttoregistertonnen vom Stapel. Das computergesteuerte Segel der ,Shin Aitoku Maru’ hat eine Fläche von 320 m2, soll den 3.300 PS Dieselmotor entlasten und eine Brennstoffersparnis von 50 % erwirtschaften. Das Schiff ist 162 m lang, 25 m breit und kostet 12,5 Mio. $.

Segelfrachter Shin Aitoku Maru

Shin Aitoku Maru

Mitsubishi Power Systems (MPS) beginnt ebenfalls schon in den 1980er Jahren mit der Entwicklung von Windkraftanlagen. Nach der Jahrtausendwende drehen sich weltweit bereits über 1.400 Kraftwerke dieses – wohl einzigen – japanischen Herstellers. Ihre Gesamtleistung beträgt allerdings nur 587 MW, das es sich zumeist um kleine Anlagen im Leistungsbereich zwischen 200 kW und 600 kW.

Eine Demonstrationsanlage der Tohoku Electric Power Co. in Tappi-saki am nördlichsten Ende der Tsugaru Halbinsel, gilt ab April 1992 als die erste Windfarm Japans. Die 5 Windräder des Tappi Wind Park mit 275 kW Leistung pro Stück produzieren gemeinsam 1.375 kW. Im September 1995 kommen weitere 5 Anlagen mit je 300 kW Leistung hinzu, welche die Kapazität des Parks auf 2.875 kW anheben. 1996 wird außerdem eine vom japanischen NEDO (New Energy and Industrial Technology Development Organization) entwickelte 500 kW Anlage aufgestellt.

1997 betreibt die Okinawa Electric Power den zweitgrößten Windpark Japans, bestehend aus fünf Anlagen mit insgesamt 1,7 MW. Man plant inzwischen auch andere Inselnetze auf Wind-Diesel-Systeme umzurüsten.

Im März 2000 meldet die Presse, daß die Enercon GmbH fünf 1,5 MW Windenergieanlagen vom Typ ,E-66’ nach Japan verschifft, die in einem Windpark des Energieversorgers Electric Power Development aufgestellt werden. Zu diesem Zeitpunkt realisiert Enercon insgesamt sieben Windparkprojekte in Japan.

Durch Spenden der Bevölkerung wird im September 2001 in der Stadt Hamatonbetsu, Hokkaido, die Hamakaze-chan (Bürger-Windturbine) Windkraftanlage errichtet. Initiator des Projekts ist die Bürgerinitiative Hokkaido Green Fund, die dazu aufruft, 5 % der monatlichen Stromrechnung als zusätzliche Spende für den Erhalt der Umwelt abzuführen. Im Rahmen der Initiative werden in der Stadt Ishikari sogar drei Bürger-Windturbine aufgestellt.

Die Cape Erimo Wind Power Station am Ende der Hidaka Bergkette wird mit ihren zwei jeweils 35 m hohen Windgeneratoren als touristisch attraktives Ziel betrachtet und vermarktet. Die Gegend gilt als eine der windreichsten Japans. Eine wesentliche größere Farm mit 57 Turbinen steht zu diesem Zeipunkt am nördlichten Punkt der Insel Hokkaido. Die Anlagen der Cape Soya Wind Farm sind 40 m hoch und liefern zusammen 57 MW, was rund 60 % des Strombedarfs der naheliegenden Stadt Wakkanai entspricht.

Otonrui-Windfarm

Otonrui-Windfarm

Im Windpark der Stadt Horonobe gehen 2003 insgesamt 28 Windkraftwerke vom Modell ,LW 52’ des niederländischen Windturbinenherstellers Lagerwey in Betrieb, von dem weltweit nahezu 200 Stück laufen (s.u.). Die z.T. 99 m hohen Anlagen der Otonrui Wind Power Station erstrecken sich über eine Länge von 3 km.

Ungefähr in diese Zeit fällt auch die Errichtung der ersten in Japan gebauten Offshore-Windturbine vor der Stadt Setana an der Japanischen See. Aufgrund ihres vogelähnlichen Aussehens bekommt der Standort den Spitznamen Kazamidori (Wetterhahn).

Die Hibikinada Wind Farm, deren von der Regierung geförderter Bau im Oktober 2002 angefangen hat, beginnt im März 2003 den von ihr erzeugten 15 MW Strom ins Netz zu speisen. Die Farm besteht aus 10 Stück 1,5 MW Windturbinen von GE Wind Energy.

Standort der Farm ist die Bucht der Hibikinad-Küste, etwa 15 km norwestlich der Stadt Kokura, auf von der Stadt Kitakyushu geleastem Land. Besitzer der Windfarm ist die NS Wind Power Hibiki Ltd., eine gemeinsame Tochter der Nippon Steel Corporation (welche auch die Türme der Windkraftwerke hestellt), des 1999 gegründeten Windprojektentwicklers Japan Wind Development Co., Ltd. (JWD) in Tokio, und der Torishima Pumps and Mitsui & Co. Die Betreiberfirma Kyushu Electric Power Co. versorgt rund 10.000 Haushalte mit dem gewonnenen Windstrom.

Marktführer der japanischen Windkraftindustrie ist zu diesem Zeipunkt die ursprünglich 1920 gegründete Firma Ebara Corp., Tokio, eines der führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Umwelttechnik, das im März 2003 ein joint venture mit der im Jahr 2000 gegründeten Pfleiderer Wind Energy GmbH (PWE) in Neumarkt eingeht, einer Tochtergesellschaft der Pfleiderer AG. Dabei geht es um die gemeinsame Vermarktung der Windturbinen ,PWE 600’ und ,PWE 1.500’ in Japan und den benachbarten Ländern Asiens. Die neue Joint-Venture-Gesellschaft Ebara-Pfleiderer Wind Power Corp. mit Sitz in Tokio beginnt im gleichen Jahr damit, die ersten Pfleiderer-Windenergieanlagen in Japan zu installieren.

Hibikinada-Windfarm

Hibikinada-Windfarm

Die Produktion der bisher aus Europa importierten Windturbinen soll künftig sukzessive vor Ort erfolgen – nach Plänen der Pfleiderer Wind Energy und mit höchsten Qualitätskriterien, die den Anforderungen des Germanischen Lloyd entsprechen. Wesentlichen Einfluß auf die Entscheidung der Ebara-Führung für eine langfristige Kooperation mit PWE hat dabei die Tatsache, daß für deren Anlagen aufgrund einer lückenlosen technischen Dokumentation (Spezifikationen, Montageanleitungen, Qualitätskontrolle usw.) eine 100-%ige Lizenzierung möglich ist.

Ebara’s Windsparte, mit rund 25 % Marktanteil Branchenführer in Japan, beliefert als Hauptkunde die Eco-Power Corp., die mit rund 20 % Marktanteil Japans größter Windparkbetreiber sind.

Zur Förderung erneuerbarer Energien führt die Regierung in Tokio im April 2003 den Renewables Portfolio Standard (RPS) ein. Dadurch soll ein wachsender Anteil am Energiebedarf des Landes künftig u.a. durch Windenergie gedeckt werden. In Anbetracht der enormen Windpotentiale auf dem Meer will Japan in absehbarer Zeit auch Offshore-Windenergieanlagen installieren.

Im Mai 2005 legt die Regierung einen Plan vor, dem zufolge durch den Ausbau der Windenergie bis 2011 eine Leistung von 3.000 MW erreichen soll. Derzeit werden in Japen 1.070 MW erwirtschaftet und der Staat fördert die Windenergie jährlich mit 10 Mrd. Yen (~ 85 Mio. $).

Im Fiskaljahr 2005, das im März 2006 endet, sind in Japan genau 1.050 Windturbinen installiert, von denen 262 von inländischen Herstellern wie Mitsubishi Heavy Industries, Fuji Heavy Industries und Ebara, und 788 von ausländischen und stammten. Mit den meisten Anlagen – über 100 Stück – ist Eco Power, ein Tochterunternehmen der Ebara Corp., vertreten. Von Vestas aus Dänemark stammen 23 % der in Japan installierten Anlagen, von GE Energy, einer Abteilung des US-Konzerns General Electric 21 %, und 12 % kommen von der deutschen Enercon GmbH.

Die gesamte Erzeugungskapazität für Windstrom erreicht in Japan Ende 2005 allerdings gerade einmal 1.049 MW.

Die größte japanische Windfarm mit 57 MW Kapazität wird 2005 in Hokkaido in Betrieb genommen – von Japans größtem Windstromanbieter, der in Tokio beheimateten Eurus Energy Holdings Corp., die zu 60 % der Firma Tokyo Electric, Asiens größtem Energieproduzenten, und zu 40 % der Handelfirma Tomen Corp. gehört. Eurus betreibt in Japan bereits 10 Windfarmen mit einem Gesamtoutput von 240 MW, außerdem engagiert man sich in Windprojekten in Deutschland und in den USA. Das Unternehmen erwägt im August 2006 die Möglichkeit, im Norden des Landes eine eigene Produktion von Windenergie-Anlagen aufzuziehen.

Zur Steigerung der Versorgungssicherheit verlangt die Tohoku Electric Power Co. im März 2006 von neuen Windkraft-Besitzern die Installation von Batteriespeichern.

Im Februar 2007 schließt die Repower Systems AG einen Vertrag zur Lieferung von 10 Windenergieanlagen des Typs ‚MM82’ in die japanische Präfektur Hyogo auf der Insel Honshu ab, mit denen ein eigener Windpark errichtet werden soll. Die ‚MM82’ Anlagen sind 80 m hoch und haben einen Rotordurchmesser von 82 m. Die Maschinenhäuser werden in Deutschland gefertigt, während die Türme von Repowers japanischem Vertriebspartner Meidensha Corporation (Meiden) in Korea gefertigt und ebenfalls auf dem Seeweg nach Japan transportiert werden.

Projektentwickler ist das Unternehmen Kanden Energy Development, Endkunde die Kajima Corp., eines der weltweit größten Bauunternehmen mit Sitz in Tokio. Baubeginn ist Ende 2007, die Fertigstellung ist für das erste Halbjahr 2008 geplant. Gemeinsam mit Meiden sind bereits 43 Anlagen in Japan aufgestellt, die zusammen eine Gesamtleistung von 65,5 MW besitzen.

Einer Zählung im März 2007 zufolge gibt es Landesweit bereits 249 Windfarmen unterschiedlicher Größe, die meisten davon auf Hokkaido. Bislang werden jährlich nicht viel mehr als 100 MW neu installiert, und Hersteller wie Bonus, REpower oder DeWind haben entsprechende Joint-ventures abgeschlossen, da sie Japan als einen der wichtigsten zukünftigen Märkte Asiens betrachten. Motor der Entwicklung soll die Verpflichtung der Energieversorger spielen, ihren Anteil des Stroms aus regenerativen Energiequellen bis 2010 von derzeit 0,3 Prozent auf 1,3 Prozent zu erhöhen.

Tatsächlich ist Wind im Energieportfolio Japans bislang kaum von Bedeutung, wie aus einer Analyse der Bundesagentur für Außenwirtschaft im Mai 2007 hervorgeht: Sowohl die Nutzung als auch die eigene Herstellung von Windkraftanlagen sind unterentwickelt. Noch immer dominieren ausländische Lieferanten den Windenergiebereich Nippons. Gemäß einer Studie der Tokyo Electric Power und der Universität Tokio könnte Japan allerdings mehr als 10 % seines Energieverbrauchs durch Windkraft decken.

Die New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) will daher bis 2020 will eine Windkraftkapazität von 10.000 MW und bis 2030 von 20.000 MW erreichen. Dabei soll insbesondere der Anteil der Offshore-Anlagen schnell ausgebaut werden. Als Alternative wird der Bau von großen Windkraftanlagen im Meer vorgeschlagen. Gedacht wird dabei an riesige, schwimmende Plattformen mit bis zu 12.000 installierten Turbinen, die jeweils 2.400 kW produzieren. Solche Anlagen könnten auch in Nähe der großen Verbrauchszentren entstehen und würden das Problem langer Transportwege mindern. Die Möglichkeiten ihrer Umsetzung werden von der Universität Tokio ind der Tokyo Electric Power Co. untersucht.

Aufgrund der meteorologischen Bedingungen befinden sich die meisten der bereits existierenden Winderzeugungsanlagen im nördlichen Teil der Hauptinsel Honshu, auf Hokkaido oder auf den ganz im Süden gelegenen Inseln Okinawa und Kyushu – alles weit entfernt von den Hauptverbrauchsgebieten.

Das Problem, daß die Windkraft-Stromerzeugung recht unbeständig ist, wollen die Firmen Japan Wind Development und der Batterie-Hersteller NGK Insulators lösen: Von 2008 an soll eine Versuchsanlage zur Stromerzeugung und -speicherung in Rokkasho, Präfektur Aomori, in Betrieb gehen.

2007 ist nur Mitsubishi Heavy ein ernsthafter Mitspieler auf dem Windturbinen-Markt und bietet Aggregate bis 3 MW an. Dabei konzentriert man sich bislang hauptsächlich auf den US-Markt. Mit einer neuen und leistungsfähigeren Turbine von 5 MW will das Unternehmen ab 2010 auch auf dem europäischen Markt aktiv werden. Gleichzeitig will man die Produktionskapazität von derzeit unter 700 MW auf über 2.000 MW steigern.

Im Oktober 2007 stellt die Mecaro Co. Ltd. auf der japanischen Leitmesse für erneuerbare Energien eine Windkraftanlage ohne konventionelle Rotorblätter vor. Die von Nobuhiro Murakami entwickelte ‚Spiral Magnus’-Windturbine besitzt statt dessen fünf rotierende und mit spiralförmigen Lamellen versehene Röhren. Ich stelle das System auch in dem Kapitel Neue Designs und Rotorformen vor.

Im November 2007 schließt Enercon den Wiederaufbau des Windparks auf der Insel Miyako vor Okinawa ab, in dem im September 2003 durch den Jahrhundert-Taifun Maemi und seine Windgeschwindigkeit von über 250 km/h fünf Windturbinen völlig zerstört worden waren (auch in den Jahren 2004 und 2007 werden in Japan diverse Windenergieanlagen durch Stürme beschädigt). Im Einsatz sind nun ,E-44’ Turbinen des deutschen Herstellers, die ihren Strom von insgesamt 4 MW an den regionalen Versorger Okinawa Electrical Power Company (OEPC) liefern.

Die bereits 1998 unter dem Namen Mecaro Akita gegründete Firma für Produktionsmaschinen residiert in Katagami-city, Akita, einer windreichen Küstenregion. Im Laufe einer vierjährigen Zusammenarbeit mit der Regierung, der Industrie und universitären Forschungsinstituten gelingt es, den Magnus-Effekt, der uns auch beim Flettner-Rotor begegnet (s.d.), bei einer ‚Windmühle’ umzusetzen.

Die Drehung des Rotorkopfes erfolgt hierbei durch die Querkräfte, die von den im Wind rotierenden Zylindern abgegeben werden. Sie sollen etwa dem Vierfachen dessen entsprechen, was vergleichbare konventionale Rotorblätter zu leisten imstande sind. Außerdem kann ein ‚Spiral Magnus’ bei jeder Windstärke betrieben werden. Weitere Vorteile seien eine reduzierte Geräuschentwicklung und eine robuste, für Schäden unanfällige Struktur.

Hilfreich sind Versuche mit einem 10 m durchmessenden Prototyp, die Anfang 2007 im großen Windkanal der NASA (Ames Research Center) durchgeführt werden. Das System wird bis zu Windgeschwindigkeiten von 25 m/s optimiert – die Stabilität sogar bis 50 m/s nachgewiesen.

Nach dem Produktionsstart im April 2007 und der Umbenennung in Mecaro Co. Ltd. im Juli 2007 wird das System erstmals öffentlich angeboten. Im September 2007 wird ein 12 kW Modell mit einem 11,5 m durchmessenden Rotor und 12,5 m Nabenhöhe in der Ortschaft Ogata, Präfektur Akita, errichtet.

Spiral Magnus

Spiral Magnus

Einen Schritt zurück geht es im Juni 2007 mit Inkrafttreten der neuen Bauordnung des Landes, derzufolge Windenergieanlagen oberhalb von 60 m Höhe als Gebäude betrachtet werden – was zu einer kosten- und zeitaufwendigen Genehmigungsprozedur führt. Das Gesetz paralysiert den Markt ein ganzes Jahr lang, bis im Juli 2008 das erste Projekt entsprechend der neuen Regelung genehmigt wird.

Im Norden von Tokio gibt es einen Windpark, der bereits 35.000 Haushalte versorgt, was für Japan natürlich keine bedeutsame Menge darstellt. Die Nunobiki Plateau Wind Farm liegt nur wenige Stunden Fahrzeit von der Hauptstadt entfernt und blickt malerisch auf einen Bergsee herab.

Diese Windfarm gilt als derzeit größte Japans – und ihre 33 Stück Enercon ,E-70’ Turbinen erreichen eine Gesamtleistung von knapp 69 MW.

Anfang 2008 bildet sie allerdings nicht mehr als den Aufhänger für eine zunehmende Zahl von Artikel, die sich mit dem Möglichkeiten von Offshore-Anlagen beschäftigen. Es ist eigentlich unverständlich, daß sich Japan nicht schon längst intensiv mit diesem lukrativen Zukunftsmarkt beschäftigt. Immerhin existiert schon seit 2003 eine erste kleine Offshore-Farm mit zwei 600 kW Turbinen rund 1 km vor der Stadt Hokkaido, die etwa 1.000 Haushalte versorgt. Probleme gibt es dort allerdings mit der Wartung, da der Wellengang machmal so hoch ist, daß man die Anlagen per Boot nicht mehr erreichen kann.

Es sieht im Moment so aus, als würde die japanische Industrie erst um 2012 den Schritt in Richtung Offshore-Anlagen gehen. Fuji Heavy Industries will allerdings schon ab 2008 eine Windkraft-Turbine mit 2 MW Leistung anbieten, die auch unter extremen meteorologischen und geographischen Bedingungen robust und effizient einsetzbar ist. Das Unternehmen hofft, dadurch das Marktpotenzial in den taifungeplagten Regionen nutzen zu können.

Weitere größere Windfarmen in Japan sind die Aoyama plateau Wind Farm mit 32 Stück 700 kW Turbinen, sowie die Seto Wind Farm mit 11 Stück ,MWT-1000’ Windkraftwerken von Mitsubishi mit einer Leistung von jeweils 1 MW.

Seto-Windpark

Seto-Windpark

Die japanische Windleistung beträgt Ende 2007 genau 1.538 MW (1.309 MW in 2006). Das Land besitzt 50 Inseln mit eigenen Netzen, die je nach Größe Leistungen zwischen 100 kW und 60 MW bereitzustellen haben. Nur 16 dieser Inseln machen begrenzten Gebrauch von der Windenergie.

Als einzige Hersteller treten die folgenden vier Unternehmen auf: Mitsubishi Heavy Industry (MHI, größte Anlage: 2,4 MW), Fuji Heavy Industry (2 MW), Japan Steel Works (JSW) (2 MW), und Komai Tekko (300 kW). 21 Stück von Mitsubishis 2,4 MW Turbinen stehen beispielsweise in Japans drittgrößten Windpark, der Nagashima Wind Hill Windfarm.

Mitte 2008 meldet die japanische Presse, daß unter der Leitung der NEDO ab dem kommenden Jahr eine dreijährige Studie in Bezug auf Offshore-Kraftwerke durchgeführt werden soll. Ende 2008 liegt die Windkapazität Japans bei 1.880 MW.

Jordanien

Neben ihren diversen Sonnenenergie-Experimenten untersucht die jordanische Royal Scientific Society (RSS) auch das lokale Windaufkommen auf seine mögliche Ausnutzung. 1982 startete ein 200.000 $-Projekt zur Wasserversorgung entlegener Kommunen mit windbetriebenen Pumpanlagen.

Eine lokale Kooperation zwischen der RSS, einem irakischen Erfinder und unserem syrischen Ingenieurbüro zur Optimierung eines neuartigen Rotorblattes (Schlitzblattrotor) Mitte der 1980er wird von der deutschen GTZ nicht unterstützt, obwohl das Blatt sowohl ein syrisches wie auch ein Europa-Patent vorweisen kann. Statt dessen wird der Export einer MAN-Windturbine nach Jordanien bevorzugt (!) – und eine phantastische Möglichkeit zur Unterstützung einer regionalen Initiative vergeben.  

1987 wird in Jurf El-Darawish ein Hybrid-Energie-System installiert, um das abgelegene Dorf im Süden Jordaniens mit Stom zu versorgen. Neben zwei Windenergieanlagen mit jeweils 20 kW wird auch eine 10 kW PV-Anlage, ein Batteriespeicher mit 330 kW/h sowie ein Reserve-Dieselgenerator mit 65 kW installiert.

1988 erstellen verschiedene staatliche Stellen Jordaniens mit Unterstützung des RISO National Laboratory in Dänemark einen Windatlas für das Land. Diesem zufolge besteht im Norden und im Süden ein Windleistungspotential von jeweils 25 MW… was mir äußerst gering erscheint, da ich die starken Winde selbst gut kenne. Ebenfalls mit dänischer Kooperation errichtet man im selben Jahr im Norden des Landes als Pilotprojekt eine 320 kW Windfarm in Al-Ibrahimyya, die aus vier stall-geregelten Windturbinen von jeweils 80 kW besteht.

Eine Windfarm mit 1.235 kW Leistung wird 1996 mit Hilfe der deutschen Regierung (ELDORADO–Programm) in Hofa, ebenfalls im Norden des Landes, errichtet. Hier stehen fünf pitch-geregelte Windenergieanlagen von jeweils 225 kW.

In einer Studie von 1997 werden in Jordanien 11 Standorte für Windparks ausgewiesen – insbesondere in Verbindung mit der Meerwasserentsalzung, für die der Windstrom eingesetzt werden soll. Dazu gehören Ras Muneef, Mafraq und die Hafenstadt Aqaba.

Außerdem sind in Jordanien mehr als 20 lokal gefertigte mechanische Windpumpen im Einsatz.

Sehr aktuell ist eine im April 2009 veröffentlichte Ausschreibung des Energieministeriums über drei Windfarmen, die bis Ende des Jahren an verschiedenen Standorten im Süden des Landes aufgestellt werden sollen: in Al Harir, Maan und Wadi Araba. Die Anlagen sollen zusammen zwischen 300 MW und 400 MW leisten. Das Land plant, bis 2015 sogar 600 MW Windstrom zu erwirtschaften.

In Planung befinden sich zu diesem Zeitpunkt bereits die erste jordanische Windfarm in Kamsheh nahe der antiken Stadt Jerash (Gerasa), die 30 MW – 40 MW produzieren und 2010 ans Netz gehen soll, sowie eine 80 MW – 90 WM Farm in Fujeij nahe Petra, die bis 2011 fertig sein soll.

Kanada

Ab ca. 1920 werden in Kanada Klein-WEA für entlegene Farmen errichtet. Es handelt sich um Dreiblattrotoren mit 4 m Durchmessser und bis zu 3 kW Leistung. Bekannte Marken sind Wincharger und Jacobs.

1975 gibt das Unternehmen Canadian National Aeronautical Est. (NAE) die Ausschreibung für einen Darrieus-Rotor von 1 kW bekannt, die anschließend von der Dominion Aluminium Ltd. gewonnen wird. Die Testanlage hat eine Höhe von 4,5 m. Als nächstes folgt ein 200 kW-Projekt, und im Oktober 1978 wird auf den Kanadischen Isles de la Madeleine im Golf des St. Lorenz-Stromes im Auftrag des Regierungsunternehmens Hydro Quebec mit dem Bau einer Darrieus-Anlage mit 24 m an ihrer breitesten Stelle begonnen, die bis zu 200 kW Strom erzeugen soll. Das ‚Canadian Departement for Energy, Mines and Ressources’ errechnet zu dieser Zeit, daß bis zum Jahr 2000 ein Entwicklungspotential von 6.000 MW möglich sei, bis 2020 sogar von 17.000 MW.

Ab 1984 wird eine noch größere Darrieus-Anlage gebaut. Die zwei gebogenen Rotorblätter der ‚Éole’ haben an der breitesten Stelle einen Durchmesser von 64 m und erreichen eine Gesamthöhe von 96 m, die Anlage soll 4 MW Leitung erbringen. Die NAE hat außerdem Pläne für eine 300 m hohe 20 MW Anlage.

Die ‚Éole’ – Teil des Le Nordais-Windparks – wird 1992 nach einem schweren Sturmschaden abgestellt und wird inzwischen als touristische Attraktion genutzt, die Besucher können sogar den Schaft betreten.

Darrieus-Rotor

Darrieus-Rotor

Erst 2002 wird mit dem Huron-Park der erste WEA-Park in Ontario in Betrieb genommen, obwohl es dort schon immer gute Windverhältnisse gibt.

In Kanada werden 2005 rund 240 MW an neuen Windkapazitäten installiert, für 2006 wird eine knappe Verdreifachung erwartet – und in den Folgejahren soll sogar exponentiell weiter ausgebaut werden. Ende 2006 sind 1.218 MW am Netz, wobei die Canadian Wind Energy Association (CanWEA) schätzt, daß die Errichtung der über 700 MW an Windkraftanlagen im Jahr 2006 gut 1 Mrd. kanadische Dollar (ca. 0,7 Mrd. €) gekostet hat. Die Technik wird fast ausschließlich importiert, insbesondere aus Deutschland.

Führend sind bislang die Provinzen Alberta (354 MW installierte Kapazität im Oktober 2006), gefolgt von Ontario (320 MW), Québec (212 MW), Saskatchewan (171 MW) und Manitoba (104 MW).

Die ehrgeizigsten Ausbaupläne hat Québec mit seinem Windkraft-Potential von 55.000 MW. Bis 2015 sollen annähernd 4.000 MW an zusätzlichen Anlagen installiert werden, was einer Investition von etwa 7,5 Mrd. Kanadische $ entspricht.

2005 wird in Laval, Québec, die Firma TESNIC Inc. gegründet, die einen Senkrechtachser entwickelt und patentiert, der teilweise auf der bekannten Tesla-Turbine (s.d.) beruht – bzw. auf deren zugrunde liegenden Prinzipien. Über 200 übereinander geschichtete Scheiben mit rund 2 mm breiten Spalten werden von spiralig angeordneten Rotorblättern umgeben, die den Wind auf die Oberflächen der Scheiben leiten. Um diese rotierende Struktur herum befinden sich statische Leitbleche, die den Wind unabhängig von seiner Herkunftsrichtung einfangen und gleichzeitig die vom Rotor verursachten Turbulenzen ausgleichen sollen.

Die Nutzung der Bewegungsenergie der Luftpartikel erfolgt bei diesem System nicht mehr ausschließlich über die sonst überlicherweise genutzten Brems- oder Auftriebskräfte – sondern auch noch über die Adhäsion. Dadurch erreichen die TESNIC-Turbinen einen sehr hohen Wirkungsgrad – laut Hersteller sogar den höchsten jemals im Windenergiebereich erzielten. Außerdem wiegt eine 3,6 kW Anlage weniger als 150 kg.

Nach erfolgreichen Simulationen im Mai 2007 und Windkanalversuchen im September wird der TESNIC-Senkrechtachser im November auf dem World Energy Congress in Rom gezeigt. Ein Jahr später, im November 2008, wird das Sytem als eines der Top 100 Clean Energy Technologies während des Environmental Hall of Fame events in Chicago geehrt.

Angeboten werden sollen Modelle zwischen 750 W (Modell ,T750’, 0,9 x 0,9 m, 50 kg) und 10 kW (Modell ,T10K’, 10 kW, 3,3 m x 3,3m, 350 kg).

Im August 2008 schließt das Unternehmen SkyPower mit den Gemeinden Beardys und Okemasis eine Vereinbarung zur Errichtung einer 100 MW Windfarm in Big Quill nahe Wynyard, Saskatchewan, ab. Die Farm soll mehr als 30.000 Haushalte versorgen, 2010 soll mit ihrem Bau begonnen werden.

Eine ähnlich dimensionierte Vereinbarung wird im Oktober 2008 zwischen der AAER Inc.und der Mont Louis Wind L.P. abgeschlossen. 61 Stück der neuen 1,65 MW Turbinen von AAER sollen im dritten Quartal 2010 geliefert und im Saint-Maxime-du-Mont-Louis-Windpark in Québec aufgestellt werden. Das Projekt hat einen Kostenrahmen von 142 Mio. Kanadischen Dollar (~ 115,5 Mio. US-$).

Im November 2008 meldet EarthFirst Canada Inc., daß man im Rahmen des firmeneigenen Dokie Windenergie-Projekts mit seinen 144 MW in British Columbia nun auch eine Vestas ,V90’ Windtrurbine mit einer Leistung von 3 MW aufgestellt habe. Bis Ende 2008 sollen noch 6 gleichartige Anlagen folgen, die ihren Strom ab Anfang 2009 abgeben werden, 2009 werden dann weitere 41 Turbinen installiert.

Ebenfalls im November 2008 eröffnet Canadian Hydro den bislang größten Windpark Kanadas, das Melancthon EcoPower Centre, das sich seit 2005 im Aufbau befindet. Im Nordwesten von Toronto und in der Nähe von Shelburne, Ontario, gelegen, leistet diese Windfarm 199,5 MW, die im Rahmen eines 20-Jahres-Vertrages an die Ontario Power Authority geliefert werden.

Malancthon-Windfarm

Malancthon-Windfarm

Zeitgleich bietet die Finavera Renewables Inc. an, vier Standorte in der Peace region im Nordosten von British Columbia zu Windparks mit einer Gesamtleistung von 295 MW auszubauen. Finanziele Unterstützung leistet dabei die Firma GE Energy Financial Services, mit bereits ein memorandum of understanding unterzeichnet worden ist. Für die Projektentwicklung in Bullmoose (60 MW), Meikle (bis 118 MW in zwei Phasen), Wildmare (72 MW) und Tumbler Ridge (45 MW) wird ein Kapitalbedarf von 800 Mio. US-$ angesetzt.

Laut der Canadian Wind Energy Association (CanWEA) steht Kanada Ende 2008 auf Rang 12 der internationalen Liste installierter Windenergie-Leistung – mit 2.000 MW. Unter den Provenzen führt Ontario mit 781 MW, gefolgt von Quebec (531 MW), Alberta (524 MW), Saskatchewan (171 MW), Manitoba (103 MW), der Prince Edward Insel (72 MW) und Neu Schottland (61 MW).

Im Dezember 2008 schließt die Finavera Renewables Inc. einen Vertrag mit der Ghost Pine Wind Farm LP ab, bei dem es um den Verkauf einer 75 MW WindFarm im Wert von 4,69 Mio. US-$ geht. Das Projekt war 2007 errichtet worden, parallel zu einer weiteren 75 MW Farm in Lone Pine.

Korea

Über die Situation der Windenergie in Korea ist nicht viel herauszufinden. Interessant ist allerdings ein 2006 in Korea patentiertes System des Erfinders Deok-Ho Shin, bei dem es sich um einen turmförmigen Induktions-Windgenerator handelt, der nach 7-jähriger Entwicklungszeit einige staatliche Preise erringt und ab 2008 auch auf dem Markt angeboten wird.

Earth Love

Kern des ‚Earth Love’ Windenergie-Systems des Shinyeon Energy Research Center of Korea ist ein magnetisch gelagerter und 30 t schwerer Schwungpropeller mit einer Umfangsgeschwindigkeit von 350 km/h, der dafür sorgt, daß ständig neue Luft angesaugt und durch Venturi-Düsen gepreßt wird, wodurch ein Vakuum erzeugt wird, das wiederum neue Luft ansaugt und schlußendlich mehr als 1 MW Strom erzeugt – wenn ich das Ganze halbwegs verstanden habe.

Im September 2008 meldet die Fachpresse, daß die Firma Hyundai Heavy Industries (HHI) in Gunsan, Provinz Nord-Jeolla, für umgerechnet 880 Mio. $ eine Fabrik zur Herstellung von Windenergieanlagen aufziehen will. Ab dem Februar 2010 will man dort pro Jahr Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 400 MW herstellen.

Das Unternehmen hat bereits 242,8 Mio. $ in die Errichtung der ersten koreanischen PV-Zellen Produktionslinie in Eumseong, rund 100 km südlich von Seoul, investiert – weitere 214,3 Mio. $ sollen bis 2010 in eine zweite Linie fließen.

Die Firma Doosan Heavy gibt im Dezember 2008 bekannt, daß man erfolgreich die Entwicklung einer 3 MW Windenergie-Anlage beendet habe, die sich besonders für den Offshore-Bereich eignen soll. Die ,WinDS 3000’ besitzt einem 80 m hohen Turm und drei Rotorblätter, deren Kranz einen Durchmesser von 92 m aufweist. Außerdem hat die Turbine ein Leichtbau-Getriebe, einen Permanentmagnet-Generator und einen internen 20 t Kran für Wartungszwecke. Die ersten Tests sollen noch in diesem Monat beginnen, während eine erste Versuchsanlage im Juli 2009 bei Gimnyeong, in Jeju-do, aufgestellt werden soll – allerdings noch Onshore.

Libanon

Die Entwicklung der Windenergie im Libanon entspricht weitgehend der (traurigen) Situation im gesamten Nahen Osten, wo die Regierungen völlig desinteressiert sind – und die Bevölkerungen weitestgehend uninformiert gehalten werden.

2002 wird endlich damit begonnen, Winddaten zu sammeln. Durchgeführt wird die Erhebung vor dem neu gegründeten internationalen Beratungsunternehmen Global Wind Energy mit Hauptsitz in Paris. Hierfür werden an 7 verschiedenen Stellen des Landes Masten mit Meßsystemen aufgestellt.

4 kW-Darrieus von UGE

UGE 4 kW-Darrieus

Bei meinen Recherchen habe ich ansonsten nur eine vergleichende Analyse zwischen Solar- und Windstrom im Libanon gefunden, die seitens A. El-Ali und N. Moubayed von der Universität Tripoli während einer Energiekonferenz im Oktober 2007 in Barcelona präsentiert wird. Als Grundlage nutzten die Autoren die 2006 gewonnenen Daten aus dem Betrieb eines nachgeführten 50 W Solarpaneels sowie eines 400 W Windladers mit Batteriespeicher.

Die Schlußfolgerung des Berichts lautet: „We noted that the wind machine’s efficiency is 2.2 times (more) than that of a solar panel and its price is 3 times less expensive than that of the solar panels.“

Immerhin gibt es 2008 schon eine libanesische Windfirma namens Wind Energy SAL, die innerhalb des Landes wie auch in den arabischen Nachbarstaaten neue und extrem leise laufende Senkrechtachser anbieten will, angefangen von dem ,UGE 1 kW’ (1 kW, Maße 2,2 m x 1,35 m, Gewicht 130 kg, bei Dachmontage 230 kg) bis zu dem ,UGE 4 kW’ (4 kW, Maße 3,5 m x 2,0 m, Gewicht auf 5,5 m-Turm 190 kg). Außerdem wird ein Standard 3-Blatt-Rotor mit 5 kW Leistung angeboten.

Für den kommerziellen Betrieb hat das Unternehmen auch WEAs mit 750 kW, 1 MW und 2 MW im Angebot, von denen ich jedoch nicht annehme, daß sie im Libanon selbst produziert werden.

Weitere Unternehmen, die im Libanon – vermutlich primär als Importeure – aktiv sind, sind die Firmen Altaka-albadila, eine Abteilung der DPC/Lebenaon SARL, sowie die SETRI SARL – beide mit Hauptsitz in Beirut.

Marokko

An der Küste und im Süden des Landes gibt es ausgedehnte Gebiete mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 7 m/s. Die Perspektiven der Stromerzeugung aus Sonnen- und Windenergie in Marokko sind auch für Europa sehr interessant, da es diesen Strom dann gerne importieren würde. Trotzdem dauert es sehr lange, bis tatsächlich erste Schritte in diese Richtung unternommen werden.

Nahe der Stadt Tetouan an Marokkos nördlicher Küste befindet sich der Koudia Al Baïda Windpark. Südlich von Gibraltar gelegen ist er nur etwa 20 km vom europäischen Kontinent entfernt. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit im 40 m Höhe beträgt hier 11 m/s. Projektträger sind die Unternehmen EDF, Paribas und Germa, errichtet wird er von dem französischen Unternehmen Compagnie du Vent.In Betrieb genommen wird der Park mit 84 Windturbinen von Vestas (á 600 kW) im Mai 2000. Die 42 m durchmessenden Rotoren stehen auf Türmen von 35 m, 40 m und 50 m.

Mit seiner Nennleistung von 50,4 MW bildet er zu diesem Zeitpunkt eine der größten zusammenhängenden Produktionseinheiten Afrikas und liefert etwa 1 % des in Marokko benötigten Stromes (225 GWh pro Jahr). Er kostet umgerechnet 50 Mio. €. Betreiber des Parks ist die Compagnie Éolienne du Détroit.

Ebenfalls 2000 wird ein 3,5 MW Modell-Windpark in Tetouan (Taghrant) in Betrieb genommen. In der Abdelkhalek Torres Windfarm stehen sieben 500 kW-Turbinen von Vestas. Projektträger ist die Firma ONE, die auch die später in Marokko errichteten Windparks verantwortet.

Eine Studie der GTZ Anfang der 2000er Jahre ermittelt für Marokko beste Windverhältnisse. In weiten Teilen des Atlasgebirges herrschen regelmäßige Passatwinde mit durchschnittlichen Windstärken von 11 m/s. Mit KfW-Finanzierung wird östlich von Tanger ein 3,5 MW Pilot-Windpark erstellt (7 Stück Enercon-40).

Im Jahr 2004 unterzeichnet die Compagnie du Vent einen Vertrag zur Lieferung und Installation von 12 Windkraftwerken von je 850 kW (Gamesa ,G52’) mit der Firma Lafarge Maroc, um deren Zementfarm in Tetouan zu versorgen. Es ist damit die weltweit erste Zementfabrik, die sich der Windenergie bedient. Mit der Gesamtleistung von 10,2 MW kann etwa die Hälfte des dort benötigten Stromes erwirtschaftet werden. Die Inbetriebnahme ist bereits für Anfang 2005 vorgesehen.

Als 2008 eine zweite Produktionslinie entsteht, wird ein weiterer Vertrag abgeschlossen. Diesmal werden für 15 Mio. € fünf Gamesa ,G8X’ Windturbinen mit jeweils 2 MW installiert, um rund 40 % des Strombedarfs der neuen Linie zu liefern. Bestandteil des Vertrages sind auch der Betrieb und die Wartung der Anlagen ab Inbetriebnahme 2009 bis 2012.

Um 2004 herum beginnt auch der Bau eines 60 MW Windparks an der Atlantischen Küste in der Nähe von Essaouira, etwa 400 km südlich von Casablanca, um die dortigen Passatwinde zu nutzen. Auf dem auch Amogdoul oder Cap Sim genannten Windpark werden 70 Stück 850 kW Turbinen von Gamesa errichtet. Die Inbetriebnahme erfolgt im April 2007.

2007 geht ferner der Windpark Tanger (Dhar Saadane) mit 140 MW in Betrieb.

Projektiert sind außerdem Windparks im südlichen Marokko in Tarfaya (Addwikhiya, 60 MW, vermutlich 2008 bereits in Betrieb), in Taza (Touahar, 100 MW) sowie in der Region Tanger bei Sendouk (65 MW) und Dhar Saadane (75 MW). Interessante Regionen sind ferner Laâyoune, Dakhla und Bouzerktoun.

Marokko plant zu diesem Zeipunkt mit rund 1.000 MW bis 2010 einen Anteil von 4 % des marokkanischen Energiebedarfs durch Windenergie zu decken. Tatsächlich sind 2007 aber erst 124 MW am Netz.

Im Juni 2008 vereinbaren der global aktive Energiekonzern Abu Dhabi National Energy Company PJSC (TAQA) und die französische THEOLIA, das aktuell führende Unternehmen für Windenergie in Marokko, eine strategische Partnerschaft. Dabei geht es um die Bewerbung für den Bauauftrag und den Betrieb einer neuen 300 MW Windfarm in Tarfaya, wo sich schon der Koudia Al Baïda Windpark befindet. Gleichzeitig wird ein Repowering (technisches Updating) des bisherigen Parks gedacht. TAQA besitzt und betreibt bereits ein konventionelles 1.356 MW Kraftwerk, mit dem es etwa die Hälfte des marokkanischen Strombedarfs deckt.

Neuseeland

1993 wird in Wellington die Brooklyn-,Windfarm’ in Betrieb genommen – mit einer einzigen 225 kW-Turbine.
Der Hau Nui Windpark in der Region Wairarapa beginnt 1996 mit sieben 550 kW Anlagen, zu denen 2004 weitere acht 600 kW Winturbinen hinzukommen, sodaß eine Gesamtleistung von 8,7 MW erreicht wird.

Der damals größte Windpark auf der südlichen Hemisphäre geht Mitte Juni 1999 in Betrieb. In Tararua auf der Nordinsel Neuseeland, etwa 150 km von der Hauptstadt Wellington entfernt, stehen 48 Windkraftwerke aus dänischer Produktion (660 kW), sie erzeugen 32 MW. Im Jahr 2004 kommen hier weitere 55 gleichartige Turbinen hinzu, und 2007 noch einmal 31 Stück, diesmal aber mit jeweils 3 MW, womit der Park eine Leistung von 161 MW erreicht.

Te Apiti Windfarm

Te Apiti Windfarm

2003 installiert die Firma Windflow eine 0,5 MW-Anlage im Gebbies Paß bei Canterbury.

2004 wird die 90,8 MW Te Apiti Windfarm in der Region Manawatu eröffnet, deren Bau im November 2003 begonnen hatte. Nun gilt diese als größte Windfarm in der südlichen Hemisphäre – mit 55 Windrädern, jeweils 70 m hoch und mit einer Leistung von 1,65 MW. Der Betreiber ist die Firma Meridian Energy.

2006 geht die Te Rere Hau Windfarm in Manawatu in Betrieb (12 x 0,5 MW Turbinen), die 2008/2009 mit weiteren 85 WEA ausgebaut werden soll, sowie 2007 die White Hill Windfarm in Southland (29 x 2 MW).

Anfang 2009 stehen in Neuseeland acht Windfarmen mit einer Gesamtkapatität von 321 MW, was etwa 2,5 % der Landesenergieerzeugung entspricht. Im Bau befinden sich die West Wind Farm in Wellington, deren 62 Windturbinen (à 2,3 MW) noch im Laufe des Jahres ans Netz gehen sollen, sowie die Horseshoe Bend Windfarm in der Region Central Otago, wo drei 750 kW errichtet werden. Vorschläge liegen für mindestens 20 weitere Windparks vor.

Norwegen

Die vermutlich erste Windfarm in Norwegen wird südöstlich der Ortschaft Dyrnes in zwei Phasen, im September 2002 und im September 2005, ans Netz geschaltet. Im Endausbau leisten die 68 Windturbinen der Smøla Windfarm 150 MW und liefern jährlich 450 GWh Strom, was dem Verbrauch von rund 22.500 Haushalten entspricht.

2003/2004 liefert Enercon zwei ,E-40’ Turbinen an das Utsira Versuchszentrum.

Im Oktober 2004 geht die 55 MW Hitra Windfarm von Statkraft mit 24 Windrädern à 2,3 MW in Betrieb, und im August 2005 erhält das Unternehmen die Genehmigung zur Errichtung einer 110 MW Farm im Süden von Hammerfest.

Im Jahr 2006 verkauft Enercon fünf ,E-70’ mit jeweils 2,3 MW nach Valsneset.

Statkraft bekommt im Juni 2006 eine weitere Baulizenz: Die Kvenndalsfjellet Windfarm in Åfjord wird eine Kapazität von 84 MW – 120 MW erreichen, je nachdem ob man sich für 42 x 2 MW Turbinen oder 24 x 5 MW Turbinen entscheidet. Entsprechend würden die Investitionen 770 Mio. bzw. 1,15 Mrd. Norwegische Kronen betragen.

Im Oktober 2006 wird der Kjøllefjord Windpark in Betrieb genommen, südlich von Lebesby in Finnmark. Die 17 Windmühlen leisten zusammen 39,1 MW und können rund 7.500 Haushalte versorgen.

Kjøllefjord Windpark

Kjøllefjord Windpark

Auch 2007 erhält Statkraft eine Baulizenz, diesmal für die Selbjørn Windfarm in Austevoll, die eine Leistung von 40 MW erreichen wird.

Mitte 2008 legt der Energierat des Landes eine Studie vor, der zufolge an Land und vor den Küsten des windreichen Königreichs bis 2025 Windkraft-Kapazitäten von bis zu 8 GW entstehen könnten – mit Investitionen in Höhe von 28 Mrd. €. Nach den Worten der norwegischen Energieministerin Åslaug Haga könnte das Land damit zur ,Batterie Europas’ werden. Zu diesem Zeitpunkt sind landesweit 322 MW Windleistung installiert, 785 MW genehmigt und weitere 4.651 MW beantragt. 60 Projekte mit zusammen rund 5 GW sind bereits angekündigt.

Im April 2009 schließt der niedersächsische Windturbinenhersteller Enercon mit dem norwegischen Stromproduzenten Kvalheim Kraft AS einen 20 Mio. € Vertrag ab: Bis Ende 2010 wird Enercon in der norwegischen Kommune Vågsøy acht Turbinen des Typs ,ES70’ errichten und in Betrieb nehmen.

Österreich

Das erste moderne Windrad zur Stromerzeugung wird 1994 im Marchfeld in Wagram an der Donau in Niederösterreich errichtet, es leistet 150 KW. 1995 wird das erste ‚Bürgerwindrad’ in Michelbach im niederösterreichischen Alpenvorland eingeweiht, das von mehr als hundert Ökostrom-Befürwortern gemeinsam finanziert wird.

Österreich gelingt es im Jahr 1996 die installierte Windkraftleistung von 0,8 MW (Ende 1995) auf 11,8 MW zu erhöhen. Aufgrund der fehlenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geht es aber nur zögerlich weiter und 1997 werden nur vier Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 1,41 MW installiert.

Ende 1997 sind insgesamt etwa 40 Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 13,21 MW am Netz. 

Im Jahr 2000 wird der Windpark Bruck/Leitha als Bürgerbeteiligungsprojekt errichtet. Fünf 65 m hohe ,E66/18.70’ von Enercon mit einem Rotordurchmesser von 70 m leisten gemeinsam 9 MW.

Das aufsehenerregendste Projekt Österreichs ist der Tauernwindpark in der Gemeinde Oberzeiring, wo inmitten der österreichischen Alpen 11 Windräder des Typs Vestas ,V66’ mit einer Leistung von je 1,75 MW installiert werden – und damit der höchstgelegenste Windpark der Welt geschaffen wird. Die Idee zu diesem Projekt ist bereits im Jahre 1998 entstanden und wurde u.a. durch Fördermittel aus dem ALTENER-Programm sowie dem 5. Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung der EU verwirklicht. Bei einer Gesamtleistung von 19,25 MW erreicht der Ende 2002 eröffnete Windpark einen jährlichen Energieertrag von rund 40.000 MWh.

Ende 2002 sind in Österreich bereits 164 Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von 139,3 MW am Netz.

Nach diversen Änderungen in den Förderregelungen kommt es 2003 durch die nun erstmals auf mindestens zwei Jahre absehbare Rechtssicherheit zum Bauboom, und es werden 276 MW neu errichtet. Beispiele hierfür sind die folgenden Windparks:

Hollern Windpark

Hollern Windpark

Südwestlich der Ortschaft Petronell-Carnuntum werden im Herbst 2004 elf Windenergieanlagen mit einem Rotordurchmesser von 70 m, einer Nabenhöhe von 98 m und einer Leistung von je 2 MW ans Netz angeschlossen. Besitzer des Windparks Petronell-Carnuntum ist die Verbund Austrian Renewable Power GmbH.

Die Marktgemeinde Rohrau entscheidet sich schon 2001, einen Windpark auf dem Gebiet der Großgemeinde zu errichten. Auf der Ebene zwischen den Ortschaften Hollern und Petronell-Carnuntum werden daher im Herbst 2004 neun ,E66/20.70’ Enercon Windenergieanlagen mit einem Rotordurchmesser von 70 m, einer Nabenhöhe von 98 m und einer Leistung von je 1,8 MW errichtet. Der Windpark Hollern erreicht damit eine Gesamtleistung von 16,2 MW.

2004 kann das starke Wachstum fortgesetzt werden und 192 MW gehen neu ans Netz. Die installierte Gesamtleistung beträgt nun 424 Anlagen mit 606 MW, die zusammen den Strom für rund 350.000 Haushalte produzierten. Über 200 MW werden darüber hinaus noch nach der alten Einspeisetarifverordnung genehmigt und können bis zum 30. Juni 2006 errichtet werden.

Im Jahr 2005 werden in Österreich 117 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 218 MW neu errichtet. Das Investitionsvolumen beträgt 275 Mio. €. Die österreichischen Windräder versorgen bereits 470.000 Haushalte, das sind immerhin 15 % aller österreichischen Haushalte.

Außerdem ist 2005 ein gutes Jahr beim Export von Windkraftkomponenten. Über 100 Mio. € beträgt die Exportleistung. Führend sind Firmen wie die oberösterreichische Hexcel Composites, die High-tech Material für die Flügel von Windkraftanlagen liefert, oder die Elin EBG Motoren GmbH, ein weltweit exportierender Generatorenlieferant.

Insgesamt sind Ende 2005 genau 531 Windräder mit 819 MW am Netz. Die Anlagen erzeugen jährlich über 1,6 Mrd. kWh.

Mitte 2007 sind in Österreich rund 600 Windkraftanlagen mit fast 1.000 MW Leistung in Betrieb, was Strom für rund 550.000 Haushalte liefert.

In einer neuen Studie der IG Windkraft wird das realisierbare Potential der Windkraft mit dem aktuellen Stand der Technik abgeschätzt. Insgesamt erscheinen bis zum Jahr 2020 etwa 1.100 Anlagen mit 3.500 MW realisierbar.

Im Mai 2008 präsentiert die Firma Austrowind GmbH aus Schildorn erstmals Kleinwindkraftwerke für Familienhaushalte, Bauernhöfe und KMUs mit 3, 5, 10 und 20 kW – zu Preisen ab 15.000 €.

Polen

Die beiden ersten neuen Windenergieanlagen werden  in Polen 1991 installiert, eine 150 kW Anlage von Nordtank (Modell ,NKT 150/25’) in Lisewo, Provinz Pomorskie, in Kooperation mit der Zaronowiec S.A Hydro Power Plant, und eine 95 kW Anlage von DANmark Folkecenter in Swarzewo, die der Energa Gdansk Company gehört. 1994 folgt in Rytro eine 160 kW Anlagen von des polnischen, in Nowy Sacz beheimateten Herstellers Nowomag, und 1995 zwei weitere in Wrocki (privat finanziert, mit Unterstützung der Polish National Enivironmental NFOS Foundation und der EKOFundusz Foundation) sowie in Zawoja, in der Nähe von Bielsko-Białej. 1996 wird eine gleichartige 160 kW Anlage in Kwilicz installiert, sie ist im Besitz der lokalen Ortsverwaltung.

1997 geht es einen kräftigen Schritt vorwärts, denn in diesem Jahr werden neben einer weiteren 160 kW Anlage von Nowomag in Słup bei Legnicy auch zwei 250 kW Anlagen, eine ,LW-250’ von Lagerway in Rembertów (Besitzer und Betreiber: Van Melle – Poland Company), und eine ,N27/250’ von Nordex in Starbiewo, die von der Kashubian University genutzt wird, sowie die ersten zwei 600 kW Windturbinen von Tacke (Modell ,TW-600’) in Swarzewo errichtet, die von dem Unternehmen WestWind Poland genutzt werden. Außerdem wird in Rogożnik nahe Wojkowice die erste ,ZEFIR 12A’ Windturbine mit einer Leistung von 30 kW aufgestellt, die von einem weiteren polnischen Hesteller, der ebenfalls in Nowy Sacz residierenden Dr. Zaber Company hergestellt worden ist.

Eine 160 kW Anlage von Nowomag wird 1998 in Rytro bei Nowego aufgestellt, 1999 folgen fünf 130 kW Anlagen von SeeWind in Cisowo bei Darłowa, die von der EnergiaEco Ltd. Company genutzt werden, und im Jahr 2000 werden von privaten Betreibern zwei 160 kW Anlagen von Nowomag in Rymanów, zwei weitere in Wróblik Szlachecki, sowie eine 255 kW Vestas Anlage (Modell ,V29-225’), die sich im Besitz der Kommunalverwaltung befindet, in Nowogard installiert.

Im Jahr 2000 führt die polnische Regierung ein Quotensystem für regenerative Energien ein. Das Wirtschaftsministerium erläßt eine Verordnung, welche die Energieunternehmen dazu verpflichtet, mindestens 2,4 % des im Jahr 2001 verkauften Stroms aus erneuerbare Energien zu produzieren oder einzukaufen. Diese Mindestquote soll sich bis zum Jahr 2010 auf 7,5 % erhöhen.

Im Oktober 2000 gründet die Plambeck Neue Energien AG gemeinsam mit der polnischen Salomon Industries S.A. das Joint Venture Plambeck Energy, um den Ausbau der Windenergie in Polen auszuweiten. Die ersten Projekte mit einem Gesamtvolumen von 110 Mio. DM betreffen den Aufbau von zwei Windparks nahe der polnischen Ostseeküste, deren Bau 2002 abgeschlossen werden soll – falls die notwendige Infrastruktur als auch die Flächen zur Verfügung stehen. Für Plambeck ist dies die bislang erste Auslandsbeteiligung.

Cisowo Windpark

Cisowo Windpark

Tatsächlich gehen 2001 die ersten Windparks ans Netz – in Barzowice mit sechs 850 kW Windrotoren von Vestas (Modell ,V.52’), sowie in Cisowo, wo 9 Stück der 2 MW Türme von Vestes aufgestellt werden (Modell ,V.80’). Betreiber und Besitzer ist die private Firma EnergiaEco Sp.z.o.o., erwirtschaftet werden hier etwa 41.000 MWh pro Jahr.

Obwohl die Stromkonzerne des Landes verpflichtet sind einen Teil ihres Stroms über regenerative Quellen abzudecken, kommt die Windenergie nicht besonders schnell voran – statt dessen wird der grüne Strom aus dem Ausland importiert.

Erst 2003 entsteht in Zagórze, Stadt Wolin, ein weiterer Windpark mit 15 Stück 3 MW Winenergieanlagen – ebenfalls das Modell ,V.80’ von Vestas. Dieser Park wird von der dänischen Elsam A/S bewirtschaftet. Am selben Ort befinden sich auch fünf 150 kW WEA von Bonus, die von privaten Betreibern gebraucht importiert und aufgestellt werden.

Da im Zuge des ‚Repowering’, dem Ersetzen alter Anlagen durch neue, um die Standortgenehmigungen wirtschaftlich besser zu nutzen, immer mehr solcher Windkraftanlagen auf dem Markt angeboten werden, landen diese auch immer häufiger in den Händen privater Nutzer in Polen. In Bogatka bei Gdańsk steht eine 850 kW Anlage, in Sokoły werden vier und in Kramsk fünf 150 kW Anlagen von WindWord betrieben, und in Kłonow sind drei 150 kW Turbinen von Bonus im Einsatz.

Im Bau sind zu diesem Zeipunkt eine 8,4 MW Windfarm in Gniewino bei Żarnowca mit 14 Stück Enercon 600 kW Tubinen – und eine 22 MW Farm in Gnieżdzewo mit 11 Vestas Anlagen von je 2 MW.

Die Karte von 2003 zeigt die aktuellen Standorte der bislang in Polen errichtenen Windkraftwerke und Windparks.

Die gesamten regenerativen Energien machen an der polnischen Stromversorgung im Jahr 2004 etwa 2,4 % aus, wobei 2,3 % aus der Wasserkraft kommen, und kaum 0,1 % aus der Windkraft.  Das Ziel der Regierung ist es, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion von derzeit geschätzt 2,4 % auf 7,5 % im Jahr 2010 zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird Anfang 2005 das polnische Energiegesetz novelliert. Nun besteht auch eine gesetzliche Abnahme- und Vergütungspflicht der Energieversorger für regenerativ erzeugten Strom. Der Preis beträgt zu diesem Zeitpunkt etwa 120 Zloty pro Megawattstunde und soll jährlich neu festgelegt werden. Aufgrund der klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen sind internationale Investoren eher bereit, in die polnische Windindustrie zu investieren.

2005 sind etwa 60 MW an Windenergieleistung installiert und gemäß der ‚Strategie zur Entwicklung der erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020’ ist weiterhin das Ziel, bis zum Jahr 2010 zwischen 600 und 1.600 MW durch Windenergie zu erwirtschaften.

Laut einem Bericht der Tageszeitung Rzeczpospolita vom Oktober 2006 sollen in den kommenden vier Jahren bis zu 1,2 Mrd. € in die Windenergie in Polen investiert werden. Insbesondere im Nordosten und Norden des Landes wollen die großen Unternehmen im Bereich der Windstromerzeugung Windparks errichten, darunter Firmen wie E.ON, Mitsui, Iberdrola und Gamesa Eolica, die in Polen auch eine Fabrik für Windräder eröffnen will. Auch das deutsche Unternehmen ‚Starke Wind Polska’ plant im Nordosten, nahe der deutsch-polnischen Grenze, Windfarmen zu errichten – mit einer Gesamtleistung von 500 MW. Derzeit beträgt die Leistung aller polnischen Windräder zusamen rund 134 MW.

2007 ist in Tymień ein 50 MW Windpark mit 25 Vestas 2 MW Turbinen in Bau, und Mitsui errichtet zusammen mit J. Power (Japan) in Zajaczkowo bei Stettin für rund 70 Mio. € eine 48 MW Windfarm mit 24 Turbinen, deren Inbetriebnahme für Anfang 2008 vorgesehen ist.

Lebcz Windpark

Lebcz Windpark

Im März 2008 nimmt die Firma e.disnatur Erneuerbare Energien GmbH am Standort Lebcz nahe Danzig einen 18 MW Windpark für E.ON in Betrieb. Nach vier Windenergieanlagen der Baureihe Vestas ,V.80’ mit einer Leistung von je 2 MW, die schon im Januar an das Netz der Energa-Obrot SA angeschlossen werden, folgen nun vier Nordex Anlagen vom Typ ,N 80’ mit einer Leistung von je 2,5 MW. Die e.disnatur investiert über ihre polnische Tochterfirma Wiatrowa Lebcz Sp. z o.o. über 20 Mio. € in das Projekt. Aufbau und Betrieb des Windparks erfolgen in enger Zusammenarbeit der e.disnatur GmbH und der E.ON edis energia Sp. z o.o.

Die Steigerung der installierten Windleistung von 2007 (150 MW) bis 2008 (287 MW) beträgt 80 % – was dem Bau von Windfarmen in Łodygowo/Kisielice (40,5 MW, Iberdrola), Puck (22 MW, Polish Energy Partners), Kamieńsk (30 MW, Elektrownie Szczytowo-Pompowe) und am Ostrowo See (30 MW, Dong Energy) zu verdanken ist. Die Ostrowo Windfarm mit ihren 17 Windturbinen nahe der Stadt Wolin im Norden Polens wird im Rahmen einer Verrechnung von Emmissions-Zertifikaten mit der dänischen Regierung realisiert. Die Betreiber betonen, daß sich zwischen der reichhaltigen Vögelpopulation vor Ort und den Windrotoren ein harmonisches Zusammenleben eingestellt habe.

Kurz vor der Inbetriebnahme stehen Windfarmen in Malbork (18 MW), Karścino (69 MW) sowie Zajączkowo und Widzino (90 MW). Eine weitere 50 MW Farm wird in Tychowo von RP Global errichtet. Zwei Gesellschaften, die gemeinsam vom deutschen RWE-Konzern und der polnischen Firma Polish Energy Partners gegründet werden, errichten bei Suwalki und Tychowo zwei Windfarmen mit einer Gesamtkapazität von 74 MW.

Die französische Firma Green Bear Corp. will in Polen bis 2012 und für einen Betrag von rund 2 Mrd. € über 30 Windfarmen mit einer Gesamtkapazität von 1.379 MW bauen – an der Küste im Nordwesten und im Süden des Landes. Die ersten Turbinen sollen 2009 ans Netz gehen. Green Bear, welche die Anlagen auch selbst betreiben will, gehört zur Orco Holding, einer Schwester der in Luxemburg ansässigen und in Zentral- und Osteuropa im Bereich Immobilien engagieren Orco Property Group. Green Bear besitzt bereits einen 10,8 MW Windpark in Lisewo bei Wejherowo, den das Unternehmen 2007 für über 16 Mio. € dem Betreiber EuroWind abgekauft hatte.

Auch andere in- und ausländische Investoren engagieren sich zunehmend. Die Gesellschaft ISD Polska, die mehrheitlich dem ukrainischen Industrieverbund Industrialny Sojus Donbasu gehört, übernimmt die Danziger Werft und will dabei auch rund 55 Mio. € in die Herstellung von Masten für Windenergieanlagen investieren. Die zur japanischen Green Power Investment Group gehörende Gesellschaft Green Power Polska kündigt den Bau eines Windparks mit 104 Turbinen mit einer Kapazität von je 2,3 MW an, dessen Gesamtleistung von 240 MW ab 2009 in das Stromnetze eingespeist werden soll.

Mit US-amerikanischem und britischem Kapital investiert die PS Wind Management in Slupsk und Ustka 350 Mio. € in eine 240 MW Windfarm mit 180 Turbinen von General Electric, die im Herbst 2008 aufgestellt werden sollen. In der gleichen Gegend errichtet auch die deutsche Gesellschaft CB Windenergy Slupsk 104 Turbinen mit einer Leistung von jeweils 2,3 MW.

Als Neuheit für Polen will der führende inländische Stromproduzent Belchatow-Opole-Turow Gornictwo i Energetyka S.A. (BOT GiE S.A.) aus Lodz drei Offshore-Windfarmen in der Ostsee bauen, mit eine Gesamtkapazität von 900 MW.

Ende 2008 beginnt die Burgenländische Elektrizitätswirtschafts AG (Bewag) und die Wienstrom für rund 100 Mio. € mit der Errichtung eines 60 MW Windparks nahe Sepopol an der Ostsee. Innerhalb von zwei Jahren sollen sich hier 30 Windräder drehen und 40.000 Haushalte mit Erneuerbarer Energie versorgen. Auch RWE Innogy will in Polen drei Windkraftprojekte mit einer installierten Leistung von insgesamt 150 MW errichten.

Inzwischen sehen die Pläne des Landes vor, die Leistung der Windenergie von 451 MW Ende 2008 auf 2.000 MW im Jahr 2010, und auf 4.000 MW bis 2020 zu steigern.

Im März 2009 kauft der spanische Finanzinvestor Taiga Mistral für 130 Mio. € drei polnische Windfarm-Projekte mit einer Gesamtleistung von 80 MW. Bis Ende des Jahres will man sogar bis zu 300 Mio. € für Kapazitäten bis zu 200 MW investieren.

Zu diesem Zeitpunkt soll eine deutsche Firma namens Clean Energy bereits einen 250 MW Windpark bei Opole errichten.

Portugal

Wie überall im ehemaligen Andalusien sind auch in Portugal die mit Stoff bespannten Windmühlen verbreitet, die den griechischen gleichen, und die häufig zum Pressen und Mahlen der Olivenernte genutzt werden.

Portugiesische Windmühle

Portugiesische
Windmühle

Nach dem Millenium macht das Land einen großen Sprung – in fast allen Bereichen der Erneuerbaren Energie. Mit seiner atlantischen Küstenlinie von 832 km ist es auch für die Nutzung der Windenergie prädestiniert.

Bereits im März 2000 plant die Bremerhavener Energiekontor-Gruppe den Bau von 14
neuen Windkraftanlagen in Trandeiras/Portugal mit einer Gesamtleistung von 18,2 MW. Die Unternehmensgruppe hat vor vier Jahren mit der Entwicklung erster Windparkprojekte begonnen.

2001 verabschiedet die portugiesische Regierung ein neues Instrument der Energiepolitik namens E4 Programm (= Energy Efficiency and Endogenous Energies).

Der dänische WEA-Hersteller Vestas erhält 2004 von der portugiesischen Enersis S.A., einem der größten auf dem portugiesischen Windenergiemarkt aktiven Unternehmen, einen Auftrag über eine große Anzahl Anlagen vom Typ ,V90-3.0 MW’. 32 Stück davon werden im Pampilhosa Windpark auf dem Gebiet der Stadt Pampilhosa da Serra, im Distrikt Coimbra im Westen Portugals, errichtet. Das Projekt mit einer Gesamtkapazität von 96 MW hat ein Volumen von 80 Mio. € und umfaßt neben den Turbinen auch Monitoring-Systeme, den Transport sowie die Installation der Anlagen im Jahr 2005.

Ende 2004 sind schon zwei Windpark von Gamesa in Betrieb: in Fafe/Celorico do Basto stehen 40 Turbinen, die zusammen 80 MW leisten – und in Catefica/Torres Vedras, wo 9 Anlagen zusammen 18 MW ins Netz einspeisen. Gamesa ist ein weiteres Unternehmen, das auf dem portugiesischen Windenergiemarkt wie auch in anderen Ländfern sehr aktiv ist. Landesweit sind im November 2004 bislang erst 400 MW am Netz.

Seit November 2002 schleppt sich die Bekanntgabe einer bereits mehrfach angekündigten öffentlichen Ausschreibung für 500 MW aus der Windenergie dahin. Aus diesem Grund nimmt die portugiesische Generaldirektion für Energie seither auch keine Vorabanmeldungen für neue Windenergieprojekte mehr an, da zunächst die älteren Projekte bearbeitet und die Infrastruktur verbessert werden soll. Portugal plant zu diesem Zeitpunkt, daß 39 % der benötigten elektrischen Energie bis zum Jahre 2010 aus erneuerbaren Quellen stammen sollen, wobei die Windenergie mit 3.750 MW die Hauptlast tragen soll.

Renergys, eine ABB-Tochter, meldet im Oktober 2004 Interesse an der Auschreibung an und setzt damit Unternehmen wie Gamesa, Iberdrola, EDP, GE und Repower unter Zugzwang. Die weitere Entwicklung in Portugal konzentriert sich daher bald auf zwei Konsortien, deren Blockbildung das Ergebnis der staatlichen Ausschreibung für die verbliebenen Netzkapazitäten ist.

Das größte Los, 1.200 MW, sichert sich im Oktober 2006 das Konsortium Eólicas de Portugal, Eneop, in dem sich drei Entwickler zusammengeschlossen haben: Enernova (im Besitz des Energiekonzerns Energias de Portugal), Finerge (Tochter des spanischen Versorgers Endesa) und Generg (im Besitz des belgischen Versorgers Electrabel), die zusammen 45,2 % der in Portugal installierten Windleistung halten. Eneops Industriepartner ist Enercon.

Nur 400 MW gewinnt im September 2007 das zweite Konsortium. Unter dem Namen Ventinveste tun sich das portugiesische Ölunternehmen Galp und der führende Windparkplaner des Landes, Enersis, zusammen. Die vom australischen Windinvestor Babcock & Brown Wind Partners gekaufte Firma Enersis besitzt 24,6 % Marktanteil. Zu diesem Konsortium gehören als Industriepartner der deutsch-indische Turbinenfabrikant Repower sowie der Metallbauer Martifer, ehemals Großaktionär von Repower.

2006 gehen zwei weitere Windfarmen in Betrieb: im Juni die Videmonte Farm in Guarda mit 16 WEA und 32 MW, und im Dezember die gleichgroße Alto do Monçao Windfarm in Tondela/Mortagua. 2007 folgen ebenfalls zwei gleichgroße Windparks mit jeweils 19 Turbinen und einer Gesamtleistung von 38 MW: der Mourisca Park sowie der Nave Park, beide in Castro Daire/Vila Nova.

Im März 2007 sind in Portugal Windenergie-Kapazitäten von 1,874 MW installiert, weitere 908 MW sind bereits im Bau. In diesem Jahr setzt die portugiesische Regierung im Rahmen des Kyoto-Protokolls ihr Ziel fest, bis 2010 aus der Windkraft zwischen 3.750 MW und 4.400 MW zu erwirtschaften.

Der Rostocker Windkraftanlagenhersteller Nordex erhält im April 2007 den bislang größten Auftrag seiner Firmengeschichte. Im Rahmen eines mit Babcock & Brown geschlossenen Rahmenvertrages über die Lieferung von Turbinen mit einer Gesamtleistung von bis zu 640 MW und einem Gesamtwert von mehr als 700 Mio. € sollen zunächst 120 Turbinen der Baureihe ,N90’ mit einer Leistung von zusammen 289 MW für Windparks in Portugal und Frankreich gefertigt werden. Die Turbinen sollen von Mitte 2008 bis 2011 ausgeliefert werden.

Im August 2007 überschreitet die installierte Windenergieleistung in Portugal 2.000 MW und deckt damit rund 8 % des Strombedarfs. Der portugiesische Verband für erneuerbare Energien Apren (Associação Portuguesa de Energias Renováveis) rechnet damit, daß bis zum Jahr 2010 ein Anteil von 15 % erreicht wird.

Ende September 2007 befinden sich weitere 759 MW im Bau, darunter das 240 MW große Projekt Alto Minho bei Viana do Castelo, sowie der 112 MW Windpark Arada/Montemuro bei Viseu. In Betrieb geht der Fafe Ampl. Windpark mit 26 MW.

Über prall gefüllte Auftragsbücher freut sich vor allem der deutsche Marktführer Enercon, der fast alle im Bau befindlichen Parks mit seinen Maschinen beliefert. Deutlich geringere Marktanteile halten Repower, Vestas, Gamesa und Ecotècnia. Neu auf dem portugiesischen Markt ist seit 2007 der indische Hersteller Suzlon, zu dessen ersten Kunden in Portugal auch die deutsche Firma Energiekontor gehört. 

Im November 2007 veröffentlicht die Regierung ein Gesetz, das es Privatleuten erleichtert, Solarzellen-Anlagen oder Mini-Windanlagen bis 150 kW zu errichten und den Strom ins Netz einzuspeisen. Anstatt des bisher sehr komplizierten Genehmigungsverfahrens kann man dies nun sogar online anmelden – und auch die Einspeisevergütung mit 52 Cent Aufschlag ist sehr attraktiv. Derzeit wird damit die Kilowattstunde mit 65 Cent vergütet.

Ebenfalls im November 2007 unterzeichnet GE Energy mit der Abteilung für Erneuerbare Energien der Energias de Portugal (EPD) – inzwischen weltweit viertgrößter Wind-Projektentwickler – ein Rahmenabkommen zur Lieferung von mehr als 500 MW neuer Windkapazitäten für Projekte, die 2008 und 2009 in Europa und den Vereinigten Staaten geplant sind. Der Gesamtwert der Vereinbarung beträgt 730 Mio. $. GE wird EDP mit 80 Windturbinen für neue Windprojekte in Europa und 201 Turbinen für Projekte in den USA beliefern.

Mitte Dezember 2007 geht der Energiekontor-Park Mafômedes ans Netz, in dem die 2,1 MW Windturbinen von Suzlon zum Einsatz kommen, während 2008 als sechster Energiekontor-Park der Sobrado Windpark in der Nähe der nordportugiesischen Stadt Vila Real entstehen wird, für den 2 MW Anlagen von Repower vorgesehen sind.

Alto Minho Windfarm

Alto Minho Windfarm

Gut ein Jahr später, im November 2008, geht der zu diesem Zeitpunkt größte Onhore-Windpark Europas in Portugal ans Netz. Die Ventominho Windfarm im Disktrikt Viana do Castelo hat eine Leistung von 240 MW – und setzt sich aus 68 Enercon ,E-82’ und 52 Enercon ,E-70 E4’ Turbinen von jeweils 2 MW zusammen, die in fünf miteinander verbundenen Windparkeinheiten über eine Strecke von 30 km aufgeteilt sind. Sie nutzen allerdings einen gemeinsamen Verbindungspunkt zum Stromnetz. Betreiber ist die Empreendimento Eolico do Vale do Minho S.A. (EEVM).

Die Ventominho (o. Alto Minho) Windfarm gehört zu 85 % den beiden Unternehmen EDF EN Portugal, einer Tochter der französischen EDF Energies Nouvelles, und der Firma Eolverde, Tochter von Endesa. Die restlichen 15 % hält die spanische Endesa SA.

EDF hat bislang 240,9 MW Windfarm-Kapazitäten in Portugal errichtet, weitere 112 MW sind in der Arada Windfarm im Bau, die dem Unternehmen zu 100 % gehört. Auch dort werden Enercon ,E-82’ Turbinen aufgestellt.

Weitere, im Bau befindliche, große Windfarmen sind die Arada-Montemuro Windfarm im Distrikt Viseu (112 MW, Enercon ,E-82’), die Gardunha Windfarm (106 MW), die Pinhal Interior Windfarm (144 MW), die Caramulo Windfarm (84 MW, Enercon ,E-70 E4’) sowie die Caneeiros Windfarm (78 MW, Vestas ,V90’).

Portugals Ministerpräsident José Sócrates legt Mitte November 2008 persönlich den Grundstein für die neue Enercon-Rotorenfabrik nahe dem nordportugiesischen Viana do Castelo, die mit 40 Mio. € eine der größten deutschen Direktinvestitionen in Portugal darstellt. Hier sollen ab 2010 jährlich rund 600 ,E-82’ Rotorblätter hergestellt werden. Nahebei sind vier weitere Fabriken im Entstehen, in denen künftig Türme sowie andere Bauteile hergestellt werden sollen, darunter eine Mechatronic-Halle in Lanheses, in der ab Anfang 2009 E-Module und Generatoren für die ,E-82’ produziert werden.

Sócrates weist bei der Eröffnung auf das aktuelle und sehr ehrgeizige Ausbauziel Portugals hin, bis 2010 auf einen Regenerativanteil von 45 % zu kommen. Dies soll neben der Windkraft in erster Linie durch den Bau von zehn neuen Großstaudämmen, die zusammen 1.096 MW liefern, sowie Kleinwasserkraftwerke mit weiteren 350 MW erreicht werden.

Ebenfalls im Dezember 2008 gewährt die Europäische Investitionsbank (EIB) der Eneop2 – Exploração de Parques Eólicos ein Darlehen in Höhe von 300 Mio. € für den Bau und Betrieb von 22 Windparks in Portugal mit einer Kapazität von insgesamt 486 MW. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf insgesamt 619 Mio, € veranschlagt.

Die installierte Windleistung Portugals beträgt im Dezember 2008 genau 2,832 MW, weitere 739,5 MW sind im Bau.

Rumänien

Die NEK Umwelttechnik AG mit Hauptsitz in Zürich führt ab Herbst 2006 im Auftrag der Schweizer Holdingfirma Eolica Dobrogea (Schweiz) AG im Küstengebiet Rumäniens (in der Dobrogea) zwischen Baia im Norden und Sibioara im Süden eine umfangreiche Windmesskampagne durch. Zusammen mit der rumänischen Firma C-Tech Srl. hat sich Eolica zahlreiche Flächen auf Hochebenen oder Hügelzügen in dieser Gegend gesichert, welche die Errichtung von 45 – 55 Windparks zu jeweils ca. 15 – 65 MW Leistung erlauben.

Windmessungen werden auch im Hafen von Constanta durchgeführt, dessen Hafenbehörde bereits im Januar 2006 eine Ausschreibung für die Errichtung des ersten größeren Windparks in Rumänien veröffentlicht. Der geplante Semi-Offshore-Windpark in Constanta soll eine Grösse von 30 MW – 40 MW haben. Im nördlich von Constanta gelegenen Hafen von Midia werden ebenfalls Windmessungen für ein Windenergieprojekt vorangetrieben, welches Windturbinen auf der weit ins Meer hinausragenden Mole vorsieht.

In Rumänien steht die Nutzung der Windenergie erst am Anfang – nur 0,06 % des Strombedarfs werden aus Windkraft gedeckt.

Sowohl kleinere rumänische Firmen als auch multinationale Firmen kündigen Mitte 2007 an, daß sie in die Windkraft Rumäniens investieren wollen. Pioniere auf dem Gebiet der Windenergie in Rumänien sind die Brüder Dan und Eugen Chincea aus Baia Mare, denen das Unternehmen Pentium SRL gehört, der derzeit größte Produzent von Windenergie in Rumänien – mit bislang drei hergestellten Anlagen in Baia, für die man 2 Mio. € investiert hat.

Insgesamt werden für die nächsten drei bis fünf Jahre jedoch Investitionen von mehr als 1,5 Mrd. € erwartet. Die Anlagen sollen vor allem in der Region Dobrudscha im Südosten des Landes errichtet werden.

Die zur portugiesischen Martifer-Gruppe gehörende Eviva Energy kündigt beispielsweise an, daß das Unternehmen bis 2012 mindestens 560 Mio. € in Windenergieanlagen investieren will. Der Plan sieht Produktionskapazitäten von 400 MW in der Dobrudscha vor, wo im Kreis Tulcea die ersten Windkraft-Anlagen errichtet werden sollen.

Die spanische Gruppe Detea, die in Rumänien Immobilienprojekte entwickelt, will ihrerseits innerhalb von zwei bis drei Jahren und mit einer Investitionssumme von 100 Mio. € zwei Windparks errichten – einen in Facaeni (Kreis Ialomita) und einen in Harsova (Kreis Constanta). Außerdem soll eine Gruppe australischer Geschäftsleute bereits erste Schritte unternommen haben, um in Marasesti (Kreis Vrancea) einen Windpark für 141 Mio. € zu errichten.

Ein Teil der rumänischen Projekte von Eolica wird im Februar 2008 von der spanischen Firma Iberdrola Renovables, S.A. erworben. Die rund 50 Windprojekte in Dobrogea werden nunmehr exklusiv für den spanischen Weltmarktführer entwickelt.

Im August 2008 meldet die tschechische CEZ Gruppe, daß sie von Continental Wind Partners LLC die Rechte an zwei benachbarten, noch unbebauten Windparks in Rumänien erworben habe, dem Fantanele und dem Cogealac Windpark mit einer Gesamtkapazität von 600 MW. Mitbewerber E.ON kommt nicht zum Zug.

Am Standort nördlich von Constanta wird die erste Phase des Projekts bis Ende 2009 die Installation von Turbinen mit insgesamt 347,5 MM umfassen, wobei hier 139 GE ,2.5xl’ Windkraftanlagen mit 100 m Nabenhöhe, 99 m Rotordurchmesser und 2,5 MW installiert werden. Die zweite Phase des Projektes wird sich bis Ende 2010 erstrecken – und die Gesamtinvestitionen betragen laut CEZ 1,1 Mrd. €. Das Unternehmen hat aktuell 150 MW – 220 MW an Windkapazitäten in Entwicklung und plant bis 2020 mindestens 1.000 MW am Netz zu haben.

Die Mitte 2008 tatsächlich installierte Windkapazität Rumäniens beträgt gerade einmal 7 MW.

Medienberichten im September 2008 zufolge plant der deutsche Energiekonzern E.ON für 170 Mio. € den Bau von drei Windparks im rumänischen Bezirk Vaslui mit einer Gesamtkapazität von 112 MW. E.ON soll bereits weitere Windparkprojekte in Ostrumänien mit einer Kapazität von bis zu 200 MW vorbereiten, deren Investitionen sich auf bis zu 300 Mio. € belaufen. Für seine Windprojekte gründet E.ON die Tochter E.ON Regenerabile Romania Iasi.

Gemäß den staatlichen Plänen soll bis 2010 ein Anteil von 33% des nationalen Energiekonsums durch Erneuerbare Energien gedeckt werden, 17% davon durch Windenergie. Das Windenergie-Potential Rumäniens beträgt rund 14.000 MW installierte Leistung.

Ende 2008 meldet die Presse wiederholt das Engagement weiterer Firmen, wie der spanischen Investmentgesellschaft Taiga Mistral, die auf erneuerbare Energien (und hierbei vor allem auf Windenergie) spezialisiert ist, oder der rumänischen Blue Investments Holding, die ebenfalls den Bau eines Windparks plant.

Auch Anfang 2009 geht es so weiter – ohne daß bislang irgendwo auch nur ein Spatenstich erfolgt wäre: Diesmal meldet der spanische Windenergieanlagen-Hersteller Gamesa, daß er die Ausschreibung der italienischen Enel gewonnen habe, für diese in Rumänien 52 Windkraftanlagen à 2 MW zu errichten – mit einer Option auf weitere 69 Turbinen.

Alle Windparkprojekte einer wirklich sehr langen Liste der Projektgesellschaft Eolica Dobrogea (Schweiz) AG, auf der Anfang 2009 insgesamt 900 Turbinen des 2 MW Typs aufgeführt werden, befinden sich „in Entwicklung“.

Schweden

In den Jahren 1982/1983 wird auf Gotland ein 2 MW Windkonverter ‚Aeolus I’ gebaut, als erster eines mehrere Hundert Anlagen umfassenden Langzeitprogrammes. Turbinenhersteller ist die schwedische Firma KaMeWa AB in Kristinehamm, während die zwei 35 m langen Rotorblätter aus Stahlblech, auf die 45 % der Gesamtkosten entfallen, von der deutschen Firma MBB-VFW hergestellt werden. An der Planung und dem Bau ist auch die ERNO Raumfahrttechnik beteiligt. Der Turm ist 76 m hoch, als Lebensdauer der Anlage werden 30 Jahre veranschlagt. Bei einer Serienproduktion von jährlich 100 Stück bewegt sich der erwartete Preis zwischen 3,5 und 5,1 Mio. DM.

1986 entdeckt die kleine schwedische Firma SVIAB einen gigantischen Markt: Die Chinesen wünschen sich kleine Anlagen zwischen 220 W und 10 kW Leistung. Eine Lizenzfabrik in China soll daraufhin zunächst 5.000 Stück im Jahr produzieren.

Südlich der Ostseeinsel Gotland erprobt Schweden seit 1997 die Offshore-Technologie. 1998 erhält die deutsche ENERCON den Auftrag für den ersten kommerziellen schwedischen Offshore-Park mit 43 Stück 1,5 MW Rotoren. Standort ist der Öresund zwischen Dänemark und Schweden.

(Wird fortgesetzt)

Schweiz

In Fahy (Haute-Ajoie) im Kanton Jura steht seit 1985 eine Darrieus-Anlage des Züricher Unternehmens Alpha Real AG. Das 30 m hohe Windkraftwerk wiegt über 7,5 t und hat eine Nennleistung von 160 kW. Die Anlage schaltet sich bei einer Windgeschwindigkeit von 5 m/s (= 18 km/h) ein – und bei einer Geschwindigkeit 80 km/h ab. Zu diesem Zeitpunkt ist es die größte Vertikalachsen-Windturbine Europas. Bei Serienfabrikation sollten die Baukosten etwa 300.000 Franken betragen, die sich innerhalb von 10 Jahren amortisieren. Das Unternehmen hat hauptsächlich Interesse daran, ein Exportprodukt zu entwickeln.

In den 1990er Jahren werden nur wenige Windkraftanlagen mit Leistungen über 100 kW errichtet: 1994 eine 150 kW Anlage in Grenchenberg, und zwischen 1994 und 2004 in vier Stufen insgesamt acht Anlagen auf dem Mont-Crosin im Kanton Jura, die eine Gesamtleistung von 7,6 MW (andere Quellen: 4,2 MW) erreichen und an zwei Standorten die einzigen Windparks der Schweiz bilden.

Ebenfalls 2004 kommt noch eine 600 kW Anlage in Gütsch-Andermatt hinzu. Außerdem gibt es 5 WEA zwischen 10 und 100 kW und 14 WEA mit weniger als 10 kW Leistung. Die zusammengerechnete Leistung dieser Kleinanlagen beträgt 0,32 MW.

2005 wird eine 900 kW Anlage in Entlebuch, sowie die erste 2 MW Anlage der Schweiz in Collonges errichtet.

2006 produzieren (ohne Berücksichtigung von Kleinwindanlagen) 12 Windenergieanlagen an 5 Standorten 15.2 GWh Strom. Damit wurde der Strombedarf von 4.400 Haushalten gedeckt.

Am 23. März 2007 revidiert das Parlament im Zuge der Verabschiedung des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) auch das Energiegesetz (EnG), das nun vorschreibt, daß die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen bis zum Jahr 2030 mindestens 10 % des heutigen Stromverbrauchs (2007: 57,4 Mrd. kWh) zu betragen habe. Das EnG enthält zudem ein Paket von Maßnahmen zur Förderung der erneuerbaren Energien sowie zur Förderung der Effizienz im Elektrizitätsbereich. Hauptpfeiler ist jedoch die kostendeckende Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien.

Mont-Crosin Windpark

Mont-Crosin Windpark

Nun werden durch verschiedene Investoren neue Windkraft-Projekte angegangen, und es sollen auf der Grimsel, auf dem Gotthard, auf dem Mont-Crosin und an anderen Standorten Windparks mit bis zu 21 Anlagen gebaut werden. Dabei hilft die Einspeisevergütung des neu in Kraft getretenen Stromversorgungsgesetzes. Für zwei 2 MW Windturbinen in Saint-Brais ist die Baubewilligung bereits erteilt.

Das ,Windkonzept Schweiz’, das im Auftrag des Bundesrats entwickelt wird, schätzt das Potential der Windenergie in der Schweiz bis 2010 auf 50 GWh, das durch 64 Anlagen an 10 Standorten gewonnen werden kann. Viele Seiten betrachten dies als extreme Unterschätzung, denn bei ähnlichen geografischen Begebenheiten produzieren in Österreich im Jahr 2006 schon 607 Anlagen 1.930 GWh Windstrom.

Die 1995 als industrielle Beteiligungsgesellschaft in Cham gegründete Ocean AG wird im März 2007 zur borawind AG, um der Verlagerung des Kerngeschäfts auf Windenergie-Themen zu entsprechen. Gleichzeitig wird die erste Unternehmensbeteiligung im Bereich der Windkrafttechnologie abgeschlossen – womit die borawind AG 51% des Stammkapitals der neu gegründeten Nordwind Energieanlagen GmbH in Neubrandenburg hält.

Das Tessiner Unternehmen Reninvest plant im Oktober 2007 einen Windpark mit acht Windturbinen auf dem Gotthard. Das Projekt soll 48 Mio. Franken kosten und Ende Oktober 2009 den Betrieb aufnehmen.

Die Gemeinde Oberwald möchte auf der Grimsel im Wallis den größten Windpark der Schweiz bauen, geplant sind 21 Windräder mit einem Rotordurchmesser von je 40 m und einer Höhe von 80 m, mit einem Leistungspotenzial von rund 50 MW. Ende 2007 wird eine Messanlage installiert, um Grundlagen für einen Bauentscheid zu liefern. Die Gemeinde rechnet mit Projektkosten von rund 100 Mio. Franken.

Ähnliche Projekte werden auch für den Sanetsch- und den Nufenenpaß bekannt. Auf dem Sanetschpass sollen etwa 20 Windrädern errichtet werden, auf dem Nufenenpass rund 9 Anlagen. Hinter allen drei Projekten steht das St. Galler Unternehmen SwissWind, das zuerst einmal ein Jahr lang Windmessungen vornehmen wird.

2008 geht in Vernayaz-Martigny eine weitere 2 MW Anlage in Betrieb.

Im August 2008 plant die Juvent SA, die seit 1996 die 8 Windkraftanlagen auf dem Mont-Crosin im Berner Jura betreibt, die Errichtung weiterer 8 Anlagen. Anderen Quellen zufolge möchte die BKW-Tochter sogar 15 bis 20 neue Masten erstellen.

Gemäß den Angaben von Suisse Éole, der Vereinigung zur Förderung der Windenergie in der Schweiz, sind zu diesem Zeitpunkt 13 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 13,25 MW in Betrieb, geplant bis 2012 sind 96 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 184,4 MW.

Daß sich die Schweizer auch mit dem Wind im Kleinstmaßstab beschäftigen, beweist die 2008 präsentierte Uhr der High-end-Schmiede Urwerk aus Genf. Statt dem üblichen, mechanischen Selbstauflade-Mechanismus erhät das Modell ‚UR-202’ auf der Unterseite zwei winzige Windturbinen, die komprimierte Luft erzeugen und dadurch einen Rotor in Bewegung setzen, der wiederum das Uhrwerk antreibt.

Spanien

Der ‚größte Windenergiepark Europas’ an der Meerenge von Gibraltar, auf den Bergen rund um Tarifa, geht 1993 in Betrieb. Er besteht aus den beiden Teilkomplexen Perque Eolico der Sur (Pesur) mit 155 Anlagen von jeweils 100 kW und 24 Anlagen mit je 150 kW, sowie Energia Eolica del Estrecho (E.E.E.) mit 66 Anlagen von jeweils 150 kW Leistung. Die Gesamtkosten betragen rund 72 Mio. DM.

Auf Lanzerote liefert ab 1996 eine Anlage aus 48 Rotoren ein Drittel der für die Trinkwasser-Herstellung (durch Entsalzung) notwendigen Energie. Der Parque Eólico nordöstlich von Teguise produziert 12 Millionen kWh im Jahr. In diesem Jahr beginnt der spanische Hersteller GAMESA mit der eigenständigen Produktion von Windenergieanlagen – er entwickelt sich später zu einem der führenden Hersteller Europas.

Als Meilenstein bei der Umstrukturierung des spanischen Strommarktes wird das 1997 erlassene ‚Gesetz des Stromsektors’ betrachtet, das als Ziel einen Anteil von 12 % der Erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch ausgibt.

1997 steigt die installierte Windkraftleistung um 262 MW – womit Spanien nach Deutschland und Dänemark europaweit die höchste Zuwachsrate aufweist.

Anfang 2001 gründet die Wiesbadener ABO Wind in Spanien die Tochtergesellschaft ABO Wind ESPAÑA S.A. mit Sitz in Valencia und arbeitet in verschiedenen Gemeinden an Miniparkprojekten mit vereinfachten Genehmigungsverfahren.

Im April 2001 erhält die NEG Micon A/S aus Randers/Dänemark, den Anschlußauftrag zur Errichtung eines Windparks in Galicien. Der in Kooperation mit dem spanischen Unternehmen Acciona S.A. erteilte Auftrag umfaßt die Lieferung von 88 Stück ,NM750/44’ Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 66 MW. Mit diesem zweiten Auftrag wird ca. die Hälfte des in Abschnitten errichteten Windparks mit seiner Endausbau-Leistung von 260 MW fertiggestellt.

Ebenfalls im April 2001 gründet das Freiburger Emissionshaus Bobikiewicz & Partner gemeinsam mit dem britischen Planungsbüro Renewable Energy Systems Ltd. (RES) das Unternehmen Econova Energias Renovables S.L. in Spanien, das dort Windparks planen, bauen und finanzieren soll. Es werden auch gleich Anlagen im Umfang von 600 MW installierter Leistung beantragt, mit deren Bau ab 2003 begonnen werden soll.

In Burgos in Nordspanien wird 2002 eine 300 kW Anlage nach dem Lattenzaunprinzip installiert, wobei die Anlagenkosten nur halb so groß sein sollen, wie die einer horizontalachsigen WEA. Dieser erste industriell gefertigte Prototyp wird von der 1995 gegründeten spanischen Forschungsfirma Enerlim Albia SL errichtet, die sich seit den frühen 1990er Jahren mit der Weiterentwicklung dieses Prinzips beschäftigt. Patentierte, aber verutlich nie umgesetzte Vorgänger gibt es aus den Jahren 1919, 1979, 1981 und 1984.

Die Technik beruht auf geraden, aerodynamisch profilierten Tragflächen, welche an Seilen hängend wie ein Seilkarussel horizontal zwischen zwei großen Pylonen oder Masten umlaufen. Der Abstand der beiden Seil-Haltemasten der spanischen Anlage beträgt 140 m, die geraden vertikalen Rotorblätter sind jeweils 12 m lang. Das Unternehmen plant nun, nahe Tarragona bei Cataluña in der Provinz Catalonien eine 600 kW Anlage gleicher Art zu errichten. Ich habe jedoch keine Hinweise darauf gefunden, daß dieser Plan umgesetzt wurde.

Karussel-Windkraftanlage

Karussel-Windkraftanlage

Bis 2003 steigt der Anteil der Erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch auf 6,8 %, der Anteil bei der Stromerzeugung beträgt bereits über 20%.

Anfang 2003 meldet das Unternehmen Umweltkontor Renewable Energy AG aus Erkelenz die Betriebsaufnahme seines zweiten Großprojektes: Der auf einem windreichen Hochplateau im spanischen Aragón in der Nähe von Zaragoza gelegene Windpark La Muela umfaßt 132 Windenergieanlagen des Typs NEG Micon ,NM 750/48’ mit einem Rotordurchmesser von 48 m, einer Nabenhöhe von 55 m und einer Gesamtleistung von 99 MW.

Jeweils 66 Anlagen entfallen auf die beiden Standorte Parque Eólico La Carracha S.L. sowie Parque Eólico Plana de Jarreta S.L. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Windgeschwindigkeit von 7,2 m/s soll der Park etwa 223.000 MWh produzieren, was ausreicht um 62.000 Durchschnittshaushalte mit Strom zu versorgen.

Am 12. März 2004 wird das königliche Dekret Nr. 436/2004 erlassen, welches den Betreibern von Windkraftanlagen eine Planungssicherheit von 25 Jahren ermöglicht.

In diesem Jahr überholt Spanien mit 2.065 MW neu installierter Windkraft-Kapazität zum ersten Mal Deutschland (hier werden 2004 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von nur 2.020 MW errichtet). Insgesamt verfügt Spanien zu diesem Zeitpunkt über 405 Windparks mit 8.155 MW Leistung, es sind mehr als 500 Firmen in das Windenergiegeschäft involviert und schon über 150 Fabriken überall im Land stellen die Anlagen-Komponenten her.

Der 250 MW WEA-Park in Galicien (s.o.) geht 2005 ans Netz.

Die Firma Ecotecnia wird 1981 in Madrid von acht umweltbegeisterten Ingenieuren gegründet, doch es dauert 11 Jahre, bis das Unternehmen 1992 seine erste eigene Windfarm betreiben kann. 2006 beherrscht die Firma etwa 10 % des spanischen Windenergiemarktes und besitzt Zweigstellen in Frankreich und Italien. Sie entwirft, produziert, installiert und betreibt Windenergieturbinen mit Kapazitäten zwischen 1,3 MW und 3 MW. Die meisten der bisher über 1.000 hergestellten Turbinen mit einer Gesamtkapazität von etwa 1.000 MW werden hauptsächlich an Betreiber von Windparks in Spanien, aber auch im benachbarten Ausland und sogar in Indien und Japan verkauft.

2006 werden in Spanien schon rund 6 % des landesweiten Strombedarfes durch Windenergie gedeckt. In diesem Jahr werden über 1.500 MW Nennleistung neu errichtet, so daß Ende 2006 bereits 11.615 MW Windkraftleistung installiert sind. Unter anderem bringt Nordex seinen bislang größten Windpark in Spanien ans Netz. In der Nähe von Tortosa gehen insgesamt 37 Turbinen der Baureihe ,N62/1.300 KW’ in Betrieb.

Das Land, das nach Dänemark und Deutschland als drittes in Europa in den expandierenden Markt der Windenergie einsteigt, wird auch schnell zu einem der größten Exporteure für Windenergietechnologie. Die meisten Pionierfirmen werden von ‚Global Players’ wie Siemens, GE, BP oder dem spanischen Markführer Gamesa verdrängt bzw. aufgekauft.

Spaniens Regierung revidiert den ursprünglichen Plan, bis 2011 etwa 13 GW Windkraft zu installieren – und der neue ‚Plan de Energias Renovables’ sieht eine Installation von 20 GW bis 2010 vor.

Die deutsche wdp errichet 2007 eine 49,5 MW Windfarm in Las Pardas mit 33 Acciona-Turbinen ,AW-82’, sowie eine 15 MW Windfarm in Cantiruela mit 10 Acciona-Turbinen des selben Modells.

Im Februar 2007 sichert sich die Nordex Gruppe ihren bislang größten Auftrag aus Spanien. Für rund 51 Mio. € wird das Unternehmen ab Herbst dieses Jahres einen 50 MW Windpark in der Region Castilla y León in Zentralspanien errichten, der mit 22 Großturbinen der Baureihe ,N90/2.300 KW’ ausgestatt wird.

Am 19. März 2007 werden um 17.40 Uhr 8.375 MW erzeugt, was fast 27 % des landesweiten Energiebedarfs entspricht und einen neuen Rekord der Stromerzeugung mit sauberer Energie darstellt. Gemessen an der installierten Leistung liegt Spanien gegenwärtig knapp vor den USA und hinter Deutschland weltweit auf dem zweiten Platz.

Im Juli genehmigt die Regierung die Errichtung von Offshore-Windparks.

Im August 2007 gibt das spanische Wirtschaftministerium eine Studie zur Identifikation geeigneter Standorte für Offshore-Windparks in Auftrag, die Anfang Juli 2008 abgeschlossen werden soll. Das Land erhofft sich ab 2020 durch die starken Seewinde an seiner 4.000 km langen Küste eine erwirtschaftbare Leistung von 2 GW – 3 GW Strom. Experimentelle Offshore-Anlagen gibt es bereits auf offener See vor Cadiz, Huelva Castellon und im Ebro Delta.

Ebenfalls August 2007 übernimmt E.ON für gut 720 Mo. € von der dänischen Dong Energy den in Spanien und Portugal tätigen Windparkbetreiber Energi E2 Renovables Ibéricas.

Das Unternehmen produziert Strom aus erneuerbaren Energien mit einer Gesamtkapazität von derzeit rund 260 MW, ein Großteil davon durch Windparks. In der Planung sind bereits weitere Anlagen mit rund 560 MW. Mit dem Zukauf steigert E.ON seine derzeit installierte Windkraftleistung auf rund 700 MW.

Einen neuen Rekord fahren die Windenergieanlagen in Spanien im März 2008 ein. Am 22.03. produzieren sie mit 9,862 MW rund 40,8 % des landesweiten Stromverbrauchs. Ein Monat später wird bekannt, daß die spanische Iberdrola inzwischen zum Besitzer der weltweit größten Menge an installierter Windkraftkapazität geworden ist – mit 6,9 GW (Zuwachs 2007: 1,55 GW). Dies gelingt durch den Zukauf von 1,45 GW der ScottishPower mit Windpark-Standorten in den USA, Großbritannien und Irland.

Im Juni 2008 meldet die Presse einen weiteren gigantischen Vertrag im Windkraft-Sektor. Iberdrola vereinbart mit dem Turbinen-Hersteller Gamesa die Lieferung von Windenergieanlagen im Umfang von 6,3 Mr. $ – was die Lieferung, Installation, Inbetriebnahme und Wartung von Windkapazitäten im Umfang von 4,5 GW umfaßt. Als Standorte werden Europa, die USA und Mexiko genannt. Außerdem vereinbaren Iberdrola und Gamesa eine Zusammenarbeit zur weiteren Verbreitung von Windfarmen in Spanien und dem restlichen Europa.
Der zu diesem Zeitpunkt gößte Windpark Europas steht in Guadalajara. Die Maranchon Windfarm hat eine Kapazität von 208 MW.

Maranchon Windpark

Maranchon Windpark

Im Oktober 2008 erhält Vestas aus Spanien neue Aufträge: 18 Stk. ,V90’ mit 3 MW und 25 Stk. ,V90’ mit 1,8 MW, die in der Region Terra Alta der katalanischen Provinz Tarragona aufgestellt werden sollen. Der spanische Hersteller Gamesa Corporación Tecnológica hält derweil schon 15 % des Weltmarktes mit Anlagen einer Gesamtkapazität von 13 GW, die in 13 Ländern Nordamerikas, Europas und Asiens stehen. Einen neuen Auftrag über 294,95 MW erhält Gamesa von der Longyuan Electric Power Group, einer Tochter der chinesischen Guodian Corp. Im Laufe des Jahres 2009 werden 347 Stück der ,G5x-850 kW’ WEA ausgeliefert, die in Gamesas Werk in Tianjin, China, hergestellt werden. Das spanische Unternehmen erhält außerdem einen Kredit der Europäischen Investitionsbank über 200 Mio. €, um zwischen 2008 und 2011 die Forschungs- und Entwicklungsarbeit des Unternehmens an seinen Standorten in Madrid und Navarre, Vixcaya, zu finanzieren.

Einen neuen Rekord von 43 % (!) des Strombedarfs erzielt Spanien am stürmischen Morgen des 24. November 2008 – mit einer Gesamtleistung von 9,253 MW. Über das Jahr gerechnet decken Spaniens Windkraftanlagen schon 11 % des landesweiten Strombedarfs.

Im Dezember folgt ein weiterer Auftrag für Vestas. Diesmal handelt es sich um 22 Stück ,V90’ 2 MW und drei Stück ,V80’ 1,8 MW Windturbinen für das Almatret-Projekt in der catalonischen Provinz Lerida.

Spanien produziert 2008 insgesamt 16.740 MW mit der Kraft des Windes. Mit diesen Zahlen steigert sich das Land um 1.609 MW (knapp 10 %) gegenüber 2007. Spanien liegt nun hinter Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika auf dem weltweit dritten Platz der Windenergieproduzenten.

Südamerika

Auch in Südamerika kommt die Windenergienutzung langsam in Schwung. Nach Presseberichten Anfang 2008 erhält das argentinische Unternehmen IMPSA den Zuschlag für drei Windparks im Nordosten Brasiliens, wo im Bundesstaat Ceara noch im Laufe des Jahres zusammen 66 Stück 1,5 MWAnlagen errichtet werden, die ein brasilianisches IMPSA-Tochterunternehmen liefert. Weitere Windparks in anderen brasilianischen Bundesstaaten sind bereits geplant.

Der traditionsreiche argentinische Maschinenbauer IMPSA steigt erst 2005 in das Windgeschäft ein, die ersten Pilotanlagen des Unternehmens laufen seit 2007 in Patagonien, im Süden des Landes, wo die vermutlich weltweit besten Windbedingungen für Windenergieanlagen bestehen.

Die aktuellen Investitionen werden durch günstige Kredite und einen langfristigen Vertrag mit dem staatlichen Energieversorger Electrobras ermöglicht, der dem Unternehmen einen Festpreis von 11 US-Cent (7,6 €-Cent) pro Kilowattstunde sichert.

Im Rahmen des brasilianischen Programms für alternative Energiequellen PROINFA wird das Ziel festgelegt, elektrische Versorgungskapazitäten von 3,3 GW aus Energiequellen wie Wind, Sonne und Biomasse aufzubauen.

Auch in Peru gibt es Entwicklungsprojekte, wo durch kleine Windlader in abgelegenen Gebieten Ladestrom für elektronische Geräte geliefert wird.

Im September 2008 vergibt das Energy and Mining Ministry an verschiedene Investitionsfirmen Rechte im Umfang von 4,5 GM, um insgesamt 37 Windparks zu errichten. Das Energieministerium des Landes veröffentlicht hierzu einen Plan mit den Ergebnissen der bislang durchgeführten Windmessungen. Eine Windkarte mit Daten der verschiedenen Landesteile soll in wenigen Monaten nachgereicht werden. Die Küstenlinie des Landes besitzt ein Potential von 65 GW – und das Land möchte schon 2010 rund 5% seines Strombedarfs durch den Wind decken.

Die Firma Iberoperuana Inversiones SAC, Teil der Windiberica-Gruppe, wird 240 Mio. $ in den Parque Eólico San Andrés, einen 240 MW Windpark in Paracas, an der Küste der Provinz Pisco, investieren. Man hofft, daß der Park in zwei Jahren ans Netz gehen kann, wobei die ersten 22 MW schon Ende 2008 erwirtschaftet werden sollen.

Innerhalb von zwei Jahren möchte Peru 5 % seines Strombedarfs durch Windenergie decken. Das Potential der peruanischen Küste wird auf 65 GW geschätzt.

Seit 2007 entwickelt die deutsche wind 7 AG gemeinsam mit lokalen Partnerunternehmen ein 200 MW und ein 120 MW Windkraftprojekt in der Republik Panama. 2008 erhät das größere der beiden Projekte eine Vorlizenz, so daß dessen Entwicklung bis zum Mai 2010 abgeschlossen sein kann. Neben Panama entwickelt wind 7 auch Windparkprojekte in Chile und schließt einen Kooperationsvertrag für zwei Windparks mit einer Gesamtkapazität von 70 MW.

Syrien

Auch wenn dieses Land noch keine relevante Rolle im Bereich der Windkraftnutzung spielt, möchte ich es doch erwähnen – da ich selbst dort über viele Jahre hinweg thermische Solaranlagen entwickelt und hergestellt habe.

Während dieser Zeit experimentierten wir auch mit kleinen Windkraftanlagen wie dem Hammurabi-Rotor (s.d.), ließen uns auf eigenem Land auf dem syrischen, entmilitarisierten Teil der Golan-Höhen zu Pumpzwecken eine lokal hergestellte Western-Windmühle mit Kolbenpumpe errichten, und ließen uns in der zweiten Hälfte der 1980er das sogenannte geschlitzte Rotorblatt patentierten, von dem wir uns einen großen wirtschaftlichem Erfolg erhoffen.

Syrische Windenergieanlage von Maan Kaadan

WEA von Maan Kaadan
in Syrien

Gemeinsam mit der jordanischen Royal Scientific Society wird der GTZ eine Projektskizze vorgelegt, bei der es um die Weiterentwicklung dieser Innovation geht, doch wir erhalten eine Absage. Statt dessen liefert die GTZ eine MAN-Windkraftanlage nach Jordanien… und das war’s dann.

Ebenfalls ohne jede Förderung schaft es mein Freund, der syrische Ingenieur Maan Kaadan, effektive und äußerst robuste 2-Blatt Anlagen im Bereich von 50 kW herszustellen, die sogar Sandstürmen schadlos standhalten.

2008 erhalte ich den link auf einen kleinen Youtube-Clip, auf dem ein in Syrien hergestellter Savonius-Rotor in Helixform zu sehen ist – leider ohne jegliche Hinweise auf die Initiatoren oder weitere technische Detail. Immerhin zeigt der Clip, daß sich auch dort noch andere Personen mit der innovativen Nutzung der Windenergie beschäftigen.

Von staatlicher Seite gibt es Planungen für eine 1,5 MW Windfarm in der sehr windreichen Region Homs, die mit Unterstützung der EU-Kommission durchgeführt werden. Mit Hilfe der spanischen Regierung soll dieses später auf 4 MW ausgeweitet werden. Bereits 2007 wird gemeinsam mit Deutschland und der dänischen Vestas AS ein 350 Mio. € Investitionsprogramm besprochen, von einer Umsetzung habe ich bislang aber noch nichts gehört.

Tunesien

In der Länderstudie 2002 der GTZ im Rahmen des überregionalen Projektes Windenergieprogramm TERNA wird gesagt, daß abgesehen von dem Ende 2000 in Betrieb genommenen 10,56 MW Windpark Sidi Daoud, der mit 32 Stück 330 kW Anlagen bestückt ist, die Erneuerbaren Energien bei der Stromversorgung Tunesiens bisher kaum eine Rolle spielen, obwohl Tunesien mit Durchschnittswindgeschwindigkeiten von mehr als 7 m/s über ein regional gutes Windpotential verfügt.

Die Machbarkeitsstudie für den Sidi Daoud Windpark war zwischen 1990 und 1992 erstellt worden, ausgeschrieben wurde das Projekt 1996, und den Zuschlag für die schlüsselfertige Errichtung der 11,4 Mio. € teuren Anlage bekam 1998 der spanische Hersteller MADE. Betreiberin des Windparks ist die Société Tunisienne de l’Electricité et du Gaz (STEG).

Ansonsten wird die Windenergie bislang hauptsächlich zur Bewässerung der Felder in entlegenen Regionen und für die Entsalzung von brackigem Wasser eingesetzt.

Im ersten Halbjahr 2005 veröffentlicht die STEG Ausschreibungen für zwei Windparks an den Standorten Jbel Abderrahman auf Cap Bon (40 MW) und Métline im Norden Tunesiens (20 MW).

Der Windpark Sidi Daoud ist inzwischen auf 20 MW ausgebaut worden – und das Ziel der tunesischen Regierung ist es, bis zum Jahr 2010 Windparks mit einer Gesamtleistung von 2.000 MW am Netz zu haben.

Türkei

Die ersten Windkraftanlagen der Türkei werden 1998 in Betrieb genommen. In Izmir-Cesme betreiben die Alize A.S. drei 500 kW Turbinen von Enercon, und die Gücbirligi A.S. zwölf 600 kW Anlagen von Vestas.

Im Jahr 2000 nimmt die Bores A.S. einen Windpark in Canakkale-Bozcaada mit 17 Stück 600 kW Anlagen von Enercon in Betrieb.

Im März 2001 wird in der Türkei ein Energiemarktgesetz veröffentlicht, das den Rahmen für alle Aktivitäten auf dem neuen Energiemarkt bildet. Im Mai 2005 folgt das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das insbesondere Wind- und Laufwasserkraftwerke fördert.

Die zwei ersten 1,5 MW Windturbinen von Enercon werden 2003 in Istanbul-Hadimköy von der Sunjüt A.S. in Betrieb genommen, 2006 folgt in Balikesir-Bandirma ein Windpark der Bares A.S. mit 20 Stück 1,5 MW Anlagen von GE.

2006 besitzt die Türkei 65 MW an Windenergie-Kapazitäten, doch schon 2007 existieren bereits 10 Windfarmen, die zusammen 140 MW leisten.

Im Juli 2007 unterzeichnet das US-Unternehmen GE einen Vertrag zur Lieferung von 52 Stück 2,5 MW Turbinen für die Südostregion des Landes. Diese 130 MW werden die Landeskapazität fast verdoppeln. Das türkische Unternehmen Rotor Energy Co., eine Tochter der Firma Zorlu Enerji Elektrik Uretim, baut den Windpark in Bahce, in der Südprovinz Osmaniye, gemeinsam mit Ecosecurities, er soll 2009 in Betrieb gehen. Die Fertigung der Windturbinen mit einem Rotordurchmesser von 100 m erfolgt in den GE-Werken im deutschen Salzbergen sowie in Noblejas, Spanien, die Auslieferung erfolgt ab März 2009.

Im Mai 2007 gehen am Standort Karakurt in der Region Manissa insgesamt 10,8 MW in Betrieb, und am Standort Sebenoba Hatay in der Provinz Hatay werden im September 2007 insgesamt 15 Windenergieanlagen vom Typ Vestas ,V90’ 2,0 MW mit einer Gesamtleistung von 30 MW errichtet. Die Planung dieser Anlagen in der Westtürkei erfolgt durch das Joint Venture tw.energy GmbH. Die Windwärts Energie GmbH plant in den kommenden drei Jahren die Realisierung von insgesamt rund 75 MW Windenergieleistung im Inland der Türkei.

Ebenfalls 2007 startet in Izmir-Cesme ein 39,2 MW Windpark der Mare A.S. mit 49 Stück 800 kW Anlagen von Enercon, in Canakkale-Intepe gehen 38 gleichartige Anlagen der Anemon A.S. ans Netz, und in Canakkale-Gelibolu 13 Stück 800 kw sowie 5 Stück 900 kW Enercon Anlagen der Dogal A.S. In Manisa-Akhisar nimmt die Deniz A.S. sechs 1,8 MW Anlagen von Vestas in Betrieb.

Im November 2007 nimmt der türkische Rat für die Energiemarktordnung Bewerbungen für 750 geplante Windkraftanlagen entgegen. Die potentielle Produktionskapazität insbesondere der Küstenregionen wird auf 80 GW beziffert. Als besonders günstigste Standorte gelten die nördliche Ägäisküste, die Marmara-Region und die westliche Schwarzmeerküste sowie im Süden ein Küstenabschnitt zwischen Alanya und Iskenderun bis hinein nach Zentralanatolien. Um die Lizenzen bewerben sich sowohl kleine und mittelständische Unternehmen als auch Zweige einiger großer Holdings der Türkei. Der größte Windpark mit 3.000 MW wird von der zur Sanko-Gruppe gehörenden Firma Sanres für die Region Izmir vorgeschlagen.

Zusammengenommen haben die eingereichten Windkraftanlagen eine Kapazität von 78.000 MW und ein Investitionsvolumen von 132 Mrd. US-$. Wieviel davon tatsächlich verwirklicht wird, ist allerdings noch unklar.
Im Bau befinden sich 2007 eine 30 MW Windfarm in Hatay-Samandag mit 15 Stück 2 MW Anlagen von Vestas, sowie eine 30,4 MW Farm in Manisa-Sayalar mit 38 Enercon 800 kW Anlagen.

Nachdem der Hohe Rat für den Schutz von kulturellem und Naturerbe Anfang 2008 grünes Licht für die vereinfachte Verfahren zur Zulassung von neuen Windenergieanlagen gibt, nimmt der Staatsrat diesen Beschluß umgehend wieder zurück – aufgrund der erwarteten negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Nun haben potentielle Investoren erhebliche Schwierigkeiten, geeignete Plätze zu finden, da in der Nähe von militärischen und Rundfunkanlagen, archäologischen Stätten sowie in Natur- und Landschaftsschutzgebieten Windräder ohnehin schon verboten sind.

Immerhin importiert die Türkei mehr als 90 % ihres Energieverbrauchs – und dies trotz der zunehmenden Zahl an Staudämmen, die außerdem nicht immer ohne ökologische und/oder politische Schwierigkeiten umgesetzt werden können.

2008 sind 40 Anträge für die Errichtung von 20 MW bis 60 MW Windparks genehmigt, weitere Anträge in einem Gesamtumfang von 8.000 MW liegen den Behörden vor.
Das türkische Bauunternehmen Ucgen beauftragt im September 2008 die deutsche EPURON GmbH, die der Conergy AG gehört, mit der technischen Entwicklung, der Auswahl der Windenergieanlagen sowie den Verhandlungen mit den Herstellern für den Bau des 14 MW Windpark Seferihisar, der 2010 ans Netz angeschlossen werden soll.

Zu diesem Zeitpunkt sind in der Türkei rund 250 MW an Windkraftleistung installiert.

Im Dezember 2008 übernimmt die französische EDF Energies Nouvelles (EDFEN) 50 % des türkischen Windpark-Entwicklers Polat Enerji, welcher zwei Parks mit insgesamt 50 MW betreibt und weitere 80 MW im Bau hat. In Planung befinden sich weitere 200 MW. Zeitglich gibt Vestas einen Vertragsabschluß zur Lieferung von fünf ,V90’ 3 MW Windturbinen mit der Akenerji Elektrik Uretim A.S. bekannt, einer Tochter der Akkok Holding. Die WEA sollen im Rahmen des Ayyıldız-Projekts in der Provinz Balıkesir im Nordwesten des Landes aufgestellt werden.

UdSSR (bis 1991)

Die UdSSR hat langjährige Erfahrungen mit der Windenergie. Bereits 1931 wird in Jalta am Schwarzen Meer eine Zweiblatt-Anlage mit einem 30 m durchmessenden Rotor gebaut. Die Turmhöhe beträgt 25 oder 30 m, hier differieren die Quellenangaben. Trotz der einfachen Auslegung – Wellblechflügel und Holzgetriebe – liefert diese 100 kW Anlage jährlich rund 280.000 kWh. Sie besitzt eine selbstregulierende Blattnachstellung und eine motorbetriebene Windnachführung. Zu jener Zeit plant man sogar die Errichtung einer 5 MW Anlage (!), doch aufgrund der Kriegsereignisse wird dieses bereits bis zur Baureife gediehene Projekt nie realisiert.

In einer Schätzung von 1935 wird für die UdSSR eine Gesamt-Windkraftpotential von 8.000 TWh angegeben.

Nach dem zweiten Weltkrieg verbreitet sich die Nutzung von kleinen Windkonvertern in vielen entlegenen Gebieten der UdSSR, wie z.B. der Tschuktschen-Halbinsel an der Beringstraße. Das Bild von Jarangas und Jurten, neben denen die kleinen Windräder stehen, wird zur Gewohnheit.

Ab 1980 werden Windenergieanlagen in größerem Ausmaße geplant, eine 40 MW Windenergieanlage, die erste dieser Art, soll im Jahre 1982 nahe der Stadt Novorusik ihren Betrieb aufgenommen haben. Auf der Halbinsel Kola ist ein weiteres Projekt in Vorbereitung, das sich insgesamt über 1.000 km weit erstrecken und aus etwa 200 Einzelanlagen bestehen soll, jede mit einer Leistung von 1 MW.

1989 werden im Polargebiet der UdSSR 15 automatisierte Windenergieanlagen mit jeweils 4 kW installiert, die die Arbeits- und Lebensbedingungen der dort ansässigen Fischer und Rentierzüchter verbessern sollen.

USA

Gant Brush Windmill

Brush-Windmill
(1888)

Einer der Gründer der amerikanischen Elektrizitätswirtschaft, Charles Francis Brush (1849 – 1929) aus Ohio, gilt gleichzeitig auch als Pionier der Windenergie. Brush erfindet z.B. einen sehr effizienten Gleichstromgenerator, die erste kommerzielle Lichtbogenlampe sowie eine effiziente Methode zur Herstellung von Blei-Säure-Batterien. Seine Firma Brush Electric in Cleveland wird im Jahr 1889 verkauft und 1892 mit der Firma Edison General Electric zur General Electric Company (GE) verschmolzen.

Schon im Winter 1887-88 baut Brush eine Maschine, die heute als die weltweit erste vollautomatische Windkraftanlage zur Stromerzeugung gilt. Für die damaligen Verhältnisse sind die Ausmaße gigantisch und weltweit unerreicht: Der Rotor hat einen Durchmesser von 17 m und besteht aus 144 Rotorblättern aus Zedernholz. Die Anlage läuft 20 Jahre lang und lädt die Batterien im Keller seines Wohnhauses. Trotz der Größe der Windkraftanlage beträgt die Leistung des Generators jedoch nur 12 kW, was daran liegt, daß die langsam rotierenden Anlagen amerikanischen Typs keinen besonders hohen Wirkungsgrad aufweisen.

Zwischen 1880 und 1940 entstehen besonders im Mittel- und Südwesten der USA mehr als 6 Millionen kleine Windmühlen zur Elektrizitätserzeugung, davon funktionieren heute noch etwa 100.000 Stück (Stand 1980). Die bis zu 3 kW leistenden Niederspannungs-Kleinwindkraftanlagen mit Dreiblattrotor von 4 m Durchmessser werden insbeondere auf entlegenen Farmen errichtet, zu den bekanntesten Herstellern zählen Wincharger und Jacobs.

1922 wird in den USA der Savonius-Rotor des Finnen Sigurd Savonius patentiert.

1930 installiert Richard Byrd einen Jacobs Windengergiegenerator in der Antarktis, der 22 Jahre lang zur Zufriedenheit aller Beteiligten läuft.

1931 lässt Georges Darrieus seinen Darrieus-Rotor in den USA patentieren, dessen technische Eigenschaften seinerzeit jedoch nicht überzeugen können.

In der 1930er Jahren erscheinen auf den Titelseiten der diversen Wissenschaftsmagazine, die es zu jener Zeit in den USA gibt, abenteuerliche Konstruktionen, wie z.B. das hier abgebildete System auf der Augustnummer der Popular Science des Jahres 1939.

Bereits 1934 wird der Geologe Palmer C. Putnam aus Boston von einem Freund gefragt, ob er ihm für seine Farm einen Windgenerator bauen kann. Putnam erfüllt den Wunsch und ist von der Antriebskraft des Windes so fasziniert, daß er bald darauf eine 1,25 MW Anlage entwirft, deren Pläne er dem Leiter des Massachusetts Institute of Technology (MIT) V. Bush vorlegt.

1941 wird daraufhin auf Grandpa’s Knob, einem 650 m hohen Berg in der Nähe von Rutland in Vermont/Virginia, rund 330 km nördlich von New York, ein erster Prototyp mit 1.250 kW Leistung eingeweiht, der aus einem 2-Blatt-Rotor aus rostfreiem Stahl mit 53,3 m Durchmesser auf einer etwa 35 m hohen Stahlturmkonstruktion besteht.

Smith-Putnam-Rotor

Smith-Putnam-Rotor
(ca. 1942)

Fast genau vier Jahre nach der Inbetriebnahme der Smith-Putnam-Anlage und rund 1.000 Betriebsstunden, während denen die Anlage ihren Strom von durchschnittlich 800 kW in das öffentliche Netz einspeist, bricht jedoch eines der beiden jeweils 8 t schweren Rotorblätter ab und das Projekt wird fallengelassen. Die Anlage wird 1945 abgerissen. Sehr empfehlenswert ist der Blick auf eine Fotostrecke mit vielen Abbildungen der industriellen Fertigung dieser Anlage!

Aus der gleichen Zeitperiode stammt auch das Foto einer Bewässerungs-Windpumpe in Kalifornien, deren Wasserförderung mittels spiralig verbundener Rohre bewerkstelligt wird – einer Art abgeflachen archimedischen Spirale. Dabei soll es sich um eine ,orientalische Idee’ gehandelt haben, die in Kalifornien und Arizona mehrfach umgesetzt wurde.

Danach scheint es in den USA jedoch lange Zeit über ziemlich ,windstill’ zu sein – und nur 1951 entstehen nach Entwürfen von P. H. Thomas noch einige größere WEAs, die denjenigen von Honnef ähneln. Die weitere Verfolgung dieser Konzepte wird in Folge des Koreakrieges jedoch ausgesetzt.

Nach dem Ölembargo der OPEC 1973 wird die Windenergie neu entdeckt, und die National Science Foundation (NSF) ruft ein Windenergie-Programm ins Leben, für dessen erste drei Projekte 200.000 $ bereitgestellt werden. Schon im Jahr darauf beträgt der Förderbetrag allerdings 1,5 Mio. $ und es werden die verschiedensten Konzepte erprobt, darunter auch H-Darrieus-Rotoren. Außerdem gibt es erste Erwägungen, eine Gesamtanlage mit 180 Einzelkraftwerken auf hoher See zu installieren.

In den sieben Folgejahren zwischen 1974 und 1981 führt die NASA im Auftrag der US-Regierung am Glenn Research Center in Lewis Field ein äußerst effizientes und erfolgreiches Untersuchungsprogramm an großen, horizontalen Wind-Turbinen durch. Über 100 Ingenieure und Techniker sind daran beteiligt. Mit Mitteln des DEO (Department of Energy, Nachfolger der Energy Research and Development Administration) werden insgesamt 13 Windenergieanlagen in Betrieb genommen.

GE/DOE Testanlage von 1979

GE/DOE Testanlage
(1979)

1974 wird außerdem die American Wind Energy Association (AWEA) gegründet.

Anfang 1975 startet in Clayton/New Mexiko eine 200 kW Anlage für 60 Häuser, deren 20 m lange Rotorblätter aus Aluminium bestehen. Sechs Monate nach Inbetriebnahme muß die Anlage wegen starker Schäden allerdings wieder demontiert werden.

Am 29.10.1975 übergibt die 1974 neugebildete Energy Research and Development Administration (ERDA) der NASA eine 100 kW Versuchsanlage für das Lewis-Forschungszentrum in Ohio, die von der Firma Lockheed gebaut ist. Die Konstruktion besitzt einen 30 m hohen Turm und einen 2-Blatt-Rotor mit einer Blattlänge von 19 m. Die Anlage, die am Eriesee in Plum Brook bei Sandusky/Ohio steht, basiert auf Erfahrungen des deutschen Professors Hütter – ihr Rotor ist als sogenannter Leeläufer hinter dem Turm angebracht. Als Anlage für besonders starken Wind von 30 km/h bis 70 km/h Geschwindigkeit reicht sie aus, um 25 Einfamilienhäuser komplett zu versorgen. Die Energietransformation erfolgt mittels eines Synchrongenerators bei veränderbaren Flügelanstellwinkeln.

Ebenfalls 1975 setzt sich die ERDA das anspruchsvolle Ziel, bis 1981 insgesamt 100 MW aus der Windenergie zu erwirtschaften, bis 2000 sollen sogar rund 25 % des Gesamtenergiebedarf der USA durch Windkraft gedeckt werden.

1976 beginnt Jay Carter aus Burkburnett, Texas, mit der Errichtung von 2-Blatt-Rotoren mit Fiberglas-Blättern. Die charakteristische Blattarchitektur der Carter Wind Systems Inc. wird übrigens erst nach dem Millenium wieder aufgegriffen – und dann (natürlich) als neueste Innovation ,verkauft’. Bis 1994 werden in Californien insgesamt 108 Carter-Turbinen mit ihrer Leistung von jeweils 48 kW installiert. Natürlich treten in dieser Zeit noch diverse andere Innovatoren und Firmen auf den Plan, die mit Einzelanlagen oder Kleinserien in den neu entstehenden Markt drängen – ihre vollständige Aufzählung würde allerdings die Dimensionen dieser Arbeit sprengen.

1977 stellt James Yen seine Idee der Tornado-Windenergieanlage vor. Die Anlage bringt Luft dazu einen Tornado aufzubauen, welcher dann zum Antrieb von Generatoren eingesetzt werden soll. Ich stelle das Konzept weiter unten noch ausführlicher vor.

1977/1978 plant die NASA die Errichtung einer 1,5 MW Anlage bei Boone in North Carolina. Auf einem 42 m hohen Stahlturm wird ein 61 m durchmessender Rotor angebracht, das Gesamtgewicht der Anlage wird auf 350 t veranschlagt. Im Juli 1979 beginnt der Bau, den die General Electric Space Division für die Auftraggeber DOE und NASA durchführt. Im Herbst desselben Jahres wird die Anlage im Rahmen des 3,5 Mio. $ teuren Projekts zur computerkontrollierten Versorgung von 300 – 500 Häusern in Betrieb genommen. Obwohl die Realisation auf Basis einer 2 MW Anlage stattfindet, gibt es noch lange ungelöste Probleme mit rotationsbedingten und Glas zum Zerspringen bringendem Infraschall, der sich in einem weiten Umkreis störend bemerkbar macht.

Am 9. November 1978 unterschreibt Präsident Carter ein Gesetzpaket, das eine Abkehr von der Förderung der Entwickler hin zu einer Förderung der Nutzer bedeutet. Der Energy Tax Act beinhaltet Abschreibungsmöglichkeiten von bis zu 25 % auf Windkraftanlagen, und der Public Utility Regulation Policies Act regelt die Einspeisung des erzeugten Stroms in das öffentliche Netz.

Während die Fördergelder der ERDA im Jahre 1975 nur 7 Mio. $ betragen, wachsen sie 1976 auf fast 14 Mio. $ an und erreichen 1979 sogar die Grenze von 60 Mio. $. Seit 1979 sind die Stromunternehmen gesetzlich gezwungen, Strom aus erneuerbaren Ressourcen zu kaufen – zu dem gleichen Preis, den sie selbst zur Produktion ihres Stromes (aus anderen Quellen) zahlen. Bis 1980 beträgt die Förderung der Windenergie in den USA insgesamt 283 Mill. $, und im Jahre 1981 gibt es in den USA schon 91 im Bau befindliche Windenergieprojekte. In Kalifornien betragen die Staatszuschüsse für den privaten Kauf einer Windanlage sogar 45 %!

In dem US-Magazin Popular Science wird im März 1980 eine Windkraftanlage mit 4 x 2 hintereinander gestaffelten Blättern vorgestellt, die einen Anstellwinkel von 12,5° haben. Erfinder der patentierten Wind Engine mit ihrem Wirkungsgrad von 56 % ist der frühere Kraftfahrzeugingenieur William Allison aus Detroit. In kleineren Versuchen zeigt sich, daß dieses System im Vergleich zu konventionellen Systemen schneller und auch bei geringeren Windgeschwindigkeiten anläuft und eine höhere Leistung erzielt. Die Firma Environmental Energies Inc. in Michigan testet ein halbes Jahr lang erfolgreich einen 6 m durchmessenen Rotor.

Interessanterweise schlägt Allison auch gewaltige Gatter aus mehreren Reihen und Lagen von Windturbinen vor, wie sie erst Jahrzehnte später wieder in die Diskussion kommen. Neben der genannten vergibt er noch zwei weiteren Unternehmen Lizenzen zur Herstellung der Rotoren, während die Environmental Energies selbst einen Vertrag mit dem Michigan Departement of Transportation abschließt, um mit einem 7,3 m durchmessenden Allison-Rotor ein neues Informationszentrum mit Strom zu versorgen.

Im Jahr 1980 beträgt der Umsatz der Windkraftanlagen-Hersteller in den USA bereits über 50 Mio. DM – gleichzeitig unterstützt die Regierung die Markteinführung der Windkraft mit 1 Milliarde $. Laut einem gemeinsamen Bericht des Solar Energy Panel, der NSF und der NASA könnten in den USA mittels 300.000 Windenergieanlagen etwa 1,5 · 1012 kWh im Jahr erzeugt werden – die Frage lautet allerdings, ob sich derartige Projekte überhaupt wirtschaftlich finanzieren lassen.

Boeing-Testanlage von 1982

Boeing-Testanlage
(1982)

Ab 1981 betreibt die NASA testweise zweiblättrige 2,5 MW Anlagen. Das hier abgebildete Modell der Boeing Aerospace Company wird in Goodnoe Hills, nahe Goldendale, Washington, errichtet, es besitzt geschweißte Stahlblätter und der Rotor hat einen Durchmesser von 91,4 m. Es werden allerdings keine kommerziellen Erfolge erzielt, und die Anlage wird bald darauf wegen unerwarteter Verschleißerscheinungen wieder abgerissen.

Im Dezember 1981 wird in Goodnoc Hill, in der Nähe von Washington, eine Windfarm ‚MOB-2’ in Betrieb genommen, die aus drei der zur Zeit weltweit größten Windmühlen besteht.

Neben dem Multi-Millionen-Markt der Institutionen und Großfirmen beschäftigen sich auch viele Arbeitsgruppen an Universitäten mit einer Nutzung des Windenergieangebots. So z.B. an der Universität Massachusetts, wo als Zwischenspeicher für die unregelmäßige Windkraft der Sekundärenergieträger Wasserstoff vorgeschlagen wird. Vielflüglige Windräder sind wiederum die Spezialität der Oklahoma State University, wo ein neuer Name dafür geprägt wird, nämlich Windräder des ‚Bicycle-Typs’.

1982 werden in den USA die ersten großen Windenergiefarmen angelegt. Bis Mitte der 1980er Jahre bestimmen die Nordtank 55 KW Anlagen und die 55 KW von Micon das Bild dieser Windparks.

Bereits 1982 testet die NASA eine erste 4 MW-Anlage.

1986 sind schon über 5.000 neue Anlagen am Netz der Pacific Gas + Electric Co., die hauptsächlich auf dem Altamont-Paß installiert sind und zu einem großen Teil aus Dänemark stammen. Angefangen wurde dort 1982 mit 40 Anlagen, 1984 waren es bereits 1.400. Es ist geplant, daß bis 1990 etwa 30 % des Stromes der Pacific Gas + Electric Co. durch Windkraft erzeugt werden soll.

Ebenfalls am Altamont-Paß stellt die Firma FloWind Corp. 150 Darrieus-Rotoren auf. Und im Livermore-Tal, 50 km vom Pazifik entfernt, stehen weitere 5.500 Anlagen mittlerer Größe, es sind Dreiflügler mit durchschnittlich 100 kW Leistung. Im Zuge des Ausbaus werden an zwei weiteren südkalifornischen Pässen San Gorgonio und Tehachopi insgesamt 7.000 Windkraftanlagen installiert. Die drei Pässe erwirtschaften zusammen 1,1 GW Windstrom, was einer Ersparnis von rund 1,5 Milliarden Liter Erdöl entspricht.

San Gorgonio Windfarm

San Gorgonio Windfarm

Um 1988 kreuzt sich die absinkende Kurve für Windstromkosten mit der aufsteigenden Kurve für Strom aus Kernenergie. Zu dieser Zeit wird auf Hawaii ein Senkrechtachser mit 3,2 MW Leistung installiert, der nur ein einzelnes Rotorblatt von 97,5 m Länge besitzt. 1991 testet die NASA dort eine Anlage mit 7,2 MW Leistung (!) und einem Rotordurchmesser von 128 m, Stahlflügeln und Holztips. Wie fast alle bisherigen NASA-Anlagen ist auch diese jedoch mit großen Problemen und Kosten verbunden.

1991 drehen sich alleine in Kalifornien und auf Hawaii mehr als 16.000 Windturbinen mit einer Gesamtleistung von über 1,5 GW. Die Zuwachsrate bleibt jeoch gering: Noch Ende 1997 werden in den USA insgesamt erst 1.592 MW Leistung aus Windstrom erwirtschaftet.

Das ‚Repowering’ – der Austausch alter gegen neue Anlagen – beginnt 1998 am Alamont Paß mit dem Abbau der ersten 14 Kleinanlagen. Statt den 750 Kenetech-Rotoren mit je 100 kW werden 100 Stück NEG-Micon-Anlagen der 750 kW Klasse aufgestellt. Ähnliche Aktionen beginnen auch am Tehachapi-Paß, wo die bestehenden Darrieus-Rotoren ebenfalls gegen 750 kW Anlagen von NEG-Micon ausgetauscht werden.

2001 geht der WEA-Park Walla Walla mit 399 Windkraftanlagen und einer Gesamtleistung von 300 MW ans Netz.

2003 wird bekannt, daß an der Stelle des ehemaligen WTC in New York ein ‚Freedom Tower’ mit 541 m Höhe gebaut werden soll. Die Investoren modifiziertem allerdings den Entwurf des Architekten Libeskind dahingehend, daß in den oberen Stockwerken statt exotischer Gärten nun windbetriebene Turbinen untergebracht werden sollen. Später rückt man von diesen Plänen jedoch auch wieder ab.

Ebenfalls 2003 berichtet die Presse, daß bis 2010 in Iowa der weltgrößte Windpark entstehen soll. 180 bis 200 Anlagen sollen hier insgesamt 310 MW Leistung erbringen. Die erwarteten Kosten betragen 323 Mio. $, und starten soll das Projekt bereits 2004. Schon 1992 war in Iowa geplant worden, einen Windpark zu errichten, doch das damalige Projekt mit 800 Turbinen und einer Gesamtleistung von 250 MW wird wegen der hohen Kosten von 200 Mio. $ gestrichen.

Helyx Modell

Helyx

2003 gründet der Erfinder Toby Kinkaid in Portland die Oregon Wind Corp. und beginnt mit Tests an seinem Helyx Windgenerator, einer Art verdrilltem Savonius-Rotor, der besonders leise sein soll. In den Folgejahren wird dieses Konzept weltweit von diversen Pionieren (und Imitatoren) nachgeahmt, da seine Umsetzung technisch recht einfach ist. Über ähnliche und andere neue Designs bzw. unkonventionelle Blattformen berichte ich weiter unten. Dort wird auch das Thema der Integration von Windkraftanlagen in Gebäuden – zumeist Hochhäusern – angesprochen (siehe Windenergie und Architektur).

Die University of Minnesota-Morris ist die erste Uni der USA, die im März 2005 eine große Windenergieanlage installiert, um mittels dieser bis zu 60 % des Strombedarfs zu decken. Es handelt sich um eine 1,65 MW Anlage von Vestas.

Die im Jahr 2000 gegründete Halus Power Systems in San Leandro, Kalifornien, beginnt 2003 damit, gebrauchte 90 kW bis 500 kW Windkraftanlagen früherer Generationen in Dänemark und Deutschland aufzukaufen, um sie nach entsprechender Überarbeitung auf dem Privatmarkt in den USA anzubieten. Die Sache entpuppt sich als lukrative Geschäftsidee.

Im Juli 2005 verlängert die US-Regierung ihr Steuervergünstigungs-Programm für Windprojekte (Production Tax Credit – PTC) um zwei weitere Jahre bis Ende 2007. Der PTC garantiert Windenergie-Produzenten für die ersten zehn Jahre Laufzeit ihrer Projekte eine Steuervergünstigung von 1,9 US-Cents pro Kilowattstunde. Einzelne US-Bundesstaaten fördern die Windenergie zusätzlich durch Renewable Portfolio Standards.

Der US-Windmarkt wächst 2005 um 36 %, und die Gesamtinvestitionen von rund 3 Mrd. $ für Windturbinen in den USA sind höher als in jedem anderen Land der Welt. Dies bedeutet knapp 2.500 MW neu installierte Leistung. Dabei kommen 63 % der aufgestellten Windkraftanlagen von General Electric (> 1.000 Windturbinen), und 25 % vom dänischen Weltmarktführer Vestas.

Im November 2005 meldet das Wissenschaftsmagazin Nature, daß Prof. Shashank Priya von der University of Texas in Arlington einen miniaturisierten Windrotor von Taschengröße entwickelt habe, der zur Stromversorgung drahtloser Sensoren-Netzwerke an entfernten Standorten dienen soll. Für die Stromerzeugung mit dem nur 10 cm durchmessenden Rotor setzt Priya Piezo-Kristalle ein, die während der Rotation durch Druckausübung Strom erzeugen. Die 5 mW bis 50 mW erzeugenden Minikraftwerke haben einen Wirkungsgrad von 18 % und sollen weniger als 20  $ kosten.

Die Millionenmetropole Los Angeles will bis zum Jahr 2010 ein Fünftel ihres Strombedarfs aus erneuerbaren Energien decken. Mit diesem Ziel beschließt der Stadtrat, 230 Mio. $ (~ 180 Mio. €) für den Kauf von Energie aus Windkraftanlagen bereitzustellen. Nach Angaben der lokalen Energiebehörde schließt die zweitgrößte Stadt der USA einen Vertrag mit einer 16-jährigen Laufzeit mit dem Unternehmen Pleasant Valley Wind Energy Center aus dem US-Bundesstaat Wyoming. Derzeit stammt der größte Teil des Stroms, der in der südkalifornischen Vier-Millionen-Einwohner-Stadt verbraucht wird, noch aus Kohlekraftwerken.

Das Energy Technology Center der AeroVironment Inc. in Monrovia, Kalifornien, das u.a. auch im Bereich der Solarflugzeuge aktiv ist (s.d.),  stellt im Februar 2006 eine Art Windkraft-Bordüre aus Reihen kleiner Rotoren vor, die an der Oberkante von Gebäuden wie Industriebauten oder Bürohochhäusern installiert werden sollen.

Im März 2006 geht GE eine mit 37 Mio. $ versüßte Partnerschaft mit dem U.S. Department of Energy ein, um bis 2009 Windturbinen mit Leistungen von 5 MW bis 7 MW zu entwickeln. Derzeit stellt GE als größtes 3,6 MW Anlagen her.

Schwimmendes Windkraftwerk

Windhunter (Grafik)

David Nicholson schlägt 2006 mit seinem Windhunter-System schwimmende Plattformen mit umklappbaren Windkraftanlagen vor, die auf hoher See Wasserstoff produzieren sollen. Inzwischen besteht in Tampa, Florida, das Unternehmen Windhunter Corporation, das daran arbeitet den Vorschlag mithilfe ausgemusterter Kriesschiffe oder Öltanker umzusetzen.

Auch im Jahr 2006 gehen in den USA mehr Windräder ans Stromnetz als sonst wo, und im August knackt die amerikanische Windbranche die 10.000 MW Marke, was bislang nur Deutschland und Spanien gelungen ist. Nach Schätzungen der American Wind Energy Association (AWEA) bestehen rund 3.000 MW davon aus Neuanlagen. Alleine Siemens installiert in diesem Jahr in der texanischen Prärie 128 Stück seiner 2,3 MW Windturbinen.

Repower Systems aus Hamburg liefert 2007 erstmals 56 seiner Anlagen für einen Windpark an der Westküste in die USA. Allerdings könnte der boomende amerikanische Markt schon bald einen Rückschlag erleiden, denn Ende 2007 läuft der Steuerrabatt für Windparks in Höhe von 1,9 US-Cent pro Kilowattstunde wieder aus, und es ist nicht sicher, ob der Kongreß diese Förderung verlängert.

Im August 2007 geben die Shell WindEnergy Inc. (eine Tochterfirma des britischen Ölkonzerns und des US-amerikanischen Energieversorgers TXU) und die Firma Luminant ihren Plan bekannt, in Briscoe County südöstlich von Amarillo, Texas, einen Windpark mit einer Leistung von 3 GW zu errichten. Ein konkreter Zeitplan liegt allerdings noch nicht vor. Außerdem beteiligen die beiden Unternehmen am Konzept eines unterirdischen Druckluft-Energiespeichers (s.d.).

Federführend ist hierbei die Firma General Compression aus Massachusetts, die eine Technik entwickelt hat mit der es gelingen soll, Windenergie fast ohne Energieverluste zu speichern. Die sogenannte ,Dudelsack-Technik’ umgeht die bisherige Schwierigkeit, den von Windkraftwerken produzierten Strom zu speichern – indem die Anlagen statt Elektrizität durch einen Kompressor erzeugte Druckluft speichern. Kavernen, Salzstöcke oder leere Erdgasfelder entsprechender Größe können so mit Druckluft voll gepumpt werden. Je nach Bedarf läßt man die Druckluft dann entweichen und durch eine Turbine strömen, die einen Generator antreibt, der zuverlässig und unabhängig von den Launen des Windes Strom ins Netz speist. Die in den USA Dispatchable Wind Power System (DWPS) genannte Technik ist allerdings nicht ganz neu, denn weltweit existieren schon zwei entsprechende Anlagen, eine in McIntosh im US-Bundesstaat Alabama, die andere im niedersächsischen Huntorf. Allerdings ist der Ausgangspunkt in beiden Fällen Elektrizität, wobei der Wind unter großem Energieverlust erst in Strom, dieser in Druckluft und diese schlußendlich wieder zurück in Strom umgewandelt wird. Da General Compression dagegen auf den ersten Schritt gänzlich verzichtet, wird hier eine deutlich höhere Effizienz erreicht.

Bis die Technik tatsächlich angewandt wird, wird es allerdings noch etwas dauern, denn in den nächsten Jahren soll erst einmal weiter geforscht werden. 2010 sollen dann die ersten Prototypen gebaut werden, die kommerzielle Produktion wird 2011 beginnen.

Horse Hollow Windpark

Horse Hollow Windpark

Der texanische Investor T. Boone Pickens gibt 2007 bekannt, daß er mit seinem Unternehmen Mesa Power Windenergie-Investitionen im Bereich von 2 GW bis 4 GW tätigen will (s.u.).

2007 gilt die Windfarm des Horse Hollow Wind Energy Center der Firma FPL Energy in Taylor and Nolan County, Texas, als die weltweit größte. Die dort errichteten 421 Windturbinen (291 Stück GE Energy mit 1,5 MW und 130 Stück Siemens 2,3 MW Anlagen) erzeugen gemeinsam 735 MW, der Park geht Ende 2006 ans Netz. Das Unternehmen betreibt US-weit noch weitere 46 Windparks mit einer Gesamtkapazität von 4.002 MW.

Auch die zweitgrößte Windfarm der Welt befindet sich hier: Im Mai dieses Jahres geht der vierte Anlagenteil im Sweetwater wind project in Betrieb, sodaß die Leistung insgesamt 504,8 MW erreicht – wobei der fünfte Teil, derzeit noch im Entstehen, weitere 80,5 MW hinzufügen wird.

Der drittgrößte Windpark wird derzeit im Nordosten Colorados errichtet. Das Bauprojekt des Peetz Table Wind Energy Centre soll Ende 2007 abgeschlossen werden und dann 400 MW leisten.

Der o.g. Windlader von Prof. Shashank Priya der University of Texas wird im August 2007 als Prototyp vorgestellt. Der Orange Mobile Wind Charger ist nun etwas größer, wiegt 150 g und produziert ein halbes Watt. Die Aufladung eines Handys dauert damit rund 1 – 2 Stunden.

Ende September 2007 feiert die Siemens Power Generation in Fort Madison, Iowa, die Eröffnung einer neuen Produktionsstätte für Rotorblätter mit einem Jahresausstoß von 600 Blättern. Die 45 m langen und 10 t schweren Blätter sind für die 2,3 MW Windkraftanlagen gedacht, die überall in den USA aufgestellt werden. Im Oktober werden Pläne für zwei weitere große Produktionsanlagen in Arkansas und Iowa bekannt.

An der University of Cambridge wird im November 2007 der weltweit erste kommerzielle 3-Phasen Bürstenlose Generator (Brushless Doubly-Fed Generator, BDFG) für eine 20 kW-Windturbine entwickelt, der Anfang 2008 installiert werden soll.

BDFG Generator

BDFG Generator

Die Florida Power & Light Company (FPL Energy) gilt derzeit als führender Entwickler und Betreiber von Windparks (obwohl das Unternehmen auch andere Energien nutzt, darunter sogar Kernkraftwerke). Die Firma plant ihre Kapazität bis Ende 2008 um 2.000 MW Windenergie zu erhöhen, weitere 2.000 MW sollen bis 2012 folgen, so daß man dann insgesamt über 10 GW Windenergie anbieten kann.

Laut der American Wind Energy Association legen die Wind-Kapazitäten in den USA 2007 um beachtliche 45 % zu. Durch die Neuinstallation von 5.244 MW wächst die Gesamtkapazität auf 16.818 MW an, was für etwas über 1 % des US-Verbrauchs deckt. Die meisten neuen Anlagen werden in Texas errichtet, andere Bundesstaaten mit umfangreichen Aktivitäten sind Kalifornien, Iowa und Minnesota. 2008 sollen weitere 5.000 MW errichtet werden.

Im Januar 2008 geht die 300 MW Cedar Creek Windfarm in Colorado, 140 km nordöstlich von Denver, ans Netz. Die Investitionskosten betragen mehr als 480 Mio. $, die Farm befindet sich zu zwei Dritteln im Besitz der weltweit operierenden Babcock & Brown, und zu einem Drittel im Besitz der BP Alternative Energy. Der erzeugte Strom geht an die Public Service Company of Colorado, eine Tochter der Xcel Energy Inc.

Einen Monat später werden in Texas die bislang höchsten Windturbinen der USA installiert. Die 105 Stück ,V90’ Anlagen von Vestas mit je 3 MW und einer Nabenhöhe von 105 m sind Teil der 63 MW Snyder Windfarm, die von den Firmen Enel SpA und GE  Energy Financial Services aufgebaut wird.

Die Dine Power Authority der Navajo Nation bildet zusammen mit der Bostoner Firma Citizens Energy Corp im März 2008 ein joint venture, um auf dem Land des Stammes im Westen der USA ein 500 MW Windkraftprojekt zu verwirklichen. In der Navajo Nation, die sich über Gebiete der Bundesstaaten Arizona, New Mexico und Utah erstreckt, leben rund 200.000 Menschen, von denen viele weder Strom noch fließendes Wasser haben.

Ebenfalls im März 2008 unterzeichnet GE einen Vertrag im Umfang von 1 Mrd. $, um Turbinen mit einer Gesamtleistung von 750 MW an die Invenergy Wind LLC aus Chicago zu liefern. Diese sollen in verschiedenen, im Laufe des Jahres 2010 zu errichtenden Windfarmen in den USA installiert werden. Parallel dazu berichtet die Presse von dem Plan des US-Stromkonzerns Southern California Edison, rund 100 km nördlich von Los Angeles einen der größten Windparks des Landes und vermutlich auch der Welt zu errichten. Bis 2013 sollen dabei im Tehachapi Renewal Project Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 4.500 MW installiert werden.

Im April 2008 stellt der Heidenheimer Anlagenbauers Voith einen neuentwickelten WinDrive vor, der aus unterschiedlich starkem Wind eine konstante Frequenz erzeugt, die direkt ins Stromnetz eingespeist werden kann, ohne daß dabei ein Frequenzumrichter benötigt wird, wie dies bislang der Fall ist. Das Antriebsprinzip basiert auf einem hydrodynamischen Drehmomentwandler in Kombination mit einem Planetengetriebe, das als Überlagerungsgetriebe ausgeführt ist. Die hydrodynamischen Regelkomponenten besitzen eine vergleichbare Leistungscharakteristik wie ein Windrotor und lassen sich deshalb sehr gut damit koppeln. Die Serieneinführung des WinDrives soll im Laufe des Jahres in den USA erfolgen, die weltweite Markteinführung steht dann bis 2012 an. Voith will zunächst exklusiv mit der Betreiberfirma DeWind, die kürzlich von der amerikanischen CCL Group übernommen wurde, zusammenarbeiten.

WinDrive von Voith

WinDrive von Voith

Im April 2008 nehmen die Pläne des texanischen Investors T. Boone Pickens konkretere Formen an. Sein Unternehmen Mesa Power wird im Laufe der kommenden vier Jahre 10 Mrd. $ in die weltweit größte Windfarm mit einer Kapazität von 4 GW investieren, was zur Versorgung von 1 Million Haushalten ausreicht und der Leistung von zwei durchschnittlichen Kernkraftwerken entspricht. Nun soll das entsprechende Land gekauft und die ersten der 2.700 geplanten Windturbinen bestellt werden. Pickens betont allerdings in einem Guardian-Interview: „Don’t get the idea that I’ve turned green. My business is making money, and I think this is going to make a lot of money.” Später macht ihm jedoch die Finanzkrise von 2008/2009 einen Strich durch die Rechnung (s.u.).

Ebenfalls im April 2008 wird Rock Port die erste Gemeinde der USA, die zu 100 % mit Windstrom versorgt wird. Die Loess Hills Windfarm besteht aus vier Suzlon ,S-64’ Windturbinen mit jeweils 1,25 MW.

Im Mai 2008 stellt das Department of Energy (DOE) einen Bericht vor, dem zufolge in den USA im Jahre 2030 bis zu 20 % des Bedarfs an elektrischer Energie mit Windkraftanlagen gedeckt werden könnte. Allerdings müßten dafür u.a. die Herstellungskapazitäten ausgeweitet werden, um die Zahl der neu errichteten Anlagen auf 7.000 Stück im Jahr 2017 zu erhöhen. Derzeit stehen in den USA Windräder mit einer Leistung von 18,6 GW, und bis 2030 müßte die Kapazität auf 304 GW anwachsen, um das 20 % Ziel zu erreichen. Ein Sechstel der Anlagen könnte dabei in den Küstengewässern errichtet werden. Die theoretischen Kapazitäten der USA betragen 8.000 GW, was mehr als genug ist, um den gesamten US-Bedarf zu decken.

Während die Kapazitäten 2007 um insgesamt 5,2 GW gewachsen sind, werden alleine schon im ersten Quartal 2008 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 1,4 GW aufgestellt.

GE gewinnt im Mai 2008 mit 2 Mrd. $ den bislang größten Auftrag der Windkraftindustrie von dem Ölmilliardär T. Boone Pickens, der 667 Stück der 1,5 MW Windenergieanlagen von GE für einen Einzelpreis von 3 Mio. $ bestellt. In der ersten Phase des sich bis 2014 erstreckenden Projekts sollen im Laufe des Jahres 2010 insgesamt 1.000 MW Leistung installiert werden, die 2011 ans Netz gehen sollen.

Pickens ist einer der Motoren hinter dem sogenannten ,Windkorridor-Projekt’, das sich von Sweetwater bis nach Kanada erstrecken und in 10 bis 20 Jahren 2 – 3 GW Windstrom in das US-Netz einspeisen soll.

Das kalifornische Unternehmen Clipper Windpower wird unter dem Namen ,The Britannia’ die weltgrößte Windenergieanlage mit 7,5 MW herstellen, wird im Mai 2008 gemeldet – und zwar mit Investitionsgeldern der britischen Königin Elisabeth. Die 100 m hohe Turbine hat einen Rotordurchmesser von 150 m und übertrifft damit die derzeit größte WEA der Welt, die 7 MW Enercon-Anlage ,E-126’. Der Vertrag wird mit der englischen Crown Estate geschlossen, die den größten Teil des küstennahen Seebodens besitzt und dieses an Offshore-Windfarmprojekte verleast.Der neue Prototyp gehört zu den Bemühungen Großbritanniens, bis 2020 rund 33 GW durch Offshore-Windparks zu erzeugen (Anm.: Laut verschiedenen Quellen soll die britische Königin Elizabeth II die größte Landbesitzerin der Welt sein. Sie ist das Staatsoberhaupt nicht nur von Großbritannien, sondern auch von 31 anderen Ländern und Territorien, und sie ist – wohlgemerkt als Person! – der private Eigentümer von ca. 27 Millionen Quadratkilometer Land, mehr als 1/6 der gesamten Landfläche der Erde…)

Im Juni 2008 wird der erste Vertrag für die Errichtung einer Offshore-Farm mit 67 Windenergieanlagen rund 18, 5 km vor der Küste des Bundesstaates Delaware unterzeichnet. In den Folgemonaten wollen auch Rhode Island und New Jersey Windprojekt-Entwickler auswählen, um ähnliche Offshore-Projekte zu verwirklichen.

Im gleichen Monat meldet Siemens Energy & Automation, daß man in Elgin, Illinois, für 20 Mio. $ eine zweite Fabrik zur Herstellung von Windenergie-Maschinen errichten wird, die im März 2009 ihre Produktion aufnehmen soll.

Im Juli 2008 meldet die American Wind Energy Association (AWEA), daß die USA Deutschland im Laufe der ersten Jahreshälfte 2008 als weltgrößter Windstromproduzent überrundet habe. Grund dafür ist das bessere Windaufkommen in den USA.

Ebenfalls im Juli 2008 wird grünes Licht für die Errichtung der bislang weltweit größten Einzel-Windfarm gegeben. Die 303 Turbinen der Caithness Shepherds Flat Windfarm südöstlich von Arlington in Oregon werden 909 MW produzieren, was für mehr als 225.000 Haushalte ausreicht. Im August unterzeichnet die Southern California Edison (SCE) einen entsprechenden 20-Jahres-Vertrag mit der DCE, einem Schwesterunternehmen der Caithness Energy, um das Projekt bis 2011 oder 2012 zu realisieren.

Im Juli 2008 wird auch der Plan einer 2.000 MW Windfarm auf der Ranch des Milliardärs Philip Anschutz in Carbon County, Wyoming, bekannt. Parallel dazu sollen Stromleitungen mit einer Kapazität von 3 GW zwischen Wyoming und Südkalifornien errichtet werden, um den Strom zu den Verbrauchszentren Las Vegas und Phoenix zu transportieren.

Ein noch wesentlich größeres Projekt verfolgt ein joint venture von Clipper Windpower und BP Alternative Energy, das ebenfalls im Juli 2008 gebildet wird. Hierbei geht es um das Titan-Windenergie-Projekt (ehemals Rolling Thunder-Projekt) im Süden Dakotas, wo im Endausbau 5.050 MW Windstrom erwirtschaftet werden sollen. Eingesetzt werden hier bis zu 2.020 Stück der 2,5 MW Liberty Windturbine von Clipper Windpower, die als die größten innerhalb der USA gefertigten Anlagen gelten.

Im August 2008 meldet die Siemens AG, daß sie 44 Stück ihrer 2,3 MW Windturbinen für die Keenan Windfarm in Woodward County, Oklahoma, liefern wird, die 2009 in Betrieb gehen soll. Die in dem Bundesstaat bereits installierten 700 MW werden durch die neue Farm um weitere 101 MW erweitert. Insgesamt weisen die Auftragsbücher von Siemens in diesem Geschäftsjahr Aufträge aus den USA im Gesamtumfang von mehr als 1,5 GW aus.

Einen ungewöhnlichen Vorschlag macht im August 2008 New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, der seine Stadt zukünftig mit Windstrom von Offshore-Anlagen, Windturbinen auf Hochhäusern und Brücken, Wasserkraft aus dem Hudson und dem East River sowie einem Ausbau der Solarenergie versorgen möchte. Bloomberg ruft private Unternehmen und Investoren dazu auf, die Implementierung von Windenergieanlagen in der Stadt zu untersuchen und Angebote abzugeben. Die Offshore-Turbinen könnten im Atlantischen Ozean rund 40 km vor Manhattan installiert werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Meldungen erreicht diese auch die Mainstream-Medien, wo man sich beeilt ‚Experten’ als Bedenkenträger aufzubieten, die Bloombergs Pläne wunschgemäßt für unrealistisch halten.

In einem Gespräch mit Spiegel-Online argumentiert Peter Quell, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung bei der Repower Systems AG, daß heutige Windenergieanlagen der Megawattklasse einen Rotordurchmesser bis zu 126 Metern haben und hohe dynamische Reaktionskräfte hervorrufen. Brücken und Hochhäuser sind für diese hochdynamischen Lasten aber nicht ausgelegt, wodurch es eher unwahrscheinlich ist, daß diese Bauwerke derart große Turbinen tragen können… als ob irgend jemand von solch einer hirnrissigen Idee gesprochen hätte!

Der Direktor des New Yorker Langzeitplanungsbüros Rohit Aggarwala weist demgegenüber darauf hin, daß Turbinen auf Gebäuden selbstverständlich wesentlich  kleiner ausfallen würden als Offshore-Anlagen und denkt dabei an Senkrechtachser des Darrieus-Typs, wie sie von verschiedenen Unternehmen bereits angeboten werden und die man gut in die Gebäude integrieren könne.

Em August 2008 gibt der mit 23 % Marktanteil weltgrößte Windturbinen-Hersteller Vestas bekannt, daß man unter anderem drei neue Produktionswerke für Windkraft-Getriebe in Colorado hochziehen wird. Das erste US-Herstellungswerk für Rotorblätter von Vestas in Windsor, Colorado, ist bereits im März dieses Jahres eröffnet worden. Geplant sind nun ein Montagewerk in Brighton, wo sich bereits eine weitere Anlage zur Produktion von Rotorblättern befindet, sowie ein Turbinenwerk in Pueblo, ebenfalls in Colorado. Als Investitionssumme nennt Vestas einen Betrag von 293,04 Mio. $ (~ 200 Mio. €).

Im August 2008 gibt die GE Energy Financial Services bekannt, daß man 141 Mio. $ in die 180 MW Tatanka Windfarm investieren wird, die sich im Besitz des spanischen Windenergieanlagen-Produzenten Acciona befindet und die im Vormonat in Betrieb gegangen ist. Die Windfarm, die 381 Mio. $ gekostet hat, steht an der Grenze wischen Nord- und Süd-Dakota und ist mit 120 Acciona 1,5 MW Turbinen ausgestattet. Sie ist die erste Farm in Nordamerika, die ausschließlich von der Acciona errichtet wurde, die Anfang des Jahres in Iowa eine eigene Produktionslinie eröffnet hat.

Das US-Unternehmen Juhl Wind unterzeichnet im August 2008 eine Vereinbarung für Machbarkeitsstudien von drei neuen Windfarmen in Minnesota. In Thief River Falls soll ein 20 MW Projekt, in St. Peter ein 5 MW Projekt und in Granite Falls ein 5 MW – 10 MW Projekt mit einer Gruppe Farmer umgesetzt werden. Damit beschäftigt sich das Unternehmen derzeit mit Planungen für 19 Windparks.

Im September 2008 passiert in den USA sehr viel  – auch die Informationslage verbessert sich zusehends:

Die Firma First Wind (ehemals UPC Wind) gibt Anfang des Monats bekannt, daß die Lehman Brothers Holdings Inc. in das 20 MW Steel Winds Projekt in Lackawanna, an den Ufern des Erie Sees südlich von Buffalo, New York, investieren wird. Mit Hilfe von Krediten der HSH Nordbank and Nord LB waren dort im Vorjahr acht 2,5 MW Liberty Windturbinen aus den Clipper-Werken in Cedar Rapids aufgestellt worden, die im Juni 2007 in Betrieb gegangen sind.

Das US-Unternehmen Duke Energy kündigt an, daß man Anfang 2009 mit der Errichtung des Campbell Hill Windpower project nahe Casper, Wyoming, beginnen wird. Dort werden 66 Windenergieanlagen 150 MW produzieren. Außerdem vereinbart das Unternehmen mit General Electric den Kauf von 100 WEA mit einer Gesamtleistung von 150 MW, die im Laufe des Jahres 2010 an verschiedenen Standorten in den USA errichtet werden sollen.

Die Australische Investmentfirma Babcock & Brown gibt den Beginn der Errichtung seiner 79,5 MW Majestic Windfarm nahe Panhandle, Texas, im Nordwesten von Amarillo, bekannt. In Betrieb gehen soll die Farm noch vor Ende des Jahres. 2009 soll dann das Majestic II Projekt folgen, anschließend ist ein 1.000 MW Panhandle Windprojekt geplant, sobald die notwendige Netzanbindung steht. Das Unternehmen hat zu diesem Zeiptpunkt vier weitere Windenergie-Projekte im Bau: das Gulf Winds Project in Kenedy County, Texas (283 MW), das South Trent Project in den Nolan and Taylor counties, Texas (101 MW), das Wessington Springs Project in South Dakota (50 MW) sowie das Butler Ridge Project in Wisconsin (54 MW). Die fünf aktuellen Projekte haben zusammen eine Nominalleistung von 567,5 MW und erfordern ein Investituionsvolumen von über 1 Mrd. $. Auch die dezeit größte Windfarm in Texas wird von Babcock & Brown betrieben, es ist die Sweetwater Windfarm mit einer Leistung von 585 MW.
Die AES Corp. meldet die Inbetriebnahme einer 170 MW Erweiterung der Buffalo Gap 3 Windfarm nahe Abilene, Texas, die damit eine Gesamtkapazität von 524 MW erreicht. Der erwirtschaftete Strom wird an den texanischen Stromanbieter Direct Energy verkauft. Texas ist mit 5.604 MW installierter Windkraft-Kapazität damit US-weit führend.

Die Public Service Commission in New York genehmigt der spanischen Iberdrola S.A. den Kauf der Firma Energy East aus Maine, die in fünf US-Bundesstaaten aktiv ist. Iberdrola hatte Anfang des Sommers erklärt, daß man bei einer positiven Entscheidung mindestens 2 Mrd. $ in den Ausbau der Windenergie in New York investieren wird.

Die University of Oklahoma unterzeichnet einen Vertrag mit der Oklahoma Gas and Electric Co., demzufolge die Universität ab 2013 ausschließlich mit Windstrom versorgt werden wird. Hierfür wird die OG&E in der Nähe von Woodward, Oklahoma, eine kommerzielle 100 MW Windfarm mit dem Namen OU Spirit errichten, die 2010 in Betrieb gehen soll.

Das Unternehmen Northern Power Systems in Barre, Vermont, meldet, daß seine Mutterfirma Wind Power Holdings 37 Mio. $ zum Ausbau seiner Produktionskapazitäten eingeworben habe. Damit sollen nicht nur die kleinen 100 kW Northwind 100 Turbinen weiterentwickelt werden, sondern auch eine neue 2,2 MW Anlage mit Permanentmagnet-Generator, die für kommerzielle Windfarmen gedacht ist.

Die KILI radio station im Reservat Pine Ridge in South Dakota (die ,Stimme der Lakota’) errichtet eine 65 kW Windenergieanlage, um den Sendebetrieb zukünftig ohne Beeinträchtigung der Umwelt zu gewährleisten.

Installation einer WEA bei der KILI radio station

KILI radio station

Entsprechend einer Bekanntmachung der American Wind Energy Association (AWEA), die ebenfalls im September 2008 erfolgt, seien im vergangenen Jahr 2007 in den USA über 10.000 kleine Windturbinen verkauft worden. Es besteht eine Auswahl unter Hunderten von Modellen mit monatlischen, windabhängigen Erträgen von 400 kWh bis 1.000 kWh und zu Preisen zwischen 14.000 $ und 60.000 $.

Im internationalen Vergleich sind in den USA zu diesem Zeitpunkt mit 20,152 MW zwar nominell weniger Winkraftkapazitäten installiert als in Deutschland mit seinen 23,000 MW, aufgrund des besseren Windaufkommens hat sich die USA aber bei der tatsächlich produzierten Strommenge (56 Mrd. kWh/a) zwischenzeitlich an die Weltspitze geschoben. Die Windkraft versorgt bereits 5,3 Millionen amerikanische Haushalte mit Strom. Im Laufe des Jahres 2008 wird ein Zubau von weiteren 7.500 MW erwartet.

Die Firma Emerging Energy Research (EER) geht davon aus, daß bis 2020 eine Gesamtkapazität von 150 GW erreicht werden kann, wobei bis 2030 von einer weiteren Verdoppelung dieser Menge ausgegangen wird. Pro Jahr müssen hierfür 18.000 MW neu installiert werden.

Negativ wirkt sich dagegen eine Studie der Frontier Pro Services aus, derzufolge 60 % aller Windturbinen in den USA nicht ausreichend gewartet werden. Grund hierfür sie der Mangel an qualifizierten Fachkräften für diese Arbeiten. Selbst die grundlegendsten Anforderungen wie der turnusmäßige Ölwechsel und das Schmieren der Getriebe würde nur mit großen Verspätungen erfolgen. Als Resultat konstatiert die Studie eine signifikante Steigerung der Reparaturkosten.

Im Oktober 2008 geht es ähnlich intensiv weiter:

Die Roscoe Windfarm in Texas soll bis Mitte 2009 von derzeit 335 MW auf die doppelte Leistung ausgebaut werden, dann stehen hier 627 Windturbinen mit einer Gesamtkapazität von 781,5 MW. Die Farm ist eine der sechs E.ON-Farmen in den USA, von denen sich fünf in Texas befinden: Neben der Roscoe Windfarm stehen diese in Panther Creek (143 MW), in Big Spring, Forest Creek (124 MW), in Sand Bluff (90 MW) und in Big Spring (35 MW). In Munnsville, New York, befindet sich eine weitere Farm mit 35 MW Leistung.

Aeronautica Windpower in Plymouth, Massachusetts, startet das ,Ultimate Recycling Project’, bei dem ausgemusterte WEA früherer Generationen runderneuert und an Farmer in den USA verkauft werden sollen. Das Unternehmen rechnet damit, daß mehr als 10.000 Windkraftanlagen aus den 1980er und 1990er Jahren bald durch größere und modernere Anlagen ersetzt werden. Als Kunden bieten sich die 2,6 Millionen Farmer des Landes an, da sich die alten 65 kW und 100 kW Anlagen optimal für die Bewässerung und andere landwirtschaftliche Einsatzbereiche eignen.

Das italienische Windenergie-Unternehmen Enel SpA gibt die Inbetriebnahme einer 250 MW Windfarm in Kansas bekannt, dem bisher größten Projekt der Enel in den USA. Die Smoky Hills Anlage, 30 km westlich von Salina gelegen und aus einer Mischung von 1,8 MW Vestas- und 1,5 MW GE-Turbinen bestehend, kann den Strombedarf von 85.000 amerikanischen Haushalten decken.

Auch die Rosebud Sioux wollen in die Windenergie einsteigen. In Süd-Dakota wird der Owl Feather War Bonnet Windpark mit einer Leistung von 30 MW geplant – nach fünfjährigen Verhandlungen mit der Distributed Generation Systems Inc. aus Colorado. Damals wurde bereits eine 750 kW Windturbine zur Versorgung des Rosebud Casino nahe der Grenze zu Nebraska errichtet.

Die Indianapolis Power & Light Co. und enXco, ein Unternehmen der EDF Energies Nouvelles arbeiten an Plänen für den 102 MW IPL Hoosier Windpark in Benton County bei Fowler, Indiana, etwa 144 km nordwestlich von Indianapolis.

American Superconductor aus Devens, Massachusetts, vergibt an den südkoreanischen Schiffbaukonzern Hyundai Heavy Industries Lizenzen für zwei Windkraftanlagen-Typen (1,65 MW und 2 MW). Außerdem wird das US-Unternehmen die elektronischen Kernkomponenten für die Turbinen liefern. Hyundai will Ende 2009 mit der Produktion der ersten 1,65 MW Anlagen beginnen. Eine ähnliche Lizenz war bereits im Juni für Taiwan und den chinesischen Markt an die taiwanesische Teco Electric & Machinery vergeben worden. Die weiteren Kunden von American Superconductor sind Indien, China und die Türkei.

Higher Perpetual Energy (HPE) und DeWind gründen ein Joint-Venture zur Durchführung von Windprojekten in Texas. Mit eine Investition von 1,2 Mrd. $ sollen 310 Stück DeWind D8.2 Turbinen an verschiedenen Standorten insgesamt 620 MW ans Netz bringen.

First Wind aus Boston erhält die Zustimmung des Bureau of Land Management (BLM) für sein 203 MW (andere Quellen: 300 MW) Milford Wind-Korridor Projekt nahe Milford, Utah, mit dessen Bau das Unternehmen im Folgemonat beginnt. Die Errichtung der 97 Windkraftwerke soll bis Ende 2009 abgeschlossen sein.

BP Wind Energy gibt den vollen kommerziellen Betrieb der Phase I des Sherbino Windpark in Pecos County in West-Texas, etwa 65 km östlich von Fort Stockton, bekannt. Die ersten 150 MW des Projekts mit einer potentiellen Kapazität von 750 MW sind im Rahmen eines 50:50 Joint-Venture mit der Firma Padoma Wind Power LLC, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der NRG Energy Inc. errichtet worden. In der Phase I kommen 50 Vestas V-90 Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von jeweils 3 MW zum Einsatz.

Ebenfalls in Betrieb geht ein 60 MW Farm der BP etwa 130 km südwestlich von Dallas. Der Silver Star Windpark besteht aus 24 Stück 2,5 MW Liberty Turbinen von Clipper Windpower. Der in London ansässige Ölkonzern engagiert sich zunehmend auf dem lukrativen US Onshore-Markt und läßt dafür Pläne für Windfarmen in Großbritannien, China, Indien und der Türkei fallen.

Die Firma We Energies aus Milwaukee beantragt die Genehmigung für den Bau des Glacier Hills Windpark 72 km nordöstlich von Madison, Wisconsin. Dort sollen bis zu 90 Windkraftanlagen rund 207 MW Strom erzeugen.

Die Goodhue Wind LLC plant ein 78 MW in Goodhue County, Minnesota, das Ende 2009 oder Anfang 2010 in Betrieb gehen soll.

Der Stromversorger Southern California Edison (SCE) bestätigt Planungen für den Bau eines 909 MW Windparks in Oregon. Die 303 Stück 3 MW Windenergieanlagen des Shepherd’s Flat Projekts der Firma Caithness sollen in einem Radius von 30 Meilen in den Landkreisen Morrow und Gilliam verteilt werden.

Der Verband der US-amerikanischen Windindustrie (AWEA, American Wind Eenrgy Association) berichtet, daß sich die Windindustrie in den USA zum Jobmotor entwickle. Bereits 50 % der neu installierten Anlagen stamme inzwischen aus heimischer Produktion, Tendenz steigend. 2008 sind mehrere neue Fabriken entstanden oder vergrößert worden, außerdem liegen bereits Planungen für 19 weitere vor.

Auch im November 2008 gibt es viele neue Meldungen:

Die Finanzkrise macht es sogar dem Milliardär T. Boone Pickens schwer, die 10 – 12 Mrd. $ für seine geplante 4 GW Windfarm zusammen zu bekommen. Dadurch hat er mehr Zeit, sich um die Gründung seiner New Energy Army zu kümmern, die aus 2 Mio. Mitgliedern besteht – zumindest haben sich bis zum März 2009 so viele Interessenten auf seiner Website registrieren lassen. Und gebaut werden soll auf jeden Fall, schließlich sind bei GE bereits 667 Windkraftanlagen im Wert von 2 Mrd. $ bestellt.

Pickens verfolgt seit Juli 2008 ein gigantisches Energieprojekt, mit dem bis zu 20 % des US-Stromverbrauchs gedeckt werden könnten. Der sogenannte Pickens Plan sieht für die nächsten zehn Jahre Investitionen über 150 Mrd. $ in Biokraftstoffe und die Windenergie vor, wobei vorgeschlagen wird, einen Korridor von Windkraftwerken zu bauen, der sich von der kanadischen Grenze bis nach Texas erstreckt. Später wird die Idee auf 5 oder 6 kleinere Windparks im Mittleren Westen oder in Texas zusammengestrichen. Laut dem Wall Street Journal verliert Pickens selbst rund 400 Mio. $ durch sein Projekt. Allein die Marketingkampagne, mit der er das Projekt bekannt machte, verschlang 58 Mio. $.

Die Firma Duke Energy startet den kommerziellen Betrieb ihrer 59 MW Ocotillo Windfarm, in Howard County, Texas. Gleichzeitig wird eine 30 MW Farm westlich von Cheyenne, Wyoming, in Betrieb genommen. Außerdem gibt das Unternehmen Projekte im Umfang von 5 GW in verschiedenen anderen Regionen des Landes bekannt.

Wild Horse Windfarm

Wild Horse

Im Rahmen des 100 Mio. $ Wild Horse Wind- und Solarprojekts bestellt die Puget Sound Energy (PSE) die ersten 22 Vestas-Turbinen. In Betrieb gehen soll die Anlage Ende 2009.

GE verschifft sein 10.000stes 1,5 MW Windkraftwerk. Dieses Modell ist bereits in 19 verschiedenen Ländern im Einsatz.

Wal-Mart vereinbart mit Duke Energy, rund 360 seiner Shops in Texas mit Windkraft zu versorgen, das Projekt soll bereits im April 2009 abgeschlossen sein. Der benötigte Strom soll von dem 150 MW Notrees Windkraftprojekt stammen, das in Kürze in Betrieb gehen wird.

Die Firma Danotek Motion Technologies gibt bekannt, daß sie 14,5 Mio. $ von CMEA Ventures, StatoilHydro Venture und GE Energy Financial Services bekommen habe, um ihre Technologie weiterzuentwickeln. Der patentierte Permanentmagnet-Generator mit variabler Geschwindigkeit von Danotek soll pro Anlage 1 Mio. $ einsparen.

Finavera Renewables gibt Pläne für vier Windkraftprojekte im Nordosten von British Columbia mit einer Gesamtleistung von 295 MW bekannt und unterzeichnet ein Memorandum of Understanding mit GE. Die Investitionskosten werden auf rund 800 Mio. $ geschätzt. Im Einzelnen sehen die Planungen folgendermaßen aus: Bullmoose Wind Energy Projekt (60 MW), Meikle Wind Energy Projekt (bis zu 118 MW), Wildmare Wind Energy Projekt (72 MW), und Tumbler Ridge Wind Energy Projekt (45 MW).

Xcel Energy und enXco geben Pläne für Windkraftprojekte im Umfang von 351 MW in Minnesota und Nord-Dakota bekannt, die bis Ende 2010 bzw. 2011 umgesetzt werden sollen. Im Laufe der kommenden drei Jahre sollen hierfür rund 900 Mio. $ investiert werden. Das Nobles Windprojekt im Südwesten von Minnesota wird 201 MW aufweisen, während das Merricourt Projekt in den Gemeinden Dickey und McIntosh 150 MW leisten wird.

Die Firma enXco schließet außerdem die Finanzierung des 150 MW Shiloh II Windenergie-Projekts in der Montezuma Hills Wind Resource Area (Gemeinde Solano, Kalifornien) ab. Eingesetzt werden 75 Stück REpower 2 MW Turbinen.

Die University of Oklahoma will bis 2013 komplett auf Windenergie umstellen. Details darüber gibt es noch nicht.

Das Start-Up Catch the Wind Ltd. aus dem US-Bundesstaat Virginia stellt ein neues Lichtleiterlasersystem vor, das Windgeschwindigkeiten und Windrichtung in einem Abstand von bis zu 1.000 Metern vor einer Windkraftanlage messen kann. Dadurch wird den riesigen Maschinen die Möglichkeit geben, sich entsprechend rechtzeitig anzupassen, was die Effizienz der Windmühlen um bis zu 10 % steigern, gleichzeitig aber auch Schäden vermeiden helfen soll.

Catch the Wind hat die bislang für Wettermessungen genutzte LIDAR-Technik so angepaßt, daß sich das kleine, stabile und leichte Gerät direkt auf eine Windturbine setzen läßt. Es sendet drei unsichtbare Laserstrahlen in den Bereich vor der Turbine aus, die gleichzeitig sowohl vertikale als auch horizontale Windgeschwindigkeiten in unterschiedlichen Abständen messen, was eine Vorlaufzeit von rund 20 Sekunden ergibt. Eine Vorabversion des Gerätes soll im Frühjahr 2009 verfügbar sein, die kommerzielle Produktion dann Ende 2010 folgen. Der hier abgebildete Vindicator (von 2010) ist für Entfernungen von 300 m geeignet – über das für größere Entfernungen gedachte Gerät findet man keine Angaben (mehr). Im September 2009 vereinbart Catch the Wind mit dem Windturbinen-Hersteller Gamesa einen Testlauf auf einer 2 MW Gamesa G8X Turbine.

Im Dezember 2008 geht es folgendermaßen weiter:

Die Firma Clipper Windpower Plc schließt ein 50:50 Joint-Venture mit der BP Wind Energy zur Entwicklung des 5.050 MW Titan Windprojekt in Süd-Dakota.

Padoma Wind Power LLC, Tochter der NRG Energy Inc., schließt die Errichtung seiner zweiten Windfarm ab. Es handelt sich um das 122 MW Elbow Creek Windprojekt in Howard County nahe Big Spring, Texas, das mit 53 Stück 2,3 MW Siemens-Turbine ausgestattet ist.

Juhl Wind vereinbart mit der Gemeinde Winona in Minnesota die Errichtung einer 2 MW Windfarm nahe Altura. Das Projekt wird 3,6 Mio. $ kosten und soll Mitte 2009 in Betrieb gehen. Insgesamt verfolgt das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt 21 Projekte, die zusammen einen Umfang von 432 MW haben und Investitionen im Gesamtumfang von 950 Mio. $ darstellen. Juhl Wind bevorzugt kleinere Projekte, da sich diese in allen Ettappen – von der Genehmigung bis zur Umsetzung – leichter und schneller bewerkstelligen lassen. Außerdem übernimmt Juhl Wind die Firma Next Generation Power Systems (NextGen).

Die OGE Energy Corp. gibt bekannt, daß sie bis Ende 2010 weitere Windkraftanlage mit einer Gesamtleistung von 300 MW in Betrieb nehmen will. Die Unternehmenstochter OG & E verfügt bereits über 170 MW Windenergie; 50 MW stammen aus einem Stromkaufvertrag mit der FPL Energy aus dem Jahr 2003, während weitere 120 MW aus dem Windpark Centennial kommen, der sich seit 2007 im Besitz der OG & E befindet. Die zusammen 114 Windenergieanlagen stehen in den Gemeinden Woodward und Harper im Nordwesten Oklahomas.

Mount Storm Windpark

Mount Storm

Dominion und Shell WindEnergy Inc. schließen das NedPower Mount Storm LLC Windenergieprojekt ab, an dem die beiden Unternehmen jeweils zur Hälfte beteiligt sind. Das rund 190 km westlich von Washington, D.C., entlang der Höhenrücken von West Virginia in der Gemeinde Grant County gelegene Projekt mit seinen 132 Turbinen liefert nun bis zu 264 MW Strom in das Netz.

Neu gegründet wird die Firma Red Rock Wind Energy in Estherville, Iowa, die sich im kommunalen Besitz befindet. Ziel ist die Entwicklung von Windkraftprojekten in den Gemeinden  Emmet und Dickinson in Iowa. Gemeinsam mit der National Wind als Projektmanager sollen im Laufe der nächsten 3 – 5 Jahre Windgeneratoren mit einer Leistung von bis zu 300 MW errichtet werden.

Die 1.300 Bewohner von Rock Port, Missouri, haben die Ehre, in den ersten Stadt der USA zu leben, die vollständig mit Windstrom versorgt wird. Tatsächlich hat die von der Wind Capital Group  gebaute Loess Hills Windfarm sogar eine Überkapazität von 123 %. Die Farm besteht aus vier Suzlon S-64 Turbinen.

John Deere Renewables and Consumers Energy und RMT nehmen den größten Windpark in Michigan in Betrieb. Die Michigan Wind 1 Farm in der Nähe von Ubly ist Teil des ehemaligen Noble Thumb Windparks, den John Deere im Vormonat von Noble Environmental Power erworben hat. Das Projekt umfaßt 46 GE SLE Windturbinen und hat eine Gesamtkapazität von 69 MW. Ein weiteres Projekt des Unternehmens befindet sich in Huron County, zwischen den Gemeinden Pigeon und Elkton. Dieses besteht aus 32 Turbinen mit einer Gesamtleistung von 53 MW.

Auch die Amish, die ansonsten jede neuartige Technologie ablehnen, haben sich von der Windenergie-Nutzung überzeugen lassen. Insbesondere in Nappanee, Indiana, übernehmen sie die Erneuerbaren Energiesysteme sogar schneller als ihre ,konventionell-moderne’ Umgebung.

Zum Jahresende 2008 überholen die USA mit inzwischen 25.170 MW installierter Leistung Deutschland (~ 23.500 MW) als bisherige Nummer eins. Trotz Finanzkrise wurden im Laufe des Jahres rund 17 Mrd. $ in die Branche investiert. Was die Stromproduktion angeht, sind die Vereinigten Staaten schon etwas länger führend, da die dortigen Standorte im Durchschnitt besser sowie die eingesetzten Anlagen jünger und moderner sind.

Im Hinblick auf die einzelnen Bundesstaaten führt Texas mit 7.116 MW, Iowa ist Zweiter mit 2.790 MW, Kalifornien Dritter mit 2.517 MW, gefolgt von Minnesota mit 1.752 MW und Washington mit 1.375 MW. In Colorado und Oregon bestehen jeweils mehr als 1.000 MW installierter Windkraftleistung.

Da es vom Umfang her nicht mehr möglich ist, die zunehmenden Entwicklungen so detailliert wie bisher zu dokumentieren, werde ich ab 2009 dazu übergehen, nur noch tatsächlich in Betrieb genommene Windparks signifikanter Größe aufführen – sowie einzelne, besonders interessante Fortschritte usw. vorstellen.


Januar 2009:

Horizon Wind Energy, die der Firma EDP Renovaveis gehört, nimmt drei Windfarmen in Betrieb: Die 201 MW Meridian Way Windfarm in Kansas, die 102,9 MW Rattlesnake Road Windfarm in Oregon und die 201,3 MW (erste Phase) Pioneer Prairie Windfarm in Iowa.

Eurus Energy America Corp. nimmt den 180 MW Bull Creek-Windpark in Borden County, Texas, in Betrieb, der aus 180 Mitsubishi MWT-62/1.0 Turbinen mit jeweils 1 MW besteht.

Xcel Energy und enXco geben die Inbetriebnahme der 67 Stück GE 1.5 Turbines im 100,5 MW Grand Meadow Windprojekt bekannt.

Renewable Energy Systems Americas (RES Americas) nimmt die 166 MW Hackberry Windfarm in Shackelford County, Texas, in Betrieb. Das 350 Mio. $ Projekt, an dem anteilig auch die GE Energy Financial Services beteiligt ist, besteht aus 72 Siemens Windturbinen.

Terra-Gen Power LLC, eine Tochter der ArcLight Capital Partners, gibt den Kauf von sechs Windkraftprojekten der Airstream Energy LLC bekannt, die sich in Wyoming, Nebraska, Colorado, Kansas und New Mexico im Bau befinden und nach Abschluß eine Gesamtleistung von 2,5 GW erreichen warden.

Die TPI Composites Inc., Hersteller von leichten Rotorblättern für Windenergieanlagen, erhält 20 Mio. $ Investitionskapital von GE Equity und GE Energy Financial Services, Landmark Growth Capital Partners, NGP Energy Technology Partners und der Angeleno Group. Das Unternehmen hatte im Oktober 2007 bereits 22 Mio. $ eingenommen. Damals wurde auch die Lieferung von Rotorblättern an GE vereinbart.

First Wind startet die Stromproduktion der 57 MW Stetson Windfarm vor Danforth in Washington County, Maine. Hier sind 38 Stück GE 1,5 MW Windturbinen im Einsatz. Geplant ist eine zukünftige Erweiterung um weitere 25,5 MW.

Februar 2009:

American Superconductor Corp. vereinbart eine Forschungskooperation mit dem National Renewable Energy Laboratory (NREL) des DOE und dem National Wind Technology Center (NTWC) um die Wirtschaftlichkeit einer 10 MW-Klasse Supraleiter-Windkraftanlage zu bewerten.

Die französische EDF Energies Nouvelles gibt den kommerziellen Betrieb des 150 MW Shiloh II Windparks in den Montezuma Hills in Solano County, Kalifornien, bekannt, der 75 REpower-Windenergieanlagen mit je 2 MW Leistung umfasst.

Gemeinsam mit enXco, einer Tochter der EDF, gibt die MidAmerican Energy Company (MEC) 102 Turbinen für den Walnut Windpark in Pottawattamie County, Iowa, in Auftrag. Das bereits im Juni 2008 gestartete Projekt wird später von ursprünglich 100,5 MW auf 153 MW erweitert.

Die Navajo Wind Energy Corp. (früher: Caliber Energy Inc.) unterzeichnet eine Vereinbarung mit der australischen Firma Vector Industrial Designs (VID) um an der Forschung, Entwicklung und Optimierung von verschiedenen Windturbinentechnologie-Designs teilzunehmen.

Siemens Energy beginnt damit, die Rotorblättern aus seiner Herstellung in Fort Madison über einen neuen Schienenanschluß zu transportieren. Das Bewegen der 45 m langen und 12 t schweren Blätter mittels LKW bildete eine besondere logistische Herausforderung. Durch die Nutzung des nationalen Schienennetzes vermeidet Siemens den Verkehr, scharfe Kurven, Brücken mit Gewichtsbeschränkungen und andere Gefahren im Straßenverkehr.

Die RMT Inc. beendet die Bauarbeiten am Locust Ridge II Windpark in Schuylkill und Columbia County, Pennsylvania. Nach seiner Inbetriebnahme wird der Windpark 102 MW liefern.

Horizon Wind Energy nimmt die 396 MW Twin Groves Windfarm in der Gemeinde McLean nahe Bloomington, Illinois, in Betrieb.

März 2009:

Vestas beginnt mit der Errichtung von zwei Fertigungsstätten in Brighton, Colorado.

April 2009:

Invenergy Wind LLC und GE projektieren gemeinsam die Erweiterung des Grand Ridge Energy Center in Illinois mit 74 Windturbinen, um die Erzeugungskapazität auf mehr als 110 MW zu steigern.

Duke Energy gibt den Bau seiner 3. Windfarm in Wyoming bekannt. Das Silver Sage Windkraftprojekt in Cheyenne wird aus 20 Anlagen mit einer Gesamteistung von 42 MW bestehen und soll bis Ende des Jahres in Betrieb gehen.. Die anderen Projekte des Unternehmens in dem US-Bundesstaat sind die Happy Jack Windfarm, ebenfalls in Cheyenne, sowie die sich im Bau befindliche Campbell Hill Windfarm in der Nähe von Casper.

Die Southwest Windpower aus Flagstaff, Arizona, hat im Laufe von zwei Dekaden mehr als 100.000 kleine Windkraftanlagen der Modelle Skystream, Whisper und AIR in einer Preisklasse zwischen 600 $ und 3.000 $ verkauft, die auf Hausdächern, in Höfen und Gärten installiert worden sind. Nun steigt eine Gruppe von Investoren inkl. GE mit 20 Mio. $ bei dem Unternehmen ein, um das Geschäft auch in diesem Segment zu forcieren. (Über das sehr effiziente und auch ästhetisch ansprechende Modell Skystream habe ich bereits im Kapitelteil über neue Designs und Rotorformen ausführlich berichtet, s.d.).

Skystream Windrotor

Skystream

Ein solches Modell wird auch bei dem weltweit ersten Autokino eingesetzt, das sich seine Energie aus dem Wind holt. Neben der Skystream-Anlage dreht sich im Harvest Moon Holiday Twin Drive-In in Gibson City, Illinois, auch eine Windspire Vertikalachsen-Anlage von Mariah Power.

Chermac Energy Corp. aus Edmond, Entwickler der 765 MW Harper County Windfarm verkauft das Projekt an die Gestamp Wind North America. Der Bau des Windparks wird voraussichtlich 2011 starten und 2014 in den kommerziellen Betrieb gehen.

Die Oklahoma Gas and Electric (OG&E) und die University of Oklahoma legen den Grundstein für das 101 MW OU Spirit Projekt, das ab 2013 Strom ins Netz speisen soll.

In Texas startet die 202 MW Peñascal Windfarm von Iberdrola Renewables mit ihrer Stromproduktion. Installiert sind hier 84 Mitsubishi Windturbinen. Das Unternehmen erhält auch das grüne Licht für eine neue 30 MW Farm im Green Mountain Nationalpark.

Das DOE gibt bekannt, daß es die Windkraft mit 93 Mio. $ fördern wird. Im Einzelnen sollen 45 Mio. $ der Entwicklung von Antriebssystemen zugute kommen, 14 Mio. $ sind für die Technologie-Entwicklung auf dem privaten Sektor gedacht (Blattherstellung, Türme und andere Komponenten), 24 Mio. $ werden in Kooperationsprojekte zwischen Universitäten und der Industrie fließen (Material-Design, Leistungs-Messungen, analytische Modelle) und 14 Mio. $ erhält das National Wind Technology Center in Colorado.

Mai 2009:

Die Firma Siemens Energy gibt bekannt, daß sie in Hutchinson, Kansas, für 50 Mio. $ eine neue Montagestätte für Windkraftanlagen bauen wird.

Duke Energy übernimmt in Pennsylvania das 70 MW North Allegheny Windkraftprojekt des Turbinenherstellers und Projektentwicklers Gamesa Energy USA. Hier sind 35 Gamesa Windturbinen im Einsatz. Der Bau der Windfarm in den Gemeinden Blair und Cambria steht kurz vor dem Abschluß.

Der EarthEra Renewable Energy Trust hat bereits 18 Mio. $ von verschiedenen Unternehmen eingesammelt, darunter Sony, Office Depot und die University of Denver. Nun will der Trust erstmals ein Windkraftprojekt fördern. Zuwendungsempfänger ist die Northern Colorado Wind Facility in Logan County, wo bis Ende 2009 voraussichtlich. bis zu 152 MW Leistung ans Netz gehen werden.

Die Firma EarthEra Renewable Energy mit Hauptsitz in Juno Beach, Florida, bezeichnet sich mit zu diesem Zeitpunkt mehr als 18.000 MW Kraftwerksleistung als größter Erzeuger von Wind- und Solarenergie in Nordamerika. Die Tochtergesellschaft der NextEra Energy Inc. wurde 1985 unter dem Namen ESI Energy gegründet. 1998 erfolgte die Neugründung als FPL Energy, die Anfang 2009 in NextEra Energy Resources LLC umbenannt wird.

In den vergangenen drei Jahren haben private Investoren weltweit 160 Mio. $ in 18 Hersteller kleinerer Windanlagen gesteckt. Insgesamt gibt es über 200 Firmen, die auf diesem Marktsegment tätig sind, 35 % von ihnen sind in den USA beheimatet.

In Partnerschaft mit dem Massachusetts Renewable Energy Trust wird das Museum of Science in Boston im Sommer mit der Errichtung eines Testlabors für Dach-Windkraftanlagen beginnen. Bereits begonnen hat die Installation von neun Windkraftanlagen von fünf verschiedenen Herstellern.

In den Testeinsatz gehen eine 1,2 kW Windspire Vertikalachsen-Turbine von Mariah Power mit 10 m Höhe, eine 1,9 kW SkyStream 3.7 von Southwest Windpower mit einem Rotordurchmesser von 3,7 m, eine 1,5 kW Swift Anlage von Cascade Engineering mit einem Rotordurchmesser von 2,1 m, eine 6 kW Proven Anlage mit einem Rotordurchmesser von 5,5 m, sowie eine Reihe aus fünf Stück der AeroVironment AVX1000 1 kW Turbinen mit einem Rotordurchmesser von 1,5 m. Über die meisten dieser Systeme berichte ich ausführlicher im Kapitelteil über neue Designs und Rotorformen (s.d.). Leider sind bislang noch keine Ergebnisse bekannt gegeben worden (Stand: 10/2010).

Das im Februar 2008 gegründete und weltweit tätiges Unternehmen Mainstream Renewable Power erwirbt im Rahmen eines auf vier Jahre angelegten Geschäfts mit einem Umfang von 1,69 Mrd. $ von dem lokalen Windpark-Entwickler FPC Services ein Portfolio von US-Windpark-Projekten im US-Bundesstaat Illinois mit einer potentiellen Kapazität von 787 MW.

Das Portfolio umfaßt drei separate Projekte in verschiedenen Stadien der Entwicklung, von denen das am meisten fortgeschrittene das 120 MW Shady Oaks Projekt, in Lee County, Illinois, ist, dessen Bau im nächsten Jahr beginnen wird. Das 467 MW Green River Projekt, ebenfalls in Lee County gelegen, ist in der mittleren Planungsphase, der Baubeginn wird Ende 2010 erwartet. Das 200 MW Boone County Projekt befindet sich in einem frühen Entwicklungsstadium.

Juni 2009:

Acciona Energy North America eröffnet die 123 MW Red Hills Windfarm in den Gemeinden Roger Mills und Custer, in der Nähe von Elk City, Oklahoma. Die Anlage besteht aus 82 Acciona Windpower 1,5 MW Windturbinen. Es ist Accionas erstes Projekt im Bundesstaat Oklahoma.

Vom DOE gibt es weitere 13,8 Mio. $ Fördermittel für 28 neue Windkraftprojekte, die sich je zur Hälfte mit der Entwicklung und Prüfung von Windkraftanlagen bzw. mit Analysen, Planungen und Bewertungen beschäftigen.

Juli 2009:

Horizon Wind Energy, im Besitz der EDP Renováveis, eröffnet mit der Rail Splitter Windfarm in den Gemeinden Logan und Tazewell in Illinois seine 18. Installation in den USA. Die 100,5 MW Farm liegt nördlich der Stadt Lincoln.

Die Banken helfen First Wind mit 191 Mio. $ aus der Patsche. Der Betrag setzt sich aus einem 8,5-Jahres Darlehen der Alberta Investment Management aus Edmonton in Höhe von 115 Mio. $ und aus einem 1-Jahres-Darlehen der HSH Nordbank in Höhe von 76 Mio. $ zusammen.

Die Sumitomo Corporation of America (SCOA) und die Sumitomo Corporation (SC) dringen in den US Windenergie-Markt ein, indem sie von der AIG Financial Products Corp. einen Anteil von 42,5 % der Stanton Wind Energy LLC kaufen – und damit auch der 120 MW Stanton Windfarm in Martin County, Texas, die mit 80 Stück 1,5 MW GE Turbinen im Februar 2008 in Betrieb gegangen ist. Die restlichen Anteile übernehmen die GE Energy Financial Services und die Invenergy group.

August 2009:

Eine Kreditbürgschaft des DOE in Höhe von 16 Mio. $ an die Nordic Windpower aus Berkeley, Kalifornien, soll die Kommerzialisierung der Zweiblatt-Windkraftanlagen des Unternehmens beschleunigen, die in Schweden designt worden sind. Die N1000 Windturbinen mit einer Leistung von 1 MW sind in der Herstellung um bis zu 25 % günstiger als die inzwischen fast standardisierten 3-Blatt-Rotoren.

Nordics Technologie geht zurück auf eine 20-jährige Entwicklungsförderung der schwedischen Regierung ab dem Jahr 1975 zurück, in die insgesamt 75 Mio. $ investiert wurde. Seit dem Erwerb der Technologie und dem Erhalt einer ersten großen Finanzierung durch Goldman Sachs im Jahr 2007 hat das Unternehmen mehr als 36 Mio. $ in technologische Verbesserungen usw. investiert. Die ersten Auslieferungen sollen noch vor Ende des Jahres erfolgen.

Der Windkturbinen-Hersteller Nordex USA Inc. beendet im Auftrag der Everpower Wind Holdings Inc. die Errichtung des 62,5 MW Highland-Windparks, auf dem 25 Stück der N90 Windkraftanlagen installiert sind, die ihren Strom in das Netz im Südwesten Pennsylvanias einspeisen. Es ist das bislang größte Nordex-Projekt in den Staaten.

Die Portland General Electric Co. (PGE) beendet die zweite Bauphase des Biglow Canyon Windparks mit (zusätzlichen) 65 Windenergieanlagen von Siemens Energy, was die Kraftwerksleistung auf 275 MW steigert.

Die Forscher des National Wind Technology Center in Boulder, Colorado, freuen sich über eine neu installierte 1,5MW Turbine von GE, an der sie nach Herzenslust herumforschen können. Im November folgt eine noch größere 2,1 MW Anlage von Siemens.

September 2009:

Nordex legt den Grundstein zur Errichtung einer 100 Mio. $ Produktionsanlage in Jonesboro, Arkansas, die Mitte 2010 in Betrieb gehen soll. Neben der Kanzelmontage soll bis 2014 auch eine automatisierte Blattherstellung installiert werden. Pro Jahr sollen dann 300 Turbinen der Modelle N90 und N100 das Werk verlassen, mit einer Gesamtleistung von 750 MW.

E. ON Climate & Renewables beendet die Errichtung des Panther Creek-Windparks in Big Spring, Texas. Das Drei-Phasen-Projekt, dessen erste beiden Phasen im ersten Quartal 2009 in Betrieb gingen, besteht im Endausbau aus 305 Turbinen mit einer installierten Leistung von 457,5 MW.

Ein britischer Investor zahlt 350 Mio. $ für eine Mehrheitsbeteiligung an der in New York ansässigen Everpower Wind Holdings Inc., welche den 25 Turbinen umfassenden Highland-Windpark vor Dunlo Dip Road in Adams Township entwickelt hat. Das Geld kommt von der Terra Firma Capital Partners, Übernahme-Firma des Investors Guy Hands.

Weitere 42,2 Mio. $ gibt es im Rahmen des American Recovery and Reinvestment Act Programm für erneuerbare Energien von der Bundesregierung. Mit dem Geld soll auch eine zweite Entwicklung-Phase finanziert werden, bei der ab dem Frühjahr 2010 weitere 30 Adams Township Turbinen installiert werden sollen. Die Gesamtinvestitionen werden über  200 Mio. $ betragen.

Oktober 2009:

E.ON Climate and Renewables (EC&R) beendet den Bau der gegenwärtig größten Windfarm Amerikas. Die 2007 von Airtricity begonnene Roscoe Windfarm in Texas besteht aus 627 Windturbinen von Mitsubishi, General Electric und Siemens mit einer Gesamtkapazität von 781,5 MW. Damit lassen sich bis zu 230.000 Haushalte versorgen. Der Komplex, rund 350 km westlich von Dallas erstreckt sich über vier Gemeinden und eine Fläche von mehr als 400 km2. Hierfür sind Verhandlungen mit gut 300 einzelnen Landbesitzern geführt worden, und die Gesamtkosten beliefen sich auf mehr als 1 Mrd. $.

Roscoe Windfarm

Roscoe Windfarm

Das Megaprojekt geht übrigens auf die Vision eines einzelnen Mannes zurück: Der texanische Baumwollfarmer Cliff Etheredge beginnt 2004 sich in das Thema Windenergie einzulesen. Er führt eigene Messungen, organisiert die Landbesitzer seiner Heimatstadt und sucht nach Investoren, die er schließlich in der Firma Airtricity findet. Im Oktober 2007 übernimmt E.ON das Nordamerikageschäft von Airtricity für ca. 1 Mrd. € und betrachtet das Roscoe-Projekt als Einstieg in eine starke Marktposition mit großem Wachstumspotential außerhalb Europas.

Duke Energy nimmt zwei Windfarmen in Pennsylvania and Wyoming in Betrieb, zum einen die Anfang des Jahres von Gamesa Energy USA übernommene 70 MW North Allegheny Farm, zum anderen die 42 MW Silver Sage Farm in Cheyenne. In Planung befindet sich das 200 MW Top of the World Projekt, das Anfang 2010 in Converse County, nahe Casper in Wyoming, starten soll. Hier werden 66 GE 1,5 MW sowie 44 Siemens 2,3 MW Turbinen zum Einsatz kommen.

China und die USA planen, gemeinsam in West-Texas auf 150 km2 eine der größten Windkraft-Anlagen des Landes zu bauen. Die Gesamtkosten der 600 MW Farm werden auf 1,5 Mrd. $ geschätzt, zwei Drittel der Investitionen von China übernommen werden. Dazu gibt es noch Zuschüsse aus dem 787 Mr.d $ schweren Konjunkturpaket, das der US-Kongreß im Februar beschlossen hatte.

An dem bislang größten chinesisch-amerikanischen Gemeinschaftsprojekt auf diesem Sektor sind die Kapitalgesellschaft U.S. Renewable Energy Group (US-REG) und die texanische Firma Cielo Wind Power LP, sowie die chinesischen Unternehmen Shenyang Power Group (SPG) und die SPG-Tochter A-Power Energy beteiligt, welches 240 Stück der benötigten Turbinen in ihrem Werk in Shenyang bauen und ab März 2010 in die USA liefern soll. Der Rest der Maschinen wird in den USA gebaut.

Weitere Technologien stammen von General Electric, Fuhrlander und Norwin. Das Projekt eröffnet China die Möglichkeit zum ersten Mal Windturbinen in die USA zu liefern. In Betrieb gehen soll die Windfarm im März 2011.

Drei Wochen nach Bekanntgabe des Vorhabens unterzeichnet US-REG und der chinesische Turbinenhersteller A-Power, eine Vereinbarung zum Bau einer Turbinenfabrik in den USA, die pro Jahr Windräder mit einer Nennleistung von 1.100 MW für Märkte in Nord- und Südamerika produzieren soll.  

November 2009:

First Wind beendet die Arbeiten an der ersten Phase des Milford Wind Corridor Projekts in Utah. Die in den Gemeinden Millard und Beaver gelegene Farm ist mit 97 Windturbinen bestückt, die 203 MW erzeugen.

Daß ein Standort abgelehnt wird, weil es dort zu windig ist, hört man nur selten. Geschehen tut dies im Fall der von First Wind geplanten Longfellow Windfarm in Black Mountain und den North and South Twin Mountains im Westen von Maine. 

Dezember 2009:

Eine neue Studie der Frontier Associates LLC aus Austin in Texas zeigt, daß elektrische Durchlauferhitzer mit Speichern, wie sie in etwa 53 Mio. Haushalten der USA verbreitet sind, eine sinnvolle Möglichkeit darstellen die Peaks der Spitzenbedarfs-Nachfrage zu reduzieren und überschüssigen, nächtlichen Windkraft-Strom zu speichern. Die Geräte sind für immerhin 13 – 17 % des landesweiten urbanen Stromverbrauchs verantwortlich.

GE schließt einen ‚privaten’ Vertrag in Höhe von 1,4 Mrd. $ zur Lieferung von 338 Windenergieanlagen für den 845 MW Shepherd’s Flat-Windpark in Oregon ab. Die Farm liegt in den Gemeinden Gilliam und Morrow nahe der Stadt Arlington. Ursprünglich hatte hier die Southern California Edison einen 909 MW Windpark geplant (s.o.). Das etwas verkleinerte neue Projekt wird von der Firma Caithness Energy entwickelt und soll rund 2 Mrd. $ kosten. Die aktuelle Bestellung ist der bislang größte Windkraftanlagen-Auftrag für GE. Die 2,5 MW Turbinen sollen 2011 und 2012 installiert werden.

Vietnam

Mit Unterstützung der Europäischen Union und dem Regional Institute of Environmental Technology (RIET) in Singapore wird im Mai 2001 im Rahmen einer Studie der vietnamesische Energiemarkt und die Möglichkeiten der Integration und Realisierung von Windenergieanwendungen in Vietnam untersucht. Die Studie befaßt sich auch mit der Einbeziehung lokaler Hersteller und den speziellen Anforderungen an Windkraftanlagen an dezentralen Standorten.

In Vietnam werden im Jahr 2002 rund 41 Mrd. kWh elektrischer Energie verbraucht, wobei der Stromverbrauch jährlich um 10 % – 15% steigt. Mit seiner 3.258 km langen Küste hat das Land allerdings ein großes Potential zur Nutzung der Windenergie.

Bereits 2004 soll in der Provinz Binh Dinh als erstes Pilotprojekt der Phuong Mai Windpark mit einer Kapazität von 15 MW entstehen, wobei auch schon der Ausbau bis zu einer Gesamtkapazität von 100 MW in Planung ist. Das Projekt scheint allerdings nicht umgesetzt worden zu sein.

Im Oktober 2004 geht eine 800 kW Anlage auf der Bach Long Vy Insel (Binh Dinh) in Betrieb, die von der Vietnam Youth Union entwickelt wurde.

Im Juni 2005 berichtet die vietnamesische Presse, daß die dänische International Development Agency (DANIDA) einen Kredit von mehr als 51 Mio. $ zur Verfügung stellt, um eine 50,4 MW Windfarm mit 28 WEA in Binh Dinh zu finanzieren.

Eine Studie des Institute of Energy in Hanoi geht 2006 von einer wirtschaftlich nutzbaren Windkapazität innerhalb des Landes von 3.572 MW aus, mit der über 300.000 bislang nicht elektrifizierte Haushalte versorgt werden könnten.

Im Februar 2007 installiert die wat Ingenieurgesellschaft mbH aus Karlsruhe gemeinsam mit der vietnamesischen Partnergesellschaft Global Clean Energy Environment (CEE) in der Provinz Dien Bien, nahe der Grenze zu Laos, einen 60 m hohen Meßmast. Im Falle positiver Ergebnisse soll in Kooperation mit CEE noch im Laufe des Jahres eine Pilotanlage mit einer Leistung von 600 kW installiert werden.

Im Mai 2007 unterzeichnet die wat eine weitere Kooperationsvereinbarung mit der CEE, welche die Energieversorgung der Insel Dao Canh Cuoc, die der Ha Long Bucht (Weltnaturerbe) vorgelagert ist, betrifft. Im Rahmen des Van Don Wind Power Projekts soll die Insel in zwei Schritten mit insgesamt 10 MW elektrischer Leistung in Form einer Wind/Diesel-Kombination versorgt werden. Die erste 1 MW Anlage soll bereits 2008 installiert werden.

2008 beträgt die vietnamesische Stromerzeugung rund 65,6 Mrd. kWh, ein Plus von 12,4 % gegenüber 2007. Derzeit entfallen 37 % der Stromproduktion auf Wasserkraftwerke, je etwa 25 % auf mit Erdöl- oder Gas befeuerte Anlagen, sowie 11 % auf Kohle. Nur vereinzelt sind Projekte im Bereich Windenergie (ca. 21 MW) und Photovoltaik (< 1 MW) zu verzeichnen.

Im Rahmen von internationalen Programmen der ländlichen Elektrifizierung netzferner Gebiete werden PV-Anlagen, kleine Wasserkraftwerke und kleine Windenergieanlagen installiert. Auch für geothermische Kraftwerke und große Windparks gibt es bereits konkrete Planungen. Es werden Windmessungen an rund 10 Standorten durchgeführt, z.T. mit internationaler Hilfe.

Im September 2008 verschifft die Fuhrländer AG aus dem Westerwald die ersten fünf 1,5 MW Windenergieanlagen für die 1-Binh Thuan Windfarm in Binh Thuan, der im Endausbau eine Kapazität von 30 MW haben wird. Die insgesamt 20 Turbinen der ersten Phase des 49,6 Mio. teuren Projekts sollen im Laufe des Folgejahrs aufgestellt werden. In der zweiten Phase soll der Park auf 120 MW Leistung ausgebaut werden.

Die Firma Cavico Transportation, eine Tochter der Infrastruktur-Entwicklungsfirma Cavico Corp., erhält im Dezember 2008 vom Volkskomittee der Provinz Lam Dong die Genehmigung für den Bau einer 30 MW Windfarm. Die Cavico Corp. ist das größte private Bauunternehmen Vietnams.

Im Februar 2009 gibt das vietnamesische Ministerium für Industrie und Handel bekannt, daß Vietnam bis 2020 umgerechnet 56 Mrd. $ in die Versorgung des Landes mit Elektrizität investieren will, wobei die nationale Energieentwicklungsstrategie vorsieht, die Beiträge von Wind und Sonne auf 5 % des landesweiten Energieoutputs zu steigern. Laut einer Weltbank-Studie könnte Vietnam Windkraftkapazitäten von 513.3600 MW installieren, fügt das Ministerium an – und spekuliert auf ausländische Investoren.

Für ein Küstenschutz-Projekt sowie Projekte zum Ausbau der Windenergie und der Nutzung von Kleinbiogasanlagen stellt das Bundesumweltministerium im März 2009 Vietnam insgesamt mehr als 2, 8 Mio. € zur Verfügung. Im Rahmen der Klimaschutzinitiative des Ministeriums wird die Regierung in Hanoi bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Ausbau der Windenergie unterstützt. Hierfür stehen 1 Mio. € bereit. Vietnam plant die Verabschiedung eines Förderinstruments nach dem Modell des deutschen Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG). Das vietnamesische Finanzministerium wird außerdem von deutschen Experten bei der Einführung einer Ökosteuer beraten.